• Mal wieder ein Brand in Quedlinburg, der drei Fachwerkhäuser zerstört hat.


    http://www.fr-online.de/panora…2782/8340298/-/index.html


    Mich würde interessieren, ob es in den historischen Altstädten anderer europäischer Länder auch so oft brennt. Natürlich sind die deutschen Fachwerkhäuser für Feuerbrünste prädestiniert. Aber wenn man bedenkt, wie eng viele Menschen gerade in den südlichen Ländern zusammenleben mit offenen Herdfeuern in den Küchen und veralteter Elektrik, finde ich es erstaunlich, dass man recht wenig von solchen Feuerkatastrophen hört. Vielleicht kennt jemand irgendwelche Statistiken?

    Die Welt muss romantisiert werden! - Novalis

  • Sieht zumindest augenscheinlich durchaus noch zu retten aus - aber was will das schon heißen...


    In Fachwerkregionen außerhalb Deutschlands kommt es leider ebenfalls immer wieder zu Bränden. Statistiken kenne ich keine. Ich gehe jedoch davon aus, dass es in den Fachwerkregionen Frankreichs mehr oder weniger genauso oft zu Bränden kommt wie bei uns. Die Steinbauweisen des Mittelmeerraums sind dagegen mit ihrem häufig recht dicken Mauerwerk, den kleinen Fenstern und den nicht selten fensterlosen Wänden an der Sonnenseite des Gebäudes vermutlich nicht allzu brandanfällig. In Nord- und Ostfrankreich sind Brände allerdings gewiss keine Seltenheit. Ein kleiner Ausschnitt aus den Jahren 2010/2011:


    http://www.lalsace.fr/actualit…musee-detruits-par-le-feu
    http://www.lalsace.fr/actualit…atiment-classe-a-l-unesco
    http://www.lalsace.fr/actualit…rement-detruit-par-le-feu
    http://sitemap.dna.fr/articles…irie,colmar,000011379.php
    http://www.ladepeche.fr/articl…truit-quatre-maisons.html
    http://sitemap.dna.fr/articles…on,st-louis,000000630.php
    http://www.sudouest.fr/2011/01…n-classee-282331-1391.php
    http://www.ouest-france.fr/act…4------56178-aud_actu.Htm
    http://www.lavenir.net/article/detail.aspx?articleid=396230

    "Meistens belehrt uns der Verlust über den Wert der Dinge."
    Arthur Schopenhauer

  • Nun, da die Häuser unbewohnt waren, würde die Brandursache wirklich interessieren. Vandalismus? Ein Investor mit Plänen in der Schublade? Selbstentzündung durch veraltete Elektrik? Man kann nur spekulieren. Ebenso, ob die Häuser wiederhergestellt werden oder dort nun eine Brache oder ein Neubauprojekt droht.

  • Seltsam sind solche spontanen Selbstentzündungen doch wohl nur dann, wenn nach langer Leerstandszeit die Bausubstanz immer noch so solide und stabil ist, dass ein Abriss auf Grund von Gefahrenbeseitigung auszuschließen ist. Aber Vandalismus ist natürlich auch möglich...

    Labor omnia vincit
    (Vergil)

  • Nun, da die Häuser unbewohnt waren, würde die Brandursache wirklich interessieren. Vandalismus? Ein Investor mit Plänen in der Schublade? Selbstentzündung durch veraltete Elektrik? Man kann nur spekulieren. Ebenso, ob die Häuser wiederhergestellt werden oder dort nun eine Brache oder ein Neubauprojekt droht.

    Irgendwie riecht das nach "Investor mit Plänen in der Schublade". Denn für eine Brandstiftung durch einen Fremden fehlt mir bei einem leerstehenden Haus irgendwie das Motiv. Brandstifter zünden doch eigentlich ein Haus an, um entweder dem Eigentümer zu schaden oder - schlimmstenfalls - Bewohner umzubringen. Geht doch bei einer verlassenen Bruchbude beides in Leere...

  • Hallo, ich denke auch an Investor..., man muss bedenken, dass das Land sachsen Anhalt 30 Prozent Arbeitslose hat, und da fressen sich die Orte irgendwann selbst auf! Es ist traurig aber jeder Ort bekommt das Stadtbild, das er verdient, siehe Magdeburg...

  • Investoren stehen in Quedlinburg nicht gerade Schlange und es gibt genug Brachen und leerstehende Häuser, die die Stadt nur allzu gerne und vermutlich auf eigene Kosten für einen Investor sofort platt machen würde. Ich glaube eher nicht, dass es sich um Investoren-Brandstiftung handelt. Vor etwa einem Jahr sind in Quedlinburg auch zwei Fachwerkhäuser abgebrannt, die allerdings bewohnt waren. Das Feuer entstand damals, weil jemand Müll, der vor den Häusern stand, angezündet hatte. So etwas könnte ich mir hier auch vorstellen, vielleicht Jugendliche, denen langweilig war...

    Die Welt muss romantisiert werden! - Novalis

  • Einmal Brandstiftung, einmal Grillen auf dem Balkon. Ersteres gehört hart bestraft, wenn sie den Typ erwischen, die zweite Tätigkeit in einer solchen Fachwerkstatt schlicht verboten. Wenn sie Würstchen grillen wollen, am Ende noch mit Brandbeschleunigern, dann im Garten oder auf der Wiese, nicht aber im Altstadtbereich.

  • Ich und Forumsmitglied Weingeist weilten am letzten Sonntag in Quedlinburg, und man muss ganz klar sagen, die Brände der letzten Zeit sind wahrlich das geringste Problem, das die Stadt gegenwärtig hat. Der Sanierungsrückstand wird, sobald man auch mal nur ein paar hundert Meter abseits klassischer touristischer Routen gerät, sofort augenfällig.


    Ganze Straßenzüge, unter denen sich auch immer wieder mal bedeutendere Bauten befinden, stehen leer, teilweise wohl schon seit Jahren. Schlimmstes Beispiel ist die Gegend um den Ägidiikirchhof, die wie eine Geisterstadt wirkt; in der Nähe vergammelt an der Schmale Straße sogar ein mit dem blauen Kulturdenkmal-Signet gekennzeichnetes Haus, das mit Treppenfriesen und Vierpässen verziert ist, und somit einer verschwindend geringen Sorte gehört.


    Ich war schon ziemlich entsetzt darüber, solche Zustände 20 Jahre nach der Wende in einer Stadt vorzufinden, die den Titel des UNESCO-Weltkulturerbes trägt. Andererseits besitzen die sanierten Straßenzüge eine höhere Authentizität als beispielsweise in Goslar, weil hier sichtbar das Wirtschaftswunder des Westens mit all seinen negativen Aspektven vorbeigezogen ist. Bemerkenswert auch, mit was für einem absoluten Schrott die Lücken rezent gefüllt wurdne und werden, was wiederum auf die Not schließen lässt, in der sich Stadtkasse und Kommunalpolitik befinden müssen.


    Gute Nachrichten dagegen vom Kornmarkt mit dem Brandschaden an der Ecke (siehe erste Seiten im Thread): im Palais Saalfeld, wo nun die Deutsche Stiftung Denkmalschutz eingerichtet ist (übrigens ein fantastisches Gebäude, das jedem zur Besichtigung offen steht), gab uns ein freundlicher Herr die Auskunft, dass eine, so wörtlich, Rekonstruktion geplant ist, es stehe nur noch nicht fest, wann es los gehe. Das ist auch bitter nötig, denn die Wirkung beim Blick in den grandiosen Kornmarkt mit der sich darüber erhebenden Neustädter Kirche, der wohl zu den großartigsten Straßenzügen Deutschlands gehört, wird durch die Brandstätte doch arg getrübt.

  • Leider geht es wirklich nur relativ langsam mit der Sanierung der Quedlinburger Altstadt voran, aber es lassen sich doch von Jahr zu Jahr Fortschritte erkennen. Ich könnte mir vorstellen, dass die Sicherung des Schlossberges in den vergangenen 2 bis 3 Jahren auch dafür gesorgt hat, dass die Häuser der Alstadt etwas weniger denkmalpflegerische Aufmerksamkeit bekommen haben. Meiner Ansicht nach rühren viele Probleme von den Stadtoberen her. Diese haben sich nach der Wende, wie man mir kürzlich mitteilte, ganz dezidiert dafür ausgesprochen, aus Quedlinburg kein zweites Rothenburg zu machen - das wäre ja auch furchtbar...
    Die Stadt schafft es einfach nicht, von ihrem Welterbetitel zu profitieren und Touristen anzulocken. Normalerweise sollten sich rund um die Uhr Amerikaner und Japaner durch die Gassen wälzen. Stattdessen werden ab 20 Uhr die Bordsteine hochgeklappt. Während das nur wenige Kilometer entfernte Wernigerode eine komplett sanierte Altstadt und viele Touristen hat, verirren sich nach Quedlinburg nur wenige, die auch über Nacht bleiben. Und Leute, die es wagen, ein Restaurant in der Stadt zu eröffnen, werden oft behindert und ausgegrenzt, wenn sie von außerhalb kommen, das hat mir dort zumindest ein Gastwirt erzählt. Das Wichtigste wäre wohl also, wenn die Stadt erstmal einen kompletten Wechsel in der Verwaltung bekommen würde.
    Nichtsdestotrotz hat sich aber viel in den letzten Jahren getan und die Stadt verfügt, wie ich finde, noch immer über ein erstaunlich homogenes Stadtbild. Leider hat man bereits zu DDR-Zeiten ein ganzes kleines Fachwerkviertel nördlich vom Markt und angrenzend an den Kornmarkt abgerissen und in Hallescher Monolithbauweise als "angepasste" Plattenbauten wieder hochgezogen. Das Viertel um die Ägidienkirche ist leider wirklich noch komplett unsaniert und dem Verfall preisgegeben. Und in der Schmalen Straße befinden sich ein paar der abstoßendsten Neubauten, die ich je gesehen habe. Nun ja, sehen wir mal, was die Zukunft bringt.
    Die Rekonstruktion am Kornmarkt wäre natürlich grandios, darum glaube ich noch nicht recht dran. Für alle, die mithelfen wollen, die Altstadt von Quedlinburg auf Vordermann zu bringen, hier das Spendenkonto der Deutschen Stiftung Denkmalschutz:


    Deutsche Stiftung Denkmalschutz
    Commerzbank AG Bonn
    BLZ 380 400 07
    Kontonr. 305555500
    "1005977 Quedlinburg"

    Die Welt muss romantisiert werden! - Novalis

  • Zur Verdeutlichung der zwei vorangehenden Beiträge:



    Fachwerkstadt erneut in Not - mz-web.de


    Also - wer helfen kann: :trommeln:
    Deutsche Stiftung Denkmalschutz
    Commerzbank AG Bonn
    BLZ 380 400 07
    Kontonr. 305555500
    "1005977 Quedlinburg"

    Schön ist das, was ohne Begriff allgemein gefällt.
    (Immanuel Kant)

  • Quote

    Bauarbeiten verursachen neuen Großbrand

    Mehr als 1.300 dicht an dicht gebaute Fachwerkhäuser - der historische Schatz der UNESCO-Stadt Quedlinburg ist Fluch und Segen zugleich. Denn: Immer wieder setzen Großbrände den Einwohnern zu und zerstören Teile des Welterbes. Nun fielen wieder denkmalgeschützte Häuser den Flammen zum Opfer. Dieses Mal ist der Brand durch Dacharbeiten verursacht worden.

    Quelle: Bauarbeiten verursachen neuen Großbrand | MDR.DE


    Jeder, der sich die Fähigkeit erhält Schönes zu erkennen, wird nie alt werden.
    www.archicultura.ch

  • Wenn man schon mal in Quedlinburg ist, lohnt auch ein Abstecher nach Ditfurt. Das ist ein kleines Dorf, noch recht gut erhalten und ich konnte nicht eine einzige Bausünde entdecken! Keine Asbestfassadenverkleidungen, keine Glasbausteine, keine Betonfertigteilkonstruktionen. Nichts. Das Dorf könnte so 1:1 als Kulisse für einen Film aus der Zeit um 1900 herhalten.


    Schlecht war nur, dass das Bahnhofsgebäude am Verfallen ist und auch sonst einige Häuser unbewohnt waren. Aber immerhin hat dieses Dorf einen Bahnhof.

  • Das Problem von Quedlinburg scheint mir weniger das Feuer als der Leerstand zu sein. Quedlinburg hat nach wie vor mit Bevölkerungsrückgang zu kämpfen und die Prognosen gehen von 20 % weniger Bevölkerung in 2025 aus. Hierzu ein interssanter Bericht: Quedlinburg - ein Weltkulturerbe vor dem Verfall | MDR.DE


    Einwohner
    (auf dem Gebietsstand von 2010)
    1989: 29.096
    2009: 21.372
    2025: 17.479 (Prognose)


    Auf einer Fläche von 90 Hektar stehen von 1300 Fachwerkgebäuden etwa 250 Häuser leer und sind ernsthaft bedroht, zu verfallen. 60 % sind grundhaft saniert worden, der Rest wartet auf seine Sanierung.


    Angesichts des weiteren Bevölkerungsrückganges wird sich natürlich ein Investor fragen müssen, wer soll in den Häuser wohnen?

    Edited once, last by Roland ().

  • Ich habe ein Bild des Bahnhofs von Ditfurt hier gefunden:
    http://www.vm2000.net/48/klink/stationen.html


    Überhaupt sind da einige wundervolle kleine Bahnhofsgebäude drunter, für die dringend eine Sanierung und Nutzung her sollte. Das in Rieder gefällt mir sehr gut. Im Zuge der Erhaltung von Industriedenkmalen sollte man hierfür dringend Investoren finden oder Fördermittel auftreiben. Leider ist die Bahn hinsichtlich der Veräußerung ihrer Liegenschaften oft nicht sehr kooperativ, was ich schon von Leuten erfahren habe.


    Der Bahnhof in Quedlinburg sieht ja immerhin ganz schmuck aus:
    http://de.wikipedia.org/w/inde…etimestamp=20090520205011