Berlin - Wiederaufbau der Bauakademie

  • Wenn es so eindeutig wäre könnten wir ja gleich einpacken. Tatsächlich wird es in absehbarer Zeit in nahezu allen Großstädten linke Mehrheiten geben, das "bürgerliche" Lager schrumpfen - ob einem das aufgrund der eigenen Präferenzen gefällt oder nicht. Initiativen für Rekonstruktionen sollten dies jedoch nicht als Hinderungsgrund für ihre Ziele ansehen, sondern der Politisierung des Themas mit ideologiefreien Argumenten begegnen, denen sich jeder anschließen kann.

    Eben. Danke!


    Manche vergessen, dass Bürger viele Dinge bewegen. Rekonstruktionen sind noch nicht populär genug und können auch nur ein Belang sein.


    Ich stoße beim Thema immer auf offene Ohren und zwar bei vielen politischen Farben.

    Egal ob pro oder Contra. Es rückt mehr in die gesellschaftliche Debatte.

  • Ich habe Folgendes gefunden und dazu eine ganz dumme Frage (oder zwei):


    "Baurechtlich ist eine Voll-Rekonstruktion nicht möglich. Hinter einer rekonstruierten Fassade müssten innenräumlich Änderungen gegenüber Schinkels Entwurf vorgenommen werden, um heutigen Anforderungen zu genügen. Deshalb ist der wahrscheinlichste Ausgang der Berliner Querele um das nach Stadtschloss und Kommandantur dritte prominente Gebäude im historischen Zentrum der Stadt, das wiederaufgebaut werden soll, ein Kompromiss, ..."

    https://www.faz.net/aktuell/fe…akademie-14924727-p3.html


    Wenn die Bauakademie unversehrt noch stünde, hätte man sie komplett entkernen müssen?


    Wenn bei einer Komplettrekonstruktion Brandschutzaspekte einbezogen werden, müssten doch selbst hölzerne Türen mit gusseisernen Türklinken möglich sein, oder nicht?

  • Bei existierenden Gebäuden herrscht oft - und bei Denkmälern erst recht - Bestandsschutz. Kein historisches Gebäude muss aus baurechtlichen Gründen entkernt werden. Nur manche Nutzungen sind dann oft nicht mehr möglich.

    Aber die Bauakademie ist eben kein historisches Gebäude - sie wird ein Neubau sein. Und wenn etwas neu entsteht, sind die baurechtlichen Vorschriften des Jahres 2020 zu beachten.

  • @Ur-Potsamer,


    vielen Dank! Das war auch sarkastisch gemeint.


    Die Frage ist nur, was mit Bauvorschriften gemeint ist? Was wirkt sich neben dem Brandtschutz noch auf einen Neubau/einer Rekonstruktion aus? Wären die Vorschriften sichtbar? Was würde wegfallen bei der Bau-Akademie?

  • Zum Beispiel müssen Verkehrswege eine bestimmte Breite haben. Es braucht zweite Fluchtwege, Brandschutztüren, rollstuhlgerechte Eingänge... In Brandenburg müssen die Fensterflächen von Wohnräumen mindestens ein Achtel der Grundfläche groß sein - aber die Bauakademie wird ein Geschäftshaus in Berlin sein, also gelten dafür sicherlich andere Regeln.

  • Zum Beispiel müssen Verkehrswege eine bestimmte Breite haben. Es braucht zweite Fluchtwege, Brandschutztüren, rollstuhlgerechte Eingänge... In Brandenburg müssen die Fensterflächen von Wohnräumen mindestens ein Achtel der Grundfläche groß sein - aber die Bauakademie wird ein Geschäftshaus in Berlin sein, also gelten dafür sicherlich andere Regeln.

    Ohjeh, alles zu befürworten, insbesondere barrierefreie Zugänge, optisch natürlich eine Veränderung, die aber dann selbstverständlich vorgenommen werden muss.


    Was können wir tun?

    Könnte man sich ernsthaft mit den Vorlagen beschäftigen und eine Computersimulation erstellen? Als Werbung beim Senat und bei der Bevölkerung?

  • Ihm ging es v. a. um die getreue Rekonstruktion des Schinkel-Baus, am liebsten samt Schinkels Arbeits- und Wohnräumen – mit Schinkel als Wachsfigur am Schreibtisch, spotten Insider.


    Wäre das jetzt so schlimm gewesen? Der Bundestagsabgeordnete Johannes Kahrs (SPD), hatte sich 2017 ja auch dafür eingesetzt das, das Denkmal für Einheit- und Freiheit nicht realisiert wird, sondern die Kolonnaden zurückkehren. Bedauerlicherweise hat man die Entscheidung des Haushaltsausschuss nicht berücksichtigt, denn dann kam Wolfgang Thierse (SPD und Günter Nooke (CDU) sowie weitere Personen und haben sich erneut für das Denkmal für Einheit- und Freiheit eingesetzt. Ihr wisst ja selber was daraus geworden ist.


    https://www.db-bauzeitung.de/a…uakademie-in-turbulenzen/

    (Quelle: Bauzeitung, 02.06.2020)

  • Wolfgang Thierse (SPD) und Günter Nooke (CDU) -

    2 Dumme - ein Gedanke.

    Wären Sie intelligent, hätten Sie einen anderen Ort gefunden.

  • Man kann sie stets an ihrem Neusprech erkennen. Wenn z.B. verschleiernd oder verschwurbelt von der Beteiligung der "Zivilgesellschaft" die Rede ist, ist damit ein "progressiv" orientiertes Netzwerk gemeint, das von gut bekannten Gesinnungsfreunden in den Institutionen bis zu nahestehenden Medienvertretern und Krakeelern in NGOs reicht.


    Diese Leute wittern durch das Scheitern Pronolds nun erwartungsgemäß, das Projekt "Bauakademie" im modernistischen Sinne "lösen" zu können.


    Neusprech-Zitat Florian Heilmeyer:

    "Wenn eine Neue Bauakademie als aktive, lebendige, offene, baukulturelle Plattform wirklich Sinn machen soll, dann muss ihr von Anfang an deutlich mehr Glaubwürdigkeit mit auf den Weg gegeben werden. Dann müssen die vorhandenen Akteure besser eingebunden sein, dann muss es ein wirklich gemeinsames Projekt von Bundesregierung und Zivilgesellschaft werden. Ein solcher Neuanfang ist dem „Projekt Bauakademie“ jetzt wirklich zu wünschen – sonst müsste man sich ernsthaft fragen, ob die Bundesrepublik die bereit gestellten 62 Millionen Euro an öffentlichen Geldern nicht besser erst einmal anderweitig verplant."


    "baunetz" schreibt zu dem Autor:

    "Der Autor ist Unterzeichner des Offenen Briefs und war 2017 einer der Verfasser der Zehn Thesen zu einer Neuen Bauakademie."


    Zitat aus den "Zehn Thesen":

    "Nie wieder Schloss!

    Die Neue Bauakademie darf kein zweites Stadtschloss werden! Das Humboldtforum ist zum neopreußischen Fassadenzombie geworden, hinter dessen Oberfläche aus Natursteinschnitzereien eine zeitgenössische Kulturmaschine versteckt wird. Deren inhaltliche Ausrichtung viel zu spät definiert wurde, was zu den bekannten, gewaltigen Konflikten mit dem Schlossfassadenkorsett geführt hat. Der Bauakademie droht jetzt dasselbe Schicksal. Ein Architektur­wettbewerb mit dem Zwang zur Fassadenrekonstruktion würde ein weiteres Debakel produzieren. Dieser Fehler darf sich nicht wiederholen.

    Eine Neue Bauakademie hingegen kann in der verkrampften Rekonstruktionsdebatte gänzlich neue Wege bestreiten. Wir haben die einmalige Chance, es besser zu machen."


    Auch hier im Forum wurde ja die Einsetzung Pronolds juristisch bemängelt. Leute wie Heilmeyer wittern nun Morgenluft.


    Irrungen und Wirrungen

    Was wird aus der Bauakademie in Berlin?

    https://www.baunetz.de/meldung…e_in_Berlin__7277313.html


  • "Nie wieder Schloss" ??? Das heisst also "Nie wieder so ein weitweg schönstes Bauwerk ganz Berlins" !!!


    Muss doch wirklich ein Irre oder Dummkopf sein....:kopfwand:

  • Natürlich darf die rekonstruierte Bauakademie nicht den Fehler des Humboldtforums begehen, dass nur die äußere Hülle rekonstruiert wird. Vielmehr muss hier auch das grandiose Schinkelsche Treppenhaus auch zurückkommen, damit dort dem Gebäude nicht seine Seele bzw passender, sein Rückgrat fehlt!


    Im Übrigen handelt es sich hier bei diesem Herrn Heilmeyer (muss man den kennen?) quasi um eine andere Form der aktuellen Bilderstürmerei, wo halt wieder jemand sich bemühsigt fühlt, aus irgendeinem Loch zu kriechen und seine Atemluft loszulassen.


    Der Platz heißt Schinkelplatz, Schinkel ist DER deutsche Architekt überhaupt und nur weil irgendwelche No-Names hier verzweifelt um Aufmerksam schreien, heißt das noch lange nichts.


    Allein Herr Heilmeyer dürfte hier verkrampft sein, was seiner Gesundheit nicht zum Vorteil gereicht. Vielleicht wirkt ein Besuch der rekonstruierten Frauenkirche entspannend ;-) . Sein Leiden ist zum Glück therapierbar. Das des Stadtbildes zum Glück auch.

    „Dekoration ist der wichtigste Teil der Architektur“ (Sir William Scott)

  • Man sieht es ja an den neuen Wohnhäusern :thumbdown:am Schinkelplatz wo es hinführt wenn sich Modernisten auch in historisch sensiblen Stadtbereichen unbedingt behaupten wollen.

    Der Schinkelplatz hätte mit Traditionell gestalteten Wohngebäuden ein insgesamt architektonisch harmonischer Stadtplatz werden können.Aber man ließ es leider zu das auch dort die Modernisten für sehr lange Zeit ihre Spuren hinterlassen.Chance vertan, Schade.🙁

  • Gibt es eine Möglichkeit, die recht verschlafene Facebook-Seite der Schinkelschen Bauakademie wieder zu beleben? Es finden dort keine Diskussionen mehr statt, und auch sonst sind die Befürworter des Wiederaufbaus nicht besonders aktiv in den (sozialen) Medien, wo man auch auch jüngere eventuell für den Wiederaufbau und die damit kommende Schönheit begeistern könnte. Auch der Zustand der Facebook-Gruppe von Stadtbild Deutschland ist katastrophal. Ein wirres Durcheinander ohne Moderation; viel Gesinnung, wenig Architektur-Kenner. Erinnert einen manchmal an Corona-Verschwörerforen mit den vielen Onkels...

    Die Bauakademie-Admins können sich ja ein Vorbild an Signa nehmen, das für den Wiederaufbau des Karstadt-Warenhauses die Seite "NICHT OHNE EUCH" ins Leben rief, wo der Fokus gezielt beim dortigen Kiez und dessen Bewohnern liegt, und das innerhalb kurzer Zeit Zweieinhalbtausend Likes bekommen hat.

  • Es ist doch so, dass keiner derer, die die für diesen Posten erforderliche Qualifikation aufweisen, bisher ohne Meinung war und deshalb hinreichend neutral an das Thema wird gehen können. Deswegen wird die Entscheidung für einen Direktor die grundsätzlichen Entscheidungen mit Bezug auf Art, Umfang und Nutzung eines Wiederaufbaus bereits vorwegnehmen.


    Die aktuelle Auseinandersetzung nimmt also nur die Grundsatzdiskussion vorweg und wird wohl auch noch eine Weile dauern.

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    Gutmensch = Gut gemeint, nicht zuende gedacht, schlecht gemacht

  • 1996-99. Die Bauakademie kommt selbst in der Verantwortung eines CSU-Bau- und Heimatministers im Bund nicht in trockene Tücher.

    Wenn es nach Seehofer ginge, wäre das Teil schon längst fertig gestellt, ihm kann man also nicht den schwarzen Peter unterschieben.


    Es ist die allgemeine Problematik mit der auch wir hier zu kämpfen haben....aber schaut selbst:


    (10) Dr. Monika Reiher: Wer blockiert den Wiederaufbau der Bauakademie? - YouTube

    Diejenigen, die entscheiden, sind nicht gewählt, und diejenigen, die gewählt werden, haben nichts zu entscheiden.

    Horst Seehofer

  • Es ist die allgemeine Problematik mit der auch wir hier zu kämpfen haben....aber schaut selbst:


    (10) Dr. Monika Reiher: Wer blockiert den Wiederaufbau der Bauakademie? - YouTube

    Das muss ich aus diesem bemerkenswerten Kommentar über die Situation der Bauakademie einfach zitieren:


    "Schinkel hat gezeigt, wie auch bei einem klaren Kubus durch vielfältige Detaillierungen ein individuelles, künstlerisch und ästhetisch faszinierendes Bauwerk entstehen kann.

    (...)

    Geht es den Blockierern auch darum, listig zu verhindern, das man dann die Leistungen der Architekten in der Epoche Schinkels mit ihrer eigenen gegenwärtigen Leistung vergleichen könnte?"

    Dr. Monika Reiher

    Ich glaube, treffender kann man das Hauptproblem des heutigen Architektur-Mainstreams nicht beschreiben...

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