Dresden - die Johannstadt

  • WiD-Projekt Florian-Geyer-Straße 13

    Wie die Sächsische Zeitung berichtet, hat die WiD auf einer Informationsveranstaltung zu den neuen Plänen zum ehemals als Hochhaus geplanten Projekt zwischen den DDR-Hochhäusern informiert. Dazu gibt es eine Mitteilung, wo man sich auch die Präsentation der Ergebnisse herunterladen kann. Außerdem fragt die WiD ausdrücklich nach Meinungen zu den vorgestellten Ergebnissen. Ich zitiere mal aus meiner Einlassung dazu:

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    in der Präsentation sprechen Sie von „Maßgaben zur Einordnung der städtebaulichen Figur“ des Projektes an der Florian-Geyer-Straße 13, auf deren Grundlage die WiD den dargestellten Grundriss des geplanten Baukörpers entwickeln ließ.

    Ich konnte keinen Beschluss des Stadtrates, des Bauausschusses oder des Stadtbezirksbeirates dazu finden. Das scheint also eine Anregung aus dem Stadtplanungsamt zu sein - ich habe mal nachgefragt, von wem diese Maßgabe kommt.

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    Das Hochhausleitbild der Landeshauptstadt Dresden hat für den Bereich Johannstadt die Empfehlung eines perspektivischen Rückbaus der Hochhausbauten und eine Stadtreparatur durch Bebauung mit Ersatzbauten in „Regelbauweise“ als explizit zu prüfen genannt. Dieser Begriff ist im Zusammenhang mit der Geschichte der Bebauung der Johannstadt nicht nur auf die Gebäudehöhe bezogen zu verstehen, sondern natürlich auch auf den Stadtgrundriss.

    [...]

    Die Johannstadt war in dem in Rede stehenden Bereich von Anfang an in Blockrandbauweise bebaut [...].

    [...]

    Vor der Zerstörung 1945 standen auf dem Grundstück fünf Einzelgebäude mit jeweils fünf Vollgeschossen. Das Projekt der WiD könnte bei Bebauung im Blockrand sowie mit Hinterhäusern also auf dem Grundstück die gleiche Wohn- und Nutzfläche erhalten, wie der bisher erarbeitete Entwurf. Zudem wäre eine dem Stadtbild wesentlich zuträglichere abwechslungsreichere Gestaltung der Fassaden möglich. Eine Anpassung an ein sowieso langfristig in Frage stehendes Umfeld (s. Hochhausleitbild) ist im Gegensatz dazu jedoch keinesfalls stadtbildförderlich. Bei einer Bebauung mit einzelnen Gebäuden auf Parzellen historischer Größe wäre eine spätere differenziertere Anpassung zudem wesentlich einfacher möglich. Die Architektur der Gebäude würde sich überdies wesentlich stimmiger in das Gesamtstadtbild einfügen, wenn regionaltypische Elemente verwendet würden (was bei historisch korrekter Blockrandbebauung natürlich einfacher umzusetzen ist), z.B. ein Sattel- oder Mansarddach mit Gauben und Zwerchhaus, eine sichtbar abgesetzte Sockelzone, sowie eine vertikale Fassadengliederung

    Das ist also mal ein ganz konkreter Lackmustest für das neue Hochhausleitbild, nicht nur im Bezug auf Hochhäuser, sondern auf das Stadtbild ganz allgemein.

  • Heyho du warst schneller...


    Das geneigte Publikum darf gern seine Meinung zum geplanten WID-Neubau an der Florian-Geyer-Str. kundtun.


    Die Gestaltung lässt meiner Meinung nach immer noch zu wünschen übrig. Halt zwei weiße Kästen mit versetzten Fenstern und Loggien, weil sich eine regelmäßige Fensterverteilung wieder mal mit den Wohnungsgrundrissen überschneidet, so dass man sich wohl nicht imstande sah, dies in Einklang zu bringen. So wirkt die Fassade m. M. sehr unruhig. Wenn ihr mich fragt, keine Bereicherung für das Stadtbild. Es zeigt sich, wie du schon aufzeigst, dass man die Vorgaben oder Empfehlungen des Hochhausleitbildes seitens der Stadtverwaltung nur in Bezug auf die reduzierte Höhe akzeptiert, sonst aber in gewohnter Manier "seinen Stiefel" durchzieht.


    https://www.wid-dresden.de/mit…florian-geyer-str-13.html

    "We live in the dreamtime-Nothing seems to last. Can you really plan a future, when you no longer have a past." Dead Can Dance - Amnesia

  • Wie gesagt, es wird sich bald klären, wer wieviel auf das Leitbild gibt. Ich habe aber das Gefühl, dass gerade das Stadtplanungsamt da gern eigenwillig interpretieren will und die WiD als der Stadt gehörend da gerne zustimmt, bzw. keine explizit eigene Meinung hat. Aber warten wir mal ab, wie sich da positioniert wird.

  • Ich sehe das vor dem Hintergrund, dass schon andere WID-Projekte stark an der Optik eingebüßt haben. Man erinnere sich an die zunächst veröffentliche Planung in der Friedrichstadt Ecke Fröbel/Löbtauer Str. Jetzt mal losgelöst vom Hochhausleitbild.


    Man vergleiche: frühere Planung (siehe unten)


    https://www.dnn.de/Dresden/Lok…-Standorte-in-der-Planung


    und was nun gebaut wird


    https://www.wid-dresden.de/froebelstrasse.html

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  • Mir kommt das manchmal so vor - also jetzt ganz ohne Polemik - dass man in Dresden wirklich absichtlich so grausam hässlich baut.


    Ich kann mir nicht erklären warum, aber gute Architektur ist offenbar in Dresden einfach nicht erwünscht.

    "Die Modernisten sollten sich endlich eingestehen, dass sich die Qualität einer Stadt konventioneller Architektur verdankt" - (H. Kollhoff).

  • Außer mit "Absicht" lässt ich das meiste auch wirklicht nicht erklären. Auch die permanenten Verschlechter- und Verschlichterungen in den Entwürfen, die unbedingte Verwendung von grau und dunklen Dachziegeln - als propagiere man eine Melancholie der Architektur. Und das mit allen sich bietenden Mitteln - meist natürlich an der Öffentlichkeit vorbei, die immer nur vor vollendete Tatsachen gestellt wird.

  • Das alte Dresden war urban und Bauten, die Meisten in geschlossen Blockrandbebauung, hochstens detailliert in Barocke oder traditionelle Formen. Jeder fühlte sich wohl in solcher schönen Umgebung....So einer Umgebung soll doch wieder das Ziel sein?

  • Das alte Dresden war urban und Bauten, die Meisten in geschlossen Blockrandbebauung, hochstens detailliert in Barocke oder traditionelle Formen. Jeder fühlte sich wohl in solcher schönen Umgebung....So einer Umgebung soll doch wieder das Ziel sein?

    Hallo?

    Wir reden hier von Dresden, der Stadt mit der unfähigsten Stadtführung Deutschlands.

  • Mir kommt das manchmal so vor - also jetzt ganz ohne Polemik - dass man in Dresden wirklich absichtlich so grausam hässlich baut.


    Ich kann mir nicht erklären warum, aber gute Architektur ist offenbar in Dresden einfach nicht erwünscht.

    Dem ist auch so. Der hiesigen Architektenblase können die "Brüche" gar nicht toll genug sein. Sie wollen viel, sie können nichts.

  • WiD-Projekt Florian-Geyer-Straße 13

    Ich habe nochmal recherchiert, ob die einzelnen Fraktionen im Stadtrat sich zur Gestaltung des geplanten Gebäudes irgendwie öffentlich positionieren, konnte aber nicht wirklich etwas dazu finden, außer, dass die Grünen zusammen mit der SPD damals einen Ersetzungsantrag zur Abhilfe der im Stadtrat besprochenen Petition P0115/18 eingebracht hatten, der folgenden Punkt enthielt:

    Das Gebäude wird lediglich als ein Baukörper ausgebildet und wird in der städtebaulichen
    Kubatur den bereits vorhanden drei Häusern entsprechen.
    Die WID wird aufgefordert eine Verschiebung des Gebäudes mit dem Ziel der geringstmöglichen
    Beeinträchtigung/ Verschattung des Nachbarhochhauses zu prüfen

    Der Antrag wurde nicht angenommen; es ging aber bei der Petition der Mieter der angrenzenden Plattenbauten und Hochhäuser darum, dass der (Hochhaus-)Neubau Verschattung bringen würde und nicht ins "Ensemble" der DDR-Hochhäuser passe.


    Nach Aussage der WiD gab es damals eine Jury, in der auch Mitglieder des Stadtrates waren, die sich ausdrücklich gegen Blockrandbebauung ausgesprochen hätten. Das allerdings noch unter der Maßgabe, sich an die umgebenden Hochhäuser anzupassen, die ja nun aber durch das Hochhausleitbild in Frage gestellt wurden. Der Entwurfs- und Planungsprozess wurde dessen ungeachtet auf Grundlage der ursprünglichen Annahmen weitergeführt.


    Ich sehe hier zwei Möglichkeiten, das Projekt zu verbessern:

    • möglichst umfangreiche und ggf. öffentliche Appelle an die WiD, sich selbst für eine Stadtreparatur einzusetzen und neu entwerfen zu lassen
    • einen Bebauungsplan, bzw. den bestehenden auf das Plattenbau- und Hochhausgebiet zu erweitern

    Ich habe der WiD erneut geschrieben; vielleicht will das jemand auch noch tun, um an die Verantwortung der städtischen(!) Wohnungsgesellschaft zu appellieren.

  • Baugenehmigung für das Flüwo-Wohnprojekt am Käthe-Kollwitz-Ufer. Die Sächsische Zeitung berichtet, dass "die Stadt" Änderungswünsche bzgl. der Gestaltung hatte, u.a. sollen Sandstein und "ein bestimmter Farbton in Beige" zur Anwendung kommen.


    sa8s4bwsl7geqgi3kkqllhxp43ew8vuu.jpg

    Bildnachweis: © Flüwo Bauen Wohnen eG, erschienen in: Sächsische Zeitung.


    Für die repräsentative Ansicht zur Elbe hin finde ich die Fassade einfach nur eintönig, langweilig und für Dresden ziemlich untypisch. Auch, dass das Erdgeschoss mal wieder keine Außenfunktion hat, finde ich bedauerlich.

  • Zweigeschossige Gauben in offenbar mit Kupfer gedeckten, ein Flachdach kaschierenden Dachschrägen und eine verklinkerte Fassade, die auf einem Sichtbetonsockel mit Glasflächen "ruht", dazu wieder schmale bodentiefe Fenster - das hat außer den sprichwörtlichen vier Wänden nichtmal großartige Ähnlichkeit mit dem Hilton am Neumarkt (das ehrlicherweise auf dem ersten verlinkten Bild noch das dresdentypischste Gebäude ist).


    Das ist übrigens die Vorkriegsbebauung:

    elis0791.jpg

    Bildnachweis: altesdresden.de


    Dresdentypisch: Sandsteinsockel, biberschwanzgedecktes Mansarddach, in Stein gefasste Gauben. Außerdem: vielfältige Fassadenelemente, Eckenbetonung, teilweise öffentliche Erdgeschossnutzung und vor allem eine repräsentative Schauseite zum Elbufer.

  • Entschuldigung.

    Aber diese vollkommen überladene Gründerzeitbebauung war einfach nicht typsch für das "historische" Dresden

    So etwas gab es seinerzeit überall im Reich, wie etwa auch in Berlin, im Ruhrgebiet, etc. Das, was du ansprichst sind Generalia historischer Architektur seit der Renaissance. Mal besser und schöner, mal schlechter.


    Die wirklich dresdentypische Architektur endete um 1870.

    Dort waren andere Elemente wesentlich, als die, die du ansprichst.

  • Als vollkommen überladen würde ich das Beispiel jetzt nicht bezeichnen, v.a. wenn man die Lage berücksichtigt. Sandstein ist z.B. auch nicht überall das Material der Wahl im Historismus gewesen und auch die Dachform und -eindeckung unterscheidet sich in den regionalen Ausprägungen der Gründerzeitarchitektur. Meine Aufzählung endete auch nach "Außerdem", danach folgen tatsächlich allgemeine Stilmerkmale historischer schöner Architektur, die übrigens vielleicht nicht urtypisch für Dresden war, das Stadtbild bis 1945 aber wesentlich mitprägte.


    In jedem Fall gefällt mir die Vorkriegsbebauung besser als der geplante Entwurf, was nicht heißt, dass mir nichts außer ersterer gefiele. Es ist die Beliebigkeit bei der Stil- und Materialwahl, die ich kritisiere und die es im Historismus überwiegend nicht gegeben hatte.

  • Es ist die Beliebigkeit bei der Stil- und Materialwahl, die ich kritisiere und die es im Historismus überwiegend nicht gegeben hatte.

    Hm....äm.... Das ist aber gerade eines der Kennzeichen gründerzeitlicher Architektur (Historismus nicht gleich Gründerzeit).


    Die Flächigkeit und Geschlossenheit im Umriss, die wenigen akzentuierenden Eleente und die hohen Satteldächer sind für mich hingegen typisch für Dresden. Und darunter verstehe ich nicht die Jahre ab 1880

  • Es ist aber schon reichlich grotesk, die von Civitas fortis im VG zu sehenden Gebäude als vollkommen überladen zu bezeichnen. Wir reden hier nicht vom Kaiserpalaist am Pirnaischen Platz oder den unmittelbar am Sachsenplatz anliegenden Gebäuden, die ich in ihrer Opulenz an diesem Standort durchaus sehr beeindruckend finde oder besser fand.


    https://commons.wikimedia.org/…ck_&_Sohn_Kunstverlag.jpg


    https://commons.wikimedia.org/…lla_%C3%A9poca_Dresde.jpg


    https://commons.wikimedia.org/…z,_Dresden_-_1907_(1).tif


    Oben zu sehendes Gebäude ist im Grunde ein Typus, den wir weiter östlich noch um den Thomas-Müntzer-Platz finden. Übermäßiger Fassadendekor ist hier nicht das Mittel der Wahl gewesen, den Häusern Opulenz zu geben, nein, es war schlicht die doch überdurchschnittliche Verwendung von "teurem" Sandstein, statt Putz, Klinker und Co, wie es sonst oft üblich war für die Fassade.


    Ich empfehle


    https://www.amazon.de/Architek…olker-Helas/dp/3528186968

  • Man sollte vielleicht noch erwähnen, dass die bauliche Geschichte der Johannstadt überwiegend erst nach 1874 (Aufhebung eines Bauverbots) begann. Baugeschichtlich lässt sich in der Johannstadt also ohnehin nur an die Gründerzeit, bzw. den Jugendstil anknüpfen.

  • Überladen ist in der Tat nicht der richtige Ausdruck, zumindest nicht in der Mikrostruktur. Protzig, monumental wäre angemessener, was sogar mit der hier zu beobachtenden Reduktion in der Detailgestaltung vereinbar ist. Eben dies, und da hat R. völlig recht, ist geradezu undresdnerisch. Die Dresdner Architektur neigt zum Unmonumentalen, geschmacklich jedoch Feinfühligen, zum bewussten Setzen von Akzenten, egal ob mikro- oder makrostrukturell. Die hier gezeigten Fassaden mit ihrer Kumulation von Giebeln, Erkern und Türmen (darin sind sie wahrhaft überladen) bei gleichzeitiger Vernachlässigung des Dekors könnten wirklich überall stehen. Zu Dresden passen sie nicht besonders. Dass die Nachfolgebebauung natürlich viel schlechter ist, steht auf einem anderen Blatt.

    Augustinus (354-430) - Zweiundzwanzig Bücher über den Gottesstaat
    14. Buch 9. Kapitel
    Der Staat oder die Genossenschaft der nicht gottgemäß, sondern nach dem Menschen wandelnden Gottlosen dagegen, die eben infolge der Verehrung einer falschen und der Verachtung der wahren Gottheit Menschenlehren anhangen oder Lehren der Dämonen, er wird von den bezeichneten verkehrten Gemütserregungen geschüttelt wie von Fieberschauern und Stürmen.