Saarbrücken - Abriss der alten Bergwerksdirektion

  • Leider traurige Nachrichten gibt es aus meiner Heimatstadt zu berichten. Nach dem Kauf der historischen Bergwerksdirektion aus dem Jahre 1880 durch einen Immobilienfond
    http://www.saarlandbilder.de/orte/saarbruecken/bergamt.htm


    soll diese nun in ein modernes Einkaufzentrum " umgestaltet werden"


    http://www.wochenspiegel-saarl…cache=&doc=3727&ar=&pic=1


    Bedeutet im klartext. Das Gebäude soll bis auf das Treppenhaus komplett entkernt werden.
    Verloren gehen werden hierbei die historischen Zimmer im Inneren sowie repräsentative Sääle mit Mosaik, Parkettfussböden, Stuckdecken sowie Wandvertäfelungen aus dem 19 Jahrhundert die erst vor 8 Jahren komplett restauriert wurden.


    http://images.google.de/imgres…um%3D10%26hl%3Dde%26lr%3D


    Desweitern wird die Fassade durch Umbauten in Mitleidenschaft gezogen werden. Bleibt nur zu hoffen, dass sie die Entkernung übersteht.
    Ich werde versuchen noch Bildmaterial vom Inneren zu erhaschen bevor die Zerstörung losgeht.

  • Ich bin fassungslos. Wie kann der Denkmalschutz so etwas zulassen. Wo sind die Saarbrücker, die dagegen angehen?

    Der Tiefpunkt der Baukultur wurde in den 60er und 70er Jahren des 20sten Jahrhunderts erreicht...

  • 1oo Mio. Euro...; seufz; was könnte man dafür wieder aufbauen / rekonstruieren! :(

  • auch aus ökonomischer sicht ein schwachsinn!
    erst wird alles restauriert - für gutes geld - und
    dann wird alles entkernt. saarbrücken gehört
    wohl auch zu den vielen städten, die der bevöl-
    kerung weismachen wollen, dass solche investitionen
    zum wohle der allgemeinheit seien. und dafür
    opfert man dann das tafelsilber.
    dieses konzept spricht nicht für die weitsicht
    und den guten willen aller beteligten.

  • Nun ja, man schafft ja Arbeitsplätze in den Einkaufszentrum, so etwa 200 werden es schon sein... Die etwa 4-500 Arbeitsplätze, die verloren gehen, weil sich die umliegenden einzelhändler nicht mehr halten können, werden vorsorglich verschwiegen und dann auf andere Ursachen wie die derzeitig angespannte wirtschaftliche Lage und die leeren Kassen geschoben....
    Schwerin ist also kein Einzelfall.


    Traurig ist nur, dass die Europäuische Union diesen Unfug auch noch unterstützt... manchmal hab ich wirklich das Gefühl, Brüssel zahlt Geld für den Abbau von Arbeitsplätzen...

    "... es allen Recht zu machen, ist eine Kunst, die niemand kann..." (Goethe)

  • Quote

    wie kann der Denkmalschutz so etwas zulassen ?


    also ich kann es zwar nicht beweisen aber ich denke, dass da unter der Hand ganz schön geschmiert wurde und wird.

  • Heute steht zu diesem Thema ein Artikel in der FAZ im Immobilienteil.
    Die Einkaufszentren liegen im "Trend", so baut die ECE derzeit in Hameln, Essen , Heilbronn, Hannover, Duisburg (vermutlich der Bahnhofsumbau?), Passau und Magdeburg. Auch das Einkaufszentrum mit der Schloßfassade in Braunschweig wird erwähnt und die fertige Computersimulation ist dort wiedergegeben.
    Saarbrücken wird nicht erwähnt.

  • raurig ist nur, dass die Europäuische Union diesen Unfug auch noch unterstützt... manchmal hab ich wirklich das Gefühl, Brüssel zahlt Geld für den Abbau von Arbeitsplätzen...


    die subventionierung der rationalisierung mit zwangsläufigem
    arbeitsplatzabbau ist DAS problem schlechthin. es gibt schon
    jetzt nicht mehr genug arbeit für arbeitsuchende durch die
    existierende und fortschreitenden arbeitsmarktentwicklung.
    irgendwann bricht das system zwangsläufig in sich zusammen.

  • Quote from "Stefan"

    raurig ist nur, dass die Europäuische Union diesen Unfug auch noch unterstützt... manchmal hab ich wirklich das Gefühl, Brüssel zahlt Geld für den Abbau von Arbeitsplätzen...


    die subventionierung der rationalisierung mit zwangsläufigem
    arbeitsplatzabbau ist DAS problem schlechthin. es gibt schon
    jetzt nicht mehr genug arbeit für arbeitsuchende durch die
    existierende und fortschreitenden arbeitsmarktentwicklung.
    irgendwann bricht das system zwangsläufig in sich zusammen.


    Wenigstens erhält dieser Unfug Arbeitsplätze in der Baubranche und bei den Inneneinrichtern, möchte man halbironisch hinzufügen.
    Was ich allerdings nie verstehen werde, ist die Lustlosigkeit und Borniertheit , mit der man in vielen Einzelhandelsgeschäften behandelt wird.
    Mit Engagement und Freundlichkeit ließen sich wirklich Kunden binden, die ansonsten an die grüne Wiese, den Versandhandel oder das Internet verloren gehen.

  • Wie bitte? Hab letztens noch ein paar Sachen über das Gebäude gelesen, wirklich traumhaft.


    Aber... irgendwie wird hier auch nur gejammert, kein konstruktiver Vorschlag gemacht wie man dagegen angehen kann und das vielleicht doch noch verhindern kann.
    Man muss eigentlich viel länger dagegen angehen, viel mehr kämpfen, sonst geht sowas immer weiter.


    Beispiele gibt es viele... vorher wurde viel gejammert aber hinterher hat keiner mehr über den Abriß geredet. Wenn das so geht, dann nehmen die Investoren doch das Gemecker gerne in Kauf.


    Die ECE ist aber wirklich eine Krake, bei der ich Insolvenz nichteinmal bedauern werde.
    Nächstes Jahr muss das Karstadt-Gebäude in Essen einem "spacigen" Einkaufszentrum weichen, dabei ist es fast 100 Jahre alt und eines der größten noch erhaltenen Kaufhäuser der Gründerzeit.
    Und wer tut auch was dagegen? Niemand. Meinen Prostestbriefen folgten nur Beschwichtigungen v.wg. der neue Bau wird doch mindestens genauso schön werden.


    Also... wer hat eine Idee, mal gegen soetwas zu protestieren? Ich wäre sofort dabei!

    Wo die Sonne der Kultur niedrig steht, werfen selbst Zwerge lange Schatten
    Karl Kraus (1874-1936)


  • Solange keine bundesweite, bekannte und schlagkräftige Organisation für so etwas zur Verfügung steht, können sich nur die Menschen vor Ort dagegen stellen.

  • Die Antwort auf obige Frage scheint zur Zeit "NEIN" zu sein.


    Center können die Innenstadt beleben, aber nicht wenn dafür ein altehrwürdiges Gebäude (mit vielleicht nicht modernen, DIN-gerechten Formen und Raumaufteilungen) dafür seiner "Seele" beraubt wird.


    Dass es auch anders geht zeigen viele Beispiele aus England, oder auch hier in Leipzig. Die Mädlerpassage ist bestimmt nicht mit einem Standard-ECE-Center zu vergleichen und doch ist sie ständig voller Leben und ich glaube nicht, dass die Läden in einem ECE-Center überhaupt existieren würden. Dort würde sich nämlich die Kundschaft überhaupt nicht hin verirren.


    Leider hat der Bürger bisher wenige Chancen Einblick in die hinter den Kulissen stattfindenden Geld- und politischen Bewegungen zu werfen. Würde der Bund der Steuerzahler vor den Umbaumaßnahmen mal direkter auf solche Projekte schauen würden möglicherweise Dinge zu Tage treten, von denen wir gar nicht zu träumen wagen (und sicher nicht im positiven Sinne;-((()


    Was fehlt ist die Kreativität der Architekten und insbesondere der Investoren, die immer noch denken, dass nur die modernen Formen heute noch Kunden anziehen. Warum frage ich mich sind dann die Altbauten mit Holzfußböden, hohen Decken und Stuck in den neuen Bundesländern so faszinierend und begehrt? Es muss wohl an der Persönlichkeit der Häuser liegen, die noch Geschichten erzählen können?


    Im übrigen ist die Verwaltungsvorschriftlandschaft in Deutschland derart verworren, dass ein "Normalsterblicher" ohnehin nicht durchblicken kann.


    Schöne Grüße aus Leipzig


    Ralf



    PS.: Bürgerengagement ist meine Empfehlung, Alternativen aufzeigen, die wirtschaftlich sind und die Besonderheiten des Gebäudes hervorheben sprich damit wuchern. Warum soll das, was in Italien von uns allen als schön empfunden wird nicht auch hier bei uns möglich sein? Immerhin haben wir noch Baukultur in unserem Land. Aber was einmal abgerissen oder entkernt ist ist definitiv weg:-(()

    ---
    Nicht weil die Dinge schwierig sind, wagen wir sie nicht,
    sondern weil wir sie nicht wagen sind sie schwierig


    Seneca (röm. Philosoph, * etwa 4 v. Chr. † 65 n. Chr.)

  • Es ist schon erstaunlich, daß aus einer Partei, die sich schützend über Grashüpfer geworfen hat , immerhin eine politische Kraft hervorging, die in vielen Landesparlamenten sitzt und sogar sieben Jahre lang die Geschicke der Nation mitbestimmt (und die angeblich zu schützende Landschaft) mit zehntausenden von Windspargeln getötet hat.


    Aber mit Städteheilung und echter Landschaftspflege lockst Du in Deutschland keine flockigen , jungen Leute hinterm Handy hervor.


    Ich bin seit Jahren Mitglied bei der Deutschen Stiftung Denkmalschutz und habe vor sehr langer Zeit in der Zentrale die Bildung von Ortskuratorien angeregt :
    "Ach, so was brauchen wir nicht , guter Mann."
    Trotzdem nach zwei Jahren wieder angerufen:
    "Klar, so was haben wir mittlerweile auf die Beine gestellt, in ihrer Stadt (Hannover) wenden sie sich mal an Herrn Tehnzen."
    Herr Tehnzen , nunja, schlecht zu beschreiben, er war unwahrscheinlich stolz auf seinen lebenslangen Arbeitsplatz in der Unibibliothek und ähnlich geistig wendig.
    Wir haben dann einen Stand am Tag des Denkmals aufgebaut, mit von der Partie waren nur Leute jenseits der 65 Jahre; eine alte Frau war so schwerhörig, daß sie die Fragen der Passanten nur mit Hand hinterm Ohr beantworten konnte "Häh?"
    Kein Wunder, daß sich die Jugend sagt:
    "Siehste, ist doch nur war für Tattergreise."

  • Menschen vor Ort wird man nicht in genügender Anzahl mobilisieren können. Denen ist historische Architektur , ja Architektur im allgemeinen, völlig gleichgültig oder zumindest nicht so wichtig.
    Darüber hinaus wird man eh wenig Chancen haben wenn grosse Investoreninteressen oder gar öffentliche Interessen im Raum stehen.
    Die einzige Chance die ich sehe ist, dass wir hier und in anderen Foren auf die Missetaten aufmerksam machen und eine Art Gedächtnis für sie bilden.
    Ich meine ohne dieses Forum hier würde ich gar nicht wissen was in Leipzig oder Stuttgart passiert.
    So bin ich jedoch in der Lage diese Information an andere Leute bei denen ich bzgl. dieses Themas Interesse vermute weiterzugeben.
    Vielleicht werden wir auf diesem Wege irgendwann auch einmal an etwas einflussreichere Kreise gelangen können.
    Ich bin zuversichtlich und hoffe inständig, dass unsere Gemeinschaft mit der Zeit wachsen wird und wir so an Schlagkräftigkeit gewinnen werden.
    Momentan ist das aber alles ein Kampf gegen Windmühlen.

  • @jim panse

    Quote

    Menschen vor Ort wird man nicht in genügender Anzahl mobilisieren können. Denen ist historische Architektur , ja Architektur im allgemeinen, völlig gleichgültig oder zumindest nicht so wichtig.


    ... weil sie nicht mehr wissen, wie es mal aussah! Das muss unser Ansatzpunkt sein: Aufklärung über verlorene Stadtbilder, Bewusstsein schaffen über das, was Jahrhunderte Bestand hatte!


    Also gegen Windmühlen kämpfen wir alle in Deutschland, aber aufgeben ist nicht... :zwinkern:


    Grüße

  • Natürlich dürfen wir nicht aufgeben. Das kann auch denke ich keiner von uns obwohl uns manchmal danach ist.
    Manchmal wünsche ich mir echt, dass ich nicht so eine ausgeprägte Liebe zu historischer Architektur haben würde.
    Dann wär der Alltag um vieles leichter.
    Der springende Punkt ist jedoch meiner Meinung nach folgender.
    Ich hab schon oft, sei es anlässlich von Festen, Veranstaltungen oder einfach nur im Privaten Umfeld, historische Aufnahmen von deutschen Städten gezeigt die meiner Meinung nach die Situation besonders krass zeigen.
    Die Leute haben drauf geschaut, mir kurz und knapp recht gegeben aber danach hat es sie nicht mehr berührt.
    Diskussionen sind dabei nie entstanden. Natürlich müssen wir weiter den Leuten vor Augen halten wie es auch aussehen könnte aber irgendwie ist das doch echt frustrierend.

  • Quote from "JimPanse"

    zeigen.
    Die Leute haben drauf geschaut, mir kurz und knapp recht gegeben aber danach hat es sie nicht mehr berührt.
    Diskussionen sind dabei nie entstanden. Natürlich müssen wir weiter den Leuten vor Augen halten wie es auch aussehen könnte aber irgendwie ist das doch echt frustrierend.


    Du hast völlig recht, die Menschen nicken es ab, man sieht ein kurzes Aufblitzen in ihren Pupillen, danach wird der Blick wieder stumpf.
    Ich habe das selbst nie verstanden, Beziehungen, persönlicher Besitz, Reisen, das ist im Grunde alles ephemer; habe ich es, erfreut es mich; fehlt es gerade, vermisse ich es nicht - mal pauschal gesprochen.
    Aber gute Architektur und gefällige Städte erfreuen immer und häßliche, banale Architektur quält einen ständig wie Zahnschmerzen.
    Ich kann nur vermuten, daß die wohlhabenden Schichten sich in ihre Schneckenhäuser zurückziehen, während die unteren Schichten sich eben "nichts" vorstellen können oder zu ungebildet und zu abgestumpft sind.
    Das vormals stark ausgeprägte Bildungsbürgertum schrumpft auch beständig, die Zielgruppe wird immer kleiner.
    Im Grunde gehört kunsthistorische Erziehung bereits in die Grundschulen, genauso, wie Wirtschaftskunde.
    Vergleicht mal ein Schulbuch aus den sechziger Jahren mit den albernen Büchern von heute; damals enthielten sie noch sehr viele heimat- und regionalkundliche Bezüge, das fehlt heute völlig.

  • Quote from "Mansfeld"

    Es ist schon erstaunlich, daß aus einer Partei, die sich schützend über Grashüpfer geworfen hat , immerhin eine politische Kraft hervorging, die in vielen Landesparlamenten sitzt und sogar sieben Jahre lang die Geschicke der Nation mitbestimmt (und die angeblich zu schützende Landschaft) mit zehntausenden von Windspargeln getötet hat.


    Ich versteh nicht, was das jetzt mit dem Thema zu tun hat. Mal ganz davon abgesehen dass Umweltschutz heutzutage mehr als notwendig ist und die zehntausend Windspargel auch ihren Nutzen bringen (was wollt ihr stattdessen? Kohle- oder Kernkraft?) seh ich die Partei jetzt nicht als Zerstörer von Baudenkmälern... da fehlt mir echt der Zusammenhang.

    Wo die Sonne der Kultur niedrig steht, werfen selbst Zwerge lange Schatten
    Karl Kraus (1874-1936)