Göttingen

  • Ja, die Ecke ist neben dem Neustadt genannten westlichen Teil der Altstadt mit einer ziemlich brutalen Flächensanierung in den 70er Jahren die schlimmste der Göttinger Innenstadt. Das südlich gegenüber stehende Gebäude der ehemaligen Städtischen Sparkasse hat mit seiner sehr speziellen Naturstein/Alufassade sogar noch einen gewissen Late-50ies-Pfiff und das als "Carré" firmierende ehemalige Hertiegebäude gegenüber (für das 1968 der Universitätsreitstall abgerissen wurde, eines der Schlüsselereignisse in der Göttinger Studentenbewegung) ist immerhin recht klassisch gehalten mit einer vertikalen Naturstein-Fassadengliederung wie bei manchen 20er Jahrekaufhäusern.


    Insofern ist das Gothaer Haus wohl wirklich DAS schlimmste und destruktivste Gebäude der gesamten Göttinger Innenstadt, der größte Schandfleck und sein Verschwinden allein schon sehr gut. Dass es nun auch noch durch ein so wertiges Gebäude ersetzt werden soll, ist quasi ein unverdienter Bonus (und wohl das größte Einzelstück Stadtreparatur in Göttingen der Nachkriegszeit).... noch vor 5 Jahren wurden in derselben Ecke als Ersatz des ehemaligen Stadtbades unfassbar freudlose WDVS-Klötze gebaut (auf der anderen Seite gegenüber des Carrés und der Sparkasse).


    Imho mehren sich die Anzeichen, dass wir gerade auf die ersehnte architektonische Zeitenwende zulaufen, wenn selbst in niedersächsischen Städtchen nicht mehr automatisch der schlimmste Entwurf ausgewählt wird ;).

  • Die nachfolgende Meldung ist wohl eine der schlimmsten der letzten Jahre: In der Düsteren Strasse, welche von malerisch geprägten Fachwerkhäusern gesäumt ist, wurde mit dem Bau des Kunsthauses Göttingen begonnen. Ein 60er-Jahre Gedächtnisbau mit einer bunkerartigen, abstossenden Stahlbeton-Fassade. Nun wird besagte Strasse tatsächlich ihrem Namen gerecht. Die schwarz hervorgehobenen Textpassagen zeugen von einem vollständigen Realitätsverlust der Beteiligten, anders kann man es nicht formulieren.


    Quote

    Das neue Kunsthaus soll einerseits ein sichtbarer Impuls für das Kunstquartier werden, ein kleiner Leuchtturm sozusagen, und sich andererseits behutsam ins Stadtbild integrieren. Der Entwurf von Atelier ST könnte diesen Spagat schaffen. Er zeigt ein moderat ins kleinteilige Straßenbild integriertes Haus mit torartigem Eingang und Durchgang zum Hof sowie einen aufs Dach versetzten Veranstaltungsraum.


    Die Jury glaubte schon im Wettbewerb, dass dieses Haus „die Aura des Geheimnisvollen und Besonderen“ entwickeln könne. Der betont einfache Entwurf könnte tatsächlich die Kraft haben, gerade durch seine Details und seine Funktionalität ein Maximum aus dem streng limitierten Budget heraus zu holen.


    Kunst in die Düstere Straße! - Baubeginn am Kunsthaus Göttingen

    In der Altstadt die Macht, im Kneiphof die Pracht, im Löbenicht der Acker, auf dem Sackheim der Racker.


    Hätt' ich Venedigs Macht und Augsburgs Pracht, Nürnberger Witz und Straßburger G'schütz und Ulmer Geld, so wär ich der Reichste in der Welt.

  • Das ist einfach nur noch krank, geradezu menschenverachtend. Mehr fällt mir dazu nicht ein.

    In dubio pro reko

  • "Das Kunsthaus soll ein sichtbares Zeichen für das neue Kunstquartier in Göttingen setzen, sich gleichzeitig aber sensibel in das mittelalterliche Stadtbild einfügen."



    Sensibel wie ein Hochbunker und sieht auch noch fast so aus. ;)

  • Dieses Zitat liest sich wie absichtliche Verhöhnung all derer, denen dies tatsächlich etwas bedeutet. Das geht nichtmal mehr als Satire durch.

  • Die meinen mit "sensibel", dass das Haus ein steiles Dach hat, sich in der Kubatur halbwegs einpasst und über Geschossvorsprünge verfügt. Das sehen die sicher als enormes Entgegenkommen. Es hätte ja auch ein Sichtebeton-Flachdachbunker werden können oder eine Staffelgeschoss-Schaumstofffassaden-Kiste. Dennoch passt das natürlich aufgrund der Fassadengestaltung und Farbe nicht in diese Straße.

  • Das Pasiert also wenn der Architekt Im Pc Programm dem Würfel ein Waagerechtes Prisma hinzufügt. :computer:
    Er hat Wohl vor Schreck eines "Daches" auf seinem Haus einen Panik Anfall bekommen und sitzt weinend in der Ecke und weis nicht mehr weiter, der ärmste für ihn bricht eine Welt zusammen. Leider hat der ärmste in Panik schon Entwurf senden Gedrückt und vor schreck glad die Fenster vergessen hinzuzufügen. :D


    Nur so kann ich mir so einen Unfug erlern.
    Dabei ist die Grundform doch gut,Trau dich Mein Architekten freund!

  • Wenn man nichts dorthin passendes und angemessenes bauen kann und mag, sondern nur darauf abzielt, damit maximal möglich zu provozieren und dafür auch noch Altstädte herhalten müssen, dann ist Hopfen und Malz verloren.
    Persönlich finde ich solche "Viecher" in höchstem Maße krank, abstoßend, widerwärtig und abartig.


    Eine ältere Aufnahme dazu aus der Göttingen-Galerie:


    Düstere Str. 8

  • Und eine weitere schlechte Meldung aus Göttingen:


    Offenbar soll direkt am Markt Fachwerkhäuser abgerissen werden: Link


    Hoffentlich ist das Projekt nicht genehmigt?

    Unsere große Aufmerksamkeit für die Belange des Denkmalschutzes ist bekannt, aber weder ökonomisch noch kulturhistorisch lässt es sich vertreten, aus jedem alten Gebäude ein Museum zu machen. E. Honecker

  • Ich glaube nicht, dass dort Fachwerkhäuser entfernt werden. So wie ich sehe, sollen die Häuser links und rechts dieses Gründerzeitbaus neu errichtet werden. (hier; vergleiche hier) Betroffen ist vor allem belanglose Nachkriegsarchitektur. An dem Gebäude rechts des Gründerzeitbaus existiert in der rechten Hälfte noch eine Fachwerkfassade. Aber es kann sein, dass diese nur vorgehängt ist. Sollte sie historisch sein, sollte sie natürlich gesichert werden und eventuell an anderer Stelle Verwendung finden. Auf der Rückseite des Komplexes ist auch nur ein Nachkriegsbau betroffen.


    Davon abgesehen ist die Neubauarchitektur natürlich die übliche Konfektionsware. Es gibt natürlich noch Schlimmeres als das. Aber ob es in einer Altstadt Verwendung finden sollte, fragt man am besten jene, die es für unerlässlich halten, dass auch überall "Zara"- und "P&C"-Läden zu finden sein müssen.


    https://www.goettinger-tagebla…rkt-vor-Wohnungen-geplant


    https://www.goettinger-tagebla…P-C-in-Sparkasse-am-Markt

  • Soll die City beleben und die Gäste anlocken. WTF!!! In einem luftdichten, dunklen Sarg lieg ich noch früh genug. Wow, ist das sch****.

    Man vergebe mir vulgäre Ausdrücke, Abbreviaturen und drastische Vergleiche. Aber zu einem solchen Sch******** fehlen mir andere Worte. Das hässlichste Gebäude, das ich jemals ersehen habe. So schön 60er.

  • Neußer


    Hahaha, ich liebe diesen Vorschlag. :D


    Ich habe gerade eine E-Mail an die Stadt Göttingen geschrieben und meinem Entsetzen über diesen architektonischen Fehlgriff Ausdruck verliehen.


    Was für ein furchtbarer Sarkophag, der die beiden wunderschönen Fachwerkhäuser in ihrer Optik stark beschädigt.

  • Das Ding sieht aus wie eine Visualisierung eines Fachwerkhauses, wo man vergessen hat die Fassade einzufügen.

  • Das neue Kunsthaus, eine Idee des handwerklich arbeitenden und international anerkannten Kunstverlegers Gerhard Steidl, sieht in der Realität nicht so düster aus wie der Straßenname klingt und wie es auf manchen Bildern und Simulationen aussieht. Im Vergleich zu den üblichen Flachdach-Klötzen, die man andernorts auch mitten in Altstädten einpflanzt, zeigt der Neubau vom Atelier Thaut (ST) Respekt vor der Göttinger Altstadtstruktur und den dort gängigen Formen. Die Fassade ist nicht grauschwarz, sondern beige, und durchaus gegliedert. Auf seiner Homepage zeigt das Architekturbüro Fotos des Italieners Simone Bossi, die vielleicht einen besseren Eindruck vermitteln.

    https://www.atelier-st.de/aktuelles/

    Natürlich ist das zeitgenössische Architektur, aber beileibe nicht von der schlimmeren Sorte.

  • Im Vergleich zu den üblichen Flachdach-Klötzen, die man andernorts auch mitten in Altstädten einpflanzt, zeigt der Neubau vom Atelier Thaut (ST) Respekt vor der Göttinger Altstadtstruktur und den dort gängigen Formen.

    Als ich weiß ja nicht...


    Wenn man so etwas bei uns in Dresden bauen würde, würde wohl kein Mensch Verständnis haben. Oder in Rom...