Dessau-Roßlau

  • Auch wenn ich kein Freund dieser bunten Farben, zeigen die sanierten Plattenbauten in Königsberg doch ganz gut, wie viel man rausholen kann:

    Das wäre in der Tat (an Dessauer Regionaltypik angepasst) das absolute Maximum dessen, was wünschenswert wäre, vlt eine Spur weniger verkitscht. Aber auch dann, so befürchte ich, wird das in Dessau auf Widerstand stoßen. Doch sollten solche Vorschläge in jedem Fall an die Öffentlichkeit, um den Druck auf die "unmodern modernistische" Stadtverwaltung zu erhöhen. An öffentlichem Druck wirds in dieser Stadt nicht fehlen^^ !

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    Wobei die gezeigten Kaliningrader Platten ja nicht mal das übelste der Platten waren (sind das überhaupt Plattenbauten?), sondern eigentlich bereits relativ gefälliger Wiederaufbau-Durchschnitt. Sie gehen ein wenig in Richtung Wilsdruffer Straße in Dresden.

    Ja, das sind Plattenbauten, Chruschtschowki, mutmaßlich vom Untertyp 1-464, der etwa von 1959 bis 1965 gebaut wurde. Heimdall, sie erscheinen dir auf den Fotos besser, als sie sind. Dazu müsstest du auch die Wohnungen innen kennen. Die Wohnbauten in der Dresdner Ernst-Thälmann-Straße (heute Wilsdruffer Straße) sind etwa zur gleichen Zeit entstanden, aber wesentlich bessere Bauten. Es sind individuelle Projekte (keine Typenbauten) mit Laubengängen und zwei Geschossen für Läden und gastronomische Einrichtungen, errichtet in traditioneller Bauweise (also keine Platten). Die Dessauer Plattenbauten, um die es uns geht, sind mehr als 20 Jahre jünger als die Kaliningrader Häuser.


    Übrigens gab es auch Chruschtschowki in Ziegelbauweise. Sie sind leicht zu erkennen, weil sie grundsätzlich nicht verputzt wurden. Das war billiger, sah aber auch extrem hässlich aus. In der DDR wurden Ziegelbauten hingegen immer verputzt. Sie erhielten den kultigen DDR-Rauputz. Die DDR-Wohnungsbauserien waren eigenständige Entwicklungen und besser als ihre sowjetischen Verwandten. Das bedeutet: Wenn man in Kaliningrad so ästhetisch ansprechende Sanierungsergebnisse erzielen kann, dann geht das bei den Dessauer Bauten erst recht. Zu berücksichtigen sind allerdings unterschiedliche Baukosten und Bauvorschriften in beiden Ländern.

  • Debatte um Schloßplatzgestaltung: DWG und Bauunternehmer lehnen Rückbau ab


    Die Diskussionen um die Schlossplatzgestaltung gehen weiter. Es geht diesmal um ein vorhandenes Bürogebäude und einen Wohnblock der DWG. Die "Mitteldeutsche Zeitung" vom 8. März berichtet dazu.
    Debatte um Schlossplatzgestaltung

    Edited once, last by Element7: Link angepasst. ().

  • Leider haben die meisten Bürger Dessaus immer noch nicht erkannt, dass es sich hier weniger um ein gestalterisches, als vielmehr um ein rein politisches Problem handelt. Eine Bauhausstadt lässt in und neben sich keine Historisierung zu.

  • Diese politisch-ideologische Debatte muss sich die Stadt ja nicht selbst aufzwingen, wozu denn?
    Gerade hier könnte Dessau zeigen, wie gut eine Versöhnung von Moderne und Klassik möglich ist, und dass eine Stadt durchaus für beides repräsentativ sein kann - siehe das diesbezüglich verwandte Weimar, das viel mehr Besucher aus aller Welt anzieht (warum wohl?)...

  • Könnte, ja. Aber das ist nicht gewollt. Es gab nie eine Bürgerbefragung zur Bauhausstadt, denn sonst wäre auch eine Junkers-Stadt ins Spiel gekommen. Da Dessau im 3.Reich extrem rechts belastet war, will man nun das Pendel in die Gegenrichtung schlagen lassen. Und zwar kompromisslos.

  • Das ist ja nun auch wieder so eine Opfermentalität... Warum begegnet mir sowas hier ständig, warum immer als erstes die Ohnmacht wählen? Reagieren oder agieren, das ist doch hier die Frage. Es sind nur einige wenige Leute an den Hebeln, mit denen ein Deal gemacht werden muss. Dafür muss mit diesen Leuten gesprochen werden. Vom Jammern im Forum passiert das nicht.


    Ja, bin mittlerweile extrem allergisch auf diese Einstellung "das geht hier nicht, weil das ist ja (politisch blabla) nicht gewollt".

  • Nimm es mir bitte nicht übel. Es geht, wie bundesweit, auch in Dessau nicht um einzelne Personen, mit denen man reden könnte. Der Fachbegriff für die reale Situation ist "Filz". Und dagegen kämpfen selbst Götter vergebens. Den Bürgern wurden mit dem Ergebnis der Ausschreibung angeblich unabänderbare Tatsachen vorgelegt und bei Nichteinhaltung mit den üblichen Konsequenzen gedroht. Wie das ausgeht, kann sich jeder denken.

  • Und nimm du es mir bitte nicht übel, wenn ich sage, dass du es dir intellektuell zu bequem machst, indem du das Problem auf eine undefinierbare Macht wie "Filz" schiebst und dich aus der Handlungsmöglichkeit in eine Opferrolle begibst. Wenn du das so möchtest, dann mach das bitte für dich im Stillen, statt hier in einem öffentlichen Forum andere mit diesem Denken anzustecken und kleinzuhalten, was Lösungen verhindert.


    Ich weiß du bist neu hier - willkommen. Ohne "Eichvorgang" geht's aber offenbar nicht, alle 4 Beiträge von dir waren bisher von diesem Ton geprägt. Ich nehme an, du kannst auch anders, und hoffe auf künftig konstruktivere und produktivere Beiträge von dir! :thumbup:

  • Danke für das Willkommen. Aber angesichts des Oberflächen-Geplänkels fühlte ich mich bewogen, mal in die Tiefe zu gehen. Aber keine Angst, ich halte mich zukünftig zurück.

  • Debatte um Schloßplatzgestaltung: DWG und Bauunternehmer lehnen Rückbau ab


    Die Diskussionen um die Schlossplatzgestaltung gehen weiter. Es geht diesmal um ein vorhandenes Bürogebäude und einen Wohnblock der DWG. Die "Mitteldeutsche Zeitung" vom 8. März berichtet dazu.
    Debatte um Schlossplatzgestaltung


    Bei mir funktioniert der Link nicht.
    Deshalb poste ich ihn nochmals...
    https://www.mz-web.de/dessau-r…hnen-rueckbau-ab-32183648

  • Ein erster Versuch einer Fassadenüberarbeitung, noch nicht fertig. Natürlich nur eine Spielerei per Paint, mehr nicht. Man beachte die Zitate der Johannbau-Giebel als Abschluss der Balkonrisaliten. Ansonsten habe ich nur versucht, klassisch-traditionelle Elemente mit einzubringen.

    Ich vermisse bei der Fassadendiskussion die Tatsache, dass alle Blöcke am Rand der interessierenden Bereiche im Erdgeschoss besucherfreundlich gemacht werden und keinen Wohnungen, sondern Geschäften und Dienstleistungen vorbehalten bleiben müssen. Dies gilt insbesondere auch für die Blöcke an der Westseite des großen Marktes, wo u.a. die ehemaligen "Drei Kronen" standen (Wallensteins Quartier)

  • Ich vermisse bei der Fassadendiskussion die Tatsache, dass alle Blöcke am Rand der interessierenden Bereiche im Erdgeschoss besucherfreundlich gemacht werden und keinen Wohnungen, sondern Geschäften und Dienstleistungen vorbehalten bleiben müssen.

    Keine Sorge, den Aspekt habe ich bereits auf dem Schirm. Das ließe sich sogar ganz gut machen,weil gerade die Ecken der Blöcke bis zum Straßenraum noch viel ungenutzte Rasenfläche aufweisen, die man überbauen könnte-falls dafür Bedarf da wäre.

  • Natürlich nicht von denjenigen Touristen, die nur schnell zu den gewünschten Sehenswürdigkeiten herangekarrt werden und dann genau so schnell wieder verschwunden sind. Aber Dessau hat eine Jahrhunderte alte Geschichte, die man in die alte historische Substanz fassen und damit neue Klientel erschließen könnte. Das beginnt beim alten Leopold. Als Gegenstück zur Moderne braucht es Themen, die insbesondere für Kinder anziehend sind. Der Schlossplatz mit seinem Übergang zur Mulde bietet sich geradezu dafür an. Man müsste nur wollen.

  • Aber Dessau hat eine Jahrhunderte alte Geschichte, die man in die alte historische Substanz fassen und damit neue Klientel erschließen könnte. Das beginnt beim alten Leopold. Als Gegenstück zur Moderne braucht es Themen, die insbesondere für Kinder anziehend sind. Der Schlossplatz mit seinem Übergang zur Mulde bietet sich geradezu dafür an. Man müsste nur wollen.

    Interessante Gedanken. Kannst du deine Idee mehr präzisieren?

  • Interessante Gedanken. Kannst du deine Idee mehr präzisieren?

    Bei dem genannten Areal handelt es sich um den historischen Ursprung der mittelalterlichen Stadt . Es betrifft den kleinen Markt, die Marienkirche, das Schloss und die Schlossstraße. Hier ist die lokale Geschichts- und Sagenwelt angesiedelt. Das beginnt beim "Krötenring" und setzt sich fort bei Karl Mays übernommenen oder erdichteten Geschichten vom "Alten Dessauer". Auch die Gebrüder Grimm übernahmen mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Dessauer Episode in ihr Märchen vom König Drosselbart. Alle damit verbundenen Baulichkeiten, insbesondere die Apotheke der Geliebten und späteren Gattin Leopolds, die Gaststätte, Hauptwache, Orangerie, das Schloss und das Areal bis zur Mulde (auch wenn es den unterirdischen Gang aus dem "Krötenring" nicht gab) sollten für eine moderne Bebauung absolut tabu sein, bis sich in Dessau eine neue Genration von Stadtvätern findet, die wie in Bremen oder Hameln, nicht zähneknirschend, sondern mit dem nötigen Schmunzeln das Thema angeht. Natürlich nur, wenn die Mehrheit der Einwohner dies auch wünscht. Touristen mit Kindern wären sicherlich zu begeistern.

  • Ich brauche euren Rat:


    Wir können demnächst unsere Ideen bezüglich einer Überarbeitung der bestehenden DDR-Plattenbauten an der Straße "Am Lustgarten" einbringen...

    Ein Nachtrag. Manchmal liegt das Richtige so nahe. In den 50er Jahren hat man ja bereits in Dessau recht traditionell und mit Ortsbezug gebaut. Vielleicht könntet Ihr die Bauten in der Kavalierstraße als Vorbild nehmen?


    https://goo.gl/images/KP5LDU

  • Ein Nachtrag. Manchmal liegt das Richtige so nahe. In den 50er Jahren hat man ja bereits in Dessau recht traditionell und mit Ortsbezug gebaut. Vielleicht könntet Ihr die Bauten in der Kavalierstraße als Vorbild nehmen?
    https://goo.gl/images/KP5LDU

    Die DDR-Architektur war durch die damaligen Versorgungslage bestimmt. Es gab kaum Waren und Dienstleistungen. Deshalb konnten die Gebäude auch im Stadtzentrum bis ins Erdgeschoss als Wohnungen konzipiert werden. Ein für ein Zentrum eigentlich völlig unhaltbarer Zustand, der nur der allgemeinen Wohnraumknappheit zu Gute kam. Wer durch die Straßen lief, blickte nicht auf Schaufenster, sondern nur auf öde Eingänge. Das macht ein Zentrum völlig unattraktiv und darf heute nicht wiederholt werden.