Berlin - Wiederaufbau der Bauakademie

  • Ich habe auf der Seite der Stiftung Bauakademie gelesen, dass im Fühjahr eine abschließende "Bürger*innenwerkstatt" stattfindet. Ich weiß ja nicht, wie es das letzte Mal bei dem Thinktank war, aber es müssen diesmal unbedingt möglichst viele Befürworter einer rekonstruierten Bauakademie hingehen und mitmachen, damit man den wenigen Befürwortern einer modernen Bauakademie nicht den Raum überlässt und sie ganz alleine ihr Süppchen kochen.

  • Ist der Rotesaal / Mustersaal in den 2000er Jahren so erbaut worden worden, dass dieser an historischer stelle steht und beim historischen Wiederaufbau (auch der Grundrisse der Innenräume) integriert werden könnte?

    in einem Artikel, der Architekten des Wiederaufbaus steht, dass der Saal dem 1 Obergeschoss entspreche, daraus schließe ich das der soll beim eigentlichen Wiederaufbau abgebrochen wird.


    https://www.noefer.de/de/projekte/bauakademie/

  • Ich gehe davon aus, dass auch die Musterecke wieder abgerissen wird. Wir hatten darüber mal bereits diskutiert, finde aber die entsprechende Stelle nicht mehr.


    Auch wenn die Fassaden rekonstruiert werden, wissen wir ja noch nicht, wie genau deren Wandaufbau bezüglich Energievorschriften und Statik sein wird. Die jetzige Ecke ist ja wie im Original massiv gemauert, ohne jegliche Wärmedämmung. Aber in diversen Berichten konnte man lesen, dass die Fundamente bei einer Rekonstruktion der Fassaden wieder benutzt werden können. Von daher nehme ich an, dass die Musterecke auch auf den originalen Fundamenten sitzt.

  • Ich gehe davon aus, dass auch die Musterecke wieder abgerissen wird.

    So düster es derzeit auch für die Bauakademie aussieht, aber das halte ich doch für eher unwahrscheinlich. Immerhin ist die Musterecke eine hochwertige Rekonstruktion, spendenfinanziert mit erheblichen finanziellen Mitteln (die damals investierte Summe habe leider nicht herausfinden können). Auch wenn die Modernisten die Musterecke nicht wertschätzen, so stellt diese doch einen Sachwert dar, der nicht ohne weiteres a la Ulbricht zerstört werden kann. Nicht einmal wenn man das "Klima" als Alibi heranzieht.

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    "80 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs wiederholen Politiker jedes Jahr die Worte 'Nie wieder'. Und nun sehen wir, dass diese Worte wertlos sind." (Wolodymyr Selenskyj)

  • Ich glaube auch nicht, dass die Musterecke wieder abgerissen wird, es sei denn, sie muss abgetragen werden, um sie mit der restlichen Fassade wiederaufzubauen und zu verbinden.
    Ich habe ja ehrlich gesagt, schon eine Weile die ganz üble Ahnung, dass es letztendlich so aussehen wird, dass nur die bisher rekonstruierte Ecke dem Original entsprechen wird und die restlichen Teile der Fassade nur in einer vereinfachten bzw. "kritischen Rekonstruktion" wieder kommen werden". Sie meinten ja bereits, dass sie sich vorstellen könnten, nur die Rasterung der Fassade wiederherzustellen.

    Ist schon eine echte Zitterpartie... Ich mache mir jeden Tag Gedanken und Sorgen um die Bauakademie.
    Es hilft echt nicht, dass uns die Zeit zerrinnt und ausgerechnet Frau Kahlfeldt, die für eine Rekonstruktion ist, und diese wohl durchsetzen könnte, wahrscheinlich im Frühjahr den Posten nach Neuwahlen räumen muss. Ich ahne nichts Gutes, für wer auch immer nach ihr kommt. :(

  • Könnte man die Musterecke nicht schon einmal unter Denkmalschutz stellen lassen? Die ist ja mittlerweile auch schon über 20 Jahre alt...

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    Gutmensch = Gut gemeint, nicht zuende gedacht, schlecht gemacht

  • Ich mache mir jeden Tag Gedanken und Sorgen um die Bauakademie.

    Die Energie ist in konkreten Aktionen besser investiert. ;) Komm gern mal auf unseren Berliner Stadtbild-Ortsverband zu ( Snork oder mich z.B.).

    Und die Sorge um Frau Kahlfeldt brauchst du auch nicht in jedem zweiten Beitrag neuerlich zu äußern.
    Wir formen doch mit unseren Gedanken und Worten die Realität mit, insofern machen solche Beiträge das gewünschte Ergebnis nicht gerade wahrscheinlicher.

  • Die Berliner Zeitung hat sich am 28.11.2022 in einem Artikel mit dem Wiederaufbau der Bauakademie befasst.


    "Vor dem anstehenden Wettbewerb zum Wiederaufbau der Bauakademie am Schinkelplatz in Mitte haben sich die Berliner Architektenkammer und der Bund Deutscher Architektinnen und Architekten (BDA) gegen eine Vorfestlegung auf eine historische Rekonstruktion des Gebäudes ausgesprochen. Der BDA forderte die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung auf, „einen echten zukunftsoffenen Realisierungswettbewerb im Sinne Karl Friedrich Schinkels zur Wiedererrichtung der Bauakademie zuzulassen und sich als oberste Bauherrin der Stadt vorbildhaft und ohne Einschränkungen für eine angemessene Verfahrens- und Planungskultur einzusetzen“. Die Architektenkammer äußerte sich ähnlich. „Ausdruck und Gestalt des Bauwerks sollte den fachlich qualifizierten Teilnehmenden innerhalb eines schöpferischen Rahmens des Wettbewerbs freigestellt werden“, fordert sie."


    Die SPD-geführte Senatsverwaltung für Stadtentwicklung hält unterdessen an der Wiederherstellung der historischen Fassade fest. "Die Bauakademie sei „wesentlicher Teil des von Karl Friedrich Schinkel maßgeblich mitgestalteten einzigartigen Ensembles im historischen Zentrum von Berlin“. Pallgen: „Am Standort der Bauakademie wollen wir einen Bau, der nachhaltig und klimagerecht errichtet wird und zugleich die baukulturellen Werte von Karl Friedrich Schinkel verkörpert und Bezug nimmt zur historischen Umgebung. Deswegen unterstützen wir die Wiederherstellung der historischen Fassade.“


    Streit um Wiederaufbau der Bauakademie: Bekommt die Moderne eine Chance?
    Architektenkammer und Bund Deutscher Architektinnen und Architekten lehnen die historische Rekonstruktion als alleinige Vorgabe für einen Wettbewerb ab.
    www.berliner-zeitung.de

    (Quelle: Berliner Zeitung, 28.11.2022)



  • „Bekommt die Moderne eine Chance“ - Atemberaubend dieses Framing. Als ob die Moderne in der ganzen Stadt nicht schon längst eine Chance - nein, ganz viele Chancen - bekommen hätte… und meistens versagt hat.

    Völlig richtig! Wohl eher umgekehrt!

  • Wieso denn das? Ist doch allgemein bekannt, dass Berlin seit 1990 von vorne bis hinten historisch rekonstruiert wird!!! Überall entstehen enge verwinkelte Straßen, Fachwerkhäuser, barocke Paläste, Gründerzeitkaufhäuser noch und nöcher und auch sämtliche der - wieviele waren es? - gesprengten Kirchen werden rekonstruiert. Da die Rekonstrukionisten die Stadt im Sturm erobert haben, werden zu allem Elend auch noch im Humboldt-Forum die schönen außereuropäischen Sammlungen wieder rausgeworfen und nicht weniger als 60 Innenräume bis ins letzte Detail rekonstruiert.....Wahnsinn!

    Na, jetzt gebt der armen, armen Moderne doch endlich mal eine winzigkleine Chance... Endlich mal wenigstens ein modernes Bauwerk zwischen all den Fachwerkhäusern und schnörkeligen Barockpalästen.....

    *Zynismus off*


    Mit diesen Argumenten - denn haargenau so, wie ich es dargestellt habe, sehen die Modernisten die Realität - wird klar, wie diese selbst nach 120 Jahren immer noch die Welt sehen: Sie sind die armen Opfer, die ehrbaren Kämpfer (Luke Skywalker vs. The Empire and Darth Vader), die endlich einmal der verwirrenden architektonischen Fülle historisch-historistischer Stadtbilder etwas anderes entgegensetzen wollen.


    In Dtl. kann man das nicht mehr nachvollziehen, aber wenn ihr mal nach Wien geht, dann wird es klar, was die Moderne wollte. Endlich - endlich mal eine glatte Fassade, kühles Glas, flache Dächer - etwas ganz anderes als das, womit man allüberall umgeben war. Und das kann man (kann ich) von dieser Warte aus auch verstehen.....


    Aber wir leben eben nicht mehr im Jahr 1900. Die Welt und vor allem unsere Städte in Dtl. haben sich radikal verändert. Woran natürlich auch die Moderne dran "schuld" ist. Und das wird auch / will auch die Reko-Bewegung nicht ändern können. Aber im Jahre 2022 immer noch ein Weltbild aus der Zeit um 1900 zu haben, das ist heftig. Deshalb auch die Angst vor Schloss und Garnisonkirche: Die denken wirklich, der Kaiser (oder noch ein anderer, viel schlimmerer) käme dadurch zurück.

    Absurd und dumm!

  • denn haargenau so, wie ich es dargestellt habe, sehen die Modernisten die Realität

    Ich weiß nicht, ob sie so die Realität sehen. Dann hätten sie gewaltige Tomaten auf den Augen. Ich denke, dass sie so eher die Realität framen, weil ihr Macht- bzw. Gestaltungsanspruch total ist und deshalb möglichst wenig Widersprüche im Bauwesen zulassen will.


    Die Welt und vor allem unsere Städte in Dtl. haben sich radikal verändert. Woran natürlich auch die Moderne dran "schuld" ist. Und das wird auch / will auch die Reko-Bewegung nicht ändern können.

    Wenn das "die Reko-Bewegung" nicht ändern will, bleibt sie eben auf der Stufe der Ästheten, die sich in einem Meer von Flachdach-Schrott über das kleine Barockkirchlein freuen, dass - wenn auch nur äußerlich - wiederhergestellt wurde. Dieser Anspruch ist mir stets zu passiv und bescheiden gewesen. Nein, "die Reko-Bewegung" ist nur eine Insel in der Not in einer Zeit der Macht- und scheinbaren Hoffnungslosigkeit. Der Anspruch muss aber größer, revolutionärer sein. Das ahnen und fürchten die BdA-Funktionäre ja gerade. Deshalb wollen sie die Pflänzlein auch im Keim ersticken und jeden, der Widerspruch wagt, entmutigen. In solch einer Situation sollte man schon den Schneid haben, diesen Fehdehandschuh aufzugreifen und die 100-prozentige Realisierung ihrer Ängste zu fordern und fördern.

  • Volle Zustimmung Heimdall. Wenn wir nicht den Anspruch haben, einen systemischen Wandel herbeizuführen, können wir uns auch dem Modellbau und Computerspielen widmen, wo wir nette kleine Städtchen bauen. Die Verhässlichung der Welt nimmt nur dann ein Ende, wenn sich Lehre, Verwaltung, Bauindustrie, Medien und Politik entsprechend umorientieren und aus der gegenwärtigen Haltlosigkeit in klare Haltung übergehen.

  • Nein, "die Reko-Bewegung" ist nur eine Insel in der Not in einer Zeit der Macht- und scheinbaren Hoffnungslosigkeit. Der Anspruch muss aber größer, revolutionärer sein.

    Na dann mal los - und schnell das alte Berlin, Hannover, Frankfurt, Nürnberg, Stuttgart wiederaufgebaut...


    Ich für meinen Teil habe den Dresdner Neumarkt wiederaufgebaut - und das reicht mir dann mal an geopferter Lebenszeit ohne Privatleben....


    Sorry, ich kann solcherlei Phrasen einfach nicht ernst nehmen ......

  • Danke, die gefunden Fragmente und die noch anderweitig erhaltenen Bauteile der Bauakademie werden der rekonstruierten Bauakademie viel Authentizität geben!


    Da können ein paar BDAler mit ihrer muffig-modrigen Modernistensprache fordern, was sie wollen, aber die historische Schinkelsche Bauakademie wird wieder kommen und das ist auch die einzig nachhaltige Form, die es gibt, da sie wieder Jahrhunderte dort stehen wird und das ist gut so!

    „Dekoration ist der wichtigste Teil der Architektur“ (Sir William Scott)

  • Sorry, ich kann solcherlei Phrasen einfach nicht ernst nehmen ......

    Was heißt den Phrasen? Wer hat denn verlangt, dass Du Deine Lebenszeit opfern sollst? Wer hat gesagt, dass wir Foristen den nötigen Umschwung erreichen und realisieren könnten?

    Die Realisierung muss irgendwann von jungen Architekten und Bauherren kommen. Wir können nur die Zielmarken formulieren. Oder den Anspruch an die Architektur der Zukunft, wie "erbse" es ausdrückt. Und diese Aufgabe können wir ja wohl noch übernehmen, ohne unser ganzes Privatleben dafür aufgeben zu müssen.

  • Also wer denkt, durch das "Formulieren von Zielmarken" hier auf junge Bauherren und Architekten einzuwirken und Einfluss auf das Stadtbild der Zukunft zu haben, leidet fuerchte ich an Naivitæt oder Hybris.

    Der einzige - sehr muehsame - Weg ist doch der tatsæchliche Einsatz fuer konkrete Projekte vor Ort. Deshalb an alle herzlichen Dank die dies woimmer tun.

  • Der einzige - sehr muehsame - Weg ist doch der tatsæchliche Einsatz fuer konkrete Projekte vor Ort.

    Schön wär's, wenn das funktionieren würde. Was haben nicht alle die Berliner Altstadt-Renaissance herbeigesehnt, induziert durch das Berliner Schloss. Aber die Strahlkraft hat es eben nicht - nahezu eher im Gegenteil.

    Auch folgt durch Rekos kein wirkliches Umdenken in Entscheiderzirkeln. Trotz weltweit beachteter, erfolgreicher Frauenkirche-Reko haben sich in Dresden Politik, Architektenschaft und Verwaltung teils vehement gegen weitere Rekos am Neumarkt gestemmt. Und das Projekt mit allen Mitteln zu torpedieren versucht, bis hin zur Provokation "Neues Gewandhaus". Der Welterbe-Titel ist der Stadt genauso egal gewesen wie nun die Attraktivät der inneren Neustadt. Ähnliches in Frankfurt vor, während und nach der Dom-Römer-Reko. "Ist toll geworden, aber bloß nicht noch mehr Rekos!" Nicht einmal auf die kleine Pellerhof-Reko folgte die ersehnte Fassade. Man möchte hoffen, der Erfolg gäbe den Projekten recht, das gilt aber nur in der Hinsicht, dass weitere engagierte Bürger sich Reko-Projekte zum Vorbild nehmen. Das System produziert hingegen weiter absurde Belanglosigkeit und Hässlichkeit.


    Auch die Bauakademie wird nichts Dauerhaftes bewirken. Sie ist einfach eine Notwendigkeit, aus sich selbst heraus. Quasi alternativlos.

    Weltweit gibt es mittlerweile tausende Beispiele von Rekonstruktionen und neuen klassischen Gebäuden. Aber was ändern diese systemisch? Nix. Es wird weiter hässlich gebaut. Die schönen Ausnahmen bleiben einzelne Tropfen in einem grauen Meer der Belanglosigkeiten. Da werden also weitere Tropfen das graue Meer auch nicht blau färben. Da braucht es schon eine Änderung der Meeresströmungen, um im Bild zu bleiben.

    Ob wir die allein bewirken können? Sicher nicht. Doch wir sind viele, global betrachtet. Organisiert vielleicht sogar mehr und schlagkräftiger als jede Modernistentruppe, wenn wir das mal konsequent nutzen. 🌊