Bericht eines Studenten

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    • Hildesheimer schrieb:

      Zeno schrieb:

      Die Architektenschaft von morgen wird also gar nicht mehr in der Lage sein, so etwas zu bauen:

      Bild 5063
      Huh - was ist das denn? Sieht aus, als hätte man auf ein Haus von ca. 1910 noch ein Einfamilienhaus aufgepfropft.
      Dieser Eindruck mag das Ergebnis von modischen Vereinfachungen und Umbauten sein. In seiner ursprünglichen Form kommt dem geschulten Augen der Vergleich mit dem "Einfamilienhaus" nicht in den Sinnn: izseljenci.slo.at/content/pictures/jakoberhaus.jpg Das Gebäude stammt aus dem Jahr 1925, nicht von 1910.


      Jeder, der sich die
      Fähigkeit erhält Schönes zu erkennen, wird nie alt werden.

      www.archicultura.ch

    • zeitlos schrieb:

      Dieser Eindruck mag das Ergebnis von modischen Vereinfachungen und Umbauten sein. In seiner ursprünglichen Form kommt dem geschulten Augen der Vergleich mit dem "Einfamilienhaus" nicht in den Sinnn: izseljenci.slo.at/content/pictures/jakoberhaus.jpg Das Gebäude stammt aus dem Jahr 1925, nicht von 1910.
      Das alte Foto macht es deutlich klarer, danke dafür. Skurril bleibt es dennoch. Die Details wirken etwas altmodisch für die 20er Jahre, daher habe ich mich in der Datierung so verhauen, denke ich. Könnte auch eine der verrückten Häusergeschichten von Gottfried Müller sein, finde ich. :)
    • Das Jakoberhaus empfinde ich mit seinen Dächern als ein Zitat der japanischen Burg Himeji.

      Sonst, zur Architektenausbildungssituation:
      NC für Einserstudenten sehe ich nicht als angebracht, eben weil damit eher künstlerische Naturen außen vor bleiben.
      Und daß zuwenig gezeichnet wird, vor allem zuwenig von Hand, ist schon seit längerem so. Es ist ein Manko, daß die ganzen zeichnerischen Berufe kaum noch existieren, denn es wäre eine gute Sache gewesen, erst dort eine Lehre zu machen und dann Architektur zu studieren.
    • Ich kann gerne in Sachen Details über ein Architekturstudium noch mehr ins Detail gehen falls das jemanden interessiert.

      Einen NC auf Architekturstudiengänge gibts es im übrigen schon an div. Hochschulen. In der Regel liegt der zwischen 2,5 und 3,0. Es gibt auch Hochschulen die einen zeichnerischen Einstellungstest durchführen oder im Vorfeld eine Mappe verlangen.

      Ein "hoher" NC kann sicherlich kontrovers diskutiert werden. Er hat vor und Nachteile.
      Momentan ist es aber eher so das Maße vor Klasse herscht.
      Dies führt im Studium zu einer Verwässerung der Lehre und es werden viele unbegabte "durchgeschleift" weil sie weniger auffallen.

      Auch im späteren Berufsleben hat, die Masse an Architekten (Absolventen genant) kaum Vorteile. Es herscht ein Überangebot an fertig Studierten die alle in den Arbeitsmarkt streben und die Gehälter kaputt machen. Es herscht auch ein Überangebot an Architekten im Sinne des Wortes (mit Bauvorlageberechtigung). So das sich viele als Ein Mann- Büros über Wasser halten müssen und im grunde nur bessere Bauzeichner sind.

      Frei nach dem Motto: Wie du bist nicht zufrieden mit dem Mindestlohn und 50h + Woche? -> der nächste bitte...
    • Sir Moc schrieb:

      Ein "hoher" NC kann sicherlich kontrovers diskutiert werden. Er hat vor und Nachteile.
      In meinem Fachgebiet (Medizin) gibt es seit Urzeiten einen NC. Dieser hat eher Nachteile als Vorteile. Im Moment geht es allerdings meinem Berufsstand wieder deutlich besser als noch vor 20-25 Jahren. Manche Stellen sind nur sehr schwer nachzubesetzen.
      Ein NC führt unter anderem dazu, dass die Frauenquote sehr hoch ist, da Mädchen überwiegend disziplinierter als Jungs in den wichtigeren Schuljahren sind. Leider führt der NC bei beiden Geschlechtern auch zu einem hohen Anteil weltfremder "Sesselpuper". Auswahlgespräche an den UNIs können das zwar mildern, aber der Anteil an "Fachidioten" ist trotzdem noch zu hoch. Ein hoher Frauenanteil führt leider wiederum zu sehr hohen Ausfällen wenn die ersten Kinder kommen. Medizin ist eben nach wie vor nur in wenigen Fachbereichen problemlos in Teilzeit zu bewältigen. Längere Abwesenheiten werden fachlich nur sehr selten toleriert.
      Ich bin sicher kein Verfechter der "Traditionelle um jeden Preis", aber ich bin gegen die "Trostlosigkeit und Langeweile im zeitgenössischen Bauen". dto.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Berkowitz ()

    • Ein interessanter Faden.

      Ich kann die grausamen Erfahrungen größtenteils bestätigen.
      Ich habe Bauingenieurwesen studiert und das Grundstudium gemeinsam mit den Architekten absolviert.

      Es war (und ist) ein Graus. Wie jemand anderes weiter vorne schon sagte: Der Architektur-Mainstream ist purer Totalitarismus.

      Wenn ich mich an die Entwurfs-Kurse zurück erinnere (etwa 10 Jahre her), wird mir heute noch anders.
      Die Professoren zwangen die Studenten regelrecht abgrundtief hässliche Platten- und Würfelkonstruktionen zu entwerfen. Das sei "modern und hipp und toll".
      Wollte man davon abweichen und seiner eigenen Kreativität freien Lauf lassen, was ein Architekt ja eigentlich tun sollte, wurde schlecht benotet. Man musste den Geschmack des Professors treffen.
      Letzen Endes waren alle Entwürfe ein riesiger Einheitsbrei.

      Zwischenzeitlich hatte ich das Glück bei einem klassischen Architekten arbeiten zu können.
      Hier eins seiner zahlreichen Werke: 3.bp.blogspot.com/-zxb2Bmbp-dw…yn4FEi8/s1600/Kilboy1.jpg

      Dabei konnte ich extrem viel lernen, insbesondere darüber was tatsächlich schöne Architektur bedeutet.

      Inzwischen bin ich Mitte 30, aber ich neige fast dazu nochmal eine Uni zu besuchen, nur um den dortigen Architektur-Verbrechern mit meiner inzwischen gesammelten Erfahrung Paroli zu bieten und diese Bühne zu nutzen um auch den anderen Studenten zu zeigen, was Architektur eigentlich aus macht und dass diese Würfel- und Plattenkomplexe alles sind, aber keine schöne Architektur.
    • Classical, danke für Ihren Beitrag. Genau die gleichen Erlebnisse hatte ich auch Anfang der achtizer Jahre auf der FH in Stuttgart. Nur mit dem Unterschied, dass es damals noch viel dogmatischer war als heute und man teilweise als Ewig-Gestriger dastand, wenn man Elemente klassischer Kunst oder Architektur in seinen Arbeiten integrieren wollte. Ich kann mich auch noch sehr gut an die Kommentare eines Dozenten erinnern, der die damals neu erbaute Neue Staatsgalerie in Stuttgart auf Grund "faschistischer Architekturelemente" kritisierte.....
    • Lassen wir mal die Sozialutopien außen vor, die ich den heutigen Konstrukteuren von mit Styropor gedämmten Staffelgeschoss-Blocks in der Masse nicht abnehme bzw. zutraue. Architektur aber ist - wie Kunst generell - in gewissem Maß immer ein Politikum. Sie geschieht im öffentlichen Raum, sie strukturiert diesen, sie prägt das Leben vieler Menschen. Und sie ist auch stets mit Symbolen behaftet, z.B. schon beim Corps de Logis eines Barockschlosses, auf das die Blickachse der Straße führt, oder beim gotischen Kirchturm, der die höchste Marke der Stadt darstellen soll. Das Politikum an sich ist nur ein Teil der Problematik. Es ist eben ein politischer Kampf um gewisse Symbole, der ausgefochten werden muss, der sich aber auch stilistisch und geistig wandeln kann (man betrachte nur die Entwicklung der Architektur im kommunistischen Ostblock von den Revolutionsutopien zum stalinistischen Neoklassizismus bis zu Plattenblock-Planungen und postmodernen Anklängen in de 80er Jahren). Das Problem hierzulande (womöglich betrifft es nicht nur Deutschland, sondern auch andere Teile der nordischen Welt) ist nicht die Politik, sondern der Dogmatismus. Man möchte radikaler als radikal sein. Man ist möglichst aggressiv gegen andere Positionen. Das betrifft die Architektur ebenso wie die generelle politische Auseinandersetzung. Es fehlt komplett das Laissez-faire südlicher und östlicher Regionen. Das mag ein weiteres Erbe des Protestantismus sein.
      Das kann man jetzt beklagen oder man kann die Realität erst einmal als gegeben sehen und kritisch analysieren. Man ist nun einmal auch Teil einer Auseinandersetzung, der man sich stellen muss.