Bericht eines Studenten

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    • Es geht ja nicht nur um modern vs. traditionell, sondern auch um organische Strukturen. Hier ist es durchaus interessant, dass manche Formen von Architektur zu Architekturversagen führen, also Innenhöfe, die nicht angenommen werden, Korridore, die niemand geht, Sitzbänke an der falschen Stelle usw. Wenn man so will Bauergonomie. Das Ideal bleibt eine lebendige durchmischt Stadt, ein Raum, der sich an seine Nutzer anschmiegt, oft entsteht er erst, wenn die ursprüngliche Funktion aufgegeben ist.
    • Jetzt muss ich auch noch eine Frage an unsere Architekten loswerden.

      Warum sind fast alle klassisch gehaltenen Bauvorhaben von derart schlechter Qualität? Warum stimmen die Proportionen so überhaupt nicht und warum ist der Umgang mit dem klassischen Formenrepertoire meist so derart schlecht? Wird es nicht gelehrt oder sind es die Vorgaben der Bauherren/Baugesetze, sie zu solch schwachen Ergebnissen wie in Berlin (Luisenvorstadt) führen?
      Wahre Baukunst ist immer objektiv und Ausdruck der inneren Struktur der Epoche, aus der sie wächst. Ludwig Mies van der Rohe
    • Also bei uns wird die klassische Formenlehre nur in den ersten paar Semestern vom Lehrstuhl für Baugeschichte gelehrt und das auch nur sehr oberflächlich. Nur bei Säulenordnungen und optischen Korrekturen an griechischen Tempeln und bei italienischen Renaissancepalästen bzw -villen wird das Wort Proportion überhaupt in den Mund genommen. Ansonsten beschränkt sich das Ganze auf das Auswendiglernen einzelner Gestaltungselemente verschiedener Epochen. Wie man diese Proportionslehren allerdings anwendet wird natürlich mit keinem Wort erwähnt und kam bis jetzt auch in keiner Übung vor.
    • bilderbuch schrieb:

      Jetzt muss ich auch noch eine Frage an unsere Architekten loswerden.

      Warum sind fast alle klassisch gehaltenen Bauvorhaben von derart schlechter Qualität? Warum stimmen die Proportionen so überhaupt nicht und warum ist der Umgang mit dem klassischen Formenrepertoire meist so derart schlecht? Wird es nicht gelehrt oder sind es die Vorgaben der Bauherren/Baugesetze, sie zu solch schwachen Ergebnissen wie in Berlin (Luisenvorstadt) führen?

      Meiner Meinung nach ist es eine Mischung aus beidem. Klassische Formensprache wird nur im Rahmen von Baugeschichte gelehrt. Wenn man mehr darüber wissen möchte muss man es sich selber aneignen oder einen speziellen Kurs belegen.

      Mit Bauherren hab ich sehr schlechte Erfahrungen gemacht. Der Kostendruck ist so stark, dass es schon schwierig ist, die technischen Standards zu halten. An Gestaltung, also alles, was über das reine Zweckbauen hinausgeht, ist nicht mal im Traum zu denken. Im Laufe eines Projektes wird immer und immer wieder versucht Kosten zu sparen. Holzfenster? Nein, machen wir Plastikfenster. Klinker oder Sandstein? Nein, Putz geht doch auch. Ich habe schon erlebt, dass Bauherren sich Zargen, Fensterbänke, Türklinken usw. aus dem Baumarkt besorgt haben um das Angebot zu drücken.
      Das sind sicher subjektive Eindrücke aber vom Prinzip her gilt: quadratisch, praktisch, billig...
    • @bilderbuch
      Obwohl Deine Frage vielleicht eher etwas für Architekturtheoretiker ist, möchte ich mich doch an einer Antwort versuchen.
      Den Kern der von Dir angesprochenen Probleme bei den Wohngebäuden sehe ich nicht in der Gestaltung der Fassaden, sondern in den Unterschieden der baulichen Struktur zwischen den historischen und den heutigen neoklassischen Gebäuden:
      - Hauptproblem sind m.E. die Geschosshöhen. Heute liegen diese bei maximal 3m (d.h. etwa 2,6m lichte Raumhöhe), eher noch darunter. Früher gab es nicht selten Geschosshöhen von über 4m. Dies hat dann aber automatisch Auswirkungen auf die Proportionen der Fassaden. Einerseits können und werden damit heute mehr Etagen übereinander gestapelt (bei gleicher Traufhöhe), was zu einer gedrängten Ansicht führt. Dazu kommt auch noch, dass die Erdgeschosse heute bodengleich angeordnet werden, was den Häusern ihren Sockel nimmt. Andererseits werden mit den tieferen Decken auch die Fenster entweder niedriger, weil einfach nicht genug Raumhöhe für hohe Fenster verbleibt; oder aber sie rutschen Richtung Boden und müssen dann außen Geländer (Glas, Metallgitter,etc.) vorgesetzt bekommen, um die Brüstungshöhe zu erreichen.
      - Ebenfalls bestimmend für die historischen Gebäude und ihre Fassaden war die ablesbare soziale Schichtung. Die reichen Leute bewohnten das 1. und 2. Obergeschoss, wo sich die größten und am meisten geschmückten Fenster, vielleicht noch mit kleinem Balkon befanden. Die ärmeren Bewohner bekamen das oberste Geschoss und das Dach mit kleinen Fenstern bzw. Dachgauben, eventuell bewohnten sie auch das Halbkellergeschoss.
      Heute dagegen gibt es diese ablesbare Schichtung nicht mehr. Jede Etage soll das gleiche Qualitätsniveau an Belichtung, Raumhöhe und Ausstattung mit möglichst großen Balkonen aufweisen. Das ist zwar gesellschaftlich gesehen richtig so, wirkt sich bei den Gebäuden aber nicht gerade vorteilhaft aus.
      - Ein weiterer Punkt ist die Lage des Treppenhauses. Einst lag dieses fast immer an der Hofseite und wurde über einen großzügigen Eingangsbereich von der Straße aus erschlossen. An der Vorderseite lagen alle Haupträume der Wohnungen. Heute ist es genau umgekehrt, weil es zu den Straßen hin als zu laut empfunden wird. Also liegt das Treppenhaus an der Straße (mit winzigem Eingangsbereich). Meist werden zur Straße heute auch noch Küche und Bad angeordnet, die eher kleine Fenster bekommen. Damit ist eine gleichmäßige Reihung der Fenster und Gliederung der Fassaden nicht oder nur schwer umsetzbar.

      Mehr fällt mir zu den Strukturunterschieden und ihren Auswirkungen erst einmal nicht ein. Jetzt kann man das Ganze natürlich auf die Unfähigkeit der Architekten schieben. Ich glaube aber, dass man damit die Falschen trifft. Hier ist in den letzten hundert Jahren einfach ein derart großer gesellschaftlicher Wandel eingetreten, dem die heute gebauten Gebäude folgen müssen! Außerdem kommen die Architekten nicht an den Gewinnbestrebungen der Investoren vorbei. Ein wunderbares Beispiel ist die aktuell von der USD geplante Fassade im Quartier VI zum Neumarkt. Die absehbar gegenüber dem Original verschlechterte Proportionierung dieses Gebäudes hat nichts mit den Fähigkeiten des Architekten zu tun, ausschließlich mit dem Willen der USD hier noch eine Etage mehr hinein zu bekommen (von den vergrößerten Dachgauben gar nicht weiter zu sprechen).

      Ich habe mich bisher bewusst nicht weiter über die an den Architekturfakultäten gelehrten Inhalte geäußert. Hierzu möchte ich nur soviel sagen, dass die Arbeit von uns Architekten heute mehr eine technische als eine künstlerische ist. Es ist schade, dass so wenig Zeit in den Entwurf und die Gestaltung gelegt werden kann, aber diese wird auch einfach nicht entsprechend honoriert. Die Ausbildung der Architekturstudenten ist tatsächlich noch weitaus entwurfsorientierter als ihre künftige berufspraktische Tätigkeit. Des Weiteren bin ich auch der Meinung, dass zu einem Hochschulstudium (anders als in der Grundschule) durchaus auch ein gewisses Selbststudium gehört, in welchem man sich mit der Baugeschichte auseinandersetzen kann und sollte!
    • Deine Darlegungen, Arwed, sind allesamt hilfreiche Hinweise und durchaus nachvollziehbar. Dennoch wirken sie auf mich etwas resignativ. Ich kann nicht glauben, dass eine gut proportionierte Fassade durch eine Stockwerkshöhe von 3;70 oder 4 m bedingt ist. Es gibt wundervolle historische Gebäude (ich denke beispielsweise an Schweizer Bauernhäuser), die noch wesentlich niedrigere Stockwerkshöhen haben als heute üblich und dennoch ein Wunder an ausgewogener und stimmiger Architektur präsentieren. Ich glaube, das unbefriedigende Gefühl, das viele traditionalistisch konzipierte Neubauten bei dem Betrachter hinterlassen, hat zwei Ursachen: Zum einen sind tatsächlich die Entwerfer nicht geübt im Ausarbeiten von Proportionen, die auf heute übliche Stockwerkshöhen abgestimmt sind, zum anderen aber sind unsere Sehgewohnheiten so sehr von den zahllosen noch erhaltenen alten Häusern geprägt, dass Neubauten in traditioneller Formensprache leicht als gedrückt, jedenfalls als defizitär empfunden werden. Hier ist noch allerhand Bemühung vonseiten der Architekten in Form von Fassadestudien erforderlich, andererseits aber auch eine wohlwollende Urteilshaltung vonseiten der Betrachter. Es hat keinen Sinn, von ehernen Regeln der Fassadenkunst zu reden, an denen angeblich heutige Entwerfer scheitern. Für heutige Bauwerke und ihr Anforderungsprofil - das gilt auch für die angesprochene nicht mehr vorhandene soziale Schichtung in den Etagenhäusern sowie für das häufige Fehlen der großflächigen Wohnzimmerfenster auf der Straßenseite - sind eben gewandelte Maßverhältnisse zu entwickeln, und wir sollten den Architekten bei diesem Lernprozess etwas Zeit lassen.
    • Etwas Gutes hat die Entwicklung der E-Autos der nächsten Generation ja: Autos der Zukunft werden so leise und sauber sein, dass auch die großzügigen Wohnzimmerfenster gern zurück an die Straßenseite wandern, womöglich sogar repräsentative Balkone. In ruhigeren Nebenstraßen ist das oft ohnehin schon der Fall.
    • erbse schrieb:

      Etwas Gutes hat die Entwicklung der E-Autos der nächsten Generation ja: Autos der Zukunft werden so leise und sauber sein, dass auch die großzügigen Wohnzimmerfenster gern zurück an die Straßenseite wandern, womöglich sogar repräsentative Balkone. In ruhigeren Nebenstraßen ist das oft ohnehin schon der Fall.

      Sehr wichtiger Punkt. Sauerer Regen, Fabrik- und Kraftwerksstaub und Abgase waren ja auch mal der Alptraum der Sandsteinfassaden, oder man denke an die großen Fensterfronten, die man wirklich jeden Tag reinigen musste. Heute ist Blockbebauung wieder möglich und attraktiv. Ich denke die freistehenden Hochhaussiedlungen mit Bäumen hatten durchaus ihre Berechtigung, aber die Situation hat sich verbessert. Elektro- und Hybridwagen machen die Situation gewiss noch besser.
    • Ich setze überhaupt große Hoffnungen in die Stadtplaner, was die Gestaltung der Straßen betrifft. Wünschenswert sind definitiv mehr Fußgängerzonen und bei den befahrenen Straßen breite Gehsteige und Radstreifen. Derartiges wird ja gottseidank immer öfter umgesetzt, wenn auch natürlich nicht überall in befriedigender Weise. Aber dies wird sowieso in den nächsten Jahrzehnten notwendig sein, wenn die Zahl der Radfahrer wächst... Wenn dann noch die Zahl an Elektroautos steigt, dann wird es sicher mehr Wohngebäude mit Balkonen, großen Fenstern und hoffentlich auch endlich wieder Vorgärten, die ja fast überall den Straßen weichen mussten, geben! Die wäre eine enorme Aufwertung der Stadtbilder. Hoffentlich nicht bloß ein Wunschtraum.
    • An dieser Stelle möchte ich auch mal von meinen Erfahrungen aus dem Architekturstudium berichten.

      Ich habe zwischen 2006 und 2012 in der ersten Generation nach der Bachelor- Master Umstellung studiert.
      Schon in der ersten Vorlesung die vom Dekan (um die 50 Jahre alt) zur Begrüßung gehalten wurde, wurde eine Bildpräsentation gezeigt. In der Bauten von Le Corbusier und anderen vermeintlichen Stars der Szene, wie etwa Egon Eiermann etc., in den höchsten Tönen gelobt wurden. Mir hätte eigentlich schon damals klar sein sollen wohin die Reise geht.

      Klassische Architektur kam bei mir ausschließlich im Fach Baugeschichte vor, dort wurde zwar von der Harmonie und Proportionslehre eines Vitruv geschwärmt, dies kam allerding im Fach Entwerfen / Städtebau nur bedingt zur Anwendung.

      Hätte ich es gewagt ein Gebäude anhand von tradionellen Stilmitteln zu Entwerfen wäre ich bestimmt exmatrikuliert worden. Somit musste auch ich mich, wie meine Vorredner an die Geschmäcker der Professoren anpassen um gute Note zu erhalten.

      Das lief dann so ab:
      Aufgabenstellung XY erhalten -> Rausfinden was mag der Prof. -> Entwurf nach Schema F -> Applaus

      Ich kann von mir behaupten das ich zum Klötzchenstapler ausgebildet wurde. Ich habe in meinen gesamten Studium nicht ein Gebäude ohne Flachdach entworfen. Mir ist auch kein Student bekannt der das während meiner Studienzeit jemals getan hat.

      In meinen Augen muss sich für die Zukunft u.a. folgendes Ändern:

      - Ein NC auf Architekturstudiengänge im Einserbereich. Klasse statt Masse, gut ich hätte dann auch nie studiert ;)
      - Weg von der Ideologie, mehr vielfalt ermöglichen
      - Mehr tradioneles Zeichnen lehren. Beim CAD Zeichnen neigt man immer dazu mit geraden Linien zu arbeiten. Da dies einfacher geht und man noch nicht soviel Erfahrung mit dem Umgang in solchen Programmen hat.
      - mehr klassische Entwurfslehre lehren
    • Sir Moc schrieb:

      In meinen Augen muss sich für die Zukunft u.a. folgendes Ändern:

      - Ein NC auf Architekturstudiengänge im Einserbereich. Klasse statt Masse, gut ich hätte dann auch nie studiert ;)
      - Weg von der Ideologie, mehr vielfalt ermöglichen
      - Mehr tradioneles Zeichnen lehren. Beim CAD Zeichnen neigt man immer dazu mit geraden Linien zu arbeiten. Da dies einfacher geht und man noch nicht soviel Erfahrung mit dem Umgang in solchen Programmen hat.
      - mehr klassische Entwurfslehre lehren
      Frägt sich nur, wer in der Professorenschaft kann das noch vermitteln!? Die wenigen traditionell entwerfenden Architekten sind mit ihren Projekten ausgelastet!?


      aus: Adolf Wangert, Das Münster zu Freiburg im Rechten Maß, Münsterbauverein Freiburg, Schillinger Verlag 1972


      rp-online.de/panorama/wissen/f…schluesselt-aid-1.2867171




      robl.de/pentagramm/kulturgeschichte/karolinger.html








      Bilder 4-6 eigene Studien zur Analyse des Goldenen Schnittes
    • Sir Moc schrieb:

      - Ein NC auf Architekturstudiengänge im Einserbereich. Klasse statt Masse,
      Bloß nicht. Mehr Exklusivität würde noch mehr Ideologie bedeuten, da weniger Geister zu "hüten" wären.
      Zudem sind "Einser" eher auf Leistung getrimmt, denn auf Kreativität und was der heutigen Architektur fehlt, ist eindeutig die Kreativität.
      98% of everything that is built and designed today is pure shit. There's no sense of design, no respect for humanity or for anything else. Frank Gehry
    • Sir Moc schrieb:


      - Ein NC auf Architekturstudiengänge im Einserbereich. Klasse statt Masse
      Das wäre der größte Supergau! Nicht nur, dass man dadurch eine arrogante Elite wie in den Grandes Ecoles in Frankreich züchtet, die absolut linientreu sein wird und jedem der es wagt sie zu kritisieren niedermacht. Sondern auch das gerade die (Schul)Noten nicht die wahre Begabung in Architektur zitieren, sondern dass sie nur dir Leute ins Rampenlicht stellen, die am Besten auswendiglernen können.
      Um zur Facebookseite des Ortsverbandes Saarbrücken zu gelangen klickt mich !
    • @Sir Moc, dein Bericht hätte in fast genau derselben Form von mir auch kommen können!

      Nur, dass ich durchaus schon mit Satteldächern entwerfen konnte, sogar Sprossenfenster waren ein einziges Mal drin. Kommt halt nicht so wahnsinnig gut an, aber solange man keine technischen Fehler macht, wirkt sich das bei mir nicht direkt auf die Note aus.

      Das Mittel der Wahl, um die Studenten auf Linie zu halten, ist bei mir an der Uni die Gruppenarbeit, gerne in Gruppenstärken bis zu 4 Mann, und einer oder zwei aus der Gruppe kriechen garantiert dem Professor/Assistenten in den Hintern.

      Leider ist auch bei mir die Baugeschichte bei weiten nicht das, was sie zumeist sogar noch in der ersten Vorlesung des Semesters verspricht; da wird dann ausführlich erklärt, wie stark ins Detail bei der Bauforschung gegangen wird, und dann besteht die Vorlesungsreihe doch nur aus einen Überfliegen der gröbsten Details.

      Aber zum Glück gibt es ja auch andere hervorragende Quellen, aus denen man sein Wissen beziehen kann :wink:
    • Arwed schrieb:


      Mehr fällt mir zu den Strukturunterschieden und ihren Auswirkungen erst einmal nicht ein. Jetzt kann man das Ganze natürlich auf die Unfähigkeit der Architekten schieben. Ich glaube aber, dass man damit die Falschen trifft. Hier ist in den letzten hundert Jahren einfach ein derart großer gesellschaftlicher Wandel eingetreten, dem die heute gebauten Gebäude folgen müssen!
      - müssten dann nicht aber Bauten aus der Zeit vor dem 1. Weltkrieg "schwer vermittelbar" sein?

      Hier in Hamburg lässt sich das Gegenteil beobachten. Wohnen im Altbau wird seit Jahrzehnten schleichend immer beliebter. Mittlerweile ist es zum Privileg für Gutverdiener geworden, während dem großen Rest der Bevölkerung nur die Moderne bleibt.
    • Zeno schrieb:

      Also wenn das schon etwas besonderes ist, dann befinden sich die Fähigkeiten, die man an so einer Hochschule beigebracht bekommt, wirklich auf sehr tiefem Niveau.

      Die Architektenschaft von morgen wird also gar nicht mehr in der Lage sein, so etwas zu bauen:
      "Können" war im Sinne von "dürfen" gemeint. :lehrer:


      @Fachwerkliebhaber

      Es handelt sich tatsächlich um die TU München.


      Einschränkend erwähnt werden sollte allerdings, dass die prinzipielle Erlaubnis traditioneller Bauformen auch nur für deren elementarste Vertreter gilt, sprich Satteldach und mit Glück harmonische Fenstermaße. Alles Andere, also sämtliche Schmuckformen gelten an der Uni als schlicht und einfach nicht durch irgendwelche Notwendigkeiten zu begründen und sind daher dann de facto doch tabu. Wobei mal irgendwer in einer Arbeitsgruppe eine Fassade mit Rundbogenfenstern durch eine komplette Projektarbeit gerettet haben, ich weiß beim besten Willen nicht, wie denen das möglich war.

      Erwähnenswert ist auch, dass gerade an der TU München die Abneigung gegenüber den traditionellen Bauformen schlagartig nachlässt, sobald man die Lehrstühle, die sich mit dem Entwurfsprozess befassen, hinter sich lässt und sich den eher künstlerischen und architekturtheoretischen Lehrstühlen zuwendet. Man mag es kaum glauben, aber es hat tatsächlich mal ein Professor aus dem Bereich der Architekturgeschichte- und Theorie in einer Vorlesung den Historismus als wertvolle Architektur bezeichnet - allerdings mit der leisen Randbemerkung, dass er so etwas offiziell eher nicht sagen sollte, und die Zustimmung der Studenten fiel auch eher verhalten aus. Und darin liegt meines Erachtens das Hauptproblem.