Berlin - Wiederaufbau der Bauakademie

  • Das gegenwärtige Thema Ökologisch Bauen oder Sanieren nutzen jetzt bestimmte Initiativen und Gruppierungen nur für ihre eigenen Interessen um diese durchzusetzen. Beispiel,Staudenhof Potsdam.

    Ja,man muss mittlerweile sehr wohl unterscheiden zwischen den Menschen die es mit dem Klima wirklich ernst meinen und solchen die nur das Klima für ihre Stadt und Baupolitischen Ziele benutzen.

  • Man muss - so fürchte ich - den Bau und die Lehre in einer künftigen Bauakademie unterscheiden. Der Stand der Technik ändern sich z. zt. in einer derart rasenden Geschwindigkeit, dass ein Beschluß zu einem modernen Bau "nach Stand der Technik" zwangsläufig bei Fertigstellung ein technisch hoffnungslos veraltetes Gebäude ergibt. Gerade beim Thema Wärmepumpen (einerlei ob Luft- oder Geothermie-Wärmepumpe) werden heute zehn Jahre alte Systeme nur noch milde belächelt und gelten schon als steinzeitlich. Ein Beispiel ist das "Futurium" an der Spree, das mit seiner Glasfassade alles andere als klimaneutral ist.

    Das ist ja das Problem, dass sich beim Bauen auftut: die Haustechnikkosten liegen inzwischen bei 50 % UND die Technik muss in wesentlichen Teilen nach 20 Jahren erneuert werden. Das wird in der Regel bei Wirtschaftlichkeits- und Klimabetrachtung nicht beachtet, gerade, wenn man es mit anderen Systemen vergleicht.


    Gerade deshalb wäre es sinnvoll den historischen Bau mit einer zweischaligen Fassade wiederzuerrichten, um auf die damalige Innovation aufmerksam zu machen. Auch Holzfenster und Verwenden von gebrauchten Klinkern machen den Bau historisch original aber klimagerecht möglich. Der Heizkreislauf sollte mit einer Kühlflüssigkeit laufen, an den auch neuere Energiequellen immer wieder nachgerüstet/ausgetauscht werden können und nicht vorsintflutlich mit Wasser funktionieren. Low-Tech-Gebäude sind schwieriger zu planen, aber effizienter als Glasburgen, die enorme Mengen Strom zum heizen und Kühlen benötigen.


    Die Lehre in einer solchen Akademie ist eine andere Sache. Auch hierfür ist das Raumprogramm der alten Bauakdemie bestens geeignet.

  • Kurze Frage: In dem Bauschutt, mit dem die Grube der Bauakademie verschüttet wurde, finden sich überall Stücke eines farblich sehr verwandten Backsteins. Kann es sein, dass diese vom Abriss der Bauakademie selbst stammen? So wie man auf dem Terrain der Reichskanzlei ja auch Stücke aller verwendeten Steinverkleidungen stößt.


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  • Guido Spars, Vorstand der Stiftung Bauakademie, gibt sich noch nicht geschlagen und möchte sich nicht zu einer historischen Fassade zwingen lassen:
    https://www.tagesspiegel.de/be…ingen-lassen-9618746.html

    Gönnerisch versichert er allerdings:

    "Eine historische Fassade, die sich Schinkel zum Vorbild nimmt, die ihn an heutige Anforderungen und an die räumlichen Bedarfe anpasst, wird als Wettbewerbsbeitrag willkommen sein."

    Hat offenbar ein ausgesprochen ausgeprägtes Demokratieverständnis der gute Herr


    https://entwicklungsstadt.de/s…ktion-mit-einschraenkung/ Anders als in der Artikelüberschrift suggeriert, spricht sich Tchoban nicht explizit für eine Rekonstruktion aus, dennoch erkennt er den Willen der Bürger nach einer solchen an und spricht sich im Falle einer Reko für eine vollständige aus. Diesem Beispiel könnte Herr Spars folgen.

  • Gerade deshalb wäre es sinnvoll den historischen Bau mit einer zweischaligen Fassade wiederzuerrichten, um auf die damalige Innovation aufmerksam zu machen. Auch Holzfenster und Verwenden von gebrauchten Klinkern machen den Bau historisch original aber klimagerecht möglich. Der Heizkreislauf sollte mit einer Kühlflüssigkeit laufen, an den auch neuere Energiequellen immer wieder nachgerüstet/ausgetauscht werden können und nicht vorsintflutlich mit Wasser funktionieren. Low-Tech-Gebäude sind schwieriger zu planen, aber effizienter als Glasburgen, die enorme Mengen Strom zum heizen und Kühlen benötigen.


    Die Lehre in einer solchen Akademie ist eine andere Sache. Auch hierfür ist das Raumprogramm der alten Bauakdemie bestens geeignet.

    Sehr gute Vorschläge!

    Insgesamt gibt es ja im nachhaltigen Bauen auch einen ganz klaren Trend zu Lowtech. Den sollte man hier umsetzen und einen TGA-Anteil unter x% anstreben.


    Technik veraltet heute einfach in rasend schnellem Tempo, und je weniger man davon verbaut, desto seltener muss man die erneuern.

  • Die Geschichte der Bauakademie


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    Möglichkeiten des Wiederaufbaus


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  • Es gibt auf bauakademie.jetzt ohnehin einige gute Vorträge und Interviews.....

    Nimm das Recht weg, was ist der Staat dann noch anderes als eine große Räuberbande? (Augustinus von Hippo)

  • Schwarz-Rot kommt also, aber anders als gedacht, wird nicht Giffey (die sich klar für die historische Bauakademie ausgesprochen hatte) Bausenatorin, sondern Christian Gaebler bekleidet nun das Amt.
    Was weiß man über ihn, außer, dass er bereits Staatssekretär fürs Bauen war?
    Ich hoffe doch, er behält Frau Kahlfeldt als Senatsbaudirektorin bei?
    Naja, im Koalitionsvertrag steht ganz klar das Bekenntnis zur historischen Bauakademie, inklusive kleiner Drohung an die Bundesstiftung/den Bund, da wird sich hoffentlich auch bei Personalaustausch nichts dran ändern...
    Aber um Kahlfeldt wäre es schon sehr schade. Sie hätte nur 1 1/2 Jahre ihren Posten innegehabt. Ich drücke die Daumen, dass sie bleibt.

  • Christian Gäbler hat an der TUB studiert, hat als Verkehrsplaner mit eigenem Büro gearbeitet und war jahrzehntelang Chef des SPD-KV Charlottenburg. Seit Geld hat er nebenbei als Kneipier ("Rote Harfe" am Heinrichplatz) verdient.

  • Frau Kahlfeldt bleibt auf ihrem Posten. :)
    Von der heute aktualisierten SPD Berlin Seite:

    Quote


    Senator für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen: Christian Gaebler. Staatssekretäre: Alexander Slotty und Stephan Machulik. Senatsbaudirektorin: Petra Kahlfeldt.

  • Sehr gut. Damit steigt deutlich die Chance, dass das Land Berlin die Pläne der Rekonstruktions-Gegner um Giudo Spars unterlaufen kann und wird. Die von Senatsbaudirektorin Kahlfeldt geplante Gestaltungssatzung liegt ja im Prinzip schon in der Schublade, konnte nur bisher angesichts des Widerstands gegen Schinkel bei Grünen und SED nicht in Kraft gesetzt werden. Es bleibt spannend! :wink:

  • "Staatssekretäre: Alexander Slotty und Stephan Machulik"
    Ist über diese beiden Herren was bekannt? :)


    Toller Vortrag von Prof. Peter Stephan (FH Potsdam) zur Bauakademie, der die "evolutionäre Moderne" Schinkels gegenüber der "revolutionären" Bauhaus-Moderne herausstellt:

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    "Kernthese des Vortrags: Die Bauakademie ist eine "Inkunabel der Moderne", aber nicht einer revolutionären Radikalmoderne, die mit der Vergangenheit bricht, sondern einer ervolutionären Moderne, die gerade dadurch innovativ ist, dass sie noch weiter in die Geschichte zurückblickt und somit noch mehr geistige Ressourcen erschließt. Aus diesem Grund ist es auch unsinnig, eine Rekonstruktion der Bauakademie mit dem Hinweis abzulehnen, Schinkel würde, wenn er heute lebte, auch modern bauen und nicht rekonstruieren. Eine Bauakademie in "seinem Geist" müsse daher zwangsläufig im Stil der zeitgenössischen Moderne erfolgen. Denn diese heutige Moderne hat mit Schinkels Moderne-Begriff nicht das Mindeste zu tun."


    Prof. Dr. Peter Stephan
    Architekturtheorie und Geschichte der Architekturtheorie, Fachhochschule Potsdam Im Geiste Schinkels. Die Bauakademie als Inkunabel der Moderne
    bauakademie.jetzt

  • In Giffey durfte man durchaus einige Hoffnungen setzen. Enttäuschend, daß sie das Ressort nun nicht bekleidet.

    Von Gäbler indes darf man wohl nicht allzu viel erwarten. Und eine Offensive in Sachen Bebauung des Heilig-Geist-Viertels - bevor endgültig andere Fakten geschaffen werden - wohl schon gar nicnt.

  • Sehr gut. Damit steigt deutlich die Chance, dass das Land Berlin die Pläne der Rekonstruktions-Gegner um Giudo Spars unterlaufen kann und wird. Die von Senatsbaudirektorin Kahlfeldt geplante Gestaltungssatzung liegt ja im Prinzip schon in der Schublade, konnte nur bisher angesichts des Widerstands gegen Schinkel bei Grünen und SED nicht in Kraft gesetzt werden. Es bleibt spannend! :wink:

    Eine Frage zur Rechtslage : ist nicht der Bund Eigentümer des Landes? Und Entscheidungsträger?

    Wenn ja, was spielt es für eine Rolle wenn der Berliner Senat für eine Rekonstruktion ist? Ist nicht agressiv gemeint, ich bin nur ziemlich verwundert über diese positive Stimmung.

  • Der Senat kann eine Gestaltungsordnung erlassen, die für das Wettbewerbsverfahren verbindlich ist. Oder er kann die Ausschreibung des Wettbewerbs beeinfllussen. Die Gestaltungsverordnung hat Petra Kahlfeldt bereits im Herbst letzten Jahres erarbeitet, aber ihre Unterzeichnung scheiterte m.W. unter anderem an Herrn Geisel, der die Rekonstruktion zwar persönlich befürwortete, sich aber parteipolitisch nicht festlegen wollte.

    Nimm das Recht weg, was ist der Staat dann noch anderes als eine große Räuberbande? (Augustinus von Hippo)

  • Eine Frage zur Rechtslage : ist nicht der Bund Eigentümer des Landes? Und Entscheidungsträger?

    Wenn ja, was spielt es für eine Rolle wenn der Berliner Senat für eine Rekonstruktion ist? Ist nicht agressiv gemeint, ich bin nur ziemlich verwundert über diese positive Stimmung.

    Der Bund, genau wie jeder andere Bauherr, kann ja nicht einfach in Berlin bauen, wie er lustig ist.
    Speziell wenn Berlin eine Verordnung für ein bestimmtes Areal und aus einem bestimmten Grund erlässt, muss sich der Bauherr entweder daran halten, oder damit rechnen, dass Berlin nicht mitmacht und so nicht gebaut werden darf.

    Wenn Berlin nicht letztendlich klein bei gibt, was ich mir nicht vorstellen kann, gerade nach dem Vermerk im Koalitionsvertrag, dann wird die Bauakademie im schlimmsten Fall wieder auf die lange Bank geschoben. Aber das ist dann wohl besser so, denn die jetzige Bundesregierung regiert ja auch nicht ewig, und später kommt womöglich/hoffentlich wieder eine weniger ideologisch angetriebene ans Ruder.

  • Die Gestaltungsverordnung hat Petra Kahlfeldt bereits im Herbst letzten Jahres erarbeitet, aber ihre Unterzeichnung scheiterte m.W. unter anderem an Herrn Geisel, der die Rekonstruktion zwar persönlich befürwortete, sich aber parteipolitisch nicht festlegen wollte.

    Ja, das war politischer Sprengstoff, denn die Grünen und Linken saßen ja noch mit im Boot der Stadt/Landesregierung, und die waren ziemlich erbost darüber und über Geisel und Kahlfeldt generell.
    Nun sitzen Grüne und Linke aber draußen vor der Tür, und haben nichts mehr zu melden, und, wie gesagt, es steht schwarz auf weiß im Koalitionsvertrag, dass die Gestaltungsverordnung diesmal kommt.

  • Erstens wird sich erweisen müssen ob ein Bausenator Gäbler die Gestaltungsverordnung unterschreibt. Die Zustimmung der CDU hätte er, ob die SPD dafür wäre steht dahin.

    Zweitens wird sich herausstellen, was dann der Bund dann tut - in der Bundesregierung sitzen die Grünen dennoch. Der Bund kann auch einfach das Bauprojekt auf Eis legen, wenn es nicht nach seiner Nase geht. Angesichts der Kassenlage hätte er jeden Grund dafür.

  • Allerdings ist der Bund verpflichtet, das Grundstück zu bebauen. Ob es einen vorgeschriebenen Zeitrahmen gibt, weiß ich allerdings nicht.

    Nimm das Recht weg, was ist der Staat dann noch anderes als eine große Räuberbande? (Augustinus von Hippo)

  • Erstens wird sich erweisen müssen ob ein Bausenator Gäbler die Gestaltungsverordnung unterschreibt. Die Zustimmung der CDU hätte er, ob die SPD dafür wäre steht dahin.

    Warum sollte es daran einen Zweifel geben? Es steht schwarz auf weiß im Koalitionsvertrag, der heute unterschrieben wurde, dass die Verordnung kommt, wenn man sich mit dem Bund nicht vorher einigen kann.


    Quote


    Die Wiedererrichtung der historischen Fassade der Bauakademie ist durch ein geeignetes Verfahren sicherzustellen. Falls dies nicht durch eine entsprechende mit dem Bund und der Stiftung Bauakademie abgestimmte Ausgestaltung des Wettbewerbstextes für den Gestaltungswettbewerb gelingt, wird der Senat hierzu eine Gestaltungsverordnung erlassen.


    Das wäre schlicht Vertragsbruch, wenn Herr Gaebler sich weigert, aus welchem Grund auch immer, zu unterschreiben.

    Und zu Zweitens:
    Wie ich vorhin bereits erwähnte, wäre das in dem Fall doch die beste Lösung.
    Besser jetzt auf eine modernistische Bauakademie verzichten und sie nochmal auf die Bank zu schieben für eine zweite Chance auf eine originalgetreue Bauakademie unter einer womöglich anderen Bundesregierung.
    Selbst wenn dann alles Unglück zusammenkäme und Berlin und Bund für eine modernistische Bauakademie wären, dann blieb sie uns wenigstens ein paar Jahre mehr erspart. ;)