• Dazu sollte man zumindest Folgendes wissen:

    1. ) Wie denn die Vorkriegbebauung aussah. Gibt es dazu Bilder, Fotos etc.?

    2.) Grenzte die Vorkriegsbebauung mit Wohnhäusern direkt an den Lustgarten an?

    3.) Befand sich dort am Rande des Lustgartens vielleicht eine Orangerie oder ein Marstall, die dann vermutlich wesentlich niedriger gewesen sein dürften, als die jetzigen mehrstöckigen Wohnhäuser ?

    Unabhängig von den oben aufgeworfenen Fragen, wäre es sicherlich gut, wenn die Gebäude, die saniert werden sollen, Fenster mir Sprossen bekämen. Vielleicht Faschen um Fenster und Haustüren, falls die Häuser Flachdächer haben, stellt sich die Frage, ob man nicht ein Ziegeldach, möglichst mit Dachgauben (aber keine so klobigen, wie diese derzeit modern sind) anbringen könnte?

  • Es geht nicht um eine Adaption des Vorkriegszustandes, da wir hier versuchen müssen, mit wenig ökonomischem Aufwand ein Maximum an ästhetischem Zugewinn zu generieren.
    Informationen über das, was da vorher stand, habe ich bewusst weggelassen, ich setzte es in dem Strang beinahe schon voraus ;)

    Es war die nördlich angrenzende, kleinteilig bebaute Umgebung von Schloss, Orangerie und Zeughaus, aber die Straße "Am Lustgarten" mit der heutigen Blockstruktur existierte vor 1945 gar nicht. Es gibt hier also keine Fassadenrekos, die infrage kommen, sondern die Aufgabe kann nur sein, eine regionaltypische, die historische Bebauung der Umgebung zitierende und weiterentwickelnde Variante zu finden.

    An der Schlossstraße, teilweise schon im Bereich des geplanten Hotelbaus, gab es Schlossstraße 3 und 9, die markant waren. Zur ebenfalls das Bebauungsgebiet streifenden Muldstraße habe ich bislang nichts an Bildern finden können.

    Das Luftbild der Schlossstraße mit Blick nach Norden gibt gut die ehemalige Bebauung wieder, viel zu niedrig für heutige Nutzungsverhältnisse und für die bestehende Bebauung, die Straße "Am Lustgarten" noch nicht existent. Hier muss sehr frei adaptiert werden.

  • Ich bin da bei Villa1895. Ganz besonders wichtig sind die Fensterformate. Dort müssen klassische Holzfenster mit entsprechender Sprossung rein. Auf deinen historischen Bildern sehe ich um die Fenster jeweils Faschen. Das wäre mit geringem finanziellen Aufwand auch bei den Plattenbauten zu machen.
    Auch sollte er auf fassadengliedernde Gesimse und Satteldächer setzen. Satteldächer kann man ihm damit schmackhaft machen, dass er ein Geschoss mehr Nutzungsfläche generieren könnte.

  • Ich hatte Ende letzten Jahres mal was "auf die Schnelle" und zum Spaß ausprobiert um zu schauen, wie man die klassische DDR-Fassade rein visuell optimieren könnte.

  • Ich hatte Ende letzten Jahres mal was "auf die Schnelle" und zum Spaß ausprobiert um zu schauen, wie man die klassische DDR-Fassade rein visuell optimieren könnte.

    Sieht super aus. Nur ne Nummer zuviele Stockwerke für Dessau Wie siehts mit den Kosten bei einer solchen Sanierung aus? Haben wir da irgendwelche Zahlen?

  • @Manuel Re

    Ist vielleicht nicht die Ultima Ratio, aber in der ehemals versifftestes Plattenbaustrasse am Rande der Zittauer Altstadt, hat man Künstler herangelassen,die mit warmen Farben und viel Witz den üblen Charakter der Platte etwas kaschieren...als ich das letzte Mal dort entlang ging, habe ich das ehemalige Schmuddeleck nicht mehr wiedererkannt. Da Abriss leider nicht in Farge kam und heutige Neubauten auch keien wirkliche Verbesserung brächten, war die Lösung eines gebauten fantastischen Realismus womöglich die beste Variante.



    Alle Bilder auch zu finden auf: http://www.mandauerglanz.de/


    Ansonsten, für Deinen Fall: Unterteilte Fenster, Verfugung der Wandscheiben, dezenter Stuck an die Fassade und unebdingt ein paar Fensterläden dran! Das wirkt Wunder! Viel Erfolg!

    Wenn alle Stricke reissen sollten, dann hilft eine, dichte immergrüne Baumreihen vor die Fassaden. Das freut die armen Bewohner dieser vermutlich nicht ganz artgerechten Haltung und die Passanten ebenfalls - eine klassische win-win Situation ;-)!

  • Wenn man schon im Bett liegt und es einen nochmal raustreibt … (Entwurf, etwa 40 Min. Arbeitszeit)
    Sollte es möglich sein, könnte man ein paar Fenster abtragen und einen franz. Balkon daraus machen.

    Sieht noch etwas nackig aus. Die Regenrinne, ggf. eine handvoll Dachfenster und der Bereich über dem Eingang wird das Bild noch füllen. Auch eine Spiegelung in den Fenstern würde etwas mehr Leben und Wohngefühl einhauchen.

  • Bei solchen Plattenbauten ist es wichtig, die Situation nicht zu verschlimmbessern. Also, irgendwie muss eben die Proportionalität gewahrt bleiben.

    Ich würde vorschlagen, den Gebäuden ein spitzes Dach zu geben. Eventuell ein Walm- oder Krüppelwalmdach, unter dem sogar zusätzlicher Wohn- oder Nutzraum entstehen könnte. Auch könnten die Eingangsrisalite mit Dreiecksgiebeln bekrönt werden. Auch die Etagen abgrenzende Gesimse wären von Vorteil.

  • Ist zwar nicht mein Geschmack was der Herr Architekt aus den Plattenbauten gemacht hat. Aber interessant zu sehen was möglich ist. Ist glaube ich in einem anderen Strang im Forum schon einmal gezeigt worden.

    Ich finde es gut, dass der Architekt versucht hat die Überdimensionalität der Plattenbauten zu reduzieren.


    Plattenbauten umbauen

  • Da Abriss leider nicht in Farge kam und heutige Neubauten auch keien wirkliche Verbesserung brächten, war die Lösung eines gebauten fantastischen Realismus womöglich die beste Variante.

    Sieht doch ganz gelungen aus. Auch der "Skulpturenschmuck" gefällt mir ganz gut. Habe so etwas Ähnliches mal in der Altstadt von Backnang gesehen. Leider habe ich davon mein Originalbild nicht und nur eine eher schlechte Auflösung:

    "Mens agitat molem!" "Der Geist bewegt die Materie!"

  • Schaut schon sehr gut aus, Markus!
    Jetzt könnte man noch etwas prägnantere Faschen bei den Fenstern wählen, vielleicht ab und an den Johannbau-Giebel zitieren und moderat mit warmen Farbtönen arbeiten und es wäre aus meiner Sicht perfekt.

  • Schaut schon sehr gut aus, Markus!
    Jetzt könnte man noch etwas prägnantere Faschen bei den Fenstern wählen, vielleicht ab und an den Johannbau-Giebel zitieren und moderat mit warmen Farbtönen arbeiten und es wäre aus meiner Sicht perfekt.

    Hallo MagdeburgerKind, vielen Dank für deine Anmerkungen. Hast du konkrete Beispiele parat zu Formen und Farbe? Dann kann ich das ergänzen.

  • Die Plattenbauten stammen aus den 80er Jahren und zählen nicht zu den schönsten Vertretern ihrer Art. Die Bauten haben überwiegend 4 Etagen, einer hat 5. 6 Etagen sollten auch möglich sein. Ein Steildach auf einem sanierten Plattenbau habe ich zwar noch nicht gesehen, aber technisch möglich wäre es dann wohl. Man muss aber bedenken: Ab einer bestimmten Geschosszahl ist ein Fahrstuhl vorgeschrieben. Das war schon in der DDR so. Die zu wuchtig geratenen "Zierelemente" über den Balkons lassen sich problemlos entfernen. Aber bitte keine Renaissance-Giebel dorthin kopieren! Der Johannbau sollte seine künstlerisch herausgehobene Stellung behalten. Der braune Streifen entlang der Dachkante ist eine eigene Plattenreihe, von der Wohnung darunter unabhängig. Ließe sich also ersetzen. In der späten DDR gab es auch Plattenbauten, wo an dieser Stelle zum Teil Dachschrägen eingesetzt waren. Die Balkons sind vor die Fassade gestellt. Die Brüstungsplatte zu ersetzen wäre kein Problem. An den Seitenwänden der Balkons ließe sich wahrscheinlich auch was machen. Jedenfalls sieht man oft sanierte Plattenbauten mit stark veränderten Balkons.

    An der anderen Hausseite: Der Wetterschutz vorm Eingang ist nur davorgestellt, lässt sich also problemlos entfernen. Sehr unschön sind die Platten vor den Treppenhäusern mit den kleinen Fenstern. Ob sich Fensterformate in einer Platte leicht ändern lassen, weiß ich nicht.

    Die übliche Fassadensanierung sieht so aus: Wärmedämmung kommt rauf. Dann wird verputzt und gestrichen. Mit Farbe lässt sich viel erreichen bei solchen Plattenbauten. Die Farbfassung könnte sich an historischen Fassadengliederungen orientieren. Entsprechend wären die Farben auszuwählen: vielleicht braun, beige, gelb, weiß, rot, jedenfalls irgendwie warme Farben. Man könnte Rahmen um die Fenster malen, die Treppenhäuser farblich absetzen usw.

    Im Entwurf von tachMarkus in Nr. 85 fehlen die Treppenhausfenster über der Eingangstür. Treppenhaus ohne Fenster geht aber nicht. Vor dem Einbau bodentiefer Fenster ist zu bedenken, dass sich unter den Fenstern vermutlich Heizkörper befinden.


  • Im Entwurf von tachMarkus in Nr. 85 fehlen die Treppenhausfenster über der Eingangstür. Treppenhaus ohne Fenster geht aber nicht. Vor dem Einbau bodentiefer Fenster ist zu bedenken, dass sich unter den Fenstern vermutlich Heizkörper befinden.

    Vielen Dank für die detaillereiche Machbarkeitsprüfung. ;)

    Sieh dir mal Nr. 91 an, da sind die Treppenhausfenster drin. Hatte letzte Nacht nur keinen Kopf mehr weiterzumachen.

  • Hallo MagdeburgerKind, vielen Dank für deine Anmerkungen. Hast du konkrete Beispiele parat zu Formen und Farbe? Dann kann ich das ergänzen.

    Schau mal auf die Seite 4 bei den Altbauten der Schlossstraße. Da sind einige recht schlichte Formen dabei, die man problemlos übernehmen und mit den heutigen Techniken kostengünstig nachbilden könnte.
    Farblich würde ich die Treppenhäuser mit einem dezenten beige bis hellem gelb absetzen und diese Farbgebung auch bei den Fensterfaschen wiederholen.
    Die Fenster sollten dann möglichst eine dunkelbraune Sprossung aufweisen.

    Ich kann den Einwand von Rastrelli hinsichtlich des Johannbaugiebels verstehen. Es könnte in der Tat ein wenig kitschig aussehen. Eventuell würde es auch genügen, über den Treppenhäusern die Giebel etwas stärker auszuformen, als es jetzt bei deinem Entwurf der Fall ist.

  • Sieht super aus. Nur ne Nummer zuviele Stockwerke für Dessau Wie siehts mit den Kosten bei einer solchen Sanierung aus? Haben wir da irgendwelche Zahlen?

    Ich bin absolut kein Profi, aber tendentiell würde ich sagen, dass sich fassadengliedernde/-gestaltende Dinge wie Gesimse oder Faschen heute preislich in einem absolut verträglichen Rahmen bewegen. Da gibt es alleine schon durch die Verwendung von Styropor recht kostengünstige Alternativen.
    Ein weitaus größerer Kostenpunkt dürften da schon die Fenster werden. Es ist für die Ästhetik eines Gebäudes unheimlich wichtig, hochwertige Fenster zu verwenden. Aber die kosten leider auch sehr viel. Vielleicht mal bei den Patzschkes nachfragen?