Hannover - Innenstadt

  • Laut Tageszeitung beginnen nun bald die öffentlich gehaltenen Foren zur Ratsinitiative "City 2020". Schwerpunkt ist die künftige Stadtentwicklung in der Innenstadt, die bekannte Schwächen aufweist.

    Termine sind:
    24.09.
    28.10.
    12.11.
    10.12.


    im Sprengel-Museum.


    Am 12.11. sind u.a. auch die Stadtbauräte aus München, Zürich, Hamburg und Leipzig anwesendend. Den interessantesten Termin gibt es im Dezember, wenn über die Nachriegsarchitektur gesprochen wird. Hier stehen u.a. die Hinterlassenschaften der "autogerechten Stadt" mit seinem City-Ring (Stadtautobahn) zur Diskussion. Die Ergebnisse sollen in einen Architekturwettbewerb münden.


    Ich für meinen Teil hoffe ja um eine Erweiterung der Altstadt auf einem Teilstück des City-Rings (Leineinsel) und auf dem Köbelinger Markt. :zwinkern: Auch wenn ich die Haltung des hiesigen Stadtplanungsamtes (leider) kenne. :weinen:

  • Habe gehört, dass ursprünglich geplant war, dass abgerissene/abgebaute Friederikenschlösschen im Georgengarten wieder aufzubauen. Wurden dazu die Bauteile igendwo eingelagert und weiß jemand, ob es noch Überreste davon gibt?



    VG

  • Echt? Das wär mir neu. Eigentlich wollten einige es am ursprünglichen Standort wiedersehen. Die Stadt unterstützt dies aber nicht.


    Es sollen ein paar Teile eingelagert worden sein; allerdings sind dies Fassadenelemente - in diesem Fall die Holzbretter. Diese sollen zudem schon sehr vergammelt sein.

  • Ich habe das meines Erachtens dem Buch von Friedrich Lindau entnommen: "Zerstörung und Wiederaufbau von Hannover". Gerade wenn noch eine Reihe von Originalteilen vorhanden ist, macht das eine Reko bzw. einen Wiederaufbau doch wahrscheinlicher...auch aus Sicht des Denkmalschutzes, oder??? Wäre auch bestimmt eine Top "Event-Location" :-).

  • ...ja, z. B. als Ergänzung zum Waterloo-Biergarten bei Regen...

    Wer zwischen Steinen baut, sollte nicht (mit) Glashäuser(n) (ent)werfen...

  • Kurzer Sachstand aus der Leinestadt:


    * Das Projekt City 2020 zur Zukunftsvision der Innenstadt läuft nun bereits. Eine Veranstaltung ist bereits absolviert worden und hat bei Bürgern großes Interesse geweckt. Alles verlief m.M. zu harmonisch seitens der eingeladenen Experten (wurde hier schon vorher alles abgesprochen?). So soll es mehr Wohnbebauung in der City geben und die Nachkriegsstadt weiterentwickelt werden. Begrüßenswert ist der Wunsch nach kleinparzellierter Bebauung und die Abkehr von der "autogerechten Stadt".


    Der erste Stadtbaurat Hillebrecht, der Verfechter des modernen Aufbaus war, wurde ausreichend gewürdigt. Zwar hat er m.M. tatsächlich viel geleistet, jedoch wurden seine Makel (=zahlreiche Abrisse von Gründerzeitbauten nicht erwähnt).


    Es folgen noch drei weitere öffentliche Termine.


    * Das Großprojekt von ECE ist nun fertiggestellt. Zuvor wurde die Fassade heftigst in der Öffentlichkeit kritisiert. Die Architekten haben sich aber hier auch wirklich keine Mühe gegeben. Ich sags ungerne, aber man hätte sich unsere liebe Stadt Ost-Peine zum Vorbild nehmen sollen (Schloß-Reko) und in Hannover die schöne Reichspost rekonstruieren sollen. ECE hätte es wohl auch bezahlt.


    * Zum Reko-Wunsch der stolzen Flusswasserkunst wird es zum Winter hin hoffentlich neuen Schwung geben. Sie ist aber bitter nötig in so einer kriegszerstörten Stadt. Mehr unter http://www.flusswasserkunst.de">http://www.flusswasserkunst.de


    * Ansonsten große Baukativitäten von Shopping-Filialisten in der Innenstadt. Zum Teil mit klassischen Fassaden - also nichts modernistisches.

  • Quote from "Leine1977"

    und in Hannover die schöne Reichspost rekonstruieren sollen. ECE hätte es wohl auch bezahlt.


    Davon habe ich immer geträumt, der Ernst - August - Platz wäre wieder zur überwältigenden Perle geworden, aber in Hannover regiert leider das untere Mittelmaß. Vor ca. acht Jahren wurde dort eine Marketing - Gesellschaft gegründet und mit einem Jahresbudget von einer Mio. ausgestattet. Ihre erste Großtat war ein Banner am ehemaligen Eisenbahnverwaltungsgebäude schräg neben dem Bahnhof, Ecke Joachimstraße, auf dem zu lesen stand:
    "Hannnover ist nicht immer in der Pole - Position, aber man kann hier toll shoppen."
    Wörtlich.
    Menschen, die auch nur hauchdünn mit Kultur überpudert wären, hätten Werbung mit den Herrenhäuser Gärten gemacht, aber nein.
    Das einzig nette, was sich zu dem ECE auf viel zu dünnen Pfeilerchen sagen läßt, ist daß fröhlicher aussieht, als das deprimierende Nachkriegsgebäude, in dem die Hauptpost untergebracht war.

  • Ja, das ist ein Problem, was jedoch in jüngster Zeit kritisiert wird - u.a. in der Presse. Hannover hat nunmal im Kerngebiet der Innenstadt auf engstem Raum viel Einzelhandel. Davon lebt die Stadt auch. ich kann mir vorstellen, dass sowas der Einzelhandel verlangt hat. Nichts desto trotz wird jetzt aber wieder mehr mit den Herrenhäuser Gärten geworben.


    Im Rahmen der öffentlichen Foren will man ja nun auch weg von der reinen Shopping-Stadt.


    Schlimmer: am Bahnhof heißt jetzt fast alles mit "Ernst-August": -Gallerie, -Caree, -Markthalle, -Promenade, ... Mein Gott, wir hatten doch noch andere Könige und Kurfürsten!


    Hier alle Gebäude auf einem Blick (aus der Presse). Mir gefällt die Nachkriegspost noch besser; denn sie hat ja wenigstens ein Dach! An die Reichspost kommt natürlich kein Gebäude ran (im Krieg übrigens komplett zerbombt):


    Quote
  • Quote from "Leine1977"

    Mir gefällt die Nachkriegspost noch besser; denn sie hat ja wenigstens ein Dach!


    Eben! Wie üblich wird da rumgewerkelt, wo sowieso schon eine einigermaßen befriedigende Lösung besteht. Das Postgebäude empfand ich in meiner Hannover-Zeit immer als eines der angenehmeren Gebäude.


    Dabei gäbe es in der nahen Umgebung so viele Fassaden, deren Hässlichkeit sich vortrefflich opfern ließe. Aber die bleiben uns erhalten. Gut gemacht. :kopfschuetteln:

    Ich entschuldige mich von Herzen für meine früheren arroganten, provokanten, aggressiven und unfreundlichen Beiträge!
    Jesus ist mein Herr und Retter!

  • So, das Kröpcke-Center wird nun demnächst angegangen. Es ist eigentlich das Gebäude schlechthin, was die ganze Stadt bewegt. Schließlich steht es in der Stadtmitte am gefühlten Mittelpunkt: am Kröpcke (fast am Bahnhof).


    Für alle Nicht-Ortskundige sei gesagt: Hannover hat eine andere Stadtstruktur als andere Städte - ungefähr seit dem 18. Jahrhundert. Die historische Mitte liegt an der Leine und um die Marktkirche - also weiter weg. Der Kröpcke war eigentlich immer nur ein Verkehrsknotenpunkt. (benannt nach einem beliebten Kellner im Cafe Robby im 19. Jh.). Hier ist heute die Shopping-Center-geprägte Innenstadt zu finden, ganz im Kontrast zur Altstadt. Der Hofbaumeister Laves (Klassizismus) hat hier die Stadterweiterung betrieben, was im 19. Jahrhundert die mittelalterliche Altstadt ins Elend geführt hat.



    Zurück zum Kröpcke-Center: ein in den 70er Jahren umstrittener Betonkoloss im feinsten Brutalismus. Hannover sollte vollgepflastert werden damit. Im Plan stand, dafür die Gründerzeitviertel um die Innenstadt abzureißen. Glücklicherweise ist es dazu nie gekommen, da die Menschen lieber das "Schönere" nachfragten.


    So soll es dann aussehen (Kosten: über 200 Mio. €). Die Architekten kommen aus Berlin (die haben die beiden Häuser neben dem Brandenburger Tor gebaut...ich komm nicht drauf, wie sie heißen).



    Die Fassade ist eigentlich ganz schick (Sandstein). Leider kann der Turm nicht entfernt werden. Er dient quasi als Briefbeschwerer für die 3 Stockwerke U-Bahn. Er wird aber wenigstens mit verkleidet.


    Mit dem neuen Kröpcke-Center - und das finde ich positiv - werden die alten Grundrisse wiederhergestellt. Vor dem Krieg stand hier das Hotel Continental.



    Na ja, eine Reko sähe hier auch komisch aus. Rundherum ist kaum was altes. Hier war Alles zerstört. Leider!

  • Quote from "youngwoerth"

    Eben! Wie üblich wird da rumgewerkelt, wo sowieso schon eine einigermaßen befriedigende Lösung besteht. Das Postgebäude empfand ich in meiner Hannover-Zeit immer als eines der angenehmeren Gebäude.


    Dabei gäbe es in der nahen Umgebung so viele Fassaden, deren Hässlichkeit sich vortrefflich opfern ließe. Aber die bleiben uns erhalten. Gut gemacht. :kopfschuetteln:


    Ja, hier ist nunmal Hopfen und Malz verloren. Ich denke da an das Kaufhof, was unbedingt mal angegangen werden müsste.


    Das ECE-Ding ist eigentlich von allen Seiten kritisiert worden. Ich glaube sogar von einigen Architekten. Es sieht fast so aus wie die alte Post. Da fragt man sich: Wieso rekonstruiert man eine Nachkriegspost?


    Letztlich geht man hier nur zum Einkaufen hin. Der Hannoveraner trinkt seinen Cafe lieber in der Altstadt - und das tue ich auch!

  • Leine1977 schrieb:

    Quote

    Die Architekten kommen aus Berlin (die haben die beiden Häuser neben dem Brandenburger Tor gebaut...ich komm nicht drauf, wie sie heißen).


    Das sind die Architekten Kleihues (der Senior ist mittlerweile +); das Büro zieht einen Auftrag nach dem anderen an Land - ich weiß jedenfalls meistens nicht genau weshalb...


    Ihr Hotel Concorde in Berlin ähnelt dem Kröpcke-Projekt m. E. auffallend - riecht nach wenigstens z. T. doppelt verhökert.

    Quelle: http://www.hotelpicker.de">http://www.hotelpicker.de

    Schön ist das, was ohne Begriff allgemein gefällt.
    (Immanuel Kant)

  • Ach nee, was machen eigentlich Architekten so den ganzen Tag. PC hochfahren, copy+paste, fertig?


    Man, irgendwann sehen alle Städte gleich aus.

  • Quote from "Leine1977"

    Mein Gott, wir hatten doch noch andere Könige und Kurfürsten!


    Genau, den hysterischen Prügelprinzen von Hannover - Monaco, juchu.
    Oder den blinden Georg, der sich 1864 so heldenhaft auf die falsche Seite geschlagen hat.
    Man sollte es ausnahmsweise mit der Damenwelt versuchen, so zum Beispiel der reizenden Kurfürstin, der Hannöver seinen Barockgarten verdankt oder wenn schon Herren, dann wirkliche, z.B. Leibniz oder Hermann Löns.


    Das ewig traurige an Hannover ist, daß der Fremde, der nur mal vom Bahnhof aus seine Nase in die Stadt steckt, entsetzt weiter fährt und allen Menschen, aus seiner Scht zurecht, erzählt, was das für eine schreckliche Stadt ist; er hat nie etwas von der List, der Oststadt, der Gartenstadt Kleefeld, der Nordstadt, der Südstadt, von Linden, Limmer, Waldhausen oder Herrenhausen gesehen. Er war weder an der Stadthalle von Karl Bonatz, noch am Anzeigerhochaus von Fritz Höger und der Bahnhof von Fritz Stier, den hat er nur von innen gesehen, vollgepfropft mit austauschbaren Allerweltsgeschäften, nicht mal ein Cafe gibts darin, das diesen Namen verdient.

  • Es wird aber auch Zeit, dass das Kröpcke-Center endlich angegangen wird; das Gebäude war schon zu meiner Hannover-Zeit vor 20 Jahren eine Zumutung. Der Neubau ist nicht schlecht, aber von Kleihues hätte ich Besseres erwartet, zumal die Architektur wirklich eher nach Berlin denn nach Hannover passt.


    Die Ernst-August-Galerie finde ich faszinierend. Ein noch mieseres Gebäude zu entwerfen als den 50er-Jahre Post-Bau: Das soll dem Architekten erstmal jemand nachmachen! Der Entwurf von Kaspar Kraemer hätte mir gefallen. Ich frage mich, aus welchen Gründen sich Menschen gegen diesen Entwurf und für die jetzt gebaute Alternative entscheiden können?


    Der Vergleich mit der alten Reichspost macht die Schwächen der heutigen Architektur deutlich.


    @ Pixelfritz: Die Stadthalle stammt, wenn ich mich nicht irre, nicht von Karl, sondern von seinem Bruder Paul Bonatz. Trotz einiger sehr schöner Gebäude bleibt Hannover m. E. aber - ich hoffe, ich darf das als alter Hannoveraner sagen - ein verschlafenes bis langweiliges Städtchen. Selbst Bauten wie die Oper wirken im Vergleich zu ihren Pendants in anderen Städten eher provinziell. Ein Großstadtgefühl kommt jedenfalls nicht auf.

  • Quote

    Ich frage mich, aus welchen Gründen sich Menschen gegen diesen Entwurf und für die jetzt gebaute Alternative entscheiden können?


    ECE: Verbockt hat das die damalige Stadtbaurätin. Die hat von vornherein klassische Varianten ausgeschlossen. Bei der Eröffnung hat sich der Center-Manager entschuldigt, "die Architekten hätten aus Respekt vor den übrigen Altbauten im Bahnhofsbereich eine schlichte Fassade gewählt". - Wenn das mal kein Eingeständnis ist. Andererseits muss man sagen, es gibt in Deutschland schlimmere ECE-Dinger.


    Positiv ist jedoch, dass dieser Bereich jetzt belebt wird. Zuvor lief dort kein Mensch lang (Straßenstrich und so).


    Nach drei nicht erfolgreichen Stadtbauräten seit dem Krieg gibt es aber jetzt seit kurzem etwas Hoffnung. Der neue, Herr Bodemann, bringt schon etwas andere Ansichten mit - einige Aussagen stimmen mich jeweils optimistisch.


    Quote

    Trotz einiger sehr schöner Gebäude bleibt Hannover m. E. aber - ich hoffe, ich darf das als alter Hannoveraner sagen - ein verschlafenes bis langweiliges Städtchen.


    Na klar darfst Du das. Machen wir doch alle. Das war Hannover schon immer, auch vor dem Krieg: eine behäbige Regiments- und Beamtenstadt. Da muss man sich nichts vormachen. Ich finds eigentlich ganz gut so. Man gewöhnt es sich schon an, sich gegenüber Externen zu entschuldigen.


    Und in einem US-Reiseführer habe ich neulich gelesen: "Hannover ist in Deutschland dafür bekannt eine sehr langweilige Stadt zu sein." Klischees wollen halt bedient werden... :zwinkern:


  • Upps, natürlich von Paule...
    Dieses leicht provinzielle macht aber den Charme der Stadt aus; mach mal am Samstagmorgen einen Spaziergang von der Bödekerstraße durch die Eilenriede rüber zum Zooviertel, wandere weiter durchs Philosophenviertel in die schräg gegenüber liegende Gartenstadt Kleefeld oder laß' Dich vom Charme Döhrens verzaubern.
    Ich hätte stets gern einen Stadtteil- und Architekturführer geschrieben, aber seitens der Verlage, vorneweg Schlüter wurde nur müde abgewunken:
    "Kein Markt für sowas".
    München oder Hamburg schlagen jeden sofort in ihren Bann, Hannover ist eine Stadt, die sich dem erschließt, der in ihr lebt.