Bericht eines Studenten

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    • Bericht eines Studenten

      Hallo zusammen!

      Ich dachte, ich schreibe mal einen Beitrag über meine Erfahrungen im Studium der Architektur. Vielleicht interessierts manche, wie ein Student den Weg in die Welt der Architekten gewiesen bekommt...

      Ich studiere Architektur an der msa ( Münster, school of architecture; eigenständige Abteilung der FH Münster ), bin im 2. Semester des bachelor-Studienganges, und mein Vorlesungsplan weist neben den obligatorischen PC-Grafikprogramm- und Freihandzeichnen-Kursen die Fächer Tragwerkslehre, Vermessungslehre, Baustofftechnologie, Baukonstruktion und design basics ( ehemals unterteilt in "Gestalten" und "Entwerfen" ) auf.
      Das reicht, um die Woche voll zu bekommen.

      Ich studiere gemeinsam mit 115 Komolitonen ( wobei ich jemandem, der mir die korrekte Schreibweise dieses Wortes nennen kann, sehr dankbar wäre... ) in einem Gebäudekomplex, der ehemals eine alte Reiterkaserne darstellte. Um dort Platz für ein paar Studis zu schaffen, wurde der alte Bestand sorgsam entkernt und das Innere mit schönem grauen Sichtbeton zu einem Kastell aus Fluren und Seminarräumen, Büros und Räumlichkeiten für die einzelnen "departments" gestaltet.
      Abgesehen von der handwerklich miserablen Qualität ist das feedback gewöhnlich eher teilnahmslos. Es scheint meinen Kollegen recht egal, in welchem Umfeld sie studieren. Ich persönlich fühle mich jedoch in einem Hörsaal, der ringsum Betonwände ( mit hölzernem Schalungsmuster ) aufweist, recht beklemmt. Aber gut, so ist die Konzentration stets nach vorn gerichtet, gell?

      Aber ich will mich hier nicht über den ( zu Architekten unpassenden ) Campus auslassen. Viel interessanter scheinen mir die Themen zu sein, mit denen man in den ersten beiden Semestern konfrontiert wird:

      Prof. Jürges, ein drahtiger Ingenieur im besten Alter von etwa mitte 50 versteht es, den angehenden Planern den recht trockenen Stoff von Dimensionierung und Gebrauchstauglichkeitsnachweis bei Tragwerken mit großem Elan zu vermitteln. Man spürt, dass dieser Mann eine enorme Fachkenntnis hat, und zugleich ist er ab und an auf sympathische Art und Weise zerstreut, so dass ihm Flüchtigkeitsfehler unterlaufen, welche aus der Studentenschaft stets begeistert diskutiert und korrigiert werden.
      Ich bin fast versucht, Jürges zu unterstellen, diese Fehler mit Absicht einzubauen, um unsere Beteiligung und Aufmerksamkeit auf die Probe zu stellen. Jedenfalls wirkt es.

      Prof. Fix, Dr.-Ing. des Bauingenieurwesens, bringt uns im Fach Baustofftechnologie die verschiedenen Baustoffe nahe, sowohl über sehr straff geführte Vorlesungen, als auch über praktischen Anschauungsunterricht in den Labors der Fachhochschule. So haben wir die Materialien, die wir später verplanen werden, auch einmal in der Hand gehabt. Fix ist dabei sehr souverän und locker, und er geht regelmäßig auf die Studenten zu, um auch sicherzustellen, dass die Inhalte seiner Vorlesungen auch jeden erreichen. Schließlich müssen sich seine eigentlichen Schüler, die Bauingenieure, ja später mit unseren Ausschweifungen auseinandersetzen. Da heisst es: vorbeugen.

      Prof. Mennemann bemüht sich ( größtenteils vergeblich ), uns recht antiquierte Formen der Gelände- und Gebäudevermessung beizubringen. Es liegt hoffentlich am Thema und nicht am Professor selbst, dass die Hauptkritik der Studenten sich in diesen Vorlesungen gegen die Sitzbänke des Hörsaals richtet, die zu unbequem zum Schlafen sind. In kommenden Semestern wird uns Mennemann in Baugeschichte unterrichten, was in mir große Erwartungen weckt.
      Unumgänglich wird das Fach dennoch dadurch, dass wir auch hier regelmäßig zu Feldübungen bestellt werden, wo uns die Tutoren erklären, wie man mit Fluchtstäben, Nivellier und Rollmaßband umgeht. Zumindest solche Übungen sind eher interessant als zeitraubend.

      Soweit habe ich die "Nebenfächer" aufgeführt. Die Kurse Baukonstruktion und design basics nehmen als "Hauptfächer" den Löwenanteil meiner Zeit ein.

      Ich darf mich glücklich schätzen, das erste Semester in design basics überstanden zu haben, nachdem mich das Verlosungsverfahren dem Kurs von Prof. Mer zugeteilt hatte. In seinen Seminaren lernte ich alles Mögliche über modern art, insbesondere die minimal art und Künstler wie Jenny Holzer, Eduardo Chillida und Rebecca Horn, jedoch kaum etwas brauchbares über Architekturgestaltung. Was kann man von einer Generation von Architekten erwarten, die als unbeschriebenes Blatt startet, und der zunächst Mondrian und Rem Koolhaas als das Maß aller Dinge vorgesetzt wird?
      Nun, ich bin froh, diesen Einstieg überwunden zu haben, und nun arrangiere ich mich mit Prof. Mani, einem Holländer, der jedoch seine Seminare auf Englisch hält.
      Mani ist ein lustiger Kerl mit einer sehr angenehmen und aufmerksamkeitsheischenden Art der Vortragsweise. er ist gut verständlich, doch auch seine ästhetischen Schwerpunkte sind gestalterisch stark reduziert. Im Ernst wollte er uns WBS 70-Bauten als traumhaft schöne Architektur verkaufen...
      Aber seine Arbeitsweise gefällt mir gut. Er leitet uns an, logisch und durchdacht an alle Aspekte einer Planung heranzugehen, zeigt uns Wege, beispielsweise über Ausschlußverfahren die Hauptthemen eines Arbeitsprozesses herauszufiltern, und untermauert solche Ausführungen stets mit Beispielen aus seinen eigenen Werken.
      Es ist bloß recht schwierig, in der Bearbeitung der Semesteraufgaben auf englisches Fachvokabular zurückgreifen zu müssen. Aber auch das schult für die Zukunft. Derzeit bin ich beschäftigt, eine "family of streetfurniture" zu entwerfen, bestehend aus Sitzbank, Mülleimer und Trinkbrunnen. Ich habe zwar meine eigenen Vorstellungen bezüglich eies designs, das an jeden Ort passen soll, aber angesichts der Vorlieben des Professors, der Schwierigkeit, filigrane Formen als Modell umzusetzen und wiederholt zu zeichnen, zeige ich mich für dieses Mal opportunistisch und entwerfe recht simple Beton-Geometrie. Wenn mein Dasein als Architekt nicht mehr von Mani's Urteil abhängig ist, kann ich immernoch etwas Schönes planen und umsetzen ( tja, manchmal muss man Kompromisse eingehen ).

      Ebenso bin ich sehr zufrieden mit dem zweiten Hauptfach: Baukonstruktion.
      Von Prof. Reichardt lernen wir die konstruktiven Zusammenhänge eines Gebäudes. Wie sieht der Aufbau eines Flachdaches aus? Welche Möglichkeiten gibt es, eine Wand zu dämmen? Wie entwirft man eine Treppe? All dies wird hier behandelt und im Rahmen einer Semesteraufgabe zusammengeführt. Im 1. Semester habe ich gemeinsam mit zwei Komolitonen ein Haus für eine Künstlerin auf einem Bunker in Münster entworfen. Wir entschieden uns für eine Ikebana-Künstlerin und richteten den Entwurf nach Feng Shui aus, was sich als unglaublich schwierig herausstellte. Künftig lasse ich die Finger von soetwas. Reichardt ( den ich als Architekten und Dozenten in hohem Maße respektiere ) gestand uns zur Endpräsentation zu, "gut gekämpft" zu haben...
      Naja, zumindest mit den Grundrißplänen war ich recht zufrieden.
      Inzwischen merkt man Prof. Reichardt an, dass er sehr gestresst ist, da er sich parallel um seinen Lehrstuhl, sein Büro in Essen und sein Partnerbüro in Bangalore kümmert. Aber er scheint mir der fähigste Architekt in unserem Fachbereich zu sein, und in den regelmäßigen Korrekturen der Aufgabenbearbeitung ist er sehr umgänglich und in seiner Fachkenntnis überzeugend.
      Derzeit sollen wir auf einem fiktiven Grundstück eine Snackbar und eine Studentenwohnung auf insgesamt zwei Geschossen entwerfen. Es geht recht schleppend voran, nachdem der von mir initiierte Entwurf sich offenbar zu stark an den Grundstücksgrenzen orientierte.

      Um den werdenden Architekten auch Inhalte nahezubringen, die zwar wichtig, aber nicht umfangreich genug für ein eigenes Fach sind, gibt es die "toolbox".
      Jeden Mittwoch referiert ein anderer Professor über Themen wie Lichtführung, Wasserarchitektur, japanische Architektur, konkrete Beispiele wie die Hamburger Hafenstadt...

      Heute hat Prof. Böhm, in dessen design-Kurs ich seit dem 1. Semester hineinwählen möchte, einen Vortrag über Wohnbauten gehalten.
      Ich habe jedes Wort aufmerksam verfolgt, und je länger ich lauschte, umso verständnisloser wurde ich.
      Sollte dieser Professor, von dessen Vortragsweise und Architekturverständnis ich so beeindruckt war, doch nicht anders sein als die übrigen Professoren?

      Böhm eröffnete mit einigen Bildern von 08/15-Bauten in ländlicher Umgebung, die sich jedoch mit deutschen Tannen umgaben oder völlig von der Natur abgewandt waren.
      Böhm kritisierte das mangelnde Verständnis der Architekten, Bezüge zwischen Gebäude und Umgebung herzustellen. Ich frohlockte. Endlich jemand, der Gebäude nicht als isolierte Objekte, sondern übergreifend erfasste!
      Es folgte eine Darstellung der Villa Rotonda von Palladio, wo eine Aufnahme der Umwelt im Gebäude gemeistert worden sei. Alle Himmelsrichtungen vereinten sich im Zentrum des ( augenscheinlich ) völlig symmetrischen Gebäudes und stellten so in Palladios Augen den Mittelpunkt der Welt dar.
      Grübelnd saß ich in meiner engen Bank und fragte mich, ob Böhm noch ein passenderes Beispiel finden würde, da die Villa Rotonda zwar das Panorama der Umgebung in ihrem Inneren gestalterisch aufwerte, je nach Blickpunkt, doch eine echte Wechselwirkung zwischen Gebäude und Umgebung konnte ich nur darin erkennen, dass sich das Gebäude dem Panorama öffnet. Wie sollte soetwas in einer bebauten Umgebung aussehen?
      Böhm zog in der Folge ein paar Bilder vom Kaiserpalast in Japan heran. Anhand von etlichen Ansichten verdeutlichte er das seiner Meinung nach verloren gegangene Verständnis der japanischen Baumeister, ihre Bauten nicht als Zentrum der Herrschaft über die Natur zu sehen, sondern sich der Natur zu unterwerfen. So sei der Kaiserpalast ein hervorragendes Beispiel für die stets verschwimmenden Verhältnisse zwischen Innen und Aussen, als sei es höchstes Ziel der Architektur, permanente Raumübergänge harmonisch zu gestalten. Meiner Meinung nach kann dies höchstens ein Stilmittel bei der Verfolgung einer höheren Zielsetzung sein.
      Aber was Böhm zu erklären versuchte, hatte ich verstanden:
      ein Gebäude hat immer, immer!, eine Umgebung, zu der es im Bezug steht. Böhm bediente sich bisher bloß stets der Natur als Beispiel. Ich beschloss, auf weitere Beispiele zu warten.
      Was dann auf der Leinwand erschien, war Mies' Barcelona-Pavillon.
      Begeistert ließ sich Böhm über die scheibenartige Bauweise aus, erklärte kurz, dass dieser Pavillon an der Flanke eines großen Platzes stünde, und ich versuchte krampfhaft, dieses Platten-Geschöpf mit neutralen Augen zu betrachten.
      Was die Bauweise anging, gelang es mir sogar: das Gebäude hat wirklich schöne Ansichten, sehr simpel gehalten und von präziser Nüchternheit im Umgang mit dem Material geprägt. Auch das Ausgestalten der Wände als Scheiben, die man in ihrer Gänze, nicht bloß als Oberfläche erfassen konnte, gefiel mir als planerisches Stilmittel. Wohnen wollte ich in solch einem Gebilde trotzdem nicht...
      Worüber ich jedoch nicht hinwegsehen konnte, war die Widersprüchlichkeit in Böhm's Vortrag, die in diesem Beispiel ins Extrem ging.
      Ich sprach den Professor nach der Vorlesung darauf an, dass sein Vergleich nicht schlüssig sei, zunächst von mangelnden Bezügen aktueller Wohnbauten zu ihrer Umgebung zu sprechen, nur um dann Mies' 90 Jahre alte Architektur als das Nonplusultra der derzeitigen Architektur hinzustellen. Und dann als Krönung noch den Barcelona-Pavillion aufzuführen, der in seiner Bauweise absolut zur Umgebung im Kontrast steht, das Nordende des anliegenden Platzes gleich einer versetzten Mauer zu einem "dead end" verkommen lässt und sich sogar weigert, in der Gebäudeerschließung auf die Umgebung einzugehen. Statt nämlich eine dem Platz zugewandte Treppe aufzuweisen, gelangt man über eine seitlich zugängliche Basis in das Innere des Pavillons, um von den Wandscheiben in jeweils von Mauern isolierte Gebäudeenden geleitet zu werden.
      Und das, so sprach Böhm, sei eine Architektur, die für uns als Architekten maßgeblich sei, die nicht zu übertreffen sei, und die auch nicht in absehbarer Zeit zu toppen sei. Meine Anmerkung beantwortete er mit den Worten: "Das Gebäude wirkt wie ein Katalysator für den Platz. Stell mal einen massiven Klotz auf 'ne Wiese und dann ein paar versetzte Scheiben. Dann siehst du den Unterschied."

      Ich werde also jetzt rausgehen und ein paar Scheiben aufstellen. Ich will mir ja nicht nachsagen lassen, meine Haltung zur Architektur ohne sie zu hinterfragen ausgeprägt zu haben.

      Selbiges befürchte ich eher bei meinen Komolitonen, denn was soll aus ihnen werden, wenn solche Professoren von Le Corbusier und Mies predigen? Erwartet uns tatsächlich dann 90 Jahre alte Architektur, einzig neu aufgelegt durch neue Materialmöglichkeiten? Ich weigere mich, das zu glauben.
      Vielleicht sollte man sich bemühen, die künftigen Architekten-Generationen zu retten, indem man nicht ausschließlich gegenwärtig praktizierende Architekten wie Gehry und Foster kritisiert, sondern vor allem dem Nachwuchs gute Lehrer vorsetzt.
      Ich danke an dieser Stelle meinem Vater, der mich gegen die üblen Einflüsse manches fanatischen Modernisten gewappnet hat, und verabschiede mich in der Hoffnung, euch, den Akteuren dieses Forums, einen kleinen Einblick in das Hochschulleben eines angehenden Architekten verschafft zu haben.
      Zukunft für unsere Vergangenheit
    • Re: Bericht eines Studenten

      "Amadeus" schrieb:

      Ich studiere gemeinsam mit 115 Komolitonen ( wobei ich jemandem, der mir die korrekte Schreibweise dieses Wortes nennen kann, sehr dankbar wäre... )
      " Kommilitone " :zwinkern:

      "Amadeus" schrieb:

      Prof. Fix, Dr.-Ing. des Bauingenieurwesens, ... geht regelmäßig auf die Studenten zu, um auch sicherzustellen, dass die Inhalte seiner Vorlesungen auch jeden erreichen. Schließlich müssen sich seine eigentlichen Schüler, die Bauingenieure, ja später mit unseren Ausschweifungen auseinandersetzen. Da heisst es: vorbeugen.
      *grins*

      "Amadeus" schrieb:

      In kommenden Semestern wird uns Mennemann in Baugeschichte unterrichten, was in mir große Erwartungen weckt.
      Man darf gespannt sein...

      "Amadeus" schrieb:

      Ich darf mich glücklich schätzen, das erste Semester in design basics überstanden zu haben, ...Jenny Holzer, Eduardo Chillida und Rebecca Horn, jedoch kaum etwas brauchbares über Architekturgestaltung.
      Was kann man von einer Generation von Architekten erwarten, die als unbeschriebenes Blatt startet, und der zunächst Mondrian und Rem Koolhaas als das Maß aller Dinge vorgesetzt wird?
      Wenig, lieber Amadeus, wenig!

      "Amadeus" schrieb:

      Prof. Mani ist ein lustiger Kerl mit einer sehr angenehmen und aufmerksamkeitsheischenden Art der Vortragsweise. er ist gut verständlich, doch auch seine ästhetischen Schwerpunkte sind gestalterisch stark reduziert. Im Ernst wollte er uns WBS 70-Bauten als traumhaft schöne Architektur verkaufen...
      :schockiert: :schockiert: :schockiert:

      "Amadeus" schrieb:

      Wenn mein Dasein als Architekt nicht mehr von Mani's Urteil abhängig ist, kann ich immernoch etwas Schönes planen und umsetzen ( tja, manchmal muss man Kompromisse eingehen ).
      Genau: positiv denken!

      "Amadeus" schrieb:

      Prof. Böhm kritisierte das mangelnde Verständnis der Architekten, Bezüge zwischen Gebäude und Umgebung herzustellen. Ich frohlockte. ...
      Was dann auf der Leinwand erschien, war Mies' Barcelona-Pavillon.
      ...
      Ich sprach den Professor nach der Vorlesung darauf an, dass sein Vergleich nicht schlüssig sei, zunächst von mangelnden Bezügen aktueller Wohnbauten zu ihrer Umgebung zu sprechen, nur um dann Mies' 90 Jahre alte Architektur als das Nonplusultra der derzeitigen Architektur hinzustellen.
      Und dann als Krönung noch den Barcelona-Pavillion aufzuführen...
      Und das, so sprach Böhm, sei eine Architektur, die für uns als Architekten maßgeblich sei, die nicht zu übertreffen sei, und die auch nicht in absehbarer Zeit zu toppen sei. Meine Anmerkung beantwortete er mit den Worten:
      "Das Gebäude wirkt wie ein Katalysator für den Platz. Stell mal einen massiven Klotz auf 'ne Wiese und dann ein paar versetzte Scheiben.
      Dann siehst du den Unterschied."
      Ja - das ist grauenhaft...

      "Amadeus" schrieb:

      Selbiges befürchte ich eher bei meinen Komolitonen, denn was soll aus ihnen werden, wenn solche Professoren von Le Corbusier und Mies predigen? Erwartet uns tatsächlich dann 90 Jahre alte Architektur, einzig neu aufgelegt durch neue Materialmöglichkeiten?
      Ich weigere mich, das zu glauben.
      Ich weigere mich auch...

      "Amadeus" schrieb:

      Vielleicht sollte man sich bemühen, die künftigen Architekten-Generationen zu retten, indem man nicht ausschließlich gegenwärtig praktizierende Architekten wie Gehry und Foster kritisiert, sondern vor allem dem Nachwuchs gute Lehrer vorsetzt.
      DAS ist vielleicht tatsächlich eine Chance!

      "Amadeus" schrieb:

      Ich danke an dieser Stelle meinem Vater, der mich gegen die üblen Einflüsse manches fanatischen Modernisten gewappnet hat, ...
      :zwinkern:

      "Amadeus" schrieb:

      ...und verabschiede mich in der Hoffnung, euch, den Akteuren dieses Forums, einen kleinen Einblick in das Hochschulleben eines angehenden Architekten verschafft zu haben.
      :schockiert:

      Nicht unterkriegen lassen, Amadeus! :D :zwinkern:
      Der Wind gedreht
      Albtraum verweht
      Zum Schluss jetzt das Glück
      Das Schloss kommt zurück!
    • Re: Bericht eines Studenten

      "Amadeus" schrieb:

      Hallo zusammen!
      ... Im Ernst wollte er uns WBS 70-Bauten als traumhaft schöne Architektur verkaufen....


      Ich finde es immer wieder erstaunlich, mit welch starkem Willen hier
      schlechte Architektur als gute verkauft wird. Eine typisch graue DDR-Platte
      soll also traumhaft schön sein ?! Was ist denn so schön an
      Massenmenschhaltung ? Das meine 100 Nachbarn im Haus alle in der
      gleichen Position auf dem Lokus sitzen ? Oder das alle 100 Nachbarn
      den Fernseher in der gleichen Ecke stehen haben wie ich und den
      Kühlschrank im Zimmer links und der Backofen im Zimmer rechts ist ?
      Tut mir leid, aber diese Architektur spiegelt überhaupt nicht die
      heutige Zeit wieder ! Sie war vielleicht bis 1989 in der DDR aktuell, aber
      jetzt ist sie es nicht mehr ! Sie ist Vergangenheit - tote Architektur.
      Warum wird das an den Hochschulen nicht so gelehrt ? Hier wird
      tote Architektur befürwortet, die in einer Zeit aktuell war, wo es noch
      einen Kaiser mit Pickelhaube und einen absolutistischen Zar in Russland
      gab. Es ist die tote Architektur der Gegner der Demokratie; nämlich der
      Kommunisten und der Faschisten. Sie träumten von dem Einheitsmensch
      mit Einheitsleben im Einheitsplattenbau. Wann wachen die Architekten
      endlich aus ihrem verrückten Traum auf ?

      "Amadeus" schrieb:


      ... Ich habe zwar meine eigenen Vorstellungen bezüglich eies designs, das an jeden Ort passen soll, aber angesichts der Vorlieben des Professors, der Schwierigkeit, filigrane Formen als Modell umzusetzen und wiederholt zu zeichnen, zeige ich mich für dieses Mal opportunistisch und entwerfe recht simple Beton-Geometrie. ....


      Jetzt ist es der Professor und später wird es die Jury eines Wettbewerbes
      sein. Keiner traut sich diese Abwärtsspirale zu durchbrechen, weil man
      möchte ja Erfolg haben. Diese Architektur baut auf Angst und sonst nichts.

      "Amadeus" schrieb:


      "Das Gebäude wirkt wie ein Katalysator für den Platz. Stell mal einen massiven Klotz auf 'ne Wiese und dann ein paar versetzte Scheiben. Dann siehst du den Unterschied."....


      Hat der man keinen Emotionen ? Die Emotionen hat man ihm Stück für
      Stück in seinem Architekturstudium vor 30 Jahren genommen. Heute
      erzählt er wirres Zeug über Katalysatoren ! Welche Reaktionen sollen
      den beschleunigt werden ? Bei mir wird bei sowas nur eine Reaktion
      beschleunigt; nämlich diese hier: :übelkeit:
    • Re: Bericht eines Studenten

      "Oliver" schrieb:

      Diese Architektur baut auf Angst und sonst nichts.

      Das ist genau das Problem, was viele nicht begreifen: Diese modernistische Architektur ist in ihrem tiefsten Wesen totalitaristisch!

      Der Totalitarismus der Moderne ist kein ästhetisches und kein bauhandwerkliches sondern ein eminent p o l i t i s c h e s Problem!
      Der Wind gedreht
      Albtraum verweht
      Zum Schluss jetzt das Glück
      Das Schloss kommt zurück!
    • Auch ich habe Anfang der 80-er Jahre entnerft das Architekturstudium nach 3 Semestern gegen ein Designstudium "getauscht", als ich desillusioniert festgestellt habe, dass weder Kunstgeschichte noch Ästhetik noch Kunst gefragt waren, sondern Technik, Statik und anderer "Mist". Ist ja auch kein Wunder, dass unsere Städte (ich meine die größeren) so dermaßen mit "billiger" Schrottachitektur verseucht sind...
      Der Tiefpunkt der Baukultur wurde in den 60er und 70er Jahren des 20sten Jahrhunderts erreicht...
    • Insbesondere die Verwendung von Beton als Werkstoff, sowohl konstruktiv als auch gestalterisch, hat laut Prof. Jürges in Deutschland eine derart starke Loge hinter sich, dass es für Planer schwer ist, dauerhaft alternative Konstruktionen umzusetzen.
      Beton erfüllt natürlich hervorragend alle brandschutz-technischen Anforderungen, und darum finden wir ihn auch in nahezu allen öffentlichen Bauten, doch die hohen Anforderungen an die Werkstoffe in unseren Normen haben wir laut Aussage des Professors eben jener "Loge" zu verdanken. In anderen Ländern klappts auch anders, oder, wenns in Beton sein soll, zumindest besser, ästhetischer, angenehmer als bei uns.

      Um auf den Baustoff einmal kurz einzugehen:
      eine Kommilitonin hat Prof. Mani eine Sitzbank gestaltet, die aus Naturstein und Holz zusammenwirkt. Mani's erster Vorschlag: warum nicht Beton?
      Antwort der Studentin: weil's kein natürlicher Baustoff ist...
      Mani hat dann fröhlich hergeleitet, dass Beton ja nichts anderes ist als Anmachwasser, Zement und Zuschläge, also Produkt natürlicher Materialien. Und dennoch kann mir keiner erzählen, dass Rohstoffe, die grob bearbeitet wurden, um anschließend in eine völlig unnatürliche ( weil rechtwinklige, glattflächige, etc. ) Form gegossen zu werden, vergleichbar sind mit Naturstein und Holz ( Zugeständnis: Holz wird auch bearbeitet, doch es ist deutlich erkennbar naturgewachsen ).
      Durch Mani's Drängen auf Beton hat der Entwurf der Studentin das eigentliche Thema eingebüßt, aber hey, dafür baut sie jetzt in Beton...
      Nebenbei: in meinem Entwurf nehme ich jeweils Betonklötze mit Edelstahl-Filigranteilen in die Zange. Möge Mani es symbolisch deuten.

      Ich habe mich noch mit einem Kommilitonen über Böhms Vortrag und seine Kommentare unterhalten. Er befand, dass der Zusammenhang zwischen Architektur und Gesellschaft wie die Frage wirkt: was war zuerst da, das Huhn oder das Ei?
      Zumindest sehe ich einen Teufelskreis, in dem sich eine kaputte Gesellschaft kaputte Architektur schafft, die wiederum eine kaputte Gesellschaft hervor bringt, doch mir fallen direkt zwei Punkte an, um den Hebel zur Besserung anzusetzen: Medien und Lehranstalten.
      Zukunft für unsere Vergangenheit
    • "Amadeus" schrieb:

      ...Zumindest sehe ich einen Teufelskreis, in dem sich eine kaputte Gesellschaft kaputte Architektur schafft, die wiederum eine kaputte Gesellschaft hervor bringt, doch mir fallen direkt zwei Punkte an, um den Hebel zur Besserung anzusetzen: Medien und Lehranstalten.


      ...es ist nicht nur die Architektur - schau doch mal die "Kunstwerke" oder die "Theater" an! Aus Angst, als "Banause" dazustehen gibt doch kaum jemand zu, dass ihm dieser Schrott in Wirklichkeit auch nicht gefällt!
      Der Tiefpunkt der Baukultur wurde in den 60er und 70er Jahren des 20sten Jahrhunderts erreicht...
    • Vielleicht ist der moderne Mensch zu sehr auf den Verstand bezogen. Leben wir nun die Prinzipien der Aufklärung noch bis ins Extrem aus, dass der Gesellschaft der Hang zum Schönen und Harmonischen abhanden gekommen ist?
      Ich höre immer, man soll sich nicht in ausschweifenden Formen verlieren, sondern simpel, prägnant und schlüssig bauen. Glaubt man, andernfalls die simplen, reduzierten Gemüter zu überfordern?
      Ich höre immer, man soll spannend bauen, um Leben in Fassadenzüge und Räume zu bringen. Doch wie kann man entspannt leben, wenn sich das Umfeld in ewigen Kontrasten gegenseitig zerstört?
      Ich höre immer, dass die Moderne in allen Formen der Kunst das Wesentliche erfasst und zum Thema macht.
      Und ich frage mich: wenn wir nun in den vergangenen 100 Jahren das Wesentliche erfasst zu haben glauben, wieso sollen wir uns jetzt glauben machen lassen, dass die Entwicklung damit zuende sei? Im Gegenteil kann es nun, da wir die Basis der minimalistischen Essenz bis zum Exzess in die gestalterische Entwicklung haben einfließen lassen, endlich dazu kommen, dass wir die Erfahrung unserer Geschichte und (Baukunst-)Kultur aufnehmen und in das neue Jahrtausend einfließen lassen.
      Die Möglichkeiten, die sich uns bieten, sind angesichts höherer technischer Standards und Materialien unglaublich. Zwar haben sich die Anforderungen an Gebäude geändert, was Nutzung und Ausrüstung angeht, doch grade da setzt doch die Aufgabe des Architekten an: wie vereint man das Angenehme mit dem Nützlichen? Jeder Ingenieur kann Zweckbauten entwerfen. Aber die Verantwortung im ( Um- ) Bau eines Gebäudes geht wesentlich weiter.
      Ich hege ja die Hoffnung, dass sich, je mehr sich die alten Architekten- und Planergenerationen verjähren, das Gesicht unserer Städte zum Besseren wendet. Doch solange modernistische Fossile die neuen Generationen mit ihren Idealvorstellungen füttern, kann dabei keine große Entwicklung herumkommen.
      Ich bin leider gescheitert, mich in die Studentenvertreter-Liste des Fachbereichs-Rates wählen zu lassen, wo ich zumindest anteilig Anrecht auf Mitbestimmung gehabt hätte, was die Besetzung von Lehrstühlen am Fachbereich Architektur in Münster angeht. Naja, vielleicht nächstes Semester...
      Zukunft für unsere Vergangenheit
    • Re: Bericht eines Studenten

      "Oliver" schrieb:

      "Amadeus" schrieb:

      Hallo zusammen!
      ... Im Ernst wollte er uns WBS 70-Bauten als traumhaft schöne Architektur verkaufen....


      Ich finde es immer wieder erstaunlich, mit welch starkem Willen hier
      schlechte Architektur als gute verkauft wird. Eine typisch graue DDR-Platte
      soll also traumhaft schön sein ?! Was ist denn so schön an
      Massenmenschhaltung ? Das meine 100 Nachbarn im Haus alle in der
      gleichen Position auf dem Lokus sitzen ? Oder das alle 100 Nachbarn
      den Fernseher in der gleichen Ecke stehen haben wie ich und den
      Kühlschrank im Zimmer links und der Backofen im Zimmer rechts ist ?
      Tut mir leid, aber diese Architektur spiegelt überhaupt nicht die
      heutige Zeit wieder ! Sie war vielleicht bis 1989 in der DDR aktuell, aber
      jetzt ist sie es nicht mehr ! Sie ist Vergangenheit - tote Architektur.

      Da wäre ich mir nicht so sicher.
      Die Standardisierung des Konsumenten und seiner Bedürfnisse ist nach wie vor Bestandteil vieler Unternehmens- bzw. Konzernstrategien.
      Die DDR mag es zwar mit der McDonaldisierung des Wohnungsbaus auf die Spitze getrieben haben, aber ihre Brüder im Geiste sind weltweit überall am Werke.
    • Ich gebe Oliver Recht, denn die Art der Architektur ist in der Tat alles Andere als zeitgemäß. Allerdings muss sich ein Planer damit auseinandersetzen, dass er, wenn er kostenkünstig bauen will ( und das ist schon immer unumgänglich gewesen ), auf Fertigteile und vorproduzierte Massenprodukte angewiesen sein wird. Von daher bestimmen die Materialhersteller durch ihre größtenteils recht unflexible Produktpalette maßgeblich die Möglichkeiten der Gestaltung. Die Kunst der Architektur findet sich so gesehen darin, solche Bausätze auf eine Art anzuwenden, dass funktionsfähige und zugleich interessante ( für Modernisten: ästhetische!!) Details entstehen.
      Ein Potential für die Wirtschaft und zugleich für die Architektur in unserem Land sehe ich allerdings darin, gewisse Normen im Baumaterial-Bereich zu lockern und sich von den Standard-Massenwaren weg zu bewegen. Seriengüter können in anderen Ländern wesentlich kostengünstiger hergestellt werden, also sollten wir dazu anregen, unseren Vorsprung an knowhow zu nutzen, um uns auf die flexible Produktion von bedarfs-angepassten Produkten zu verlegen.
      Qualität statt Quantität. Insbesondere in der Architektur...
      Zukunft für unsere Vergangenheit
    • Nach allem was Du erzählst, Amadeus, denke ich, daß Du an der falschen Fachhochschule studierst.
      Aber welche ist die richtige?

      Weiss jemand von den Foristi hier, an welcher Fachhochschule oder Uni Professoren lehren,
      die Architekturauffassungen wie Kollhoff, Stuhlemmer oder Patzschke vertreten?

      .
      :schild1:
      Der Wind gedreht
      Albtraum verweht
      Zum Schluss jetzt das Glück
      Das Schloss kommt zurück!
    • So weit ich weis, ist Kollhoff Professor an der ETH Zürich. Es gibt aber
      noch diese spezielle Hochschule in Portugal wo doch Lucien Steil und
      andere Professoren noch genauso lehren wie im Historismus.
      Schau am besten auf dieser Internetseite:
      http://www.intbau.org/\r
      www.intbau.org/

      Oder auf der Seite von Lucien Steil ! Der ist hier irgendwo als Mitglied
      angemeldet... :zwinkern:


      In dem Netzwerk lernt man beispielsweise so zu bauen:


      oder so:


      Hier noch ein kleines Schmankerl:

      Statement of HRH The Prince of Wales
      in support of the international project for the traditional reconstruction of
      the Neumarkt, Dresden

      Die ganze Welt ist von den internationalen Bemühungen tief beeindruckt,
      die zur Rekonstruktion der herrlichen Frauenkirche führen, die im
      Zentrum des Neumarktes hier in Dresden steht. Diese reiche und
      künstlerisch wundervoll geschaffene Kirche steht im sichtbaren und harten
      gegensatz zum Nihilismus und der kulturellen Verarmung, die die zweite
      Hälfte des 20. Jahrhunderts überschattete.
      Es gibt immer noch die
      Chance, daß der rekonstuierte Neumarkt dies ebenfalls tun wird. Ein
      großartiges Juwel benötigt eine würdige Fassung.


      Ich bin schon lange besorgt über die Darstelling der Umgebung solcher
      Bauwerke wie die Frauenkirche, die so hervorragend dazu dienen, eine
      großartige Stadt zu kennzeichnen: der Paternoster Square neben der St.
      Pauls Cathedral in London, der Schloßplatz vor der Nicolaikirche in
      Potsdam und derjenige vor dem Dom in Berlin - all diese Plätze sind nicht
      nur durch Krieg zerstört worden, sondern ebenfalls durch die
      Kurzsichtigkeit von Stadtplanern und Architekten in den Nachkriegsjahren.


      Planer und Architekten, haben jetzt in Zusammenarbeit mit den Bürgen
      und den Lokalpolitikern die Möglichkeit, solche Fehler wieder zu
      berichtigen.
      In den Jahren 1996 und 1997 habe ich Projectgruppen für
      Städtebau in Potsdam und Berlin eingerichtet im Bemühen, diese
      unterschiedlichen Interessen zusammenzuführen, und die Auswirdkungen
      sind heute zu spüren. Nun können "A Vision of Europe" und "INTBAU" -
      in welchen einige meiner eigenen ehemaligen Schüler mitarbeiten -
      diesem Vorbild folgen und mit detaillierten Vorschlägen für einen
      Neumarkt, der in der Lage ist, als eine organische Brücke zwischen
      vergangenheit und Zukunft zu dienen,
      an die Öffentlichkeit treten.

      Ich habe nie versucht, einen Architekturstil gegenüber irgendeinen
      anderen zu bevorzugen, sondern eher die Gestalter zu ermutigen,
      den 'genius loci' des Ortes, and dem sie arbeiten, zu berücksichtigen
      und - vor allem - zu gewährleisten, daß den Bürgen, jung wie alt, eine
      echte Wahl für die Zukunft angeboten wird. Eine Möglichkeit dazu ist,
      daß eine Ausstellung wie diese sicherstellt, daß die Bürger von Dresden
      sich nicht mit einem 'fait accompli' (vollende Tatsachen) am Neumarkt
      abfinden müssen.


      Ich weiß, daß viele Menschen - Dresdner Bürger und Gäste - sich
      danach sehnen, die historische Form des Neumarkts wieder errichtet zu
      sehen. Sie sehnen sich nach Schönheit und Eleganz, die wiederersteht
      als Gegensatz zu all der Häßlichkeit und Brutalität des 20. Jahrhunderts.
      Darüber hinaus wollen sie die menschlichen und kultivierten Qualitäten
      von Gebäuden, die an diesem Platz einst standen, auch auf andere
      Neubauten in der Stadt und darüber hinaus erweitert sehen. Ich begrüße
      die Tatsache, daß dieses Sehnen hier und heute beginnt, griefbare
      Formen anzunehmen und ich bitte aus ganzem Herzen darum, daß
      letztendlich den Menschen eine echte Wahl für die Zukunft dieser
      großartigen Stadt angeboten wird.


      Charles



      Zitat aus http://www.intbau.org/statementd.htm\r
      www.intbau.org/statementd.htm

      :applaus: :applaus: :applaus:
    • Hallo Philipp,
      Bücher zu diesem Thema wird es sicherlich geben. Bei DigiBib habe ich gerade nach "Ideologie" und "Architektur" gesucht und folgende Ergebnisse erhalten:

      Berndt, Heide: Architektur als Ideologie
      Müller, Sebastian: Kunst und Industrie - Ideologie und Organisation des Funktionalismus in der Architektur
      Maran, Joseph: Constructing power - architecture, ideology and social practice
    • "Das gefühlte Haus"

      TAGESSPIEGEL vom 28.06.07:
      tagesspiegel.de/kultur/Architektur;art772,2327374#formular

      Was ist der Maßstab für die Ziele der Architektur?
      Der Geschmack einer Elite?
      Oder die demokratische Mehrheit der Befürworter von Kleinteiligkeit, Gemütlichkeit und Gefälligkeit?

      Das Adlon gefällt den Menschen besser als die Akademie der Künste nebenan. Mehr Menschen wünschen sich das Stadtschloß zurück als es Befürworter der Neuauflage des PdR gibt.
      Das Goya (und auch das alte Metropol) hat keine Blümchentapeten und wird doch von vielen mehr geschätzt als das neue Kranzlereck.

      Die Stadt muß den Menschen gefallen, nicht den Architekten!

      R. R.
      Der Wind gedreht
      Albtraum verweht
      Zum Schluss jetzt das Glück
      Das Schloss kommt zurück!
    • "Reinhard" schrieb:

      "Das gefühlte Haus"

      TAGESSPIEGEL vom 28.06.07:
      tagesspiegel.de/kultur/Architektur;art772,2327374#formular

      Was ist der Maßstab für die Ziele der Architektur?
      Der Geschmack einer Elite?
      Oder die demokratische Mehrheit der Befürworter von Kleinteiligkeit, Gemütlichkeit und Gefälligkeit?

      Das Adlon gefällt den Menschen besser als die Akademie der Künste nebenan. Mehr Menschen wünschen sich das Stadtschloß zurück als es Befürworter der Neuauflage des PdR gibt.
      Das Goya (und auch das alte Metropol) hat keine Blümchentapeten und wird doch von vielen mehr geschätzt als das neue Kranzlereck.

      Die Stadt muß den Menschen gefallen, nicht den Architekten!

      R. R.


      Bravo! So ist es. :applaus:

      Wieso läßt man die Dresdner, Berliner und Frankfurter nicht selber bzw. direkt entscheiden wie ihre öffentlichen Plätze und Stadträume gestaltet werden.
      Deshalb muss endlich der Schritt hin zu direkter Demokratie erfolgen. Dann hätte man diese Probleme nicht. Bei zumindest kommunalen Angelegenheiten sollten die Bürger immer direkt mitbestimmen.
    • Es gab in den Achtziger-Jahren in Frankfurt (Berger-Straße) einen Brunnen, natürlich von einem "echten" Künstler, der von der Bevölkerung nie angenommen wurde. Ein der Bezeichnungen dafür, die ich mir behalten konnte war "Nasser Sarg". Der Brunnen jedoch stand nicht lange denn die Anwohner sammelten fleißig Geld um einen neuen Brunnen zu errichten der ihnen gefällt. DER steht noch heute. Bürgerwille sollte niemals unterschätzt werden, deshalb bin ich für eine größere Möglichkeit der Mitbestimmung in Form von Volksabstimmungen o. ä. Auf diese Weise erspart man sich viel Ärger.
      Wenn du ein Haus baust, denke an die Stadt (Luigi Snozzi)
    • Vor einiger Zeit hatte ich in der Fakultät Architektur der Fachhochschule Erfurt die Kamera dabei und habe es mir nicht nehmen lassen einige der Exponate dieser Keimzelle der frohen Architekturzukunft abzulichten. Ich lasse das mal hier im Strang einfließen, passt ja thematisch, jedenfalls wollte ich nicht die Erfurt-Galerie zweckentfremden.

      Die Fakultät hat sich in der alten Preussischen Baugewerbeschule in der Schlüterstrasse niedergelassen:











      Zu den Modellen:

























      Falls nicht gesondert erwähnt: die Bilder sind selbst erstellt.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Stutzen ()

    • Die Erweiterungen der Einfamilienhäuser sind ja süß. Der Rest zeigt die altbekannte Skulpturalarchitektur, unfähig einen simplen Stadtraum zu schaffen.

      Da aber jetzt auch das Gropiushaus der Meistersiedlung Dessau, welches im Krieg zerstört wurde und nun anachronistisch, die Zeitschicht negierend und die logisch nachfolgende 1950iger Zeitschicht vernichtend, rekonstruiert werden soll, kann zumindest das Streitthema Rekontruktion als erledigt betrachtet werden.

      Berliner Architekten rekonstruieren Gropius-Haus - Kunst

      PS.: Was ist eigentlich aus dem Strangeröffner Amadeus geworden? Er müßte doch inzwischen fertig sein mit dem Studium. Ist er inzwischen doch der "Moderne" verfallen oder ist er sich selbst treu geblieben?

      Dieser Beitrag wurde bereits 3 mal editiert, zuletzt von Henry ()