• Diese interessante Figur

    habe ich 2019 an einer Eisenbahn-Unterführung in Hannover fotografiert. Ich habe nichts davon gewußt, bin nur zufällig darauf gestoßen. Soweit ich in Erfahrung bringen konnte, handelt es sich dabei um einen von vier Adlern an der Unterführung beim Bahnhof Bismarckstraße. Weiß einer von euch von wann die Adler stammen?

  • Hallo Risalit,

    auf dem Foto mit dem Adler meine ich zu erkennen, dass der Adler ein Wappen in seinem Klauen hält. Was allerdings auf dem Wappen dargestellt ist, kann ich jedoch nicht erkennen. Da die Brücke Bismarckbrücke heißt, könnte es sich vielleicht um Bismarcks Familienwappen handeln. Dann müssten drei Kleeblätter dargestellt sein. Mitunter steht auf den Bismarck'schen Familienwappen auch noch der Spruch: "In Trinitate robur." Übersetzt bedeutet dies: Der Wappenspruch: „In trinitate robur“ (In der Dreieinheit Kraft). Er wird in sinniger Weise in Beziehung gebracht zu den drei Genossen Bismarck, Moltke und Roon, die im Feuer der Schlacht aus echtem Golde die Reifen der Kaiserkrone geschmiedet hatten. Man kann die Dreiheit (Trinitatis) aber auch auf die Heiligste Dreifaltigkeit (Gott Vater, Gott Sohn und Gott der Heilige Geist) beziehen.

    Vielleicht ist aber auf dem Wappen, welches der Adler hält, auch etwas ganz anderes dargestellt.

  • @Risalit Leider ist das Foto nicht sehr aussagekräftig. Ich habe es heruntergeladen und die Belichtung etwas verändert. Das Wappen scheint abgemeißelt worden zu sein - was aber nicht zwingend auf einen NS-Adler schließen lässt, weil der normalerweise keinen Wappenschild, sondern einen Kranz mit Hakenkreuz hielt. Stilistisch würde den Adler eher innerhalb der Zeit um 1900 verorten.

    Wer einer Halbwahrheit eine weitere Halbwahrheit hinzufügt, schafft keine ganze Wahrheit, sondern eine ganze Lüge.

  • Der Wappenspruch: „In trinitate robur“ (In der Dreieinheit Kraft). Er wird in sinniger Weise in Beziehung gebracht zu den drei Genossen Bismarck, Moltke und Roon, die im Feuer der Schlacht aus echtem Golde die Reifen der Kaiserkrone geschmiedet hatten. Man kann die Dreiheit (Trinitatis) aber auch auf die Heiligste Dreifaltigkeit (Gott Vater, Gott Sohn und Gott der Heilige Geist) beziehen.

    Ich gehe doch sehr stark davon aus, dass sich der Wappenspruch ursprünglich und in allererster Linie auf die Göttliche Dreifaltigkeit bezieht.

  • Danke lieber Heimdall,

    immerhin legt, gerade durch die räumlichen Nähe zum Bahnhof Bismarckstraße, schon eine gewisse Wahrscheinlichkeit einen Bezug zum Familienwappen Bismarcks nahe. Da der Bahnhof 1911 erbaut wurde, die Brücke wohl auch um diese Zeit einstanden sein dürfte, so war dies ja immer noch eine Zeit der großen Bismarckverehrung, obwohl Bismarck ja bereits 1898 verstorben war. In Burg im Spreewald wurde sogar noch 1915, also während des I. Weltkriegs, ein Bismarckturm errichtet (wohl zu Bismarcks 100. Geburtstag). Die Adler der Brücke hätten, jedenfalls mit Bismarcks Wappen auch zur Bismarck Verehrung jener Epoche gepasst.

    Wie du, Heimdall übereinstimmend mit Seinsheim festgestellt habt, ist zumindest heute, auf dem Wappenschild, das der Adler hält, kein Bismarck'sches Familienwappen mehr zu erkennen. Vielleicht wurde auch das Bismarck'sche Wappen heraus- oder abgemeißelt, wie unser lieber Seinsheim weiter oben dazu anmerkt. Vieles ist möglich, in über 100 Jahren kann viel passiert sein.

  • Kürzlich wurde bekannt, dass der Hauptbahnhof nun für 2 Milliarden Euro ertüchtigt werden soll (NDR). Die Modernisierung, für die ursprünglich weniger als 200 Millionen Euro taxiert waren, startete bereits 2020 und sollte ursprünglich bis 2032 dauern. Gegenstand der Planung waren zunächst diverse Gleisbrücken/Brückenbauwerke und neue Bahnsteigdächer. Hinzu kommen nun in einem zweiten Bauabschnitt, der ca. 2030 starten soll, ein zweiter Personentunnel, ein digitales Stellwerk und ein zusätzlicher neuer Bahnsteig auf der Nordseite des Bahnhofs. Parallel dazu soll auch der Nordausgang des Bahnhofs neu gestaltet werden.

    Das einzige was der Laie in den nächsten zehn Jahren als echte Veränderung wird wahrnehmen können, sind die neuen Bahnsteigdächer. Die gegenwärtigen vom Typ "Essen" werden durch neue vom Typ "Ostkreuz" ersetzt. Vielleicht nicht der ganz große Wurf, dennoch eine enorme Verbesserung. Gebaut hat die Bahn diese Dächer bisher offenbar tatsächlich nur am Ostkreuz. Damit fährt die Stadt immerhin besser als viele andere Städte, wo standardisierte Dächer realisiert werden oder wurden, z.B. Typ "Zwiesel". Diese wollte die Bahn ursprünglich sogar am neuen Bahnhof Altona/Diebsteich bauen.

    In zwei Wochen wird an Gleis 1 und 2 mit dem Aufbau des ersten neue Daches begonnen. Da dieser Bahnsteig besonders schmal ist, kann hier die Optik aus Berlin nicht 1:1 übernommen werden. Visus gibt es hier. Mal abwarten, was da in der Realität bei herauskommt.

    Unglaublich schade, dass die ehemalige Gleishalle nicht rekonstruiert wird. Für größere Lösungen hat Hannover leider den Zug verpasst. Derartige Planungen gab es in der Vergangenheit aber durchaus. Eine tolle Übersicht hierzu und zur Geschichte des Bahnhofs gibt es hier.

  • Nicht unbedingt nur in den Regionalnachrichten: Hannovers Innenstadt soll weitestgehend autofrei werden. Einen kurzen Bericht dazu gibt es im NDR. Darüber berichtet haben u.a. auch der Spiegel, Focus und ZDF.

    Die Meinungen darüber gehen sicher weit auseinander. Ich persönlich begreife die Planungen als Chance, Raum für den Menschen zurückzugewinnen und Anreize zu schaffen in schönere Fassaden zu investieren. Denn da wo der Mensch sich aufhält und nicht nur vorbei eilt, wächst möglicherweise auch der Gestaltungsdruck. Im Zuge der Planungen sollen auch einige Straßen neu gepflastert werden. Als erstes weitestgehend fertiggestellt wurde bereits der Umbau der Schmiedestraße. Bei Gelegenheit mache ich von dem Ergebnis Bilder.

  • Ich bin gestern auf WELT.de auf einen Artikel in diesem Zusammenhang gestossen

    Da sich dieser Beitrag hinter der Bezahlschranke befindet, konnte ich auch nur Titel und Header lesen

    „Kein Auto zu viel“ – so plant ein grüner Oberbürgermeister die radikale Verbannung

    Bislang gilt Niedersachsens Landeshauptstadt als autofreundlich. Doch schon bald soll sich das ändern: Oberbürgermeister Belit Onay (Grüne) will Hannover zum Prototypen einer „menschengerechten“ Stadt transformieren. Aus der City sollen Autos grundsätzlich verbannt werden.

    Für mich stellt sich dieser Ansatz stark ideologisch aufgeladen dar. Es fehlt einmal mehr Maß und Mitte.

    "Wenn wir die ehemalige Schönheit der Stadt mit der heutigen Gemeinheit verrechnen, kommen wir, so die Bilanz, aufs direkteste in den Schwachsinn." (E.H.)

  • Für mich stellt sich dieser Ansatz stark ideologisch aufgeladen dar. Es fehlt einmal mehr Maß und Mitte.

    Also generell bin ich geneigt, diese Ansicht zu teilen. Allerdings muss man sagen, dass die Innenstadt bereits ziemlich tot ist und in der gegenwärtigen Form keine Chance gegen den Onlinehandel hat. Und der letzte verbliebene Kaufhof dürfte von den Maßnahmen kaum negativ beeinflusst werden, da die umsatzstarke Filiale direkt gegenüber vom Hauptbahnhof liegt.

    Wer weiß: wenn sich der Autolärm verzogen hat und die Straßen leer und tot daliegen, dann traut sich der ein oder andere vielleicht doch mal Tische rauszustellen, wo es jetzt noch undenkbar ist. Und vielleicht setzt dann im Laufe der Jahre eine echte Transformation ein. Möglicherweise ist das eine ziemlich naive Annahme, aber gespannt bin ich auf die Entwicklung allemal. Öder kann die Innenstadt ja nicht mehr werden ...

  • Musste meine Frau gestern Abend noch vom Zug abholen. Da konnte ich gleich die versprochenen Bilder der Schmiedestrasse machen. Die ersten Gehversuche der verkehrsberuhigten Innenstadt.

    Alles noch sehr tot. Bäume fehlen noch. Der Kaufhof rechts soll laut Singa nächstes Jahr abgerissen werden. Aber auch einen Umbau halte ich für möglich:

    Das Gebräuhaus scheint sich jedenfalls sofort zusätzlichen Raum erobert zu haben:

    Ein paar Meter weiter am Marstall ist bereits vor ein paar Jahren dieser Bau entstanden, der mir so gar nicht gefällt. Dennoch ist da jetzt im Sommer Abends immer was los. Vor einiger Zeit war da noch ein Burgerbrater drin, jetzt Extrablatt. Ist ja nicht so mein Ding. Was etwas neues Pflaster und ein Brunnen bewirken können:

    Alle Bilder sind von mir.

  • Die ersten Gehversuche der verkehrsberuhigten Innenstadt.

    Alles noch sehr tot. Bäume fehlen noch. Der Kaufhof rechts soll laut Singa nächstes Jahr abgerissen werden. Aber auch einen Umbau halte ich für möglich:

    Also das ist schon von erstaunlicher Tristesse für die Innenstadt-Aufnahme einer Landeshauptstadt. Mit ein paar Bäumen ist es hier noch nicht getan. Aber danke für die Bilder.

    "Wenn wir die ehemalige Schönheit der Stadt mit der heutigen Gemeinheit verrechnen, kommen wir, so die Bilanz, aufs direkteste in den Schwachsinn." (E.H.)

  • Also das ist schon von erstaunlicher Tristesse für die Innenstadt-Aufnahme einer Landeshauptstadt. Mit ein paar Bäumen ist es hier noch nicht getan.

    Definitiv richtig. Aber mal ehrlich: das sieht in den meisten deutschen Innenstädten leider nicht viel anders aus. Es ist halt der Versuch eine Transformation einzuleiten - kann ja nur besser werden. Mutig ist es auf jeden Fall. Fest steht, dass der rege Durchgangsverkehr vorher auch nicht gerade für blühendes Leben gesorgt hat.

    Ob das Erfolg hat, wird man erst in 10 oder 20 Jahren sagen können. An den Fassaden wird man so schnell nichts ändern können, weitere Außengastronomie könnte das Bild im Sommer theoretisch aber schon recht zügig verändern. Und da große Warenhäuser in Zeiten von Onlinehandel offenbar ein Auslaufmodell sind, wird mit der Zeit möglicherweise auch Wohnbebauung in die Innenstadt zurückkehren. Und die Wirkung von Bäumen würde ich jetzt auch nicht unterschätzen.

  • Die Strasse ist wirklich extrem hässlich. So schlimm finde ich die meisten Innenstädte in D. doch nicht. Irgendwann muss ich Hannover wieder besuchen, ist schon lange her.

    Unsere große Aufmerksamkeit für die Belange des Denkmalschutzes ist bekannt, aber weder ökonomisch noch kulturhistorisch lässt es sich vertreten, aus jedem alten Gebäude ein Museum zu machen. E. Honecker

  • Für mich stellt sich dieser Ansatz stark ideologisch aufgeladen dar. Es fehlt einmal mehr Maß und Mitte.

    Ich konnte den Artikel als Ganzes lesen und ich kenne Hannover einigermaßen gut. Die Maßnahmen, die dort geplant sind, gehen nicht über das hinaus, was in allen niederländischen Großstädten seit Jahrzehnten vorzufinden ist. Die Hannoveraner Pläne sind demgegenüber sogar noch zurückhaltend, aber immerhin der richtige Weg. Dort kommt man nicht mehr sinnvoll ohne park and ride in die Großstädte. Das ist aber dann auch meist vorbildlich umgesetzt. Und in den niederländischen Städten tobt zu jeder Jahres- und Tageszeit das Leben, dass man in Deutschland nur neidisch sein kann. Wir sind mehrfach im Jahr dort und kommen, egal wo wir hinkommen, aus dem Staunen nicht heraus. In Kopenhagen oder Stockholm sind ähnliche Konzepte umgesetzt. Das deutsche Argument, die Innenstädte würden vereinsamen, ist also ein ganz schlechtes Scheinargument. Entscheidend ist die konsequente Umsetzung.

    Kunsthistoriker | Webdesigner | Fachreferent für Kulturtourismus und Kulturmarketing

    Meine Kulturthemen

  • Bilder 192 und 193: potzhässliche Bauten ohne Bäumen, die sie noch etwas vertuschen könnten.....

    Wie schön die Vorkriegsaussenviertel auch sein, die Innenstadt ist auf vielen Stellen sehr hässlich.

    Hannover soll, so schnell wie möglich, die am meist hässliche Bauten mit historisch wertvollen Bauten (historisierende Still) ersetzen......

    Es könnte noch so wahnsinnig viel gewonnen und aufgewertet werden (wie auch in Berlin).

  • Definitiv richtig. Aber mal ehrlich: das sieht in den meisten deutschen Innenstädten leider nicht viel anders aus.

    Nun, ich komme aus Bayern (Oberpfalz) und ich kenne auch Sachsen und Thüringen recht gut. In Sachsen habe ich studiert (Zittau & Leipzig) und aus Thüringen (Apolda/Weimar) kommt meine Frau.

    Insofern möchte ich hier klar widersprechen, dass es in den meisten deutschen Innerstädten so aussehen würde, wie auf dem von dir gezeigten Ausschnitt der Hannoveraner Innenstadt.

    Neu-Ulm in Bayerisch-Schwaben und Schweinfurt in Unterfranken kenne zwar ich nur ein bisschen aber das sind die einzigen Beispiele, die mir hier einfallen, dass sie auch so eine negative Szenerie hergeben könnten.

    "Wenn wir die ehemalige Schönheit der Stadt mit der heutigen Gemeinheit verrechnen, kommen wir, so die Bilanz, aufs direkteste in den Schwachsinn." (E.H.)

  • Die Strasse ist wirklich extrem hässlich. So schlimm finde ich die meisten Innenstädte in D. doch nicht.

    Also mir fallen da unzählige Straßen in Deutschlands Innenstädten ein, egal ob in Frankfurt, Duisburg, Essen, Stuttgart oder sonst wo. Hannover hat immerhin noch die Wohnstadtteile.

    Das deutsche Argument, die Innenstädte würden vereinsamen, ist also ein ganz schlechtes Scheinargument. Entscheidend ist die konsequente Umsetzung.

    Das sehe ich etwas anders, denn Verkehrsberuhigung alleine vermag das Ruder nicht herumzureißen. Ich bin auch öfter in den Niederlanden. Es bedarf in der Innenstadt auch guter Architektur. In Braunschweig z.B. brummt auf dem Kohlmarkt im Sommer immer der Bär - und das liegt garantiert nicht nur am fehlenden MIV. In Bonn sieht es ähnlich aus.

    Die meisten innerstädtischen Straßen in deutschen Städten blieben vermutlich auch verkehrsberuhigt leblos, allein aufgrund ihrer abschreckenden Hässlichkeit. Es muss also auch architektonisch was passieren. Aber große Städte könnten einen entsprechenden Wandel möglicherweise leichter vollziehen als kleinere, da hier aufgrund der hohen Einwohnerzahl und den damit einhergehenden Freizeitbedürfnissen auch der Druck auf die Gastronomie entsprechend groß ist. Parallel dazu dürfte auch die Investitionsbereitschaft steigen. Aber das ist nur eine These von mir. Die Prager Straße in Dresden oder auch der Averdunkplatz in Duisburg z.B. sprechen da eine ganz andere Sprache. Aber ich bleibe optimistisch was Hannover angeht.

  • Das sehe ich etwas anders, denn Verkehrsberuhigung alleine vermag das Ruder nicht herumzureißen. Ich bin auch öfter in den Niederlanden. Es bedarf in der Innenstadt auch guter Architektur.

    Zu der von mir erwähnten konsequenten Umsetzung gehört selbstredend auch die attraktive Gestaltung von Straßen, Plätzen und der Architektur. Aber ohne eine Verkehrswende wird das alles nicht gelingen. Sie ist aber einzubetten in ein Gesamtkonzept zur Steigerung der Aufenthaltsqualität in den Innenstädten. Leider hat die Hannoveraner Innenstadt da denkbar schlechte Startbedingungen. Das ist aber nun wahrlich kein Grund, es erst gar nicht anzugehen.

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