Verlust von Schlössern auf dem Gebiet der ehem. DDR

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    • @erbsenzähler: Die Schlösser von Putbus, Neustrelitz und Neubrandenburg sollten unbedingt rekonstruiert werden. Vor allem das Schloss in Neustrelitz war von kaum glaubhafter Eleganz. Ein Meisterwerk in Nachfolgung des Schlosses Charlottenburg bei Berlin.

      Bei das von Dir in einem anderen Strang vorgestellten Malchin fiel mir auf, dass die Qualität von der Stadtkirche, dem Rathaus und der Stadttore wirklich sehr groß ist. Ich kannte es bisher nicht. Im Übrigen scheint das Städtchen doch noch ziemlich zerstört gewesen zu sein. Wurde es im gleichen Schub wie Demmin zerstört?
      Favorevole alla ricostruzione completa come era e dove era.
    • Interessant ist beim Neubrandenburger Palais, dass es auf der Luftaufnahme kaum auffällt zwischen den Bürgerhäusern und sich sogar dem benachbarten Rathaus unterordnet. Auch um 1900, als die Schlösser in Neustrelitz und Putbus prächtig ausgebaut wurden, blieb das Neubrandenburger Schloss bescheiden, obwohl es als großherzogliche Sommerresidenz diente. Rathaus und "bürgerliches" Schloss bildeten deshalb ein bemerkenswertes Ensemble.

      In Putbus und Neustrelitz ist die Situation durchaus vergleichbar mit der aktuellen Schlossrekonstruktion in Herrenhausen: Allen gemeinsam sind Schlossgärten von herausragender Bedeutung, bei denen Schloss und Park jeweils durch entscheidende Sichtachsen miteinander verbunden waren. Während die Parks gut erhalten und gepflegt sind, fehlen heute die Sichtbezüge zu den Schlössern als wesentliches Gliederungselement. In Herrenhausen wird dieser Zusammenhang bald wieder erlebbar sein, vielleicht eines Tages auch wieder in Putbus und Neustrelitz?

      Hier die wertvolle barocke Sichtachse in Neustrelitz:

      http://de.wikipedia.org/wiki/Bild:Neustrelitz_Schlosspark.jpg\r
      de.wikipedia.org/wiki/Bild:Neust ... sspark.jpg
    • "erbsenzaehler" schrieb:

      Es ist ein alter Thread, aber er gehört definitiv nicht in die Mottenkiste! Entschuldigt :zwinkern:


      Erstmal möchte ich euch eine Seite zeigen, die verfallende Schlösser & Herrenhäuser in Mecklenburg-Vorpommern zeig (wird noch erweitert):
      herrenhaeuser-schloesser.de
      Vielleicht findet der ein oder andere ja ein interessantes Objekt


      McPomm ist schon interessant. Ich hab mir mein Navi dort oben so eingestellt das ich alle größeren Straßen konsequent gemieden hab. Da fuhr man da so desöfteren mit 60 und Licht durch einspurige Alleen, in der Nähe des Dorfes mitten in der Einöde fing so übles Kopfsteinpflaster an das man im 1. Gang(!) fahren mußte, auf einmal wurde die Allee breiter und am Ende stand ein runtergekommenes Herrenhaus, komplett mit Teich mitunter. Das hat Spaß gemacht, aber man fragt sich schon was aus Haus und Dorf wohl werden soll. An der Küste funktioniert Tourismus noch, aber weiter drinnen?
    • Die vielen herrlichen Seen in MeckPom sind wertvolles Potential für den Tourismus. Natürliche, unverbaute Ufer, dazu schöne Wälder und Alleen findet man vielfach. Weil das Land so dünn besiedelt ist, hat man ein Gefühl von Weite und Freiheit. Das ist sehr erholsam und in Deutschland nur selten so zu finden. Potentiale gibt es v. a. für Badeurlaube (auch an den Seen), Wassersport, Reiterferien, Ökotourismus und Fahrradtouren (falls der Straßenbelag es zulässt). Neben Bayern könnte Mecklenburg-Vorpommern zur wichtigsten Urlaubsregion in Deutschland werden.
    • "Kindvon2dresdnern" schrieb:

      Hier noch eine sehr umfangreiche Seite:

      schloesser-um-dresden.de.hm/


      mit dem Schicksal vieler Schlösser und Schlösschen, die teilweise vom Verfall bedroht sind.


      Ein Schicksal, was dem Schloss Ettersburg bei Weimar erspart blieb:

      schloss-ettersburg.de/vst.htm


      dort ist ein Verein sehr bemüht, das Schloss aus dem Dornröschenschlaf zu wecken.


      Das Schloss ist beinahe rekonstruiert: schloss-ettersburg.de/aktuelles.htm :P



      Nach dieser gute Nachricht was für Hardcore Masochisten: die Sprengung des Schlosses in Schwedt (Nazi-Musik ausmachen): youtube.com/watch?v=Aw37I_WjZoE

      Das Schwedter Schloss [Bearbeiten]Im 17. Jahrhundert war Schwedt als Lehen vergeben und wurde durch Initiative von Kurfürstin Dorothea 1670 ausgelöst. Die Kurfürstin war die zweite Frau des Großen Kurfürsten, Friedrich Wilhelm, und wünschte, ihrem ältesten Sohn Philipp Wilhelm, der keine Aussichten auf eine Thronfolge hatte, eine angemessene Residenz hinterlassen zu können. Schon kurz nach dem Ankauf wurde Cornelis Ryckwaert, ein holländischer Architekt, mit dem Aus- und Umbau des alten, aus der Renaissancezeit stammenden Schwedter Schlosses beauftragt. Der Vorgängerbau aus den Jahren 1553 bis 1569 war infolge des Dreißigjährigen Krieges in einem ruinösen Zustand. Die Arbeiten an dem Neubau, in den die erhaltenen Bauteile integriert wurden, dauerten bis 1685 an. Von 1701 bis 1704 wurde der Nordflügel durch Martin Heinrich Böhme errichtet. Das Schloss war zu diesem Zeitpunkt eine typisch barocke, dreiflügelige Anlage, die sich an niederländischen Vorbildern orientierte. Die Gartenfassade war von zwei Türmen gerahmt und der Mittelbau durch einen giebelgeschmückten Risalit betont. Zur stadtseitigen Fassade mit dem großen Ehrenhof führte eine 100 Meter breite Kastanienallee. Der Gartenfassade war ein Barockpark vorgelagert.

      Das Schwedter Schloss war ab 1689 bis zum Ende des 18. Jahrhunderts bewohnt, stand im 19. und 20. Jahrhundert jedoch die größte Zeit leer. 1794 geriet es kurzzeitig an Friedrich Ludwig Karl von Preußen, unter dessen Auftrag eine Reihe der Wohnräume durch Friedrich Gilly im Stil des Klassizismus umgestaltet wurden. Ab 1904 wurde das Schloss durch einen Sohn Albrechts von Preußen bewohnt und verblieb bis 1945 im Besitz der Hohenzollernfamilie.

      Im Zuge der Kämpfe des Zweiten Weltkrieges wurde das Schloss im Frühjahr 1945 durch Granatbeschuss schwer beschädigt. Die Ruinen wurden auf Veranlassung Walter Ulbrichts 1962 gesprengt und die letzten Überreste bis 1969 beseitigt. An der Stelle des Schlosses wurde ein Kulturhaus errichtet, welches heute die Uckermärkischen Bühnen Schwedt beherbergt.

    • Erfreuliches gibt es auch über Schloss Rossewitz zu berichten. Nachdem dieses frühbarocke Schloss, eines der bedeutendsten in Mecklenburg, ab den siebziger Jahren (!) zu verfallen begann und 1982 sowie erneut zu Beginn der neunziger Jahre das Dach einstürzte - mit katastrophalen Folgen für die barocke Innenausstattung, schreiten jetzt die Wiederherstellungsarbeiten deutlich voran. Die prachtvollen barocken Wandmalereien im Festsaal werden gerade wiederhergestellt:

      de.wikipedia.org/wiki/Herrenhaus_Rossewitz

      Foto vom Juli 2008 mit den rekonstruierten barocken Wandmalereien:

      de.wikipedia.org/wiki/Bild:Schloss-Rossewitz-Ballroom.jpg
    • "Däne" schrieb:

      Nach dieser gute Nachricht was für Hardcore Masochisten: die Sprengung des Schlosses in Schwedt (Musik ausmachen): youtube.com/watch?v=Aw37I_WjZoE


      wirklich traurig mit anzusehen, wie die schlossreste zusammenfallen :(

      allerdings hab ich die musik laufen lassen... heftig. hab erst gar nicht zugehört und einfach die schöne melodie auf mich wirken lassen, bis ich dann doch mal genau auf den text gehört hab. tja, auf diese weise können sie eben leicht ihre ideologie unters volk bringen.
    • Zeit für eine Strang-Reanimation!

      Zum 1964 abgerissenen und hier schon mehrfach angesprochenen Schloss Putbus gibt es nun einen eigenen Strang:
      architekturforum.net/viewtopic.php?f=37&t=3384&p=107368


      "Mathias" schrieb:

      Neben Bayern könnte Mecklenburg-Vorpommern zur wichtigsten Urlaubsregion in Deutschland werden.

      Nicht neben, sondern vor Bayern ist MeckPomm nun wichtigste Urlaubsregion in Deutschland. 8)
      Nicht nur war MV das einzige Bundesland mit Zuwächsen in der Tourismusbranche im Krisenjahr 2009 - wir haben nun auch Bayern als #1 abgelöst.

      Zum Thema Tourismus in Mecklenburg-Vorpommern gibt es auch einen eigenen Wiki-Artikel: de.wikipedia.org/wiki/Tourismus_in_Mecklenburg-Vorpommern
    • Ich habe einige Informationen und Ansichten zum Schloss Dwasieden direkt an der Ostsee in Sassnitz auf Rügen ergänzt - einst eine der prachtvollsten Villen der Kaiserzeit mit Sandstein-, Granit- und Marmorfassaden, wurde der Bau 1948 auf SED-Befehl gesprengt:

      de.wikipedia.org/wiki/Schloss_Dwasieden[ /b]

      Es gibt auch ein 3D-Modell(das nicht ganz proportional ist, da zu schmal geraten).
      Zwischenzeitliche Wiederaufbaupläne sind bislang gescheitert. Hoffen wir das Beste für die Zukunft dieses Areals. Etwas nördlich davon soll der alte Sassnitzer Stadthafen bald durch eine neue Marina mit Ferienwohnungen attraktiver werden. Vielleicht ist das eine Initialzündung. :thumbup:
    • Schloss Dwasieden

      Das 1948 gesprengte Schloss Dwasieden ist ein sehr schmerzlicher Verlust, auch wenn es heute kaum noch bekannt ist. :weinen:
      "Wir drehen uns um, vom Meere aus in den Wald sehend - da steht vor uns Schloß Dwasieden! Ja, so muß Dornröschens Palast ausgesehen haben - umkränzt von dichtem Walde, still und geheimnisvoll, wie ein Gedicht zum Himmel steigend." (Autotypie aus: "Daheim dt. Familienblatt" 1895).
      Schöner ist das helle Sandsteinschloss inmitten des grünen Buchenwaldes wohl nicht zu beschreiben! Es war das einzige Gebäude in Nord-Deutschland, welches aus massivem Sandstein, Granit und echtem Marmor gebaut worden ist. Somit war es auch eines der wertvollsten Schlösser. Erbaut wurde Schloss Dwasieden von 1873 bis 1877. Adolph von Hansemann, Inhaber der Disconto-Gesellschaft in Berlin (einer der reichsten Männer der Bismarckzeit), gab dieses Bauwerk in Auftrag. Der Architekt war Friedrich Hitzig - ein Schüler von Friedrich Schinkel. Der Bau des Schlosses und die Gestaltung des 100 Hektar großen Parks kosteten vier Millionen Mark. Zur damaligen Zeit eine enorme Summe. Das Schloss war ein quadratischer, zweigeschossiger Bau, an dessen Seiten sich Säulengänge befanden, die in offenen, tempelartigen Pavillons endeten. Auffällig am Schloss waren die beiden an den Eckseiten angeordneten Aussichtstürme mit pfeilerartig hervortretenden Wandstreifen, die das Gebäude überragten. Nicht nur der Bau und die hochwertig verwendeten Materialien machten es zu einem Prunkbau, sondern auch die wertvolle Innenausstattung. Auch der gesamte Park Dwasieden (400 Morgen) war eine sehr gepflegte Anlage und wurde schon bei seiner damaligen Fertigstellung als einer der schönsten Parks in Norddeutschland angekündigt.




      Von dem Prachtbau existieren aufgrund der Sprengung 1948 nur noch Ruinenreste sowie der 1997 ausgebrannte Marstall. (...) 1948 wurde das Schloss aufgrund des SMAD-Befehls Nr. 209 wie andere ehemalige Adelssitze auch im Zuge der Bodenreform in der sowjetischen Besatzungszone gesprengt, wobei hier noch „erschwerend“ hinzukam, dass das Schloss militärisch genutzt worden war. Im Schlosspark befand sich in den letzten Kriegsjahren ein Militärstützpunkt und das Schloss wurde als Offizierskasino genutzt.


      Hier auch ein paar Link-Tips zum Schloss Dwasieden von mir: :trommeln:
      schloss-dwasieden.de/
      vergessene-orte.blogspot.de/20…-das-weie-schloss-am.html
      de.wikipedia.org/wiki/Schloss_Dwasieden
    • Heute nicht mehr nachvollziehbar, von welchen kranken Hirnen damals solche barbarischen Entscheidungen getroffen wurden.

      Wirklich schade um Schloss Dwasieden und die anderen Kulturgüter, die man unserer Kultur damals so brutal entrissen hat.
      "Lieber Gott, schütze uns vor Dreck und Schmutz,
      vor Merkel, Krieg und Denkmalschutz“!

      Treffendes Lied über deutsche Architektur!
    • Aufgrund ideologischer Borniertheit wurde 1948 Schloss Guteborn im Süden Brandenburgs gesprengt. Als "Hort der Reaktion" wurde es von den SED-Schergen dem Erdboden gleichgemacht. Dabei war die Residenz des Prinzen Ulrich von Schönburg ein geschichtsträchtiger Ort. Vor den Revolutionswirren in Dresden nach Preussen geflüchtet, unterschrieb hier der letzte sächsische König, Friedrich August III., die Abdankungsurkunde. Legendär wurde sein "Macht doch euren Dreck alleene".



      de.wikipedia.org/wiki/Schloss_Guteborn
      In der Altstadt die Macht, im Kneiphof die Pracht, im Löbenicht der Acker, auf dem Sackheim der Racker.

      Hätt' ich Venedigs Macht und Augsburgs Pracht, Nürnberger Witz und Straßburger G'schütz und Ulmer Geld, so wär ich der Reichste in der Welt.