Dessau-Roßlau

  • Die Innenstadt blutet immer mehr aus. Nach Karstadt sollen nun auch Saturn und Adler schließen. Angeblich zu wenige Kunden, verursacht durch Corona und Online-Kauf. Viele Gaststätten werfen das Handtuch. Der konstante Weggang der Jugend wird beklagt. Neue Gewerbegebiete außerhalb der Innenstadt zerstreuen die Kundschaft. Das Bauhausmuseum hat daran nichts geändert. Wie verlogen übrigens die städtische Argumentation ist, zeigt der Fall Königendorf. Jede private gewerbliche Nutzung, insbesondere Erholung und Gastronomie, wurde untersagt, weil dies störend wirkt. Ein großes Gewerbegebiet gleich nebenan stört anscheinend nicht.

    Nachtrag : Man holt ersatzweise das Grün in die Stadt. Aus der Baugrube der abgerissenen Rodebilleschule erreicht der Wildwuchs schon Meterhöhe. Am Schlossplatz war dies noch nicht zu sehen.

  • Irgendwie kommt mir Dessau wie eine verlorene Stadt vor. Überall Leerstand, vor allem bei verbliebenen innerstädtischen Altbau-Immobilien, Verwahrlosung, nicht vorankommende Bauprojekte, modernistische Fehlplanungen. Es geht wohl immer noch runter mit der Einwohnerzahl. Aber dann müsste die Stadt mehr unternehmen, den innerstädtischen Kern zu unterstützen und notfalls mehr Plattenbauten abzureißen und die Flächen zu begrünen. Nur so wird man einen Wohnraumüberschuss beseitigen können und es für Vermieter interessant machen, dort in Sanierungen zu investieren.

  • Heimdall

    Dieser Eindruck ist berechtigt. Als Stadt mit dem bundesweit höchsten Altersdurchschnitt boomen zur Zeit nur Anträge zum Bau von Alten- und Pflegeheimen. Dafür ist eine Massenflucht der Jugend zu verzeichnen. Es gibt für diese weder akzeptable Arbeitsangebote noch eine Perspektive, von Kulturangeboten ganz zu schweigen. Im Gastronomiesektor fehlt das Personal. Es will niemand mehr Nachts und Sonn- und Feiertags arbeiten. Corona hat die Situation nur verschärft. Die Stadt ist am Absterben. Hauptgrund ist die galoppierende Monsterbürokratie. Alles soll gegenüber allem ge- und abgesichert sein. Freibäder dürfen nur noch auf Vereinsbasis benutzt werden. Zusätzlich steigende Miet- und Pachtgebühren machen viele Unternehmen unrentabel. Der Verdacht auf Versicherungsbetrug durch Brandlegung schwebt in der Luft. Profite verzeichnen Abriss- und Entsorgungsfirmen. Wird dann tatsächlich wieder bebaut, so stehen die Gebäude als Investruinen in der Landschaft. Diese wird schon zersiedelt durch neu ausgewiesene Baugebiete, die die Vororte zusammenwachsen lassen. In der Innenstadt ist keine Bebauung von Lücken zu erkennen.

    Die Stadt hat bis heute keinen ICE-Anschluss. Die Berliner UBA-Mitarbeiter ziehen trotzdem nicht nach Dessau, da abends die Straßen leergefegt sind. Die glorreiche Historie bezüglich Bildung, Kultur, technische Höchstleistungen, wird nicht genutzt. Offenbar sind derart fähige Köpfe völlig verloren gegangen.

  • Welcher Luxus: Jetzt brennen schon die Häuser.

    In anderen Gegenden brennen bei 45 °C die Wälder.

    In beiden Fällen wohl nicht ganz ohne menschliche Mitwirkung. Im vorliegenden Fall sollen öfters Unbekannte im Haus übernachtet haben. Aber für eine Zusatz-Heizung mit offenem Ölkübel, wie einst in einem abgebrannten historischen Gebäude festgestellt, bestand im Sommer keine Notwendigkeit.

  • Das Brandhaus gehörte seit kurzem der Stadt. Das "herrenlose" Grundstück wurde in Form einer Aneignung übernommen, mit dem Ziel, gefördert einen Abriss zur Beseitigung eines städtebaulichen Missstandes vorzunehmen. Der Abriss ist nun nach dem Brand noch näher gerückt. Die Schadenssumme wurde von 3 auf 1 Mio (geschätzt) herab gesetzt.(MZ)

    Es wäre nicht das erste und wohl auch nicht letzte Gebäude Dessaus, welches das Bombardement überstand, jahrzehntelang vor sich hin gammelte und schließlich abgerissen wurde. Die entstehende Freifläche stellt einen weit größeren Missstand dar, vor allem an einer markanten Ecke in Theaternähe. Aber hier fehlen Parkflächen!

    Aus Gram vor dem geplanten Abriss hat sich das alte Haus wohl selber angesteckt. Das wäre in einer zu über 80 Prozent kriegszerstörten Stadt kein Einzelfall.

    https://www.mz.de/lokal/dessau…denshohe-deutlich-3217179

  • Bemerkenswert ist vielleicht, dass der Erwerb in Form einer Aneignung stattfand. Aneignung bedeutet, dass das Grundstück herrenlos war, also vermutlich starb der Eigentümer ohne Erben. In solchen Fällen (Immobilienbesitz) steht nur dem Staat das Aneignungsrecht zu.

  • Bemerkenswert ist vielleicht, dass der Erwerb in Form einer Aneignung stattfand. Aneignung bedeutet, dass das Grundstück herrenlos war, also vermutlich starb der Eigentümer ohne Erben. In solchen Fällen (Immobilienbesitz) steht nur dem Staat das Aneignungsrecht zu.

    Aber nachdem die Stadt Eigentümer wurde, besteht immer noch die Wahl zwischen Sanierung, Verkauf oder Abriss. Mir ist nicht bekannt, dass das Haus zum Verkauf angeboten wurde. Bei leeren Kassen lohnt sich zur Zeit nur noch ein Abriss. Denkmalschutz bestand wohl nicht. Aber es müsste in solchen Fällen einen "Ansichtsschutz" für den Straßenzug geben. Es ist auch nicht bekannt, wie lange der herrenlose Zustand schon besteht. Vielleicht seit 1945.

  • vermutlich starb der Eigentümer ohne Erben

    Das muss nicht so sein. Denkbar ist auch, dass sich über Jahre hinweg kein Besitzer ermitteln ließ. Die Stadt Leipzig hat in den 90er Jahren "herrenlose Häuser" einfach an Investoren übergeben, um die Stadtentwicklung voranzutreiben. Daraus wurde dann von interessierter Seite ein Riesenskandal gemacht, da diese Häuser bei genauerer Recherche irgendwelche jüdischen Eigentümer hatten. Letztlich ist es egal, wie eine Stadtverwaltung handelt, es wird immer gemeckert. Häufig verfallen einzelne Häuser deshalb, weil kein Eigentümer da ist, der sich kümmert. Das ist die Kehrseite des Privateigentums. Die Kritik der Elbegeister richtet sich aber trotzdem immer gegen die Politik. Das ist ziemlich unfair. Der Handlungsspielraum der Kommunalpolitik ist begrenzt.


    Aus städtebaulicher Sicht wäre eine Sanierung des Eckhauses am Friedensplatz zu wünschen, aber nun wird es wohl abgerissen.


    Irgendwie kommt mir Dessau wie eine verlorene Stadt vor.

    Du musst aber auch berücksichtigen, dass Elbegeist die Stadt Dessau-Roßlau runterschreibt und eine negative Darstellungsweise bevorzugt.


    Im Gastronomiesektor fehlt das Personal. Es will niemand mehr Nachts und Sonn- und Feiertags arbeiten. Corona hat die Situation nur verschärft.

    In Leipzig boomt der Gastronomiesektor, nachdem fast alle Coronabeschränkungen aufgehoben wurden. Ich habe in den letzten Wochen intensiv Ausschau gehalten, ob irgendwo in Leipzig Auswirkungen eines angeblichen Personalmangels in der Gastronomie zu sehen sind. Ich konnte nichts finden. Dabei wäre das Angebot alternativer Arbeitsplätze in Leipzig sicherlich größer als in Dessau.


    Die Stadt hat bis heute keinen ICE-Anschluss

    Das ist etwas Negatives, deshalb schreibt Elbegeist das. Nicht berichtet hat er hingegen über die Einbeziehung Dessau-Roßlaus in den Schienenverkehr des Mitteldeutschen Verkehrsverbundes (MDV), die zum Fahrplanwechsel im Dezember 2019 erfolgte. In das mitteldeutsche S-Bahn-Netz wurde Dessau Hbf schon vorher integriert. Dadurch verbesserten sich die Verbindungen nicht nur nach Halle und Leipzig, sondern auch darüber hinaus. Die Fahrpreise im SPNV sind durch die MDV-Integration gesunken. Vorteile ergeben sich insbesondere für Dessauer, die nach Halle oder Leipzig fahren und dort den städtischen ÖPNV nutzen. Das ist eine gute Sache.


    Zum ICE-Anschluss: Der Fernverkehr zwischen Berlin und Halle/Leipzig überquert traditionell bei Wittenberg die Elbe. Eine ICE-Linie über Dessau Hbf zu führen, ergäbe verkehrsplanerisch keinen Sinn.

  • Zufällig wohne ich in dieser Stadt und gebe die Meinung vieler Dessauer wieder, soweit sie mit meiner übereinstimmt. Lobgesänge findet jeder ausreichend in den Medien. Keiner versteht z.B, wie man das UBA nach Dessau holen konnte, ohne den Berliner Mitarbeitern eine schnelle Verbindung zu schaffen. Hierzu nun endlich:

    Im Rahmen des „Deutschland-Takts“ werde derzeit eine Schnellverbindung zwischen Berlin und Leipzig untersucht, die über Dessau und Bitterfeld geführt wird, teilt die Regierung mit. Eine abschließende Bewertung des „Deutschland-Takts“ liege derzeit noch nicht vor.

    Eine Aussage über den Niedergang von Kultur und Gastronomie kann kein Auswärtiger treffen, schon gar nicht am Beispiel von Leipzig. Wo ständige Lobhudelei und fehlende Kritik hin führen, wissen wir.

  • Das muss nicht so sein. Denkbar ist auch, dass sich über Jahre hinweg kein Besitzer ermitteln ließ. Die Stadt Leipzig hat in den 90er Jahren "herrenlose Häuser" einfach an Investoren übergeben, um die Stadtentwicklung voranzutreiben. Daraus wurde dann von interessierter Seite ein Riesenskandal gemacht, da diese Häuser bei genauerer Recherche irgendwelche jüdischen Eigentümer hatten. Letztlich ist es egal, wie eine Stadtverwaltung handelt, es wird immer gemeckert. Häufig verfallen einzelne Häuser deshalb, weil kein Eigentümer da ist, der sich kümmert. Das ist die Kehrseite des Privateigentums. Die Kritik der Elbegeister richtet sich aber trotzdem immer gegen die Politik. Das ist ziemlich unfair. Der Handlungsspielraum der Kommunalpolitik ist begrenzt.

    Und warum ist das so? Bist Du jemals recherchierend im Grundbucharchiv in Barby gewesen und hast die total geschwärzten Seiten gesehen? Mit diesem SED-Erbe wurde sehr oft manipuliert. Natürlich völlig unpolitisch.

  • Gibts denn irgendwas Neues vom unsäglichen Schlossplatz? Die werden doch sicher bald beginnen, die durch Rechtsbruch und Wahlfälschung abgesicherte Verunstaltung zu zementieren?

  • Gibts denn irgendwas Neues vom unsäglichen Schlossplatz? Die werden doch sicher bald beginnen, die durch Rechtsbruch und Wahlfälschung abgesicherte Verunstaltung zu zementieren?

    Ich kenne nur den Stand vom März:


    Die Vertragsverhandlungen sind abgeschlossen.

    Man habe sich auf einen Mieter festgelegt.

    „Wir kommunizieren den Namen erst, nachdem der Bauantrag genehmigt wurde.“

    Diesen habe man inzwischen gestellt. Man befinde sich in der Genehmigungsphase.

    Die Stadt Dessau-Roßlau freut sich, dass der Bauantrag unterwegs, aber noch nicht angekommen sei.

    In der Regel dauere die Bearbeitung drei Monate, je nachdem ob noch Unterlagen nachgefordert würden auch etwas länger.

    Grundsätzlich halte man am Plan, das Hotel zu bauen, trotz Pandemie fest.

    Die Pandemie habe keinen Einfluss auf den Plan. Es gäbe auch keine Verzögerungen. Damit dürfte der Baubeginn Ende dieses Jahres sein.

    Zumindest ist am Bauplatz noch kein hoher Wildwuchs zu sehen, wie an der ehemaligen Rodebilleschule.

  • Gibts denn irgendwas Neues vom unsäglichen Schlossplatz? Die werden doch sicher bald beginnen, die durch Rechtsbruch und Wahlfälschung abgesicherte Verunstaltung zu zementieren?

    Könntest Du genauer erläutern, welches Recht gebrochen und welche Wahl gefälscht wurde? Das sind ja schwerwiegende Anschuldigungen...

  • „Wir kommunizieren den Namen erst, nachdem der Bauantrag genehmigt wurde.“

    Vlt sollte man potentielle Mieter schonmal anschreiben, um sie in Kenntnis zu setzen, auf welch zweifelhaftes Objekt sie sich da einlassen werden.

  • Könntest Du genauer erläutern, welches Recht gebrochen und welche Wahl gefälscht wurde? Das sind ja schwerwiegende Anschuldigungen...

    Das ist hier in früheren Beiträgen lang und breit erörtert worden. Es gab einen Bürgerentscheid, die Auszählung der Briefwahlstimmen war (entgegen des Landesrechts) nichtöffentlich und die Ergebnisse wichen höchst signifikant von denen der Wahlurnen ab. Juristische Einsprüche wurden abgeschmettert.