Berlin - Wiederaufbau der Bauakademie

  • In einem Interview mit Nikolaus Bernau, erschienen in der Berliner Zeitung vom 7.1.2020, wehrt sich Florian Pronold gegen die Vorwürfe. Außerdem stellt er sein Konzept vor, mit dem er die Auswahlkommission überzeugen konnte:

    Quelle: Berliner Zeitung


    Und, überzeugt?

  • Vor allem die Idee, einen "verdrängten Club" aufzunehmen, finde ich sehr sozial. Wo sollen sie denn auch sonst hin, die armen weggentrifizierten Clubs? Die brauchen unbedingt eine hochsubventionierte Unterkunft in Berlin Mitte... Schließlich ist die weltberühmte Berliner Clubszene mit KitKat Club, Tresor, Berghain etc ganz wesentlich für den kulturellen Weltruf Berlins verantwortlich...

  • Finde die Idee mit dem Club tatsächlich hervorragend. Junge Menschen werden an den Ort gelockt, die Lage ist perfekt, es gibt eine sinnvolle (Teil-)Nutzung für den Keller, es kommen Mieteinnahmen rein und die Bauakademie erhält einen Ruf in der jungen Generation dieser Stadt. Auch die anderen Nutzungen finde ich super. Meiner Meinung nach ein sehr gutes Konzept.


    UrPotsdamer: KitKat Club muss dieses Jahr schließen, der Tresor musste schon einmal umziehen, das Berghain ja ebenfalls. Und ja, in meiner Altersgruppe (30+) verbinden die allermeisten mit Berlin eine offene und weltweit einzigartige Feierkultur.

  • Zu der Altersgruppe gehöre ich auch, kann dieser Feierkultur aber nichts abgewinnen. Dass diese Clubs schließen müssen, könnte mir nicht egaler sein. Und wenn Berlin für so etwas bekannt sein möchte, dann kann man der Stadt echt nicht mehr helfen.

  • Zu der Altersgruppe gehöre ich auch, kann dieser Feierkultur aber nichts abgewinnen. Dass diese Clubs schließen müssen, könnte mir nicht egaler sein. Und wenn Berlin für so etwas bekannt sein möchte, dann kann man der Stadt echt nicht mehr helfen.

    Wie kann man so jung und gleichzeitig so alt sein? :kopfschuetteln:

  • Überregionale Bekanntheit hat der [KitKat]Club insbesondere für die regelmäßig samstags stattfindende CarneBall Bizarre – KitKatClubnacht erlangt. Auf dieser Party sind Fetisch-Kostüme und teilweise oder vollständige Nacktheit sehr häufig. Sowohl hetero- als auch homosexueller Sex unter den Anwesenden wird relativ offen praktiziert und akzeptiert, ebenso Selbstbefriedigung.

    Das ist also die weltweit einzigartige Feierkultur...

  • Die "verdrängten Clubs" sollte man doch besser im Kellergeschoss des Humboldt-Forums aufnehmen, da wäre mehr und genügend Platz für alle ;-)

  • Als schwuler Mann besuche auch ich den Kitkat-Club überaus gerne und dessen drohende Schließung ist mir alles andere als egal.

    Auch den rekonstruierten Raum der Bauakademie habe ich im Rahmen eines Tanzabends kennenlernen dürfen, was eine wunderbare Erfahrung war.

    Zwischen dem Kitkat und dem erlebten Abend in der Bauakademie liegen allerdings Welten.

    Ob und in welchem Rahmen derartige Veranstaltungen dort künftig stattfinden sollten oder nicht überlasse ich gerne anderen Menschen zu entscheiden.

    Die zu rekonstruierende Bauakademie wünschte ich mir als einen Ort, an dem vielleicht auch der Klassizismus eine weitere Renaissance erführe und gelehrt würde.


    Es lebe die Ornamentik am Bau.


    Gruß aus Berlin.

  • Bevor sich noch mehr Leute outen: Es geht hier nicht um die sexuelle Orientierung von irgendwem und auch nicht um die Berliner Clubszene, sondern um die Rekonstruktion der Bauakademie. Diesem Vorhaben stehen hauptsächlich zwei Probleme im Wege: das noch recht diffuse Nutzungskonzept und die verhältnismäßig geringe Größe des Gebäudes. Die von Herrn Pronold geäußerten Ideen überzeugen mich nicht. Er will einen Gemischtwarenladen unterbringen und hat in seiner Aufzählung nur den Stall für die eierlegende Wollmilchsau vergessen. Und dass Pronold sich zugute hält, die Baugesetzgebung der letzten Jahre in wesentlichen Teilen mitgeprägt zu haben - läuten da bei euch nicht die Alarmglocken?


    Die historische Bauakademie hatte auf quadratischem Grundriss acht Fensterachsen auf jeder Seite und nur zwei Obergeschosse. Das Dach war schräg zur Mitte geneigt. Die oberste Fensterreihe der Fassade gehörte zu dem kaum nutzbaren Dachgeschoss. In der Gebäudemitte befand sich ein Erschließungskern aus Treppenhaus und Wandelgängen, der relativ viel Grundfläche verbrauchte. Zu Schinkels Zeiten musste auf eine natürliche Belichtung geachtet werden. Deshalb große Fenster in der Fassade und ein Lichthof in der Gebäudemitte. Fasst man jeweils zwei Fenster zu einer Raumeinheit zusammen, ergibt sich ein quadratisches Grundmodul für die Raumplanung der Hauptgeschosse. Das ergibt an einer Seite vier, an den drei anderen Seiten drei Raumquadrate. Macht 26 Module in den beiden Obergeschossen. Man kann Räume bei Bedarf auch nur eine Fensterachse breit machen oder über mehr als zwei Achsen in die Länge ziehen. Für den Wiederaufbau müssen Fragen der inneren Gebäudestruktur und der Haustechnik geklärt werden. Die technische Gebäudeausrüstung hat sich seit Schinkels Zeiten bekanntlich stark verändert. Anspruchsvoll wird auch die Brandschutzplanung werden (Fluchtwege).


    Wenn man größeren Publikumsverkehr möchte, braucht man entsprechende Foyerbereiche, Garderoben, Toiletten. Diese Funktionsbereiche wird man zum Teil im Keller unterbringen, vermutlich auch die Haustechnik. Man braucht eine barrierefreie Erschließung mit Aufzügen. Die Raumplanung sollte vom Hauptnutzer aus gedacht werden. Das ist die Bauakademie. Was braucht eine solche Institution? Bibliotheksräume, Ausstellungsräume, einen Saal für große Diskussionsveranstaltungen, Büroräume, Ateliers? Ich bin gespannt, wie es weitergeht.


    Bauakademie, preußisches Messbild, gemeinfrei


    Bauakademie, Grundrisse und Schnitt, von Schinkel

  • Ich weiß nicht, ob jemand von Euch gestern in der Welt den Artikel über die Baukademie und die Klage gegen Herrn Pronold las. Die Welt zeigt auf, dass es hier bei der Wahl und der Besetztung durch Herrn Pronold nicht ganz koscher herging, aber was mir zu wenig von der Zeitung herausgearbeitet wurde, war, dass der unterlegene Gegner, der uns leider schon vom Berliner Stadtschloss bekannte Polemiker Architekt Oswalt, hier ganz üblen Wind macht. Man mag zur politisch motivierten Besetzung stehen wie man will (wir hier finden das sicherlich alle anstößig), aber dass hier der absoluteste Gegner eines Wiederaufbaus der Schinkelschen Bauakademie hier nicht zum Zug kam und nun auch unsportlich auch noch dagegen vorgeht, dass sollte allen bewußt sein und diese Wahl darf auch nicht - vermutlich in diesem Fall objektiv begründbar - durch zum Zug kommen eines unterlegenen Kandidaten rückgängig gemacht werden! Herr Oswalt darf hier nicht als Patient zum Doktor gemacht werden, um nicht immer den abgedroschenen Bock/Gärtner Vergleich zu bemühen.


    https://www.welt.de/politik/de…bei-der-SPD.html#Comments

    „Dekoration ist der wichtigste Teil der Architektur“ (Sir William Scott)

  • Bauakademie Berlin : Leitung der Bauakademie wird vor Gericht geklärt

    https://www.faz.net/aktuell/fe…bauakademie-16606963.html


    SPD-Politiker Florian Pronold "Ich habe mir keinen Versorgungsposten geschaffen"

    Der Parlamentarische Staatssekretär Florian Pronold will Direktor der Berliner Bauakademie werden - für die er in seinem Amt bis 2018 verantwortlich war. Ein Fall von Selbstbedienung? Er wehrt sich.

    https://www.spiegel.de/politik…09-4644-9aa7-d964d3bdb8f2

  • diese ganze Wiederaufbau Sache ist so enorm politisiert!

    Typisch Deutschland anno 2020!


    Seit Anfang der neunziger Jahre wird schon darüber diskutiert und tatsaechlich gab es damals die beste Chanche fuer eine Wiederaufbau.



    Jetzt in der Zeiten des Sozial/Grünen /Sozialisteschen Gesellschaft ist jegliche Diskussion um einen originale Wiederaufbau fast ""verboten""??


    Hauptsache :

    es wird eine ""Kubus"' Ähnlicher Bau entstehen mit viel klare Formen, Licht und Möglichkeiten sich zu entfalten ( die Kühnster meine ich )



    Es geht natuerlich auch darum dass der Bausenator „“gewinnt““ über die ewig gestrigen mit ihren Sehnsucht nach verganger Schönheit


    Klare, Kubistische Formen sind gewünscht welche die Architektur des 21 Jahrhundert ausstrahlen und nicht diese „“verkrampte , kleinbürgerliche Architektur der Vergangenen Jahrhunderte.


    Es geht wirlich auf den Nerven, diese ewige, endloze Bauakademie Diskussion.


    wir wissen schon wer gewinnt.,

  • Wie auch immer es ausgeht: Berlin bekommt den Bau, den es verdient.

    Sehr salomonisch ;-)


    Dann müsste auf dem Standort vermutlich ein Plattenbau hinkommen, wenn man die aktuellen Berliner Akteure aus Politik und Kultur als Parameter in Betracht zieht. Aber wenn Berlin an seine Zukunft denkt - in jeder Hinsicht - dann kann es nur eine Rekonstruktion der Schinkelschen Bauakademie geben. Das sind wir unserern Vorfahren, aber erst recht unseren Kindeskindern schuldig. Gerade die Architekurkaste sollte für eine Rekonstruktion ihres vermutlich genialsten und alle überstrahlenden Generalissimus Schinkel - kurz FKS - eintreten! Sich mit ihm zu messen wäre tatsächlich vermessen, aber würde den heutigten Architekten so etwas wie ein anschauliches, identitätsstiftendes Fundament für deren Zukunft abgeben können.


    Das traurige ist halt, dass die wirklich weltweit anerkannten deutschen Architekten a la Kollhoff hier unbedingt auch irgendwie ins Boot hinein geholt werden sollten, aber die wollen sich verständlicherweise nicht an den kleinbürgerlichen Fehden beteiligen, die schon wieder hier abgehen. Leider sind es aber stets die mangels eigenen Erfolgs bemüßigten Kollegen a la Oswalt, die rein ideologiegetränkt, scheuklappenmäßig hier mitschauspielern möchten und das große Ganze hier versuchen zu konterkarieren. Vermutlich meinen sie das nicht einmal böse. Sie können es einfach nicht besser. Ich bescheinige Oswalt & Co aber, dass sie mangels Weitblick hier genauso scheitern werden wie schon beim Wiederaufbau unserer Stadtschlösser in B und P. ...und das ist gut so :-).


    Ihr werdet sehen: Jetzt wird heuer einmal das Statdschloss fertig und dann kommt als nächsetr Schritt die Schinkelsche Baukakademie und zwar so, wie sie früher war!

    „Dekoration ist der wichtigste Teil der Architektur“ (Sir William Scott)

  • Im Erdgeschoss gab es bis 1886 zwölf Läden mit hochwertigen Angeboten, etwa den Produkten der Königlichen Porzellanmanufaktur, Arbeiten des Hofjuweliers Werner, Seidenwäsche im ersten Verkaufsraum des späteren Großkaufhauses Gerson sowie die Gropius’sche Kunsthandlung, wo 1839 erstmals in Berlin Fotografien ausgestellt wurden.

    An anderer Stelle ist zu lesen, dass mit der nicht ursprünglich vorgesehenen Eingliederung von Läden / Boutiquen und ihrer Vermietung Geld eingenommen werden sollte zur nachträglichen Finanzierung im Laufe der Bauarbeiten entstandener Mehrkosten (Schwierigkeiten mit dem Baugrund). - Berlin halt.

  • Ich weiß nicht, ob jemand von Euch gestern in der Welt den Artikel über die Baukademie und die Klage gegen Herrn Pronold las.

    Ich bin sicher, dass Herr Pronold diesen Posten ausfüllen kann. Klagen gegen eine solche Besetzung wirkt sehr merkwürdig. Herr Pronold war als Staatssekretär für den Bau von AKWs und Stadtentwicklung zuständig. Ich halte ihn für einen ganz ausgezeichneten Gründungsdirektor. Die Kamnpagne gegen seine Person ist doch sehr unanständig. Die Bauakademie ist kein Architekturzentrum.