Dessau-Roßlau

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    • Schön, dass es in Dessau dieses Engagement gibt. Jetzt dranbleiben und nicht locker lassen, dann wird das auch was! cclap:)

      Hat hier vielleicht jemand ein historisches Foto von der Stelle, wo jetzt dieses Hotel hinsoll? Bis auf die Projektion auf die Hauswand finde ich bei einer Bildersuche bei Google immer nur andere Perspektiven vom Schlossplatz.

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    • Zitat:
      SPD-Stadtrat Robert Hartmann warnt vor einer vorschnellen Ablehnung der Entwürfe. Er hält eine originalgetreue Rekonstruktion des Gesamtareals für unmöglich. „Es kann nur eine interpretierende Rekonstruktion sein, die aber grundsätzlich nicht den Charme der ehemaligen Bauwerke wiedergeben wird.“ Deshalb müsse zeitgenössische Architektur zugelassen werden, die historische Ideen mit „neuzeitlichen Inspirationen“ aufgreife. „Wir sollten den Mut haben, auch moderne Bauten an diesem Ort zu denken.“
      Immer wieder ist bemerkenswert, wie die Begriffe in solchen Debatten umgedeutet werden. "Zivilcourage" bedeutet ja heute, die Meinung der Mächtigen in Politik, Wirtschaft und Kulturbetrieb aktiv mitzuvertreten. Und "Mut" bedeutet es heute also, zumindest nach Meinung des SPD-Stadtrats, in Altstadtareale modernistische Gebäude zu stellen. Dann waren die Architekten der letzten 70 Jahre ja allesamt ausgesprochen mutig und müssten eigentlich eine Medaille für Zivilcourage erhalten. Der Bau des Technischen Rathauses in Frankfurt war "mutig", der "Palast der Republik" in Berlin war "mutig". Die ganzen unpassenden Würfel, die heute noch in Altstädte gestellt werden, sind offenbar ausgesprochen "mutig". Und eigentlich waren dann doch schon diejenigen, die die Plattenbauten am Dessauer Schlossplatz einst errichtet hatten, "mutige" Kerle. Und wie "feige" müssen dann im Gegenzug in dieser Argumentation doch diejenigen sein, die gegen zahlreiche Widerstände immer wieder versuchen, ein Stück der historischen Stadt wieder zu errichten und damit Stadtreparatur zu betreiben.
    • Villa1895 wrote:

      Zum Schloss in Dessau möchte ich euch gerne eine Tuschezeichnung aus dem Jahre 1880 vorstellen. Sie wurde vom damaligen Architekturstudenten Ernst Richter, * 1856 zu Dessau, + 1937 in Wiesbaden (von Hand) gezeichnet. Diese Tuschezeichnung ist bezeichnet mit: "Portal vom Schlosse zu Dessau."


      Da nach der Wende ein Renaissanceflügel des Schlosses der Herzöge von Anhalt, das als Ruine die Zeitläufte überstanden hatte, wieder aufgebaut wurde, ist es mithin möglich, dass es dieses sehr schöne Poral noch gibt. Sollte das Schloss in der äußeren Gestalt wieder errichtet werden, könnte man dieses sehr reich gestaltete Portal dann ggf. anhand dieser sehr genauen Zeichnung rekonstruieren.

      Hier nun dieses prachtvolle Sitznischenportal. Aus der darunter dargestellten "Grundrisszeichnung" erkennt man rechts und links des Portals schräg gestellte Seitenwände, was für mich den Schluss nahe legt, das Portal könnte sich an einem oktogonalen Turm befunden haben. Falls dem so ist, dürfte dieses Portal als Zugang zu einem Treppenturm gedient haben, was in einem Turm der der Renaissance dann wohl eine Wendeltreppe gewesen sein dürfte.


      Das Portal weist den großen Formenreichtum der Renaissance auf, über dem Portal ein Feld mit den Wappen von Anhalt-Dessau sowie dem Wappen der Gemahlin des damaligen Herzogs. Die große realistische Wirkung dieser Tuschezeichnung wird auch dadurch erzielt, dass das Ganze unter Darstelung von Schatten erfolgte :




      Das Portal befand sich an dem Treppenturm, der in der Ecke zwischen den beiden verschwundenen Flügeln stand. Erhalten blieb von der Dreiflügelanlage der Vorkriegszeit nur der Johannbau mit einem mittig vorgesetzten Treppenturm, der ein sehr schönes Portal der Frührenaissance aufweist. An die Seite des Johannbaus wurden die Reste eines Renaissanceportals versetzt, auf folgendem Foto links zu sehen (bitte dann vergrößern). Dies dürften die Reste des Portals von der schönen Zeichnung sein.

      Im Gotischen Haus, das im Wörlitzer Park liegt, wurde nach dem Krieg ein Renaissance-Interieur aus dem Dessauer Schloss eingebaut, das durch Auslagerung gerettet werden konnte. Holzvertäfelungen mit Adam und Eva sowie anderen Malereien. Dass man dort einen Rest einer einstmals glanzvollen Renaissance-Residenz finden kann, wissen nur wenige.
    • Lieber Rastrelli,

      vielen Dank für deine interessanten Ausführungen zu der Tuschezeichnung des Renaissanceportals, das ich unlängst eingestellt hatte. Ich hoffe sehr, dass das gesamte Schloss zu Dessau zumindest hinsichtlich der Fassaden wieder errichtet wird. Nachdem ich das Bild, auf welches du hingewiesen hast, vergrößert habe, scheint das -leider nur teilweise- erhaltene Portal tatsächlich jenes der Zeichnung von 1880 zu sein. Man könnte anhand dieser Zeichnung die fehlenden Teile ergänzen bzw. wieder herstellen.

      Herzlichen Dank auch auf den Hinweis, dass im Wörlitzer Gotischen Haus Teile der einstmals prachtvollen Dessauer Renaissance Residenz besichtigt werden können. Vor vielen, vielen Jahren habe ich zwar das Gotische Haus im Wörlitzer Park besichtigt, habe aber nur noch wenige Erinnerungen daran (z. B. vor allem an die sehr schönen Fensterscheiben mit Glasmalereien, oftmals Wappendarstellungen). Wenn ich wieder einmal in Wörlitz sein werde, werde ich nicht versäumen, dem Gotischen Haus auf jeden Fall einen Besuch abstatten.

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    • Liebe Villa,

      danke für die netten Worte! Ich finde es schön, dass hier im Forum auch solche Spezialthemen Beachtung finden.

      Im Gotischen Haus bleiben einem sicherlich die Glasmalereien am stärksten in Erinnerung. Fürst Leopold Friedrich Franz hatte sie gesammelt. Sie stammen überwiegend aus der Schweiz. Die fürstliche Kunstsammlung prägt ja das Interieur des Gotischen Hauses, und man könnte meinen, das Renaissance-Zimmer würde auch dazu gehören.

      An einen Wiederaufbau der fehlenden Flügel des Dessauer Schlosses glaube ich nicht. Beide Flügel hatten schlichte Fassaden des 18. Jahrhunderts. Im Stadtgeschichtlichen Museum im Johannbau gibt es historische Ansichten und ein Modell des Schlosses. Den für den Schlossplatz geplanten Hotelbau mit historischen Fassaden zu versehen, halte ich für schwierig, da die frühere Bebauung dort recht klein war. Wie will man so das gewünschte Bauvolumen unterbringen? Ob man die beiden Schlossflügel für das Hotel wiedererrichten könnte? Sicherlich gäbe es da auch wieder Probleme mit Gebäudevolumen, Erschließungswegen, Wirtschaftlichkeitsaspekten usw. Die beiden Investoren und ihre Entwürfe scheinen mir aber gar nicht so schlecht zu sein.
    • Rastrelli wrote:

      An einen Wiederaufbau der fehlenden Flügel des Dessauer Schlosses glaube ich nicht. Beide Flügel hatten schlichte Fassaden des 18. Jahrhunderts. Im Stadtgeschichtlichen Museum im Johannbau gibt es historische Ansichten und ein Modell des Schlosses. Den für den Schlossplatz geplanten Hotelbau mit historischen Fassaden zu versehen, halte ich für schwierig, da die frühere Bebauung dort recht klein war. Wie will man so das gewünschte Bauvolumen unterbringen? Ob man die beiden Schlossflügel für das Hotel wiedererrichten könnte? Sicherlich gäbe es da auch wieder Probleme mit Gebäudevolumen, Erschließungswegen, Wirtschaftlichkeitsaspekten usw. Die beiden Investoren und ihre Entwürfe scheinen mir aber gar nicht so schlecht zu sein.
      1. Was heißt "scheinen mir aber gar nicht so schlecht"? Die beiden Entwürfe wurden ja hier vorgestellt. (Zur Erinnerung siehe hier) Vielleicht sind sie "nicht so schlecht". Aber sind sie auch gut für das historische Herz einer seiner Geschichte stark beraubten Stadt?

      2. Dass die beiden fehlenden Schlossflügel eher schlichte Fassaden hatten, spräche eigentlich für einen Wiederaufbau. Es ist eigentlich eine Art Vorteil. Denn darin könnte das gewünschte Volumen untergebracht werden, und für aufwändige Steinmetz-Arbeiten müsste kein Geld ausgegeben werden. Eventuell können auch noch ein paar Kompromisse als Zugeständnis gemacht werden. (Fassade aus Beton, Turm mit etwas abgespeckter Haube)
      Man muss übrigens nicht das Stadtmodell besichtigen. Es gibt Ansichten im Internet. (Siehe hier, hier)

      3. Probleme mit Erschließungswegen gibt es immer. Stadtplaner sind dazu da, das zu lösen. Es scheint mir im Dessauer Fall keinesfalls unlösbar. Ein Neubau fände nicht inmitten eines Gassengewirrs ohne Feuerwehrzufahrten statt, sondern in einer (vor allem für westdeutsche Vergleichs-Verhältnisse) sehr weiträumigen Stadtstruktur mit viel Spielraum. Was Gebäudevolumen und Wirtschaftlichkeitsaspekte betrifft, liegt das allein in den Berechnungen der Investoren. Es ist nicht Aufgabe der Stadtplanung, die Stadt danach zu planen, wie ein Investor möglichenfalls das Maximum seiner finanziellen Wünsche erfüllt bekommt. Es ist stets ein Ausgleich vonnöten.

      4. Für den Investor ergibt sich allerdings der Vorteil, sein Hotel in einem selten attraktiven Umfeld (Schloss, Schlossplatz) errichten zu können. Das bedeutet, er erhält einen Standortvorteil, kann eventuell etwas mehr Geld für die Zimmer verlangen. Denn Touristen und Reisende zahlen gerne mal 5 Euro mehr, wenn sie in einem tollen Schlossambiente nächtigen können, statt in einer 08/15-Herberge mit Ibis-Charme.
    • Heimdall wrote:

      1. Was heißt "scheinen mir aber gar nicht so schlecht"? Die beiden Entwürfe wurden ja hier vorgestellt.
      Und ich habe sie zur Kenntnis genommen und unter Berücksichtigung des städtebaulichen Umfeldes für mich - bewusst zurückhaltend - bewertet. Heimdall, ich respektiere voll und ganz, dass du die vorliegenden Entwürfe ablehnst. In Architekturdebatten ist es eigentlich normal, dass es unterschiedliche Auffassungen gibt.

      Heimdall wrote:

      2. Dass die beiden fehlenden Schlossflügel eher schlichte Fassaden hatten, spräche eigentlich für einen Wiederaufbau. Es ist eigentlich eine Art Vorteil. Denn darin könnte das gewünschte Volumen untergebracht werden.
      Die Kubatur des Gebäudes wird von den historischen Fassaden vorgegeben. Größe und Anordnung der Fenster wirken sich wiederum auf die Anlage der Innenräume aus (Geschosshöhen, Mindestbreite der Zimmer usw.). Die Idee, für die Hotelnutzung das Schloss zu rekonstruieren, wird in der Dessauer Debatte übrigens gar nicht ernsthaft verfolgt. Der Gedanke war mir spontan gekommen. Die in der Schlossplatzdebatte gewünschten historischen Fassaden beziehen sich auf andere Gebäude am Platz.
    • Du hast natürlich recht, dass sich die Fenster auf die Innenräume auswirken. Es wäre eben Aufgabe eines kreativen Architekten, das Haus unter Berücksichtigung dieser Vorgaben durch einen neuen Grundriss mit Leben zu füllen. Die Idee fände ich zumindest reizvoll. Danke für den Hinweis, dass derzeit nur über den Schlossplatz diskutiert wird. Ich bin nicht vor Ort und nicht immer auf dem aktuellen Stand der Diskussion. Vielleicht aber wäre es gar nicht schlecht, das Schlossareal in eine Neuordnung des Bereichs einzubeziehen, also einen "größeren Wurf" zu wagen.
    • Ich brauche euren Rat:

      Wir können demnächst unsere Ideen bezüglich einer Überarbeitung der bestehenden DDR-Plattenbauten an der Straße "Am Lustgarten" einbringen. Sie werden über kurz oder lang saniert und die Frage ist, wie das geschehen könnte, um sie ästhetisch ein wenig an die Qualität von Johannbau und der Vorkriegsbebauung anzupassen.

      Bitte keine Polemik ("Abreißen, neu bauen") sondern mit dem Bestehenden unter Hinzufügung neuer Fassadenelemente und Gliederungsmöglichkeiten einen abwechslungsreicheren Gesamteindruck schaffen.

      Ich bin gespannt auf eure Vorschläge!

    • Dazu sollte man zumindest Folgendes wissen:

      1. ) Wie denn die Vorkriegbebauung aussah. Gibt es dazu Bilder, Fotos etc.?

      2.) Grenzte die Vorkriegsbebauung mit Wohnhäusern direkt an den Lustgarten an?

      3.) Befand sich dort am Rande des Lustgartens vielleicht eine Orangerie oder ein Marstall, die dann vermutlich wesentlich niedriger gewesen sein dürften, als die jetzigen mehrstöckigen Wohnhäuser ?

      Unabhängig von den oben aufgeworfenen Fragen, wäre es sicherlich gut, wenn die Gebäude, die saniert werden sollen, Fenster mir Sprossen bekämen. Vielleicht Faschen um Fenster und Haustüren, falls die Häuser Flachdächer haben, stellt sich die Frage, ob man nicht ein Ziegeldach, möglichst mit Dachgauben (aber keine so klobigen, wie diese derzeit modern sind) anbringen könnte?
    • Es geht nicht um eine Adaption des Vorkriegszustandes, da wir hier versuchen müssen, mit wenig ökonomischem Aufwand ein Maximum an ästhetischem Zugewinn zu generieren.
      Informationen über das, was da vorher stand, habe ich bewusst weggelassen, ich setzte es in dem Strang beinahe schon voraus ;)

      Es war die nördlich angrenzende, kleinteilig bebaute Umgebung von Schloss, Orangerie und Zeughaus, aber die Straße "Am Lustgarten" mit der heutigen Blockstruktur existierte vor 1945 gar nicht. Es gibt hier also keine Fassadenrekos, die infrage kommen, sondern die Aufgabe kann nur sein, eine regionaltypische, die historische Bebauung der Umgebung zitierende und weiterentwickelnde Variante zu finden.

      An der Schlossstraße, teilweise schon im Bereich des geplanten Hotelbaus, gab es Schlossstraße 3 und 9, die markant waren. Zur ebenfalls das Bebauungsgebiet streifenden Muldstraße habe ich bislang nichts an Bildern finden können.

      Das Luftbild der Schlossstraße mit Blick nach Norden gibt gut die ehemalige Bebauung wieder, viel zu niedrig für heutige Nutzungsverhältnisse und für die bestehende Bebauung, die Straße "Am Lustgarten" noch nicht existent. Hier muss sehr frei adaptiert werden.
      Images
      • Schlossstraße 9.jpg

        81.42 kB, 480×600, viewed 24 times
      • Schlosstraße 3, Haus Beringer.jpg

        86.82 kB, 480×600, viewed 19 times
      • Schlossstraße Luftbild vor 45.jpg

        113.69 kB, 885×472, viewed 32 times
    • Ich bin da bei Villa1895. Ganz besonders wichtig sind die Fensterformate. Dort müssen klassische Holzfenster mit entsprechender Sprossung rein. Auf deinen historischen Bildern sehe ich um die Fenster jeweils Faschen. Das wäre mit geringem finanziellen Aufwand auch bei den Plattenbauten zu machen.
      Auch sollte er auf fassadengliedernde Gesimse und Satteldächer setzen. Satteldächer kann man ihm damit schmackhaft machen, dass er ein Geschoss mehr Nutzungsfläche generieren könnte.