Wiederaufbau der Bauakademie

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    • Heimdall schrieb:

      Mein Kumpel ist ein Cineast.
      Das wundert mich. Ich bin selbst filmaffin in vielerei Hinsicht. Ich kann nicht verstehen, wie man gleichgültig durch die Straßen laufen kann. Ich denke mir immer eine Szene aus, was man dort drehen könnte, oft kommt es mir vor, dass heute die Kulissen für Dystopien von morgen gebaut werden ("The Road" oder ähnliches).
    • @"Franka"
      Das ist jetzt etwas off-topic. Aber zur kurzen Erklärung. Ich denke schon, dass er ein ausgeprägtes Sensorium für die Stimmung eines Ortes hat. Aber das ist eben rein emotional und wird nicht auf die (architektonischen) Hintergründe hin analysiert. Wenn z.B. eine Villa entstellt oder abgerissen wird, empfindet er den Ort danach möglichenfalls nicht mehr stimmungsvoll. Es wird aber nicht inhaltlich bzw. direkt mit der Baumaßnahme verknüpft. Den Abriss des Palastes der Republik in Berlin bedauerte er nicht weil er den PdR sonderlich schön fand, sondern weil jener eine authentische Aura von Geschichte hatte, somit "stimmungsvoll" war. Das technische Rathaus in Frankfurt fand er damals recht wertneutral einen "sehr speziellen Bau". Dieser war real vorhanden, während die Idee der neuen Altstadt ein (zudem verschrobenes) Abstraktum darstellte. Und, um zum Thema zurückzukommen, die Bauakademie sagt ihm nichts, denn sie ist zur Zeit nicht vorhanden. Der Ort ist (abgesehen von der Kubatur aus Planen) nicht von dem Gebäude geprägt. Aber mein Kumpel äußerte: "Dann sollen sie das mal aufbauen." Er wird danach beurteilen, ob ein stimmungsvoller Ort entstanden ist. Ich denke, das ist kein Einzelfall, sondern auf durchaus viele Bürger übertragbar, die sich nicht täglich mit Architektur beschäftigen.
    • Den Vergleich mit einem Film finde ich gut. Kennt Ihr den:

      Vor noch gar nicht so langer Zeit war der Berliner als auch der Potsdamer Schlossplatz maximal als Filmkulisse für Grusel- oder diktatorische Propagandafilme zu gebrauchen.

      Heute ist da schon ein viel breiteres Spektrum wieder möglich. Manches wird zum Glück einfach wieder gutgemacht. Andere - bis dato noch - Unorte werden folgen.
      "The Sun" antwortet auf den Brief Campinos und AKKs aus Deutschland:

      „Liebes Deutschland“,…wir lieben Dich auch. ...hat uns sehr berührt, dass Ihr uns in Wahrheit ganz gerne habt. Humor, Tee mit Milch und die Pantomime zum Weihnachtsfest – all das würden die Deutschen bald also vermissen. Alles sehr bewegend. Aber mal ganz ehrlich - es gibt nichts, was wir an Euch vermissen werden. Weil wir nämlich nirgendwohin gehen. Der oder das einzige, was geht, ist die EU!“
    • Das, was sich hier am meisten anböte, wäre ein hochwertiges Architekturmuseum, mit Modellen und Skizzen von Schinkel über Klenze bis hin zu Speer und Gropius, zusätzlich kann man Relikte zerstörter Bauten zeigen, mit zugehörigen Fotos oder Bauplänen und Gipsmodellen. Ich denke, das wäre eine enorme Bereicherung für die Museumslandschaft Berlin und würde großen Anklang finden.
    • Ich hab’s! In die 1:1-rekonstruierte Bauakademie zieht ein: eine Bauakademie! Darin werden die Studenten, vorzugsweise nach Grundausbildung in einem Handwerk, in traditioneller Baukunst ausgebildet. Ziel ist die Gestaltung ganz normaler, regionaltypischer, schöner Bauten. Da auch die Innenarchitektur nicht zu kurz kommen soll, gibt es Klassen für Bauschreinerei, Dekorationsmalerei etc. Wie Seinsheim im Strang „Dresdner Schloß“ jüngst anregte, werden sich Synergien ergeben durch die Nähe zur Museumsinsel und der historischen Mitte Berlins – Stichwort: Von den Alten lernen.

      Apropos: Bevorzugte Materialien sind Ziegel, Naturstein, Kalk, natürliche Pigmente, Holz und - für Bauten auf dem Lande - auch Lehm. Für Nachhaltigkeit ist also gesorgt. Parallel dazu baut die Bundesregierung Überregulierungen im Bauwesen ab. Für Styropor-Dämmplatten wird eine Umwelt- und Gefahrgutabgabe eingeführt.

      Das Obergeschoß der Bauakademie ist noch frei? Wie zu Schinkels Zeiten residiert hier der Akademiedirektor, der zugleich Baudirektor des Landes Berlins ist. Das Denkmalamt bekommt auch ein paar Zimmer. Nach der Neuen Charta der Denkmalpflege sind moderne Ergänzungen im Stil des Denkmals auszuführen. Ferner hält der Heimatschutz wieder Einzug in die Denkmalpflege. Dem zuwiderlaufenden Nachkriegsbauten wird nur in Ausnahmefällen ein Denkmalwert zugesprochen. Nicht zu vergessen ist das besonders aktive Dezernat für Rekonstruktionen. Schließlich steht die Bebauung des Marx-Engels-Forums an.

      Für arbeitslos gewordene Bausenatorinnen und heimatlose „Kreative“ (etwa durch Abriß von Rechenzentren zugunsten glanzvoller Kirchen) werden etwas zugige Räume im ehemaligen Seebad Prora eingerichtet. Dort können sie einen kleinen Thinktank aufbauen mit Brainstormings, Workshops und so. Vielleicht entsteht auch das ein oder andere Start-Up daraus. Oder auch nicht.
    • Es ist in Berlin staatlich verboten bei Wiederaufbauten die ehem. Nutzung wieder aufzunehmen. Die Singakademie (Musiktheater) ist als Sprechtheater (Maxim-Gorki) wiederaufgebaut worde. Das Schauspielhaus (Sprechtheater) als Konzerthaus (Musiktheater). Das Schloß wird ein Museum/Kongreßzentrum.
      „Wer sich der Vergangenheit nicht erinnern kann, ist dazu verdammt, sie zu wiederholen.“ George Santayana (1863-1952), US-amerikanischer Philosoph spanischer Herkunft
    • in der Stadt des modernen ""Luescherismus"" ist leider alles moeglich:


      Jedenfalls ein Architekturmuseum ist natuerlich sehr interssant aber wird es wolh letztendlich nicht geben:
      vielleicht doch wieder etwas was sich beschaetigt mit der heutigen Politik in Europa , Deutschland usw ??
      z.B mit der heutigen und zukunftigen Migration oder aehnliches?? Oder Museum des Proletariats??


      was mich noch immer erstaunt ist dass man schon seit 1991 ueber den Wiederaufbau spricht, aber dass tatsaechlich in diesen 28 Jahren ausser einer Attrappe, eigentlich nichts geschehen ist.



      Uebrigens:


      Hans Kohlhoff hatte bei seine Wiederaufbau Plaene, Anfang der Neunziger Jahren, die Bauakademie schon eingeplant, uebrigens genau so wie das Schloss.
    • Natürlich ist's ein Witz, was denn sonst?
      was wäre der Schutzzweck so einer absurden Norm?
      Was wäre bei wiederaufgebauten Kirchen (könnte es ja theoretisch auch gegeben haben)?
      geschweige denn Wohnhäuser...
      ... dass jeder troglodytischen Lebensart, beruht sie nur fest in sich selbst, etwas schlechthin faszinierendes eignet, überhaupt für solche, die einen Ansatz dazu schon besitzen und mitbringen, der dann nur noch einer gewissen Entwicklung bedarf. (HvD)
    • Konstantindegeer schrieb:

      Es ist in Berlin staatlich verboten bei Wiederaufbauten die ehem. Nutzung wieder aufzunehmen. Die Singakademie (Musiktheater) ist als Sprechtheater (Maxim-Gorki) wiederaufgebaut worde. Das Schauspielhaus (Sprechtheater) als Konzerthaus (Musiktheater). Das Schloß wird ein Museum/Kongreßzentrum.
      Darf ich als Jurist :lehrer: mal dezent fragen, wo das stehen soll? Wir haben in Deutschland Baufreiheit (folgt aus dem Eigentumsgrundrecht, Art. 14 Abs. 1 GG). Jede Beschränkung, gleich ob Fläche, Geschosszahl, Wandfarbe oder Nutzung, ist ein Grundrechtseingriff und muss mit überwiegendem Gemeinwohlinteresse (Verhältnismäßigkeit) gerechtfertigt werden. Das ist beim Eigentum zwar leichter als bei anderen Grundrechten, aber eben erforderlich. Daraus folgt auch: Was der Staat nicht zurecht verbieten kann, muss er genehmigen (auch wenns hässlich ist).

      Eine Regel, die pauschal verbietet, das zu nutzen, was vorher genutzt wurde, einfach weil das vorher schon so war, wäre offensichtlich willkürlich und damit verfassungswidrig. Deshalb wäre ich neugierig, zu erfahren, was genau das für eine Regel sein soll und worauf sie wirklich abzielt.

      Welche Nutzung ein (Neu-)Bau ergreifen darf, hängt entweder davon ab, wie das Gebiet baurechtlich geplant ist (Allgemeines Wohngebiet, urbanes Gebiet etc. sind rechtliche Kategorien mit erlaubten, ausnahmsweise erlaubten und verbotenen Nutzungen; siehe Baunutzungsverordnung) und, wenn keine entsprechende Planung vorgeschrieben ist, nach den Eigenheiten der näheren Umgebung (eine "Bauakademie", das heißt wissenschaftliche Einrichtung mit Publikumsverkehr, musealer Nutzung, Bildung und Veranstaltung würde sich in das historische Zentrum ohne Weiteres hervorragend einführen und wäre ganz sicher zu genehmigen).

      Zu deinen beiden Beispielen: Das sind beides Bauvorhaben aus der DDR-Zeit, jeweils Entscheidungen der Staatsspitze (wenn ich mich nicht irre). Das hatte also nichts mit bundesdeutschem Baurecht, Lücher o.ä. zu tun. Vielmehr waren politische Gründe maßgeblich: Die DDR wollte eine Ost-Philharmonie (es gab keinen großen, ansprechenden Konzertsaal in Ost-Berlin) und die Singakademie war ein bürgerliches Stück Preußen (Mitglieder waren die Mendelssohns, Bismarck und andere große Namen), weshalb eine andere Kontinuität gewünscht war.

      Es gibt andere absurde Regelungen im Berliner Baurecht, etwa die Möglichkeit, über Gestaltungsvorgaben, die einstmals unter Stimmann eine weitere kritische Rekonstruktion der Stadt in Form und Material ermöglichen sollten, jetzt genau dies verhindern, indem Frau Lüscher ihre dogmatischen Vorstellungen diktieren kann. Eben diese Vorgaben könnten aber, richtig angewandt, auch manchen Schaden verhüten, deshalb müssen wir sie hinnehmen.

      Sollte jemand noch mehr vom Baurecht verstehen als ich (es ist weiß Gott nicht mein Lieblingsrechtsgebiet), bitte ergänzen! :lehrer:
      "Die Qualität städtischen Bauens resultiert aus einer Generationen währenden, kollektiven Leistung." Hans Kollhoff
    • Neu

      Chalco schrieb:

      Konstantindegeer schrieb:

      Es ist in Berlin staatlich verboten bei Wiederaufbauten die ehem. Nutzung wieder aufzunehmen. Die Singakademie (Musiktheater) ist als Sprechtheater (Maxim-Gorki) wiederaufgebaut worde. Das Schauspielhaus (Sprechtheater) als Konzerthaus (Musiktheater). Das Schloß wird ein Museum/Kongreßzentrum.
      Darf ich als Jurist :lehrer: mal dezent fragen, wo das stehen soll? Wir haben in Deutschland Baufreiheit (folgt aus dem Eigentumsgrundrecht, Art. 14 Abs. 1 GG). Jede Beschränkung, gleich ob Fläche, Geschosszahl, Wandfarbe oder Nutzung, ist ein Grundrechtseingriff und muss mit überwiegendem Gemeinwohlinteresse (Verhältnismäßigkeit) gerechtfertigt werden. (..) Sollte jemand noch mehr vom Baurecht verstehen als ich (es ist weiß Gott nicht mein Lieblingsrechtsgebiet), bitte ergänzen!
      Das ist das in allen Berliner Hochschulen genannte sog. Berliner Landrecht. Widerspruch ist gegen derartige Selbstverständlichkeiten nicht nur unerwünscht sondern auch unzulässig.
      „Wer sich der Vergangenheit nicht erinnern kann, ist dazu verdammt, sie zu wiederholen.“ George Santayana (1863-1952), US-amerikanischer Philosoph spanischer Herkunft
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      Nunja, da die Neue Schinkelakademie ja ein kompletter Neubau wird und kein Wiederaufbau wie der als Parlament umgenutzte Reichstag, das als Rathaus entfremdete Rote Rathaus oder die zur Kirche umgewandelten Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche kann uns dieses Wiedernutzungsverbot ja egal sein. Oder ist es ein flurgebundener Bann?

      Dann macht man eben eine Fachholschule für Baukunst statt einer Akademie daraus. Problem gelöst.
      "Schönheit wird die Welt retten" - Dostojewski
    • Neu

      Konstantindegeer schrieb:


      Es ist in Berlin staatlich verboten bei Wiederaufbauten die ehem. Nutzung wieder aufzunehmen...
      Das ist das in allen Berliner Hochschulen genannte sog. Berliner Landrecht. Widerspruch ist gegen derartige Selbstverständlichkeiten nicht nur unerwünscht sondern auch unzulässig.

      So isses. Und da dies schon seit vielen Jahrzehnten so praktiziert wird, braucht es als Gewohnheitsrecht auch nicht der Schriftform o.ä. (wie bei Gesetzen oder Verordnungen). ;)