Berlin - Wiederaufbau der Bauakademie

  • Auch wenn der o.g. Wettbewerb noch kein Architektur-Wettbewerb war ist doch bereits jetzt klar, dass die selbsternannten Großmeister der Baukunst der Gegenwart vor Schinkel keinerlei Respekt haben und wieder mal mit Rasterfassaden oder Glaswürfel "punkten" wollen. Es bleibt zu hoffen dass nur jene (wenige?) Kandidaten am Ende im Rennen bleiben, die eine historische Fassade bauen wollen.

  • Wenn sie (wie immer) scheitern wollen. Lasst sie!


    Am Ende Schinkel wird gewinnen. Er war der genialste Architekt und erste deutsche Designer ever...wenn wer mit ihm messen will, muss entweder wahnsinnig sein oder dumm oder beides - wahnsinnig dumm ;-)

  • Bist Du da sicher? Das Original war doch ein massiver Ziegelbau mit mutmaßlich richtig dicken Mauern und könnte damit vielleicht sogar heute gültige Dämmwerte erreichen. Zu niedrige Decken oder zu kleine Fenster wird das Ding wohl auch kaum haben. Der Brandschutz wird natürlich ein Thema sein, aber sonst?

    Ja, da bin ich mir sicher. Nur mal das Offensichtlichste:


    - Die Bauakademie hatte ein Außenwand von 36,5 cm Vollziegel. Um heute die EnEv zu erreichen müsste man - mit Vollziegeln (je nach Fensteraufbau und Heizart) 90 bis 140 cm starke Ziegelwände errichten. Alternativ kann man die Ziegel natürlich auch mit Styropor, Hasenkacke oder Lehm füllen oder eine zweischalige Wand (Beton-Dämmung-Ziegelverblendung) errichten, das ist wohl das wahrscheinlichste.


    - Dann weist das oberste Geschoß zu kleine Fenster für dauerhafte Aufenthaltsräume auf. Also entweder nur Abstellräume oder größere Fenster. Das Impluvium-Dach müsste viel stärker gedämmt werden, so dass sich wahrscheinlich ohnehin nur wenig Raum ergibt.


    - Die Eingänge als Hochparterre sind nicht allein zulässig. Nach BauO Berlin muß ein barrierefreier Zugang "über den üblichen Haupteingang" vorherhalten werden.


    - Der Hof ist viel zu klein. Die Abstandsflächen sind nicht zulässig. Es müsste ein B-Plan entworfen werden, der diesen kleinen Hof erlaubt. An der Innenseite des Hofes sind keine ständigen Aufendhalsräume zulässig.

    „Kreativität entsteht nicht durch Überfluß sondern durch Mangel.“
    Richard David Precht

  • Du hast Dich ja recht genau informiert. Soll die Bauakademie vielleicht Dein nächstes Reko-Projekt werden? :zwinkern:


    - Schade - gerade die Außenwand hätte ich für wesentlich dicker als 36,5 cm gehalten - das ist ja fast nüscht.
    - Dass die oberen Fenster zu klein sind, überrascht mich ebenfalls; dann sollten das eben Archivflächen und Technikräume werden, die müssen ja auch irgendwo hin.
    - Die Barrierefreiheit des Haupteingangs müsste man aber mit einer Rampe lösen können. Da ist eben ein wenig Tüftelei gefragt, etwa so eine Konstruktion oder so etwas (obwohl es hier weniger Stufen sind).
    - Zum Innenhof habe ich auf die Schnelle nichts gefunden. Aber es gibt doch massenweise Bürogebäude mit etagenfüllenden Büros, die überhaupt keinen Lichthof haben. Auch bei der Rekonstruktion des Coselpalais am Dresdner Neumarkt hat man ja den Lichthof einfach weggelassen, um mehr Bürofläche reinzustopfen.

  • In diesem Zusammenhang möchte ich auf die bereits vor Jahren gemauerte Ecke der Bauakademie hinweisen (siehe Bild), deren Mauerstärke vom aus Foto leider kaum abschätzbar ist. Grundsätzlich kann ich mir eigentlich nicht vorstellen, dass diese Muster-Ecke wieder abgerissen wird (?). Vielmehr hoffe ich dass das Vorhandensein dieser Ecke die Planer geradezu dazu zwingt die Fassade zu vollenden, ohne moderne Experimente. Aber das mag natürlich nur Wunschdenken sein.

  • Konstantindegeer: dannsollte das Gebäude eine Ausnahme-BauO bekommen. Es stammt halt noch aus der Zeit vor der Normierung auch der Innenhöfe, aber es war maßstabsbildend. Deswegen sollte es "wie es war, wo es war" wiedererrichtet werden. Das einzige, was ich da als "nachträgliche Zutat" für unerläßlich halten würde, - wegen einfacherer Nutzung -, sind Lifte.
    Zweischalige Wand fände ich nicht wirklich rekonstruierend, denn der Witz an dem Gebäude war ja gerade seine Vollziegelkonstruktion. Vielleicht etwas dicker machen wie original, aber keinesfalls 1 m oder mehr.

  • Vielleicht etwas dicker machen wie original, aber keinesfalls 1 m oder mehr.

    Warum denn nicht? Das wäre doch die bestmögliche Lösung. Wenn die Außenmauern, um die EnEV-Dämmwerte zu erreichen, 1,20 m dicke sein müssen, dann baut man sie eben so dick. Dann ist es immer noch ein Vollziegelbau, wie das historische Vorbild.

  • Nein! Eine drei- bis viermal so dicke Wand macht "Fensterlöcher". Das ist doch furchtbar. Ich bin für Ausnahme-BauO, von Anfang an, auch ausnehmen von EnEV-Vorschriften. Gerne kann man sich vorher etwas überlegen, wie man billig heizt und von mir aus auch unterm Dach dämmen. Aber solche Monsterwände würden das Gebäude völlig verzeichnen. Es war offenbar ein verhältnismäßiger "Leichtbau". Aber auch in dem Gebäude, in dem ich wohne, haben die Wände im 2. und 3.OG nur 36 cm: so arg ungewöhnlich kommt mir das nicht vor, es sei denn, das wäre das Maß ab Fundament.

  • Wieso Fensterlöcher? Die Fenster können doch an derselben Stelle der Außenwand wie beim Original angebracht werden, das ist ja keine Dämm-Pampe, an der nichts hält wie bei nachträglich gedämmten Gebäuden. Von außen sähe das genauso aus wie beim Original. Innen wären die Fenster natürlich um einiges tiefer. Würde man aber z.B. zwei Fenster hintereinander, also ein Doppelfenster einbauen, würde das Ganze auch von hinten nicht mehr ganz so auffallen. Aber auf eine Ausnahmegenehmigung würde ich nicht hoffen - wieso sollte man für die Reko eine Ausnahme bekommen? Das ist ein Neubau, und wir sind in Deutschland. Für die rekonstruierten Altstadthäuser in Frankfurt wurde auch keine Extrawurst gebraten, da musste ja z.B. das Erdgeschoss der Goldenen Waage aus Beton (mit vorgeblendeten Sandsteinarkaden) errichtet werden, da massive Sandstein-Erdgeschosse nicht mehr zulässig sind. Ganz ohne Kompromisse geht es eben nicht mehr.

  • Was, bitte Loggia, ist eine "Ausnahme BauO"? Die Berliner Bauordnung ist für alle Berliner Bauten verbindlich und Ausnahmen gibt es nur im Detail und dort wo die Grundzüge der Bauordnung nicht berührt werden. Da kann man sich doch nicht einfach hinstellen und sagen: hier will ich aber, dass sie nicht gilt. Baurecht ist doch nicht Schopenhauer: die Welt als Wille und Vorstellung sondern unsere Rechtsordnung.


    Zudem ist es ja nicht nur die Wandstärke sondern die von mir aufgezählte lange Reihe von weiteren Themen, die einfach nicht passen. Deine Argumente sind ja nett jedoch leider baurechtlich völlig ohne Belang.

    „Kreativität entsteht nicht durch Überfluß sondern durch Mangel.“
    Richard David Precht

  • Konstantindegeer:
    Sorry, ich bin mit der Terminologie nicht so im Bilde. Eine Baugenehmigung oder ein spezieller Bebauungsplan für ein Gebäude, die gewisse Ausnahmen bei den Vorschriften der gegenwärtigen Bauordnung erlauben - für Altbauten ist die Energieverordnung z.B. nicht ganz so streng, meines Wissens - täte wahrscheinlich ja reichen. Um 1, 2 "neue" Eingänge kommt man wahrscheinlich nicht umhin, wenn man Lifte zur einfacheren Nutzung einbauen will, aber das mit dem problematischen Innenhof mag ich nicht recht glauben.

  • Ich glaube nicht, dass so etwas für Neubauten möglich ist. Und bei der Bauakademie handelt es sich rechtlich um einen solchen...

  • Natürlich wäre die Bauakademe ein Neubau und damit gilt die BauOBln. Ich sagte ja schon oben, dass - allein um den engen Hof bauordnungsrechtlich hinzubekommen wohl ohnehin ein Bebauungsplan nötig ist. Dieser ersetzt aber keine Baugenehmigung. Um eine Baugenehmigung zu bekommen muss man auch die Einhaltung diverser dritter Bauvorschriften nachweisen, Tragswerkplanung und eben auch die EnergieeinsparVO (EnEv). Mache dich, Loggia, mal im Frankfurt-Forum damit vertraut was es für ein Aufwand ist historische Bauten nach zeitgenössischen Bauvorschriften zu bauen.


    Was den Innenhof betrifft brauchen wir mindestens a) eine Abstandsfläche von 0,4 h, die sich nicht überdecken darf, b) ausreichend große Fenster, wenn ständige Aufendhaltsräume am Hof liegen und c) den Nachweis eine möglichen Feuerwehrangriffs. Viel Spaß. Wahrscheinlich macht man einfach ein Dach auf den Hof, um das Problem zu umgehen. Wandstärken sind schon angesprochen worden und die Fenster des obersten Geschosses gehen auch nicht. Dann kommen die neuen Eingänge mit erdgeschossigen Aufzügen hinzu. das sieht dann alles schon ganz anders aus. Und: gibt es die Läden im Erdgeschoß kommen noch eine Reihe weiterer Probleme hinzu.

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    Richard David Precht

  • Frankfurt-Forum
    Danke für den Hinweis. Werde mich dann nach und nach mal einlesen. -
    Was gibt es für Probleme bei Läden?

  • Bei aller Aufregung um die Bauvorschriften: Die Rekonstruktion der Fassade gilt doch als gesichert, oder nicht?

  • Zur Info: Die FB-Seite der Schinkelschen Bauakademie veröffentlicht regelmäßig Statements und Pressemitteilungen, hat aber nur 98 Likes.