Kitsch! Schlosskopie bei Peking

  • In China hat der erfolgreiche Unternehmer Zhang Yuchen Das Château Maisons-Laffite als Hotel nachgebaut. Die Flügelbauten sind von Fontainebleau kopiert, die Gärten sind eine Mischung aus Versailles und Vaux le Viconte und "Auf der Rückseite seines Schlosses entstanden Roms
    Kolonnaden neu, als er die Säulengänge Berninis um den Innenhof legte."


    Das Original wurde vor 350 Jahren von Francois Mansart in der Nähe von Paris erbaut. Die Kopie steht bei Peking auf einem 300 Hektar großem Grundstück, die sechs Dörfer mit ihren 5000 Einwohnern die sich vorher hier befanden mussten "weichen". 50 Millionen Euro hat das ganze gekostet, zeitweilig waren bis zu 1000 Arbeiter auf der Baustelle, die Bauzeit betrug drei Jahre.


    Das nächste Projekt das Zhang Yuchen angehen will, ist der Nachbau von Schloss Neuschwanstein.



    http://talawas.org/talaDB/showFile.php?res=3782&rb=0306&von=0\r
    talawas.org/talaDB/showFile.php? ... 0306&von=0


    http://www.chinatoday.com.cn/lachine/2005/5fn6/p44n6.htm\r
    http://www.chinatoday.com.cn/lachine/20 ... /p44n6.htm
    http://www.welt.de/data/2006/01/05/827004.html\r
    http://www.welt.de/data/2006/01/05/827004.html

    Wenn du ein Haus baust, denke an die Stadt (Luigi Snozzi)

  • In so einem Fall kann ich das böse Wort "Disneyland" schon eher nachvollziehen...


    Andererseits: Da die meisten Chinesen in ihrem Land ohnehin eingesperrt sind, können sie so auch mal europäische Baukunst betaunen.

  • Was allerdings merkwürdig ist: Einerseits reissen die Chinesen riesige historische Viertel für Hochhaussiedlungen ab (abgesehen von ein paar Restaurierungen für die nächsten Olympischen Spiele) und gleichzeitig bauen sie traditionelle aber nicht chinesische Gebäude auf...

  • Was soll denn schlecht daran sein, Schönes zu kopieren und damit die präsente Schönheit zu mehren?


    Und mit Disneyland hat das nichts zu tun. Das Objekt wurde, so weit mir bekannt, nach höchsten Qualitätsmaßstäben errichtet (handgefertigte Marmorstatuen, etc.) - das ist tausendmal mehr Kunst als z.B. dieses coop-Ding aus einem anderen Thema...

    Eine der vorzüglichsten Eigenschaften von Gebäuden ist historische Tiefe.
    Die Quelle aller Geschichte ist Tradition. (Schiller)
    Eine Stadt muss ihren Bürgern gefallen, nicht den Architekten.

  • Quote from "Stephan"

    In China hat der erfolgreiche Unternehmer Zhang Yuchen Das Château Maisons-Laffite als Hotel nachgebaut. ...Das nächste Projekt das Zhang Yuchen angehen will, ist der Nachbau von Schloss Neuschwanstein.


    ...


    Ich sehe das ganze positiv. Wenn die Chinesen unsere europäische
    Kultur nachbauen, kann das nur gut sein. Das können wir als Kompliment
    annehmen. :D

  • Ich sagte ja auch nur, ich könnte das D.land-Argument eher verstehen. Heißt ja nicht, dass ich das Ganze komplett ablehne. Aber eine Neuschwanstein-Kopie muss doch wirklich nicht sein, oder? Im Übrigen lebt ein Gebäude auch immer von seinem (historischem) Umfeld und das ist hier einfach nicht gegeben.

  • Naja, ein Nachb au von Neuschwanstein...Da trifft Disneyland wirklich eher zu. Schließlich steht in den "Disneyländern" auch je eine weitgehende Kopie dessen im Mittelpunkt.


    Kann der Typ sein Geld nicht hier in vergliechbare Projekte stecken?

  • Ich verstehe nicht, wie man sowas auch noch gutheißen kann!


    Da werden 6 Dörfer mal dem Erdboden gleichgemacht, 5000 Menschen aus ihren Heimatorten vertrieben (wahrscheinlich wie in Peking bei Widerspruch aus den Häusern rausgeprügelt), damit sich so ein reicher Bonze (das ist also Kommunismus?) ein Schloß hinbauen kann! Das sind doch mal wieder typische Auswüchse einer menschenverachtenden Diktatur! :boese:


    Stell' Dir doch bitte mal vor, Antiquitus, Deine Familie wird aus ihrem Haus geschmissen, das Haus und Euer ganzer Heimatort mit allen Deinen Erinnerungen werden plattgemacht, Ihr dürft künftig im Plattenbau (14. Stock, 2 Zimmer, Miete übersteigt Euer Monatseinkommen) leben - und alles, damit ein Millionär auf dem Grundstück ein Hotel bauen kann - dessen Baustil aus verschiedenen chinesischen Tempeln zusammengeklaut ist... :augenrollen:


    Quote

    Die Flügelbauten sind von Fontainebleau kopiert, die Gärten sind eine Mischung aus Versailles und Vaux le Viconte und "Auf der Rückseite seines Schlosses entstanden Roms
    Kolonnaden neu, als er die Säulengänge Berninis um den Innenhof legte."


    ...und das klingt nun wirklich nach Disneyland, oder noch eher nach Las Vegas. Armes China - die eigene historische Bebauung (Pekinger Altstadt) wird zugunsten von Hochhäusern und Stadtautobahnen geopfert, und vor der Stadt werden Kopien europäischer Königsschlösser hingestellt.

  • Quote

    die sechs Dörfer mit ihren 5000 Einwohnern die sich vorher hier befanden mussten "weichen".


    ... dass kann man leicht überlesen, mir ging`s gestern ebenso. Deswegen muss ich meine Vorredner mal in Schutz nehmen. Auf den Aspekt bezogen, ist das natürlich ein absoluter Irrsinn, sowas.

  • ...das ist mir 1000-mal lieber, als z. B. der widerliche Klotz, der als Erweiterungsbau der Münchner Kunstakademie geplant ist!!!! Ästhetisch und mit klassischen Bauelementen! Warum sollte man nicht auch in China die großartigen Bauelemente euroäischer Architektur übernehmen? Wir haben ja schließlich auch die Wolkenkratzer von den Amis abgeschaut, und da hat keiner von "Kitsch" gesprochen.

    Der Tiefpunkt der Baukultur wurde in den 60er und 70er Jahren des 20sten Jahrhunderts erreicht...

  • Quote from "Schloßgespenst"

    ...
    Da werden 6 Dörfer mal dem Erdboden gleichgemacht, 5000 Menschen aus ihren Heimatorten vertrieben (wahrscheinlich wie in Peking bei Widerspruch aus den Häusern rausgeprügelt), damit sich so ein reicher Bonze (das ist also Kommunismus?) ein Schloß hinbauen kann! Das sind doch mal wieder typische Auswüchse einer menschenverachtenden Diktatur! :boese:


    ....


    Das habe ich in der Schnelle vor ein paar Tagen überlesen. Ich dachte,
    es wäre irgendwo auf der grünen Wiese gebaut worden. :keine ahnung:
    Mit diesem Hintergrund bekommt das ganze natürlich einen sehr
    faden Beigeschmack... :x

  • Wenn ein Millionär sich einen Traum erfüllen will, dann soll er das ruhig machen. Wenn dann aber 5000 Menschen darunter leiden müssen dann geht das zu weit.


    Bei der momentanen Aufbruchsstimmung in China verwundert es doch wie mit der eigenen Baukultur umgegangen wird. Eigene Zeugnisse der heimischen Baukultur werden abgerissen, weil sie nicht in die "schöne, neue Welt" passen, gleichzeitig werden neue Stadtviertel oder ganze Städte aus dem Boden gestampft die alle austauschbar aussehen. Traditionell-inspirierte Neubauten entstehen nicht, man bedient sich dagegen häufig bei der europäischen Baugeschichte (Identitätskrise???).


    Ganz bestimmt aber passt das Beispiel des "Schlosses" in die Zeit des wirtschaftlichen Aufschwungs in dem scheinbar alles möglich ist....................., vorausgesetzt natürlich man hat das nötige Kleingeld!

    Wenn du ein Haus baust, denke an die Stadt (Luigi Snozzi)

  • Ich hab letztens mal einen Bericht über China gelesen wo drinstand, dass sie in ein paar Jahren oder Jahrzehnten merken werden, dass sie ihre Kultur gegen 08/15-Bauten eingetauscht haben... und das noch massive Probleme mit sich bringen wird.
    Auch seien die Neubauten von einer Qualität wie sie in Europa niemals eine Bauabnahme überstehen würden. Teuer sind meist nur die Namen der Architekten.

    Wo die Sonne der Kultur niedrig steht, werfen selbst Zwerge lange Schatten
    Karl Kraus (1874-1936)

  • Der Bericht über den Millionär, das Schloss und die Vertreibungen sagt viel aus über das derzeitige China. Dass so etwas möglich ist, liegt aber nicht nur am fehlenden Rechtsstaat, sondern auch daran, dass Reichwerden und das offene Zeigen von Reichtum für viele Chinesen heute das Lebensziel Nummer eins ist.


    Ein gutes Beispiel dafür ist ein massiv goldenes Klo (!), das zur Zeit für die Festlandschinesen eine der meistbesuchten Sehenswürdigkeiten Hongkongs ist. Im Durchschnitt 4000 Besucher pro Tag schauen sich das Klo aus 2 Tonnen Gold an, das ein chinesischer Juwelier sich als Werbegag in seinen Juwelierladen hat einbauen lassen. Damit hat er offensichtlich genau den "Geschmack" seiner vielen Besucher getroffen, denn diese kaufen gleich noch kräftig bei ihm ein und haben ihn so zum größten Juwelier Hongkongs mit 4000 Angestellten gemacht. Dabei hat Lam Sai-wing selbst einmal als Flüchtling mit nichts angefangen.


    http://jetzt.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/271771


    Die ungeheuren Verwüstungen, die die "Kulturrevolution" in China hinterlassen hat und die neben Millionen von Opfern unzählige Baudenkmäler, Bibliotheken, Tempel, Universitäten und Kunstwerke im ganzen Land zerstört hat, wirken bis heute weiter. Auch jede Form bürgerlicher Kultur wie Bücher, Höflichkeit oder klassische Musik galt als reaktionär und konnte lebensgefährlich sein. Von diesem Zusammenbruch der Kultur hat sich China bis heute nicht völlig erholt, auch wenn z. B. heute wieder Bücher über Konfuzius geschrieben werden dürfen und Tempel wieder aufgebaut werden. Die Geschmacksverirrungen und Orientierungslosigkeit von heute sind eine späte Folge.

  • 2 Tonnen Gold? Fragt sich welcher Qualität, denn nach meiner Schätzung müsste das einen Materialwert von ca. 20 Mio. € haben. Davon könnte man soooo viiieeeeele Kindertagesstätten bauen, finde ich ein bisschen vulgär das ganze...

    Wenn du ein Haus baust, denke an die Stadt (Luigi Snozzi)

  • Stephan


    Nicht nur massives Gold für Klobecken, Klobürste und Waschbecken, sondern auch Bernstein und Smaragde für die Decke des Klos. Wie gesagt, für Chinesen eines der Top-Highlights von Hongkong - moderner geht´s nicht!!
    :schockiert:

  • Quote from "Mathias"

    Stephan


    Nicht nur massives Gold für Klobecken, Klobürste und Waschbecken, sondern auch Bernstein und Smaragde für die Decke des Klos. Wie gesagt, für Chinesen eines der Top-Highlights von Hongkong - moderner geht´s nicht!!
    :schockiert:


    :irrer: Ich möchte nicht wissen, wieviel Ölscheichs selbiges Exemplar
    mehrfach in ihren Riesenschlössern stehen haben und gleichzeitig
    ihre Bevölkerung kein Geld für ein Mittagessen hat.
    Putin wird seine ganz großen Geschäfte sicher auch auf einem Gold-Lokus
    erledigen... :lachentuerkis:

  • Das Klo hat übrigens umgerechnet 5,4 Millionen EURO gekostet und es war niemand anderes als Lenin, der den Juwelier auf die Idee mit dem Goldklo gebracht hat.


    Lam Sai Wing hatte in der Schule gelernt, dass Lenin nach dem Sieg des Kommunismus goldene Toiletten für die Öffentlichkeit bauen wollte. :peinlich:


    http://www.thur.de/philo/klo/uk18.htm

  • Quote from "Schloßgespenst"

    Ich verstehe nicht, wie man sowas auch noch gutheißen kann!


    Da werden 6 Dörfer mal dem Erdboden gleichgemacht, 5000 Menschen aus ihren Heimatorten vertrieben (wahrscheinlich wie in Peking bei Widerspruch aus den Häusern rausgeprügelt), damit sich so ein reicher Bonze (das ist also Kommunismus?) ein Schloß hinbauen kann! Das sind doch mal wieder typische Auswüchse einer menschenverachtenden Diktatur! :boese:


    Stell' Dir doch bitte mal vor, Antiquitus, Deine Familie wird aus ihrem Haus geschmissen, das Haus und Euer ganzer Heimatort mit allen Deinen Erinnerungen werden plattgemacht, Ihr dürft künftig im Plattenbau (14. Stock, 2 Zimmer, Miete übersteigt Euer Monatseinkommen) leben - und alles, damit ein Millionär auf dem Grundstück ein Hotel bauen kann - dessen Baustil aus verschiedenen chinesischen Tempeln zusammengeklaut ist... :augenrollen:


    Um so eine klare Position beziehen zu können, muss man eigentlich viel mehr Informationen haben. Wie sahen denn die Dörfer aus, weiß das wer? Denn Bambus- oder Wellblechhütten kann man ohne größere Probleme translozieren. Ich galube kaum, dass es sich hier um Dörfer mit jahrhundertealter Geschichte und Baukultur handelt, wie es jetzt vielleicht manche hier vor Augen haben. Oder: Kennt jemand die genauen Entschädigungen? Ich nicht, aber wer weiß, vielleicht waren sie gar nicht so gering, wie automatisch unterstellt wird. Oder die Frage, wie sich die Gegend dort insgesamt entwickelt: Es kann durchaus sein, dass der Zustand insgesamt gesehen besser ist, trotz der geopferten Dörfer.
    Es kann natürlich in jedem Punkt auch die schlechteste Variante der Fall sein, aber dies einfach zu unterstellen, dazu sehe ich keinen Anlass.

    Eine der vorzüglichsten Eigenschaften von Gebäuden ist historische Tiefe.
    Die Quelle aller Geschichte ist Tradition. (Schiller)
    Eine Stadt muss ihren Bürgern gefallen, nicht den Architekten.

  • Quote

    Kennt jemand die genauen Entschädigungen?


    Soweit ich mich erinnern kann hat der Bauherr die Dorfbewohner (Alle???) in seinem Hotel angestellt.

    Wenn du ein Haus baust, denke an die Stadt (Luigi Snozzi)