Offenbach am Main

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    • Das rekonstruierte Mansarddach des Offenbacher Büsing-Palais ist nun übrigens eingeweiht worden. Ich habe mir die Sache angesehen. Das historische Treppenhaus wurde bei den umfangreichen Umbaumaßnahmen erhalten, der neue Fahrstuhl daneben platziert. Insofern ein positiv ausgegangene Sache.

      hr-online.de/website/rubriken/…tandard_document_42428878

      fr-online.de/rhein-main/offenb…unst/-/1472856/9675196/-/

      op-online.de/nachrichten/offen…unde-geheilt-1390744.html
    • Ich möchte "Pilasters" Vorfreude ein wenig befriedigen und ein paar Fotos aus Offenbach nachliefern. Diese sollen allerdings weniger ein verzerrtes Bild der Stadt zeigen, denn in dieser gibt es noch sehr viel architektonisch zu harmonisieren bzw. zu verbessern. Sie seien vielmehr generell gezeigt, als Beispiele für relativ aktuelle traditionelle Architektur. Es geht also durchaus besser, als vielerorts, wenn man nur will.

      1. Domgarten (Domstraße)
      Auf dem Areal befand sich bis 1994 ein Autohaus mit Werkstatt. Danach wurde ein Wohnkomplex mit ausgedehnter Innenhofbebauung errichtet. Teils finden sich recht neckische Details im Inneren.

      Straßenseite





      Innenhof


      (Das kleine Türmchen links unten ist ein Abzug der Tiefgarage; Dahinter befindet sich, in den Eckbau integriert, hinter einem Metallgittertor die Mülltonnen-Anlage)





      2. Westend-Carree (Frankfurter Straße)
      Der Büro-/Wohnkomplex wurde ab 2002 auf dem brach gewordenen Gelände einer Autowerkstatt errichtet. Bald wird das letzte Teilstück zur Hinterseite (Löwenstraße) geschlossen, allerdings leider mit nicht mehr so hochwertiger Architektur: westend-carree-offenbach.de/. Schmuckstück ist die Eingangsseite zur Frankfurter Straße, die ohnehin in dem Bereich teils noch stark durch klassizistische und gründerzeitliche Villenarchitektur geprägt ist.







      3. Domicil Seniorenpflegeheim (Ludwigstraße)
      Im April 2011 eröffnete das neue Pflegeheim in Innenstadtnähe. Besonders neckisch empfinde ich die rote Fahne über dem Eingangsgiebel.





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      Noch ein paar Bonbons als Zusatz, da ich gerade am Knipsen war (alles ganz nah des Seniorenheimes, in der Ludwigstraße):

      a. Ein Beispiel für ein seltsam (re-?)stuckiertes Haus
      (In Offenbach haben Gypsy-Familien im Laufe der Zeit einiges an Immobilien erworben und hergerichtet. Man erkennt die Häuser oft an ihrer vorzugsweise gelben Farbe mit weißen Balustraden oder ähnlichen Schmuckelementen. Ob die hier gezeigte Immobilie in diesen Bereich passt, vermag ich allerdings nicht zu sagen. Es kann auch Zufall sein.)





      b. Dann ist Offenbach - sieht man einmal von der bis auf Einzelbauten zerstörten Altstadt und der teils verbauten unmittelbaren Innenstadt ab - in der äußeren Innenstadt noch gründerzeitlich beeinflusst. Auf dem Weg zum Auto habe ich als Beispiele noch zwei Gebäude für die Gründerzeitfans des Forums eingefangen.





      Aber, wie gesagt, ich will das Bild der Pleite-Stadt Offenbach nicht beschönigen. Es sollten nur allgemeine Beispiele für Bauen in die richtige Richtung vorgestellt werden.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Heimdall ()

    • Ich bin geehrt und geruehrt, dass Du nach ueber einem halben Jahr noch Dein sorgfaeltig formuliertes Versprechen an mich erinnerst, Heimdall! :smile: Vielen, vielen Dank.

      Hoechst ansprechende Neubauten! :daumenoben: Die Wohnungen ueber den Torboegen (gut, diese als Bauelement nach langer Zeit wieder anzutreffen! :smile: ) im Domgarten und im Westend-Carree sind sicher sehr nett, aber in den Proportionen ist das Domgarten-Tor besser gelungen, welches wohl auf die zusaetzliche Etage zurueckzufuehren ist. Auch sehe ich grau-weiss nicht als eine besonders gelungene Farbkombination an. Also wirkt das Westend-Carree sehr duester, besonders mit Schwarz als dritte Farbe.

      Dies bringt uns zum --ahem, musste das sein?--Domicil, welches von demselben farblichen Manko befallen ist. Hier ist das Grau heller, der Farbunterschied also noch geringer, und jede Fensterbruestung sollte mit (kleineren) roten Wimpeln dekoriert werden. Der Rundbogen oben im Dach erscheint mir etwas herangesucht und zaghaft.

      Zu den Bonbons: Das (re-?)stuckierte Haus leidet in meinen Augen auch an einem Mangel von Farbkontrast. Gelb-weisse Gebaeude koennen doch geradezu Sonnenschein ausstrahlen! Das ist hier leider nicht gelungen, aber die Stuckbemuehungen erkenne ich durchaus an.

      Die Gruenderzeitler sind beide schoen, aber fuer den Eckbau im letzten Bild wuensche ich mir eine schoenere Farbe oder, falls es Sandstein ist, eine sorgfaeltige Fassadenreinigung.
    • Ich möchte hier ein mal etwas Partei ergreifen für das vielgeschmähte Offenbach. Gut, die Innenstadt ist erst im Krieg und dann in den 70er Jahren (Stichwort 2. Ebene für Fußgänger, damit die Autos ungestört auf mehrspurigen Straßen durch die Hochhausschluchten rasen können) weitgehend zerstört worden. Man gibt sich aber Mühe, einige der Fehler zu korrigieren (Büsing-Palais und -park, Komm-Einkaufszentrum, Wilhelmsplatz, Rückbau der 70er-Jahre-Sünden, Hafenviertel, Restaurierung einiger alter Fabrikgelände etc.) und das trotz schwieriger sozialer Situation und Fluglärm. Und Offenbach besitzt eine gewachsene Struktur mit ziemlich gut erhaltenen Gründerzeitvierteln in allen Himmelsrichtungen der Innenstadt und einem sehr schönen Villenviertel (auch mehrheitlich aus der Gründerzeit) im Westen. Wie man oben sieht, sind auch einige der Neubauten attraktiv gebaut. Außerdem hat Offenbach auf dem Wilhelmsplatz (fast komplett gründerzeitlich bebaut) einen der schönsten Wochenmärkte, die ich kenne - nach Freiburg i. Breisgau.
    • Vor kurzem hat ein ganz ungewöhnlich gestalteter Supermarkt in Offenbach seine Pforten geöffnet. Er befindet sich am Ostrand der Innenstadt, Arthur-Zitscher-Straße/Ecke Mühlheimer Straße. Gewöhnlich sind die heutzutage gebauten Supermärkte architektonische Stangenware von dieser Optik: erkrath.de/media/custom/1630_1248_1_k.JPG?1228467436
      Und das ist ja noch nicht einmal das schlimmste, da immerhin in der Höhe zurückhaltend und mit einem spitzen Dach versehen.

      Das Offenbacher Beispiel indes orientiert sich am Baustil der 20er Jahre (frühe Moderne, Backsteinexpressionismus). Ich hatte nur mein Handy mit, die Qualität der Bilder ist deshalb schlecht, und so konnte ich den ganzen Eindruck deshalb nur sehr begrenzt einfangen. Aber vielleicht ja doch ein Eindruck. Der Bau nimmt in der Straßenbiegung wirklich die Kurve auf, ist also gerundet. Zudem mit sehr schönen Klinkersteinen. Man muss wissen, das der Aufwand an einer eher randständigen Ecke am äußersten Rand der Innenstadt (dahinter kommt faktisch nicht mehr viel) betrieben wurde. Zudem war dort zuvor nur ein verwildertes Brachgelände. Ich sage top. :daumenoben:









    • Auch die Glasfront ist sehr gut gegliedert.
      Da ich generell ein Freund der Neuen Sachlichkeit bin, muss ich sagen, dass mir dieser Versuch der Qualitätssteigerung im Hallenbau sehr gut gefällt. Möge so etwas Nachahmer finden!
      Wahre Baukunst ist immer objektiv und Ausdruck der inneren Struktur der Epoche, aus der sie wächst. Ludwig Mies van der Rohe
    • Offenbach am Main - Stiftshof in Bürgel

      Ich möchte mal ein eventuelles Rekonstruktionsvorhaben in Offenbach vorstellen.

      Genau genommen im Stadtteil Bürgel.

      Dort wurde 1939 der "Stiftshof" weitgehend abgerissen, das mittelalterliche Erdgeschoss verblieb jedoch, bis dieses im Zuge eines Wahns der Offenbacher Stadtplanung gegen den Protest der Bürgeler 1964 endgültig niedergerissen wurde.

      Der Stiftshof war wohl der bedeutenste Profanbau des Ortes, Sitz des Stiftsvogtes des Mainzer St.Peterstiftes für ungefähr 600 Jahre (Seit dem 13. Jahrhundert). Die Ursprünge der Liegenschaft werden auch in ihrer herausragenden Bedeutung noch bis in karolingische Zeit und davor vermutet. Römische Mauern konnten in 3 Meter Tiefe unter dem heutigen Niveau nachgewiesen werden. Die damalige bedeutung wird zum Einen unterstrichen von seiner unmittelbaren Nachbarschaft zur Kirche, zum Anderen von zwei bezeugten Königsaufenthalten (Otto III. im Jahr 993 und Heinrich II. im Jahr 1018) im Ort und somit aller Wahrscheinlichkeit nach in entsprechender Liegenschaft.

      Das Gebäude beherbergte von der schleichenden Übernahme seitens des Mainzer St. Peterstiftes im 13. Jahrhundert bis zur Säkularisierung den Stiftsvogt und den Schultheis. Es wurde womöglich im 30-jährigen Krieg soweit beschädigt, daß längere Zeit bis zum Wiederaufbau verging. Der Schlussstein des barocken Torbogens (einzig verbliebens Stück) trägt die Jahreszahl 1712.

      Dies wurde nun zum Anlass genommen, mal eine Gedenkveranstaltung abzuhalten, 300 Jahre nach dem damaligen Wiederaufbau.

      Die Hoffnung ist nun, daß dort auch die Initialzündung geschaffen wird, dauerhaft etwas zu erstellen, um an die Bedeutung des Ortes zu erinnern. Am Samstag, den 8.9.2012 wird nun (gemäß dem Vorbild Stadtschloss) dort eine Simulation des Erdgeschosses und des Zugangsbogens erstellt, wie sie den meisten Einwohnern, die sich überhaupt noch daran erinnern, dargestellt hat.
      Die Feder ist mächtiger als das Schwert...wenn das Schwert sehr stumpf ist und die Feder sehr spitz!

      -Terry Pratchett
    • Der Wilhelmsplatz in Offenbach ist der am besten funktionierende Platz der Stadt. Hier findet der Wochenmarkt statt, zudem ist das Ensemble stark von wilhelminischer Architektur geprägt. Doch scheinbar möchte die Stadt alles tun, um dieses Flair möglichst zu verschlimmbessern. Erst wurden einige alte Bäume gefällt, dann musste man die zu hellen neuen Straßenlampen vom Typ Amaryllis auf Beschwerden hin dimmen. Nun kam man auf die Idee, einen Bürgerbrunnen auf den Platz zu bauen. Als Sieger ging ein kantiger froschgrüner Entwurf hervor, der vage an einen klassischen Brunnen erinnern soll. Diesen meiner Sicht nach viel zu klobigen Brunnen (wohlgemerkt mitten in einem Gründerzeitensemble) und die anderen Entwürfe kann man hier sehen: op-online.de/lokales/nachricht…atz-gewaehlt-2782362.html Man kann nur hoffen, dass das Geld dafür ausgeht.
    • Um einen Eindruck von den "gestalterischen Fähigkeiten" unserer Zeit zu gewinnen, sind die zu sehenden Entwürfe natürlich durchaus nicht ungeeignet. Mit den Nrn. 12 und 13 würde man sich wohl noch arrangieren können, alles andere ist nichts anderes als eine vulgäre, proletenhafte Provokation. Sehr fragwürdig auch, Uromas Keller-Gerümpelschrank nach Nippes aus den 50ern bzw. 60ern zu filzen, um an Klumbatsch zu kommen, aus dem man noch irgendwie was machen kann, Hauptsache, es sieht gar sehr bescheiden aus (siehe Bild 21).

      Es wäre in Offenbach durchaus angebracht gewesen, sich an eine große Frau des 18 Jhd. zu erinnern, die sowohl zu Mainz als auch zu Offenbach einen Bezug hat und ihr demzufolge einen Sophie von La Roche-Brunnen zu widmen.
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    • Nun, obwohl ich es nach langjährigem Interesse am deutschen Städtebau eigentlich besser wissen sollte, bin ich doch immer wieder erstaunt wie tief das Niveau noch sinken kann. Anscheinend bodenlos. Dazu noch die Bestrebungen aus anscheinend funktionierenden, urbanen Orten städtische Wüsten zu machen. Widerlich.
      Die Moderne verleugnet ihre Herkunft, weil sie fürchtet, die Auseinandersetzung mit ihr könnte sie überfordern - oder ihr gar ihre eigene Banalität vor Augen führen. — Dr. Melanie Möller
    • Weingeist schrieb:

      Um einen Eindruck von den "gestalterischen Fähigkeiten" unserer Zeit zu gewinnen, sind die zu sehenden Entwürfe natürlich durchaus nicht ungeeignet. Mit den Nrn. 12 und 13 würde man sich wohl noch arrangieren können, alles andere ist nichts anderes als eine vulgäre, proletenhafte Provokation. Sehr fragwürdig auch, Uromas Keller-Gerümpelschrank nach Nippes aus den 50ern bzw. 60ern zu filzen, um an Klumbatsch zu kommen, aus dem man noch irgendwie was machen kann, Hauptsache, es sieht gar sehr bescheiden aus (siehe Bild 21).

      Es wäre in Offenbach durchaus angebracht gewesen, sich an eine große Frau des 18 Jhd. zu erinnern, die sowohl zu Mainz als auch zu Offenbach einen Bezug hat und ihr demzufolge einen Sophie von La Roche-Brunnen zu widmen.

      Sophie von La Roche wurde schon 1960 mit dem völlig unsinnigen Abriss des Wohnhauses aus dem kollektiven Gedächtnis der Stadt getilgt - s. "Sehnsucht nach Licht", 08.04.10, op-online op-online.de/lokales/nachricht…ht-nach-licht-705269.html
    • " den noch erhaltenen anachronistischen Restbestand des dörflichen Offenbach eliminieren und den Weg in die Zukunft öffnen..."
      Schade, mein Eindruck zu Offenbach war bisher rundherum positiv, aber da auch dort Gestalten herumkrauchen, bei denen der Verstand vollkommen im A... ist, hat sich nun auch dieses geändert.



      Mit unserem La Roche-Haus in Mainz, dem Stadioner Hof, sind wir jedenfalls äußerst glücklich - in der Großen Bleiche der einzige Lichtblick in einer total verhunzten und vermaledeiten Straße...

      Und dabei hatte ich mir vorgenommen, der runde Beitrag sollte einmal nicht mit hohem Blutdruck geschrieben werden...
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