Danzig - Gdansk

  • Um auf die Frage von Winnetou zu antworten: Danzig war die Hauptstadt der historischen Landschaft Pomerellen. Die historischen Landschaften entlang der Ostseeküste ab nördlich Königsbergs sind m. W. Samland, Ostpreußen, Ermland, Pomerellen, Kaschubien, Hinterpommern, Vorpommern, Mecklenburg usw. Ein historischer Name für das Gebiet zwischen Königsberg und Braunsberg in Ostpreußen kenne ich nicht.


    Viele dieser Landschaften sind durch die Kriegswirren und nationale oder ideologische Politik der Nachfolgestaaten mal mehr mal weniger in Vergessenheit geraten oder bewußt ignoriert. Der Landesname "Pommern" war durch seinen leicht verständlichen slawischen Hintergrund und dazu noch mit Ausbaumöglichkeit im Westen bei den Polen für den ganzen Küstenstrich wohl besonders populär, da poln. Pommern = Pomorze, von "po morze" = "(Das Land) am Meer".

    VBI DOLOR IBI VIGILES

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  • Am Rande sei zu erwaehnen, dass die Renovierung der Johanneskirche letztes Jahr (?) abgeschlossen wurde. Neu bedacht und mit Dachreiter, gruendlich gekaerchert und endlich wieder mit Turmuhr.


    Vorher: http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/1/11/Gdańsk%2C_widok_z_wieży_kościoła_pw._Wniebowzięcia_NMP_(5).JPG


    Nachher: http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/b/bc/Urbanistyczny_układ_Gdańska._05.JPG

    „Groß ist die Erinnerung, die Orten innewohnt“ - Cicero

  • Vor 70 Jahren ging das alte Danzig in Flammen auf. Ein Augenzeugenbericht.


    http://www.welt.de/debatte/kom…ewalt-der-Geschichte.html

    Das Kriegsende in Danzig und die Bombardierungen sind, wie bei vielen Staedten/Gemeinden in den ehem. Ostgebieten, weniger gut dokumentiert (v.a. was offizielle Quellen/Statistiken angeht) als in West- und Mitteldeutschland.


    Ich habe mir das Buch Gdansk 1945 (auf polnisch) zugelegt, eine Fotodokumentation der unmittelbaren Nachkriegszeit. Der Zerstoerungsgrad der inneren Stadtteile (Altstadt, Rechtstadt, Vorstadt, Speicherinsel) duerfte aehnlich hoch wie der von Wuerzburg sein, nur in den Randbereichen gab es einige unversehrte "Inseln". Von den grossen Kirchen im Zentrum ueberstand lediglich St. Nikolai den Brand der Stadt; in der Altstadt, die relativ kleine St. Jakob-Kirche. Die Koenigskapelle an der Nordseite von St. Marien war gebeutelt, aber in der Substanz erhalten geblieben.


    Siehe auch dieses Videofragment einer Dokumentation auf Phoenix:


    External Content www.youtube.com
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    CK

    „Groß ist die Erinnerung, die Orten innewohnt“ - Cicero

  • Ausnahmsweise mal etwas zur wirtschaftlichen Entwicklung von Danzig. Die Stadt entwickelt sich zu einem zugkräftigen Dienstleistungszentrum an der Ostsee, insbesondere durch die Auslagerung von Arbeitsbereichen von westlichen Firmen. Haben die früher vorallem in den asiatischen Raum verlagert, gehts nun tendenziell eher nach Osteuropa. Insbesondere Polen und speziell Danzig profitieren davon. Das hilft auch dabei, Investitionen für Altbauten und Neubaugebiete zu akquirieren.


    Hier ein Artikel: http://www.ft.com/intl/cms/s/0…eabdc0.html#axzz3bpH5Jbvl

  • Danke für die Bilder, Herr Königsbau!


    Meine Großmutter (Baujahr 1920) stammte auch aus Danzig. Sie bekam immer eine Zeitschrift für Vertriebene, mit dem Namen "Unser Danzig", zugesandt. Darin waren etliche Photographien der Vorkriegszeit. Als meine Oma dann gestorben war, hatten wir tonnenweise dieser Zeitschriften auf dem Dachboden. Sie hatte jedes Heft aufgehoben. Nur leider hat mein intelligenter Vater alle Hefte, zusammen mit alten Danziger Photoalben, bei einer Aufräumaktion entsorgt. :wuetenspringen:


    Das fiel mir gerade ein und musste mal erwähnt werden. - Danke Papa! :daumenunten:

  • Wie wurden eigentlich die Gebäude in Danzig rekonstruiert?
    War es zum Teil beliebig, also lediglich ein übernommener Gebäudetypus, oder oft historisch korrekt?
    Sonst würde der Wiederaufbau ja an Münster erinnern, bloss in einem deutlich größerem Maßstab.

  • Wie wurden eigentlich die Gebäude in Danzig rekonstruiert?
    War es zum Teil beliebig, also lediglich ein übernommener Gebäudetypus, oder oft historisch korrekt?
    Sonst würde der Wiederaufbau ja an Münster erinnern, bloss in einem deutlich größerem Maßstab.

    Würde mich auch interessieren. Zudem wurden ja die Hinterhöfe nicht rekonstruiert, oder ?

  • Nein die Hinterhöfe wurden bewusst nicht Rekonstruiert , ähnlich wie in Warschau zwecks besserer Belüftung und besserer Lichtverhältnisse :)

  • Soweit ich weiß wurden die meisten Bauten schöpferisch nachgebildet, aber nicht rekonstruiert. Ausnahme wahrscheinlich der Lange Markt.

    MODERNExit: Mehr Altstadt wagen!

  • Und ganz ohne haessliche Fuellbauten wie in Dresden! Dabei haette man sich nur am Nachbarn in Danzig orientieren muessen. Beides gesehen - kein Vergleich. Kann man nur hoffen, dass die Dresdner in Zukunft ihre Fuellbauten wieder einstampfen.

  • Die meisten Nachkriegshäuser in der Danziger Altstadt sind (bis auf den Langen Markt) in der Tat schöpferische Neubildungen in Anlehnung an das frühere Stadtbild, ähnlich dem Prinzipalmarkt in Münster. Das einzige Beispiel in (Ex-Ost-)Deutschland, das mir dazu direkt einfällt, sind eine Reihe von Häusern in Rostock z.B. am Neuen Markt:



    https://commons.wikimedia.org/…user_Markt.jpg?uselang=de

    https://commons.wikimedia.org/…_Westseite_2011-02-12.jpg



    https://commons.wikimedia.org/…tmitte-Neuer_Markt_11.jpg



    Hier ist man ähnlich wie in Danzig vorgegangen. D.h. kleinteilige Neubauten auf den historischen Grundstücken mit geschmückten Giebeln, wie sie eine hanseatische Altstadt typischerweise prägen. Für das geübte APH-Auge natürlich sofort als Kind der Nachkriegszeit zu erkennen. Wenn man eine Rekonstruktion der Nordseite scheut, könnte man sich zumindest daran gestalterisch orientieren, statt zeitgeistig-modernistischen Unsinn mit unpassenden Formen und Materialien zu fabrizieren.



    In der Altstadt von Danzig gibt es wie weiter oben erwähnt seit den Kriegszerstörungen nahezu komplett freie Hofbereiche hinter den Straßen-Giebelhäusern. Einer dieser Bereiche wurde jetzt mit dem "Hampton by Hilton Hotel Gdansk" gefüllt:


    http://www.skyscrapercity.com/…p=145537255#post145537255


  • Mit diesem Bauprojekt wurde bereits, wenn ich mich nicht täusche, vor zwei Jahren begonnen, wie die beiden nachfolgenden Bilder zeigen, welche ich im Sommer 2016 in Danzig aufgenommen habe.




    (eigene Fotos)

    In der Altstadt die Macht, im Kneiphof die Pracht, im Löbenicht der Acker, auf dem Sackheim der Racker.


    Hätt' ich Venedigs Macht und Augsburgs Pracht, Nürnberger Witz und Straßburger G'schütz und Ulmer Geld, so wär ich der Reichste in der Welt.

  • @erbse


    Hast du Informationen zum Baufortschritt in der Milchkannengasse / Ulica Stagiewna auf der Speicherinsel, dessen rechte Häuserzeile komplett erhalten ist, die linke (kriegszerstört) jedoch derzeit neugebaut wird. Es handelt sich um eines der grössten Bauvorhaben in Danzig, dazu ein paar Bilder von mir:








    Einziger zu dieser Zeit fertiggestellter Neubau.



    (eigene Fotos 2016)

    In der Altstadt die Macht, im Kneiphof die Pracht, im Löbenicht der Acker, auf dem Sackheim der Racker.


    Hätt' ich Venedigs Macht und Augsburgs Pracht, Nürnberger Witz und Straßburger G'schütz und Ulmer Geld, so wär ich der Reichste in der Welt.