Offenbach am Main

  • Go Offenbach! Das wäre natürlich ein Segen für die Stadt, die doch immer sehr im Schatten von Frankfurt steht (und sicher irgendwann fusioniert wird). Wie wir in der Galerie gesehen haben, hat Offenbach ja doch noch so einige reizvolle Einzelbauten und Ensembles.


    Mit Dominik Mangelmann steht ja auch jemand hinter dem Projekt, der in Frankfurt schon viel mit angepackt hat und auch mit Stadtbild verbandelt ist.


    Ohnehin hatte ich keinen Zweifel, dass das höchst erfolgreiche Dom-Römer-Projekt regional und deutschlandweit ausstrahlen wird. Kassel wäre auch noch so ein ganz dringender Kandidat in Hessen, und Gießen...

  • Man muss wissen, dass die Offenbacher Tageszeitung ein SPD-nahes Blatt ist. Somit werden CDU-Initiativen fast schon aus Tradition mit abfälligen Begriffen behandelt (in diesem Fall z.B. "kam jedenfalls recht pathetisch daher"). Von anderen Parteien wollen wir erst gar nicht reden. Und zugleich wird die Fehlbehauptung wiederholt, "der Gedanke, solche `sehenswerte´ Bausubstanz zu sanieren, sei erstmals in der NS-Zeit aufgekommen, in Frankfurt und auch im benachbarten Offenbach". Gemeint sind Fachwerkbauten. Bekanntlich aber hat der "Bund tätiger Altstadtfreunde" in Frankfurt bereits 1926 mit der Renovierung von Altstadtbauten begonnen.
    Sei´s drum. Hier jedenfalls die beiden aktuellen Artikel zum Thema.


    Entsprach nicht dem Zeitgeist
    Die Offenbacher Altstadt wurde durch Stadtplaner vernichtet
    https://www.op-online.de/offen…-vernichtet-12940311.html


    Offenbach
    Auf der Suche nach einer Altstadt
    https://www.op-online.de/offen…er-altstadt-12940306.html


    P.S.: Die Leserkommentare sind eigentlich recht positiv. Eine Birne hat indes einen so selten dämlichen Kommentar abgegeben, dass ich ihn diesem Forum nicht vorenthalten möchte:

    Quote

    Ich bin der Auffassung, dass Architektur und Stadtplanung dem Zeitgeist unterliegen und deshalb, wenn sie aktuell sind natürlich auch als schön empfunden werden. Das macht es zweifellos notwendig, Städte regelmäßig umzugestalten. Wenn der Zeitgeist gerade naiv romantisch ist, dann muss man eben Verbrechen am guten Geschmack begehen. Wie z.B. die Frauenkirche in Dresden, das Stadtschloss in Berlin oder die Altstadt in Frankfurt, jeweils in der Disneyland-Version. Historische Bauwerke zu erhalten ist zwar nicht nützlich, aber nachvollziehbar, Vergangenheit noch dazu verfälscht wiederherzustellen ist unterirdisch geschmacklos.

    :lachentuerkis:

  • Ein neuer Artikel zum Thema Altstadt:


    https://www.fr.de/rhein-main/o…adtillusion-12949139.html



    Quote from FR

    Der Museumsleiter findet die Rekonstruktion einzelner Bauten zwar „interessant“. Er schlägt aber vor, sich um die im spätklassizistischen Stil an der Ludwig- und Luisenstraße Mitte des 19. Jahrhunderts errichteten Häuser zu kümmern. Die lägen am äußersten Rand der alten Stadt und seien etwas Besonderes, „weil es sie in dieser Vielzahl woanders nicht gibt“.

    Ich bin mir sicher, dass wenn erst einmal die rekonstruierten Häuser wieder ein attraktives Zentrum bilden werden, die angesprochenen spätklassizistischen Häuser sich fast von selbst sanieren lassen, wenn das Umfeld wieder adäquat hergestellt wird. Das eine schließt das andere nämlich nicht aus! Ganz im Gegenteil, denn erst die rekonstruierte Altstadt wird vermutlich erst zu einer Sanierung dieser Häuser führen und dann ein passendes Ensemble bilden können. Eine Win-Win Situation quasi!


    Und auch noch ein schöner Filmbeitrag des HR mit den ehrenwerten Protagonisten dazu:


    https://www.hessenschau.de/tv-…fenbach,video-100060.html


    Schön das Bild aus den 1960er Jahren mit den Fachwerkhäusern und noch vor dem Abriss dieser. Erschreckend aber die Bilder der heutigen "Altstadt"! Wer das Gruseln verlernt hat, wird es beim Anblick dieser Bilder sofort wieder lernen! Schlimmer geht eigentlich nicht mehr und es kann nur besser werden, wenn dieser ganze vergammelte Nachkriegsmüll endlich beiseite geschoben und wieder eine lebenswerte Umwelt geschaffen wird. Gutes Gelingen! Ich bin schon gespannt, wie lange es noch dauert, bis sich Herr Trüby hier mit einem Herzkasperlauftritt echauffiert meldet und damit für einen ordentlichen Schub an weiteren Befürwortern eines raschen Wiederaufbaus sorgen wird können :thumbsup: !

    „Dekoration ist der wichtigste Teil der Architektur“ (Sir William Scott)

  • Die letzten zwei Abschnitte im Bericht machen schon deutlich, warum wohl bisher kein großes Interesse besteht.


    Bislang sind es nur Wunschvorstellungen und der zuständige Dezernent hat erkennen lassen, daß es wichtigere städtebauliche Aufgaben gibt.


    Eigentlich sehr schade. Die Idee gefällt mir gut. Da ist aber noch viel Überzeugungsarbeit nötig.

  • Leider bleibt das Drama um dem Bahnhof Bieber bestehen. Er wurde seinerzeit an den falschen Mann verkauft, der sich leider nur als Querulant entpuppte, statt etwas für das Gebäude zu tun (und wenn es die Bemühungen um einen Verkauf gewesen wären).


    „Eine Schande für den stolzen Bieberer“
    Bahnhof droht komplett einzustürzen: Eigentümer verweigert bisher die Sanierung
    https://www.op-online.de/offen…anierung-zr-13270394.html

  • Und noch etwas zu Offenbach:
    Im Zentrum der Stadt, an der Berliner Straße, sollen die zwei schlimmsten Bausünden, Überbleibsel der 70er Jahre, verschwinden und Neubauten weichen. Nun wurden neue Pläne vorgestellt. Leider hat sich das architektonische Erscheinungsbild durch die Neukonzeptionen verflacht. Offenbach eben. Aber immer noch eine Verbesserung gegenüber dem aktuellen Bestand.


    Nordseite / Toy´r´us-Center


    Derzeitiger Bestand: https://images.app.goo.gl/G5Hf5ZQkZrMFJw3g9


    Erste Neubauplanung Büro Christoph Mäckler: https://images.app.goo.gl/GWFen5FqufF9MWcj6


    Aufgrund von baurechtlichen Fragen (Überbauung eines S-Bahn-Ausgangs) hätte es beim Mäckler-Entwurf zu einer mehrjährigen Bauverzögerung kommen können, die der Investor verhindern wollte. Er setzte den neuen Projektsteuerer ein, das Frankfurter Büro Wentz & Co. Nun soll ein Entwurf von Tchoban Voss Architekten umgesetzt werden, der in Richtung Rasterfassaden geht. Zugleich wurde das Hochhaus von 14 auf 19 Stockwerke gestreckt.


    Hier der aktuelle Entwurf: https://images.app.goo.gl/g348JjMDRmDmK4zT7


    Südseite / City-Center


    Auf auf der gegenüber liegenden Seite der Straße soll das bestehende City-Center mit einer Restrampe der ehemaligen 2. Ebene umgestaltet werden:


    Derzeitiger Bestand: https://images.app.goo.gl/tEdhD8kYyYdx4PV89


    Erster Neubauentwurf: https://images.app.goo.gl/uKApSZGtA3zVBd8V8


    Zweiter, besser gelungener Neubauentwurf: https://images.app.goo.gl/HtRdqVNvs4nUYpXN6


    Aktueller Entwurf: https://images.app.goo.gl/AkSroCeGnDBL8BHX8


    Tja, jetzt werden es eben Rendite-Kisten... aaaber, wie gesagt, gut, dass dort überhaupt etwas verändert wird.

  • "gut, dass dort überhaupt etwas verändert wird"


    Wozu soll das gut sein, wenn dabei nur eine Bausünde durch eine neue ersetzt wird?

  • "Königsbau", da machst Du es Dir zu einfach.


    Das City-Center wird immer noch geprägt durch eine extrem hässliche Betonrampe. Diese ist ein Überbleibsel einer ehemaligen zweiten Ebene und dient immer noch dem Zugang zum dortigen Obergeschoss. Diese Rampe (siehe hier und hier), die nun wirklich jeder weghaben will, verschwindet durch den Umbau, da damit auch die Zuwegung neu strukturiert wird. Damit verschwindet der darunter liegende Dunkelraum, der Vorplatz wird also heller und größer.


    Beim Toys´r´us-Center muss man sagen, dass das Gebäude extrem heruntergekommen ist. Nun entsteht statt des Geschäftshauses mit mehreren darüber liegenden Parkhaus-Geschossen, eine Wohnbebauung, die das vor allem nachts düstere Areal beleben wird. Zudem wird die Blockrandkante zur Schlossstraße geschlossen. Damit verschwindet ein versiffter Grünhügel (ebenfalls ein Rest der 2. Ebene, siehe hier), der seit kürzerer Zeit mit einem "Offenbach"-Schriftzug "gekrönt ist, den sich ein Künstler als Verarschung der Stadt ausgedacht hat (Anlehnung an den "Hollywood"-Schriftzug), ohne dass das die meisten Leute durchschaut haben. Zur nördlich gelegenen Ziegelstraße, die bislang durch ein fensterloses Erdgeschossareal und eine Parkhaus-Zufahrt geprägt ist (siehe hier), wird sich ebenfalls die städtebauliche Situation verbessern, einfach schon durch die Existenz von Fenstern. Zudem wird ein Durchgang zwischen Berliner Straße und Sandgasse geschaffen, der momentan durch den Block verriegelt ist. Dadurch nähert man sich wieder dem historischen Gassenverlauf an. Eine Art "kritische Rekonstruktion" also.


    Insofern sind die Vorhaben eine Verbesserung. Das kannst Du aus Auswärtiger natürlich nicht so gut wissen. Gleichwohl gebe ich Dir Recht, dass auch ich mir eine architektonisch anspruchsvollere Umsetzung gewünscht hätte. Gerne mit Kuppeln, Säulen und Karyatiden. Aber, seien wir ehrlich, das ist mit der derzeitigen Architektenriege nicht drin.

  • "Offenbach"-Schriftzug "gekrönt ist, den sich ein Künstler als Verarschung der Stadt ausgedacht hat (Anlehnung an den "Hollywood"-Schriftzug),

    Naja so einen Schriftzug gibt es auch in Saarbrücken und das schon seit Jahrzehnten! Allerdings mit einem Blumenbeet in Form des Stadtwappens davor. Das Ganze wird sogar gerne als Postkartenmotiv genutzt.


    Auch bei den städtebaulichen Entwicklungen passen die Städte irgendwie (teilweise) zusammen. Vom Regen in die Traufe halt... huh:)

  • Insofern sind die Vorhaben eine Verbesserung. Das kannst Du aus Auswärtiger natürlich nicht so gut wissen. Gleichwohl gebe ich Dir Recht, dass auch ich mir eine architektonisch anspruchsvollere Umsetzung gewünscht hätte. Gerne mit Kuppeln, Säulen und Karyatiden. Aber, seien wir ehrlich, das ist mit der derzeitigen Architektenriege nicht drin.

    Ich stimme da ganz zu. Offenbach ist durchaus attraktiver als man denkt, aber der Marktplatz ist genau wegen dieser zwei Gebäude, die weg sollen, ein dystopischer Alptraum, an dem man aber mit der S-Bahn aussteigt, wenn man das Schloss und das Büsing Palais sehen will.
    Die Berliner Straße zerschneidet vor allem ab der Kaiserstraße brutal das Stadtgebiet Richtung Osten. Man hat da jetzt konsequent auf eine moderne Bebauung gesetzt. Das ist gesichts- und fantasielos, aber wenigstens homogen und unauffällig, während es jetzt geradezu verstörend wirkt.


    Wer Offenbach was Gutes tun will, sollte die Umgebung des Schlosses aufwerten und eine Verbindung zum Haus der Stadtgeschichte und Büsing Palais schaffen. Dann die Kaiserstraße als Magistrale soweit wie möglich reparieren, das Eckgebäude an der Geleitstraße ist z.B. schauderhaft, während der Gründerzeitler an der Frankfurter Straße seine originale dachgestaltung bräuchte.

  • Ich finde es auch immer sehr frustrierend, wenn es im Wettbewerb eigentlich bessere Architektur-Entwürfe gab. Ganz übel finde ich den Fall vom Erfurter "Wohnen am Dom". Eben weil die eckige Flachdach-Bauweise so gar nicht zu Erfurt passt. In Offenbach ist es zwar noch immer ärgerlich. Aber wegen des ohnehin nicht mehr attraktiven Stadtbildes noch eher zu ertragen. Mit dem, was dann realisiert wird, muss man nun leider einige Jahrzehnte leben.