Dresden, Neumarkt - Quartier III

  • Hallo Leute, WICHTIG.


    Für mich ist das Maß voll. Ich möchte nicht mehr tatenlos mitansehen, wie unsere Städte zerstört werden, wir haben schon so vieles Opfern müssen - eigentlich fast alles. Und nun soll der klägliche Rest, der überhaupt noch vorhanden und noch nicht komplett mit Glasverdachung überzogen ist, mit Glas, Stahl und Beton durchsetzt werden? Bei mir ist das Maß entgültig voll. Ich setze mich schon seit Jahren gegen die Zerstörung unserer Städte ein, so wie ihr alle auch. Diesmal allerdings bin ich gewillt, alles in meiner Macht stehende zu tun, um die gewollten "Brüche und Wunden" des Herrn Dietze von der Baywobau zu verhindern. Unsere Chancen sind gut, wie ihr Euch erinnert: Laut Pressemeldung der DNN hatte Behnisch "wegen wütender Proteste der Bevölkerung" den Entwurf des Blumenhauses zurückgezogen, der Investor Lagerein hatte fluchtartig das Weite gesucht - das Areal war gerettet. Das kann genau so hier funktionieren, aber wir müssen etwas tun. Der Wunde Punkt unserer "Gegner": Nichts mögen Investoren weniger, als eine schlechte Publicity für ihr Projekt.




    WICHTIG - BITTE BEACHTEN


    1) Bitte schreibt keine Email! Das ist zu wenig, bitte druckt es aus auf echtem PAPIER. Eine Email ist schnell gelöscht, klick und weg, die nächste. Ein echter BRIEF liegt auf dem Tisch, und muss bearbeitet werden. Bitte investiert 50 cent dafür! Mir ist es das wert. Bitte handelt ebenso! Ich zahle es Euch, wenn ihr wollt. (auch das Papier) :zwinkern:


    2) Ich führe regelmäßig Gespräche mit Herrn Dr. Stefan Herzig von der GHND. Deswegen bitte ich Euch: Kritisiert nicht ständig die GHND dass sie angeblich nicht genug täte - die GHND tut was sie kann, glaubt mir. Herr Dr. Hertzig arbeitet spät Nachts bis zum umfallen, ich habe höchsten Respekt vor ihm. Ohne ihn gäbe es gar keinen Neumarkt.


    3) Wir müssen drei Personen anschreiben: Die Architektin Böttcher selbst, Herrn Fessenmayr und den Investor Dietze. Ich weiss aus verlässlicher Quelle, ob ihr es glaubt oder nicht: Herr Fessenmayr war diesmal FÜR die nicht-modernistischen Entwürfe, wurde aber leider überstimmt. Es ist Herr Dietze, der gesagt hat: "Ich will diese Brüche bewusst haben". Herrn Fessenmayr können wir trotzdem kritisieren, aber diesmal muss ich ihn in Schutz nehmen: Der Investor wollte die Entwürfe, Fessenmayr wollte sie nicht. Bitte den Protest auf Dietze konzentrieren. Dieser Investor ist eine Katastrophe.


    Viele Grüße.


    Peter aus Berlin



    Und wenn die Herren Administratoren bitte endlich die Güte hätten, meine Beiträge stehen zu lassen und nicht ständig zu löschen. Mir ist der Wiederaufbau Dresdens zu wichtig, und die Angelegenheit zu ernst für dieses bizarre Spiel. Danke.

  • Danke für die Adressen! Vielleicht kann jetzt jemand, der noch alles Wesentliche im Kopf hat, nochmal kurz in Stichpunkten die wichtigsten Dinge nennen, die in die Briefe reinmüssen?

  • Mein erklaertes Ziel ist die Wiedergeburt des Dresdner Neumarktes ohne Brueche! Hat jemand eine Idee, was wir als naechstes - saemtliche Mails bereits versendet - tun koennen, um Herrn Dietze auf den richtigen Weg zu fuehren? Ich denke, dass er die wichtigste Person ist, die man dazu bewegen muss, diesen unsaeglichen Boettcher(butcher)-Entwurf zu modifizieren. Man koennte ihm doch erklaeren, dass ein Umschwenken in dieser Angelegenheit, so wie damals beim Bachmann-Entwurf, dem Investor viel Sympathie entgegenbringen wuerde.

    „Dekoration ist der wichtigste Teil der Architektur“ (Sir William Scott)

  • Kennen wir eigentlich den ungefähren Zeitplan auf dem Quartier III? Wie lange haben wir noch Zeit, den Blechkasten zu verhindern?

    Eine der vorzüglichsten Eigenschaften von Gebäuden ist historische Tiefe.
    Die Quelle aller Geschichte ist Tradition. (Schiller)
    Eine Stadt muss ihren Bürgern gefallen, nicht den Architekten.

  • Quote

    Man koennte ihm doch erklaeren, dass ein Umschwenken in dieser Angelegenheit, so wie damals beim Bachmann-Entwurf, dem Investor viel Sympathie entgegenbringen wuerde.


    :applaus:

    Ich entschuldige mich von Herzen für meine früheren arroganten, provokanten, aggressiven und unfreundlichen Beiträge!
    Jesus ist mein Herr und Retter!

  • Ich habe jetzt nochmals ein paar Mails versendet. Ich kann Herrn Dietze nicht einschaetzen, aber wie es bei jedem Projektentwickler ist, geht es in ersten Linie darum, moeglichst viel positive Publicity zu erhalten, um die Projekte schnell an einen Investor zu verchecken. Tja, was passiert aber, wenn sein Bauprojekt nur mit negativen Schlagzeilen auftrumpft...

    „Dekoration ist der wichtigste Teil der Architektur“ (Sir William Scott)

  • Einen widerlichen Glaskasten stellt Frau Böttcher da hin, noch schlimmer als ich befürchtet hatte. :wueten:


    Und damit dürften die ewigen Optimisten (ich wünschte, sie hätten recht gehabt!) hier widerlegt sein, die bislang der festen Überzeugung sind, daß allzu modernistische Lösungen am Neumarkt - sowohl bei den Einzelbauten als auch beim "Gewandhaus" keine Chance mehr haben.


    Es tut mir leid, aber das Nörgeln war berechtigt: Architekten und Investoren (VVK ausdrücklich ausgenommen) haben nichts dazugelernt, und ein Einlenken ist nicht in Sicht! Wenn doch wenigstens solche gemäßigten Häuser wie der Wörner-Bau des Quartier IV der Maßstab wären, alle Neubauten also mindestens so "historisch" wie dieses sein müßten - dann wäre ich ja mittlerweile schon beruhigt.



    Selbst das "Zirkel-Haus",



    Architektur klassisch: Gesellschaft Historischer Neumarkt Dresden e.V.


    das ich bisher für eher mißlungen und deplaziert hielt, erscheint mir plötzlich geradezu brillant im Vergleich zu der Böttcher-Telefonzelle, die nun kommt.


    Und was habt Ihr Euch alle immer aufgeregt über den Coselpalais-Anbau ("Kaplan-Bunker")



    Quelle: Architektur klassisch: Gesellschaft Historischer Neumarkt Dresden e.V.


    Zumindest die Fassade zur Salzgasse (rechts im Bild) ist geradezu barock im Vergleich zu der Böttcher-Kiste! Mitterweile wäre ich schon froh um eine solche unspektakuläre, aber nicht weiter auffallende Fassade, die wenigstens in der Materialauswahl überzeugt und symmetrisch ist. Ich glaube, man muß seine Ansprüche einfach herunterschrauben.


    Was nun kommt, wird geradezu peinlich aussehen: Eine penibel rekonstruierte, aber in die Breite gezogene Fassade (Neumarkt 4), und ein paar Meter weiter eine gläserne, hochmoderne. Wenn man nicht alles rekonstruieren kann oder will - bitte.


    Aber bisher dachte ich, Baywobau würde im Falle des Nichtrekonstruierens wenigstens halbwegs fließende Übergänge machen wie hier



    Architektur klassisch: Gesellschaft Historischer Neumarkt Dresden e.V.


    Doch offenbar ist man jetzt auf brutale Brüche und Kontraste umgeschwenkt. Würde das Grundstück noch zur Insolvenzmasse der Mübau gehören, könnte man es aufteilen und einzeln an vernünftige Bauherren wie den Eigentümer von AdF 16/17 verkaufen. Aber im Interesse der Gläubiger mußte der Insolvenzverwalter eben das ganze Areal dem erstbesten Käufer komplett in den Rachen werfen.


    Ein Investor wie VVK, der (wenn auch mit kleineren Abweichungen) konsequent historisch (und in der Salzgasse "angepaßt") baut muß sich geradezu verschaukelt fühlen, wenn er sich alle erdenkliche Mühe gibt und alle anderen munter modernistische Experimente aller Art zwischen die Leitbauten setzen. Ich hatte gehofft, daß der VVK-Weg (was Fassaden und Dachlandschaft angeht) Schule macht, aber jetzt weiß ich nicht, wer oder was im Falle einer Gewandhaus-Grundstück-Neubebauung den Bau eines riesigen Glasbausteins (als neues markantes Wahrzeichen der Moderne, das einen spannenden Kontrapunkt zur Frauenkiche setzt) noch verhindern soll.

  • Ich bin ebenfalls ziemlich verstört ob dieser Entwürfe. Damit habe ich nicht gerechnet, schon gar nicht nachdem die ersten - vielversprechenden - Visualisierungen des Q3 auftauchten.
    Es kann nur eine Antwort geben: Der Gestaltungssatzung muss endlich Rechtskraft verliehen werden, und der faule Kompromiss des "vorhabenbezogenen Bebauungsplans" muss aufgegeben werden. Wenn Feßenmayer kalte Füße bekommt, weil er fürchtet, dass die Popularität der CDU angesichts solcher unpopulärer Bauten Schaden nimmt, überlegt man sich das ja vielleicht doch noch mal...

  • Was mich (mehr am Rande) wundert:


    was hat sich der SZ-Fotograf eigentlich dabei gedacht, daß man auf diesem Bild


    http://www.sz-online.de/bilder/2006_04/gr_1135697_2.jpg


    die Architektin im Vordergrund klar und deutlich sieht, ihren famosen Entwurf hingegen (um den es eigentlich geht) im Hintergrund nur schemenhaft erkennt?


    War das jetzt ein Architekturwettbewerb - oder wurde Miss Dresden gesucht? Wie auch immer, ich hätte in beiden Fällen den ersten Preis anderweitig vergeben... :zwinkern:

  • Schloßgespenst, du hast völlig richtig resümiert, so empfinde ich das auch: im Vergleich zum Böttcher-Ungetüm sind alle Zirkels, alle Glaseingänge, alle zu großen Gauben bei Prisco etc. Kindergarten. Reparable oder einfach zu kaschierende Fehler. Nach all den Jahren dachte ich, man hätte aus dem Kaplan-Fehlgriff gelernt und sich eines besseren belehrt. Die lebhafte Diskussion und die Vergabe der Preise für die Gebäude Töpfergasse zeigte, dass der eingeschlagene Weg der richtige war. Jetzt wird mittels Visualisierung ein top rekonstruiertes QIII suggeriert und eine Woche später folgt der Schlag ins Gesicht mit der Erwähnung der Glasfassade auf Seite 3 des Lokalteils*. Der interessierte aber uninformierte Leser (also diejenigen, die sich nicht wie wir jeden Tag mit der Materie befassen) hat so evtl. nur die Visualisierung im Hinterkopf und begreift die Tragweite des Glas-Ungeheuers nicht. Daher ist es m.M.n. auch wichtig, mittels Leserbriefen auf das Problem hinzuweisen.



    *Ich habe zum Beispiel die SZ nicht im Abo und bekomme einmal wöchentlich die sog. "freitsgSZ", eine kostenlose SZ mit wichtigen lokalen Nachrichten der Woche. So ist in der aktuellen freitagSZ der IPRO-Entwurf des QIII mit rekonstruierter Landhausstraße groß in Farbe zu sehen, während über die "Frau mit der Glasfassade" (ich liebe den Begriff aus den DNN) Böttcher kein Wort verloren wird. Der geneigte Leser wird denken "schöne Häuser", sich nicht weiter darum kümmern und darf womöglich in zwei Jahren seinen Verwandten erklären, wieso die Glasfassade zugelassen wurde...

  • Ich versuche ja sonst immer politisch korrekt zu sein, aber die Frau sieht schon so bescheiden aus. Das ist doch eine Überdosis lila Lippenstift ? Jeder Arzt weiß da auf den ersten Blick, was los ist.

  • Wo kann man denn den Entwurf im Detail sehen? In der SZ ist ja kaum etwas zu erkennen...

  • Die partiellen Falschinformationen seitens der Saechsischen Zeitung gehen mir auch bereits auf die Nerven! Zuerst heuchelt man uns schoene Visionen vor und dann wird ueber eine so grundlegende Aenderung nur periphaer berichtet. Zudem mit einem Bild, bei dem man nur die spaetere Tragweite erahnen kann und lieber Frau Boettcher in Szene setzt.


    Dieses scheussliche Gebaeude darf nie gebaut werden oder will sich Dresden in aller Welt laecherlich machen!?

    „Dekoration ist der wichtigste Teil der Architektur“ (Sir William Scott)

  • Was ich am schlimmsten finde, ist eben dieser Mischmasch überall - barock, modern, barock - keine Straße, in der man mal "seine Ruhe hat", sprich keine Moderne ertragen muß.


    Ich fände es das kleinere Übel, wenn (wenn überhaupt!) meinetwegen eine Zeile aus einem halben Dutzend moderner Gebäude (z.B. in der Töpfergasse) gebaut würde, und das war's dann aber auch, das ist dann die moderne Gasse, und dafür werden die anderen Quartiere durchgehend homogen rekonstruiert.


    Aber außer im Q II hat jetzt überall am Neumarkt die Moderne den Fuß in der Tür und stört die Harmonie; man wird nirgends langgehen und sich so richtig das alte Elbflorenz vorstellen können, weil man überall nach ein paar Schritten urplötzlich vor Glas und Stahl steht. Und das nur, weil Investoren und Architekten (und -innen eben auch) einfach keine Harmonie wollen!


    Böttchers Telefonzelle wäre als Teil einer Neubebauung in einem Plattenbaubezirk wahrscheinlich sogar eine Bereicherung. Dresden ist so groß, hat so viele Brachen, die als Experimentierfelder dienen könnten, aber nein, sie muß das Ding unbedingt einen Steinwurf von der Frauenkirche bauen! :boese:


    @ Exilwiener


    Ich weiß nicht genau, inwieweit man der Sächsischen Zeitung einen Vorwurf machen kann. Wenn die von Baywobau eine Simulation bekommen, drucken sie sie natürlich ab in dem Glauben, so etwas werde auch gebaut. Die Zeitung hat ja keinen Einblick in die Planungsvorgänge innerhalb des Unternehmens. Die "Betrüger" sind die Baywobau-Leute selbst. Man gibt doch der Presse nicht irgendwelche hübschen Entwürfe, wenn man etwas völlig anderes bauen will. Ich frage mich sogar, wieso die zuerst gezeigte Simulation mit den Rekos überhaupt angefertigt wurde - sie war doch für den Papierkorb!


    @ GanskeStortSett


    Eben, das ist es ja (siehe mein voriger Beitrag).

  • Besonders schlimm finde ich, dass solche Unternehmen immer mit Frauenkirche, Semperoper und Zwinger werben, auf diese Bauwerke aber in keinster Weise Rücksicht nehmen. Egal ob Baywobau oder Prisco, überall thront die Fauenkirche überdimensional groß. Von den Brüchen sieht man meist nichts. Dies ist schlichtweg Betrug, sonst nichts. Den selben Trick hat die Baywobau doch jetzt wieder angewendet, schön mit Rekos werben, hinter dem Rücken aber ganz was anderes tun.

  • Vielleicht auch eine Idee:


    Bettina Klemm erwartet am Dienstag von 10 bis 12 Uhr Ihren Anruf unter: 48 64 22 55
    Haben Sie Fragen zum aktuellen Geschehen in Dresden? Anregungen?
    Wollen Sie einfach mal Ihre Meinung loswerden? Oder jemandem danken? Wir versuchen, Ihnen zu helfen.
    Klemm.Bettina@dd-v.de
    (Quelle: SZ)


    Ausgewählte Anfragen und Antworten werden in der SZ ja gelegentlich abgedruckt.



    Zum Beispiel so:


    Sehr geehrte Frau Klemm,


    mit großer Betroffenheit habe ich die Veröffentlichung der Visualisierung für das Gebäude Neumarkt 6 von Architektin Heike Böttcher gesehen.
    Wie kann so etwas sein, nachdem Sie in Ihrer Zeitungen bereits Visualisierungen (die sich höchstens noch geringfügig ändern sollten)
    abgedruckt haben, die an dieser Stelle eindeutig Rekonstruktionen des Vorkriegszustandes gezeigt haben?!
    Und jetzt kommt ein Gebäude aus Glas und Stahl, welches Herr Dietze von der Baywobau bewusst so wollte?
    Ich kann es nicht nachvollziehen, wie eine Person aus reinem Egoismus bewusst die Seelen der Dresdner Bürger verletzen will.
    60000 Dresdner waren laut Bürgerbegehren für einen historischen Neumarkt.
    Und nun meinen einzelne Personen zu wissen, dass das genaue Gegenteil gut für diesen Platz, für die Dresdner und Touristen ist?
    Was für eine unglaubliche Arroganz und Ignoranz !
    Dresden hat mehr als genug Platz für solcherlei Experimente, in vielen Gebieten würde die Moderne eine Aufwertung darstellen -
    warum aber genau im Herz der Stadt und somit im Herz der Dresdner? Diese bewussten Brüche sind doch bereits im gesamten Stadtgebiet zu finden -
    man muss sich von der Frauenkirche gerade Mal 100 Meter entfernen, schon sieht man an allen Ecken und Enden die Mahnmale des Krieges.


    Ich würde mich freuen, wenn Sie in Ihrer Zeitung deutlicher auf solche Ereignisse und Vorgehensweisen hinweisen würden!


    Mit freundlichen Grüßen,...

    Ich entschuldige mich von Herzen für meine früheren arroganten, provokanten, aggressiven und unfreundlichen Beiträge!
    Jesus ist mein Herr und Retter!

  • Danke fuer den Tipp youngwoerth! Diese Moeglichkeit sollten wir alle nuetzen! Je mehr von uns bei Frau Klemm anrufen, desto besser! Das ist eine perfekte Chance, um auf unsere Bedenken und Aengste aufmerksam zu machen!

    „Dekoration ist der wichtigste Teil der Architektur“ (Sir William Scott)