Berlin - Wiederaufbau der Bauakademie

  • Einer „kritischen Rekonstruktion“ darf man durchaus kritisch gegenüberstehen angesichts des zigfachen Unrats, der unter diesem Namen bereits entstand und entsteht. Oder ist den kritischen Rekonstrukteuren eine kritische Geisteshaltung suspekt? Und sofern einer zu kritisch die kritischen Rekonstruktionen kritisiert, bedarf der Kritiker des Ausschlusses aus der Debatte über kritische Rekonstruktionen? Das soll einer noch verstehen...


    Ich glaube ja, dass diesen „Architekten“ nur eine kritische Rekonstruktion übrigbleibt. Sobald sie eine Skizze von Schinkels Bauakademie anfertigen (und ihr gesamtes Talent dafür aufbringen müssen), entstünde ohnehin nur ein ungelenkes Kinder-Gekritzel: die Proportionen schief, die Perspektive verzerrt, die bildhauerischen Details bestenfalls Strichmännchen, und die Farbgebung verfehlt. Um das Wort „unbegabt“ zu vermeiden, nennt man es eben „kritisch“. Man besetzt also die eigene Unfähigkeit mit positiven Begriffen und macht rückwirkend aus seinem unfreiwilligen Scheitern eine gewollte und freie Entscheidung.


    Im Anschluss holen sie sich für ihr „Werk“ den Applaus bei ähnlich Begabten in den Verwaltungsstellen (ein Hauptgrund, weswegen das Gros moderner Kunst und Architektur so gut ankommt ist ja letztlich der Umstand, dass jeder es mit etwas Übung auch könnte und dadurch -getreu den demokratischen Grundsätzen unserer Zeit- jegliche Hierarchie in der Kunst aufgelöst wird und wir alle uns nur noch in der Horizontalen bewegen). Es sei irgendwie „interessant“ und „besonders“ sagen sie dann, wie ein Vater, der die missratene Zeichnung seines Kindes lobt. Und der weiß, dass er selbst keine bessere hinbekäme.


    Vielleicht sollte man ganz einfach nur rekonstruieren, weil, ganz ehrlich: die einzigen, die beim gesamten Entwurfs- und Bauprozess ihr Handwerk immer noch verstehen, sind die Statiker und Maurer.

  • Also ich freue mich, um nicht zu sagen „brenne“ schon auf die „kritische Rekonstruktion“!


    Für die möglichst exakte Rekonstruktion sorgen die Bürger, der öffentliche Wille und wir und für die Kritik daran werden die dieser Aufgabe leider nicht gewachsenen Architekten vermutlich selbst wieder sorgen - eine kritische Rekonstruktion, wenn man so will ;-).


    Der sicher weise Herr Pronold wird schon darauf aufpassen, dass sich keiner der unterzeichnenden Hysteriker mit einem eigenen Bauwerk am Schinkelplatz blamieren wird müssen. An dieser Stelle gehört in jeden Winkel, einzig und allein die Idee von Schinkel!

    „Dekoration ist der wichtigste Teil der Architektur“ (Sir William Scott)








  • Bitte diesen offenen Brief noch einmal lesen und nicht im Sinne einer immer mehr überhand nehmen Fake-News-Kultur gegen alles und jeden hetzen, der - zum Teil - sicher auch der Rekonstruktion gegenüber kritisch gegenübersteht.


    Der Brief richtet sich vor allem dagegen, dass Herr Pronold ohne jegliche Erfahrung in dem Metier "eingesetzt" wird. Zitat aus dem Brief:


    Quote

    Er kann keine Fachpublikationen aufweisen, hat keine Ausstellungen kuratiert, kein Museum oder andere Ausstellungsorte geleitet, sein Netzwerk in der Architektur- und Kuratorenszene ist relativ neu. [...] Mit der Besetzung der Direktorenstelle durch genau denjenigen Staatssekretär, der dasVerfahren vorher im BMUB geleitet hatte und nicht durch eine fachkompetente Person wirddie Chance vergeben, die künftige Bauakademie als ein relevantes und internationalangesehenes Architekturzentrum, als lebendigen Ort der Architekturdebatte, der Baukultur zuetablieren.Bald sollen die entscheidenden Weichen gestellt werden, das Raumprogramm für denangestrebten Realisierungswettbewerb formuliert, die notwendigen Mitarbeiter rekrutiert,das eigentliche Haus errichtet und eingerichtet, die inhaltlichen Schwerpunkte definiert,ihnen entsprechend die Infrastruktur aufgebaut, um schließlich in einigen Jahren betrieben zuwerden. Dafür braucht es inhaltliche Expertise.


    Wer bereits einmal Erfahrung mit Ausstellungskonzepten, Raumprogrammen bis hin zur technischen Infrastruktur von Kulturgebäuden jener Bedeutung, wie sie die Bauakademie hoffentlich in Zukunft wieder erfahren wird, gemacht hat, weiß, dass diese Vorwürfe nicht unbegründet sind.


    Es würde diesem Forum auch gut tun, dies anzuerkennen, selbst wenn eine Vielzahl (aber gewiss nicht alle, lest die Namen der Unterstützer!) der Unterzeichner Herrn Pronold auch wegen dessen Bekenntnis zur Rekonstruktion kritisch gegenüberstehen sollte. Allein der Nazivergleich drei Beiträge weiter oben zeigt doch, dass hier teilweise auf einem Niveau argumentiert wird, welches der Sache des Vereins bzw. des Forums mehr als nur abträglich, sondern kontraproduktiv ist und oft ausschließlich politisch motiviert zu sein scheint.

  • Entschuldigung, aber was hat das mit Fake-News zu tun? Es ist doch wohl offensichtlich, daß die Unterzeichner des offenen Briefes eine exakte Fassaden-Rekonstruktion vermeiden möchten. Wieso sollte sonst eine kritische Rekonstruktion und ein Architektur-Wettbewerb im Raum stehen? Die Begründung, Herr Pronold sei zu unerfahren, halte ich für vorgeschoben. Er wird wohl kaum alles allein entscheiden und selber Entwürfe für den Innenausbau liefern. - Der Nazi-Vergleich war wohl eher eine Anspielung auf die Garnisonkirche, deren Wiederaufbau ja mit der Nazi-Keule verhindert werden sollte. Bitte nicht immer gleich hysterisch werden, wenn das Wort "Nazi" verwendet wird. Die dumme Verbindung von Rekonstruktion zum braunen Sumpf, müssen wir uns schon oft genug von außen anhören. Das muss jetzt nicht auch noch hier im Forum verbreitet werden.

  • Danke für den Beitrag Novaearion. Es würde dem Forum guttun, wenn hier etwas sachlicher diskutiert würde. Dass


    Herr Pronold ohne jegliche Erfahrung in dem Metier ist

    ist ja durchaus ein Punkt der Anlass gibt seine Berufung zu hinterfragen. Diese wurde zunächst im Forum auch kritisch gesehen (allerdings auch ohne sich mit dessen Absichten auseinanderzusetzen):

    Pronold ??? noch nie was gescheites von dem gehört. Hoffentlich kein Modernist der einen Glaswürfel vors Schloss stellt

  • Hinterfragen kann man natürlich alles. Ich weiß zu Herrn Pronold nicht viel, insofern kann ich mich nur überraschen lassen.


    Doch um welche "Erfahrung" geht es den Kritikern denn?


    Zitat: "Er kann keine Fachpublikationen aufweisen, hat keine Ausstellungen kuratiert, kein Museum oder andere Ausstellungsorte geleitet, sein Netzwerk in der Architektur- und Kuratorenszene ist relativ neu."


    "Fachpublikation" heißt ja nicht, dass er zur Bauakademie veröffentlicht haben soll. Es reichen irgendwelche Aufsätze zu irgendwelchen Themen in den einschlägigen Fachorganen der Architektenschaft. Wir wissen doch, dass es hierzulande ausreichend ist, ein jämmerlich geringes Werk an Veröffentlichungen aufzuweisen, um Professor für Architekturtheorie zu werden, ohne dass sich einer dieser Leute daran stört. Namen brauche ich nicht zu nennen.
    Bei dem Verweis auf "Fachpublikation" geht es wohl eher um die Einbindung in die betreffende Publikations-Szene.


    "Ausstellung kuratiert" meint nicht eine Ausstellung zur Bauakademie. Es könnte auch eine zu Spongebob in Kunst und Baukunst sein. Wofür aber muss man Ausstellungen gestaltet haben, um als Gründungsdirektor der Bauakademie zu arbeiten?


    "Kein Museum geleitet" meint nicht ein Architekturmuseum. Davon gibt es auch nicht viele. Wären die Kritiker zufrieden, wenn er ein Jahr das Puppenmuseum in Hanau geleitet hätte? Welche besondere Befähigung hinsichtlich der Bauakademie erwüchse daraus?


    Diese ganzen Argumente sind vorgeschoben. Sie dienen dazu, die Person zu diskreditieren oder mental weich zu schießen.


    "Netzwerk in der Architektur- und Kuratorenszene"... Das trifft allerdings den Kern der Kritik viel besser. Pronold ist offenbar nicht einer der ihren. Und das macht sie unruhig. Das könnte unerwartete Querschüsse bedeuten, die man nun möglichst am Anfang einhegen will, um sich die Chance zu erhalten, eine nur "kritisch rekonstruierte" Bauakademie gestalten zu können, also eventuell einen modernen Bau, der nur die Kubatur des historischen aufweist.

  • Wenn ich Fleischereifachverkäufer werden will, muss ich nicht vorher schon in einer Fleischerei gearbeitet haben. Erfahrung in einer Bäckerei genügt, im Zweifel sogar im Bekleidungsgeschäft oder im Computerladen habe ich Kundengespräche. Aber wenn meine bisherige Erfahrung nur "Fließband bei Audi" war, ist das nicht ausreichend, um (ohne Vorbereitung) in der Fleischerei an die Theke zu gehen.
    Anscheinend ist es aber völlig anspruchslos, Ausstellungen zu kuratieren oder ein Museum zu leiten, denn man kann den Job ja machen ohne jede Vorbildung.

  • Verstehe ich nicht. In welchem Zusammenhang steht das mit der Besetzung der Stelle eines Gründungsdirektors der Bauakademie? Soll Herr Pronold dort Museumsleiter werden oder ging es nur darum, mal ein Statement rauszuhauen?

  • Quote

    Er kann keine Fachpublikationen aufweisen,


    Was für eine arrogante und dekadente Einstellung! "Amateure bauten die Arche, Profis die Titanic..."
    Ich kenne Akademiker, die leben von Hartz IV und ich kenne Quereinsteiger welche sich durch Qualität einen guten Ruf erarbeitet haben. Da geht doch das Problem los; wer aufgrund seines Status (von Beruf Sohn/Tochter) sein Diplom oder noch mehr gemacht hat aber aufgrund seiner sozialen, medialen und emotionalen Kompetenz auf der Strecke bleibt, der neidet solchen vermeintlichen "Pfuschern" natürlich den Erfolg." Man selbst ist innovativ und weiß was gut und einzigartig ist - und dann kommt da so ein Zamperl dahergelaufen und will das alte Gelump wieder errichten"

    Jeder hat das Recht auf meine Meinung.

  • Dann erkläre mir mal, was die Bauakademie tut bzw ist.

    Tun tut sie bislang nichts, außer mit zerfetzten Planen im Wind flattern. Bislang ist sie nichts als eine Ecke mit angebautem Gerüst. Und ein finales Nutzungskonzept ist noch gar nicht beschlossen, sondern erst in der Diskussionsphase. Es ist also noch gar nicht geklärt, ob in dem Haus jemals ein Museum seinen Platz findet, ob dort irgendwelche Ausstellungen laufen oder was auch immer. Dazu wird noch viel Wasser die Spree herunterfließen und viele Leute ihre Vorstellungen zum Besten geben.

  • Ich unterstütze das Bemühen von @Novaearion um eine Versachlichung der Diskussion. Kritik an der Personalie Pronold ist ja nicht unbegründet. Für mich steht es nach wie vor außer Zweifel, dass die Schinkelfassaden rekonstruiert werden. Alle Architekten, die am Schinkelplatz gebaut haben, planten mit der Wiedererrichtung der Bauakademie. Rafael Moneo, der das Grundstück zwischen Bauakademie und Friedrichswerderscher Kirche bebaut hat, hielt es in einem Interview 2016 für eine ausgemachte Sache, dass die Bauakademie von Schinkel wiedererrichtet wird. Die städtebaulichen Vorgaben für das Gebäude und die Nutzung als Bauakademie engen den Spielraum für den Architekten so sehr ein, dass kein moderner Architekt eine Alternative zu Schinkel hinbekommen würde. Denken wir an den Wiederaufbau des Berliner Schlosses! Da gewann der Architekt den Wettbewerb, der mehr Fassadenrekonstruktionen vorsah als alle anderen und sich in seinen modernen Fassaden präzise auf das Barockschloss bezog. Zugleich legte Stella ein gutes Raumprogramm für ein modernes Kulturzentrum vor. Warum sollte es jetzt anders sein?


    Novaerion wies ja schon auf die Unterzeichner hin. Da findet sich auch der Name HG Merz. Merz hat die Staatsoper Unter den Linden saniert, die Staatsbibliothek Unter den Linden und die Alte Nationalgalerie. In allen drei Fällen erfolgte die Sanierung denkmalgerecht und zugleich mit einigen Anpassungen an heutige Nutzungserfordernisse, wobei sich seine Neuschöpfungen stilistisch jeweils gut einfügen. Auch Volkwin Marg und Jan Kleihues wurden im Tagesspiegel genannt. Das sind fähige Leute.


    Die Gipsformerei Berlin hat einige Formen in ihrem Katalog (die ersten vier Ergebnisse):


    https://www.gipsformerei-katal…earch?sSearch=Bauakademie


    Wobei ich vermute, dass weitaus mehr erhalten sind und diese Auswahl nur für den Verkauf getroffen wurde. Evtl muss man auch andere Suchwörter eingeben, um alles zu finden.

    Die Berliner Gipsformerei ist kein Archiv für Bauplastik. Sie arbeitet nicht systematisch, sondern macht Gipsabformungen von Objekten, für die es eine Nachfrage gibt. Gut möglich, dass sie von der Bauakademie nur vier beliebte Reliefmotive im Angebot hat. Selbst vom berühmten Pergamonfries hat die Gipsformerei nur die bedeutenderen Reliefs im Portfolio.


    Zur Ecke, die bereits aufgemauert wurde: Die wird in jedem Falle wieder abgebaut. Es wäre viel zu umständlich, sie während der Bauarbeiten irgendwie in situ zu erhalten. Sicherlich können Teile der Ecke für den Neubau (Reko) wiederverwendet werden.

  • Das Projekt der Ecke der Bauakademie war ein Lehrlingsprojekt.
    Abgesehen von dem Erlernen der Fertigkeiten des vermauerns von Klinkern, der Herstellung der Klinker und der kunsthistorischen Aspekte, gibt es noch einen gewichtigen Nebeneffekt.... die Neuschaffung der verlorenen Formen von vielen Formsteinen und Reliefs. In der Ecke werden wohl fast alle in der gesamten Fassade vorkommenden Formsteine vorhanden sein - dito die entsprechenden Ziegeleiformen.

  • Hatten wir schon die Stellungnahme des Bundesministeriums des Innern, für Bau und Heimat?


    (...) Anne Katrin Bohle: "Florian Pronold hat uns in der Findungskommission in jeder Hinsicht überzeugt. Er bringt große politische und fachliche Erfahrung aus seiner mehrjährigen Tätigkeit als für Bau zuständiger parlamentarischer Staatssekretär, insbesondere auch im bisherigen Entstehungsprozess der Bundesstiftung Bauakademie. Er hat uns allen zudem eindrucksvoll vermittelt, dass ihm die Bauakademie ein Herzensanliegen ist. Dies zeigt sich nicht zuletzt darin, dass er dafür bereit ist, seine politischen Ämter als Parlamentarischer Staatssekretär und sein Bundestagsmandat abzugeben." (...)

    Und weiter:


    (...) Der Deutsche Bundestag hat die Wiedererrichtung der von Karl Friedrich Schinkel erbauten Bauakademie beschlossen. (...)

    Je nach Interpretation dieser Aussage, könnte man auch von einer 1:1 Rekonstruktion ausgehen. Aber für die Fassaden sollte es wohl genügen. Das ist das Minimum.

  • Fassen wir zusammen:


    Der BUND, der das Humboldforum ueberhaupt ermoeglicht hat,
    der BUND, der die Fassaden vorfinanziert,
    der selbe BUND, der versucht zwei Vereinigungs Denkmaehler zu bekommen, ( z.B. durch Finanzierung der Saeulen)
    der selbe BUND schickt einen Mann aus den eigenen Reihen, an Berlin vorbei.
    Der gleiche BUND ist es, der die Idee der Nutzung und Finanzierung durch das Aussenamt gab
    und nun heult die selbsternannte Architektur Elite auf, wird agressiv, Beleidigend und das Persoehnlich.


    Das koennte fuer das APH Forum ein gutes Zeichen sein.

  • @Onkel Henry Gefühlte 80% derer, die heute „Fachleute“ (sprich Architekten) sind, hätten Schinkel noch nicht mal einen Kaffee bringen, geschweige denn bei ihm in Ausbildung gehen dürfen. Wie gesagt: sie sollen die Bauakademie mal skizzieren, mit Stoppuhr. Kriterien: Proportionen, Perspektive, Fassadendetails. Ganz ohne PC und Visualisierungs-Software. Das nennt man „Basics“. Jeder „Architekt“, der daran scheitert, hat in diesem Beruf schlichtweg nichts verloren. So blumig seine „Fachpublikationen“ auch sein mögen. Fünf A4-Seiten ersetzen nunmal kein praktisches Talent, auch wenn das viele heute glauben. Angesichts solcher elementaren Defizite kann der Slogan „so viel Schinkel wie möglich!“ nur noch satirisch gemeint sein. Es kommt mir vielmehr so vor, wie jemand, der Excalibur mangels Kraft und Berufung nicht aus dem Stein ziehen kann, nun den Block samt Schwert mit einer Abrissbirne zertrümmert, um beides danach „kritisch zu rekonstruieren“ und dann den Zuschauern versichert, dass dies qualitativ doch dasselbe sei.


    Übrigens lässt sich der Hass gegenüber Fassadenschmuck und die Liebe zur „strengen Form“ letztlich auf dieses Unvermögen zurückführen: der Rechner kann nur letzteres visualisieren. Für ersteres bräuchte es ‚nur’ einen Bleistift und ein Blatt Papier (der Horror schlechthin des modernen „Architekten“, vor dem er sich fürchtet, wie ein Stotterer vor einer freien Rede- und der für ihn nichts weniger bedeutete, als die Stunde der Wahrheit).

  • Gefühlte 80% derer, die heute „Fachleute“ (sprich Architekten) sind, hätten Schinkel noch nicht mal einen Kaffee bringen, geschweige denn bei ihm in Ausbildung gehen dürfen


    So wird`s sein. Im Gegensatz natürlich zu den "Fachleuten" die hier im Forum schrieben.


    Überlegt doch bitte mal, was ihr hier von euch gebt, bevor ihr auf "Absenden" anklickt. Solche Posts wie der von East-Clintwood mögen den einen oder anderen Forumsteilnehmer in seiner Meinung bestätigen, bringen aber unsere Vorhaben keinen Millimeter weiter, im Gegenteil.

  • Ich sagte lediglich, dass eine künstlerische Begabung die wichtigste Voraussetzung für die Architektur (ehemals Baukunst) sein sollte und es einst auch war. Wenn das aneckt, läuft in der öffentlichen Diskussion leider mehr verkehrt, als ich ursprünglich dachte. Oder glaubst du, dass ein (wie auch immer geartetes) Diplom diese Voraussetzung ersetzt? Und glaubst du, dass es sinnvoll ist, wenn ein erläuternder langer Text ausschlaggebend für eine Wettbewerbskommission ist und nicht das Werk, das sich in früheren Zeiten selbst erklärte und keiner semantischen ellenlangen Winkelzüge bedurfte, um als gelungen wahrgenommen zu werden (Texte, die letztlich Ablenkungsmanöver sind, um nicht als das enttarnt zu werden, was man ist: ein handwerklicher Dilettant)?


    „Die Fensterachse korrespondiert mit der Struktur der Fassade, die hier bewusst reduziert gehalten wurde, aber dennoch facettenreich bleibt. Ziel ist es, dadurch die Räumlichkeit zu unterstreichen und das reflektierende Lichtspiel dazu zu nutzen, das Gebäude aus sich heraus zu illuminieren“- so etwas soll eine simple Zeichnung und handwerkliches Können ersetzen? Solchen Unsinn nennt man „unter Fachleuten“ Kompensation*.


    Was sagt das über die „Fachleute“ in der heutigen Architektur aus? Diese Frage finde ich um einiges interessanter, als alles, was die „Fachleute“ von sich geben. Weil sie ihren Motiven auf den Grund geht und sie verrät. Insofern ist es sehr konstruktiv für eine Debatte. Auf alle Fälle konstruktiver, als die „Fachleute“ als unhinterfragbare Instanzen zu behandeln, welchen zu widersprechen einen Tadel nach sich zieht. Ich sehe ja, WAS die Fachleute heute denken und nach welchen Prinzipien sie handeln und Nachfolger rekrutieren. Das „WARUM?“ interessiert mich wesentlich mehr.


    *Wikipedia: „Mit Kompensation wird in der Psychologie nach Alfred Adler eine Strategie bezeichnet, mit der bewusst oder unbewusst versucht wird, eine echte oder eingebildete Minderwertigkeit auszugleichen.“