• tegula, ich werde mich zu diesem Thema nicht mehr äußern. Aus moralisch-politisch-demokratietheoretischer Sicht halte ich Widerstand gegen dieses Projekt weiterhin für nötig. Aber die Politik wollen wir in diesem Forum ja herauslassen.

  • tegula, ich werde mich zu diesem Thema nicht mehr äußern. Aus moralisch-politisch-demokratietheoretischer Sicht halte ich Widerstand gegen dieses Projekt weiterhin für nötig. Aber die Politik wollen wir in diesem Forum ja herauslassen.

    Das bringt nichts mehr. Ich halte es für wichtiger, Einfluss auf den Standort des Museumscampus und auf die Gestaltung des Lustgartens zu nehmen. Aber auch hier ist die Resonanz viel zu gering.

  • Das bringt nichts mehr. Ich halte es für wichtiger, Einfluss auf den Standort des Museumscampus und auf die Gestaltung des Lustgartens zu nehmen. Aber auch hier ist die Resonanz viel zu gering.

    Sie werden wieder alles abblocken, was an traditionalistischen Vorschlägen kommt. Daher lohnt sich Engagement in dieser Stadt nicht mehr. Es ist besser, die Stadtverwaltung alles verhunzen zu lassen, statt Energie in diese Stadt zu investieren. Mich regt das Ganze städtebaulich gar nicht mehr auf. Mich stört nur das politisch-demokratische Unrecht, was da begangen wurde. Mehr nicht. Und zwar, weil es die Arbeit von Bürgerinitiativen und das große Engagement der Bürger vor Ort verhöhnt und deren Arbeit diskreditiert. Dies ist politisch fatal und wird das demokratische Fundament im Osten weiter schwächen. DAS regt mich auf, nicht so sehr die Architektur. Städtebaulich macht es in Dessau keinen Unterschied, was am Schlossplatz gebaut worden wäre. Die Stadt ist im Zentrum völlig verhunzt. Wer Alt-Dessau sehen will, der kann nach Aken oder Wörlitz oder Köthen fahren.

  • Mit seinem "wäre der Bürgerentscheid anders ausgegangen, hätten wir jetzt kein Hotel" anlässlich der offiziellen Eröffnung des Hotels und Restaurants am Schlossplatz hat Ex-OB Kuras wohl Recht. Seiner Meinung nach füge sich der helle Klinkerbau hervorragend ein in das Ensemble mit Rathausanbau , Marienkirche und Johannbau. Hotelmanager Kahl: "Alle unsere Erwartungen von der Stadt und dem Standort sind übertroffen worden". (MZ)

    Übrigens hängen in jedem Hotelzimmer Bilder des Bauhauses. Damit jeder Gast sofort merkt, woher auf einem der einst schönsten historischen Plätze Deutschlands heute der Wind weht.

  • Übrigens hängen in jedem Hotelzimmer Bilder des Bauhauses. Damit jeder Gast sofort merkt, woher auf einem der einst schönsten historischen Plätze Deutschlands heute der Wind weht.

    Dessau hat einen gewichtigen Teil seines kulturellen Erbes durch den Krieg verloren. Es ist absolut nachvollziehbar und auch für die Stadtentwicklung förderlich, wenn man den noch erhaltenen Bestand - zumal Weltkulturerbe - in den Mittelpunkt des Kulturmarketings rückt.

    Kunsthistoriker | Webdesigner | Fachreferent für Kulturtourismus und Kulturmarketing

    Meine Kulturthemen

  • Es ist absolut nachvollziehbar und auch für die Stadtentwicklung förderlich, wenn man den noch erhaltenen Bestand - zumal Weltkulturerbe - in den Mittelpunkt des Kulturmarketings rückt.

    Und dabei jeden Versuch unterdrückt, an das noch weiter zurückliegende und möglicherweise viel attraktivere Erbe zu erinnern. Bravo!

  • Und dabei jeden Versuch unterdrückt, an das noch weiter zurückliegende und möglicherweise viel attraktivere Erbe zu erinnern. Bravo!

    Das habe ich nirgends gefordert und das geschieht sicherlich auch nicht dadurch, dass man in Hotelzimmern auf das Weltkulturerbe Bauhaus hinweist. Nur warne ich davor, das eine gegen das andere auszuspielen. Nur weil man das eine nicht durchsetzen konnte, wäre es fatal, das andere zu dämonisieren oder für etwas verantwortlich zu machen. Über dieses Denken von falschem und richtigem kulturellem Erbe kann ich als in der Kultur Tätiger nur den Kopf schütteln. Die Stadt Dessau tut gut daran, das Bauhaus als Aushängeschild voll auszunutzen.

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  • Die Stadt Dessau tut gut daran, das Bauhaus als Aushängeschild voll auszunutzen.

    Was ich mich dabei aber frage: Warum baut die Stadt dann nicht frühmodernen Bauhaus? Gebäude wie dieses Hotel sind kein Bauhaus mehr, würden wohl von den Vätern des Bauhauses Verachtung ernten. Ja, ich finde es auch gut, wenn eine Stadt ihr Image auf ein bauliches Erbe stützt, aber was mir da fehlt, und wo ich Städte mit Rekonstruktionen z.B. vorne sehe, ist die Vorstellung, dieses bauliche Erbe nicht nur zu erhalten, sondern auszubauen.

  • Über dieses Denken von falschem und richtigem kulturellem Erbe kann ich als in der Kultur Tätiger nur den Kopf schütteln.

    Ich auch. Das historische Bauhaus war eine Kunstschule. Architektur stand gar nicht im Mittelpunkt. Einen Schwerpunkt bildete Kunsthandwerk und Design. Die Maler Lyonel Feininger, Wassily Kandinsky, Paul Klee, Georg Muche und Oskar Schlemmer wirkten am Bauhaus. Feininger griff auch Architekturmotive auf, bevorzugte dabei aber historische Bauten (Dorfkirchen im Weimarer Land, die Altstadt von Halle). Die Bauhaus-Stätten sind für viele Menschen ein Grund, Dessau zu besuchen. Ein anderer Anziehungspunkt ist das Dessau-Wörlitzer Gartenreich.

    Die Stadt Dessau-Roßlau setzt in Stadtmarketing und Tourismuswerbung auf verschiedene Facetten, keineswegs nur auf das Bauhaus. Das Land Sachsen-Anhalt ist insgesamt kulturell breit aufgestellt.

    Das Bauhaus hat die moderne Architektur nicht erfunden. Die modernen Bauten der Weimarer Republik entstanden überwiegend nicht im Zusammenhang mit dem Bauhaus. Und der Funktionalismus in der Tschechoslowakei und Polen sowie der sowjetische Konstruktivismus existierten als moderne Architekturströmungen unabhängig vom deutschen Bauhaus.

    Was wir hier im Forum alle kritisieren, ist die Misere der Gegenwartsarchitektur. Das ist aber etwas anderes als das historische Phänomen Bauhaus.

    War denn das Hotel ein Bauvorhaben, das durch die Stadt geplant, finanziert und durchgeführt wurde?

    Nein. Das hat der Investor Getec gemacht.

  • Rastrelli Diese Vermischen mit der Gegenwartsarchitektur liegt aber auch an den Bauschaffenden von heute, die stets und gerne jeden Flachdach Kubus als ,,Bauhaus" verkaufen. Dies ist mittlerweile in die gesellschaftliche Wahrnehmung eingeflossen und so hört man stets von Leuten auf der Straße, dies oder jenes wäre ein Gebäude im ,,Bauhaus-Stil". Da bringt es wenig auf den Ursprung des Bauhauses zu pochen und von sonstigen modernen Baustilen abzusondern. Das wird heute anders verstanden.

  • Zur Zeit ist der neue Standort der Regenbogenschule in der Diskussion. In der Innenstadt sollte er angeblich zur Belebung beitragen. Aber die betroffenen behinderten Kinder besuchen weder Geschäfte noch Gaststätten, und ihre Zubringer fahren sofort wieder weg. Nun hat die MZ tatsächlich mal einen kritischen Leserbrief zur örtlichen Situation abgedruckt. Ein Herr aus dem Beherbergungsgewerbe "muss miterleben, wie unsere Urlauberzahlen seit vielen Jahren drastisch zurück gehen, was nur eines zeigt: Das ungewollte öffentliche Eingeständnis unserer Stadtoberhäupter, dass unser Multimillionen-Projekt Bauhausmuseum auf ganzer Linie gescheitert ist."

    Keine Innenstadtbelebung, aber Zeit und Geld gekostet. Und das Gleiche würde auch mit der Buga passieren. Es gäbe viele Stadtentwicklungs- und Marketingprojekte, die kostengünstig wären und und die Urlauberzahlen in nur wenigen Jahren verzehnfachen wrden. Aber dafür müsse man als Stadt auch einmal aufhören, arrogant, beratungsresistent und stupide zu sein. (MZ)

    Ob die verschmähte Historisierung den gewünschten Erfolg bringen würde?

  • Ich sags mal so, ich sehe der Entwicklung mit großer Genugtuung entgegen. Jeder Finger, den die Bürger vor Ort selbst rühren würden, wäre bei dieser sogenannten "Stadtverwaltung" (andere passendere Begriffe dafür sind hier ja nicht erlaubt) vertane Energie. Die Stadt ist verloren.

  • Ich sags mal so, ich sehe der Entwicklung mit großer Genugtuung entgegen. Jeder Finger, den die Bürger vor Ort selbst rühren würden, wäre bei dieser sogenannten "Stadtverwaltung" (andere passendere Begriffe dafür sind hier ja nicht erlaubt) vertane Energie. Die Stadt ist verloren.

    Aber sie kann es sich leiten, trotz großem Interesse zwei geplante Flohmärkte zu verbieten, weil ein Toilettenbesitzer seine Fäkalien unerlaubt in eine Grube auf der Wiese neben dem Gelände leitete.(MZ). Dafür läuft jetzt das Stadtfest ohne Leopold.

  • Der Vorwurf, nicht genug Sinn für Anhalts Geschichte zu zeigen, hat EX-OB Kuras weh getan. Er wies darauf hin, dass beim Hotelneubau zumindest historische Details an die frühere Bebauung erinnern sollten. Und tatsächlich: zwei historische Reliefs vom Marstallkomplex wurden eingearbeitet. Da als Originale zu groß, fertigte die Hochschule Anhalt kleine Repliken im 3-d-Druck. Die ehemalige Reitbahn wurde schon 1945 zerstört, aber samt den bekannten Eingangspavillons Elbe und Mulde, welche von den Reliefs geziert waren, erst 1965 abgerissen. (MZ)

    Man hat der Forderung entsprochen, aber der Besucher bekommt kaum einen Eindruck von der ehemaligen Bedeutung des Gesamtkomplexes.

  • Ein kritischer Leser meint, man musste sich als traditionsbewusster Dessauer mit dem grauen Klotz im Herzen der Stadt arrangieren. Am bessten durch ignorieren oder von der Muldeseite betrachten, wo Bäume gnädig den Anblick verdecken. Er bezeichnet die Anbringung der Tafeln als Disneylandisierung historischer Bausubstanz: Zwergenhafte Ausführung, erheblicher Qualitätsverlust. Er hofft, dass die Originale bald wieder für die Öffentlichkeit zugänglich werden und auch der Würfel mit den runden Reliefs der Flussgötter-Pavillons bei der Neugestaltung des Lustgartens im Original vom Bauhausplatz an den Johannbau versetzt wird. (MZ)

  • Es ist sinnlos. Man muss darüber nicht mehr nachdenken, da alle sinnvollen Vorschläge von einer solchen Stadtverwaltung ignoriert werden. Es ist besser, die Stadt ihrem Schicksal, der totalen Bedeutungslosigkeit, zu überlassen und sich auf Städte zu konzentrieren, wo vernünftige Vorschläge aufgegriffen werden.