Dessau-Roßlau

  • @Centralbahnhof
    Das ist ziemlich unsachlich, was du da schreibst. Du bastelst dir auf die Schnelle ein billiges Feindbild, aber ich bin an der städtebaulichen Misere ganz bestimmt nicht schuld.


    Dessau-Roßlau, Blick auf die Dessauer Innenstadt mit Rathaus und Marienkirche (Foto: Sven Scharr, März 2009, CC-BY-3.0)


    Bei dem Projekt geht es darum, den Plattenbau hinter dem Chor (und südöstlich) der Marienkirche durch ein modernes Hotel zu ersetzen, viergeschossig und mit heller Fassade. Kann man denn behaupten, dass es in diesen städtebaulichen Kontext nicht passen würde? Die Idee von @Elbegeist, dann lieber auf eine günstigere Gelegenheit für eine historisierende Bebauung zu warten, teile ich in dem konkreten Fall nicht. Der banale Plattenbau aus den 80er Jahren, der schon lange leersteht, sendet ein verheerendes Signal von Stillstand und Trostlosigkeit im Zentrum der Stadt aus. Wenn dort nun investiert wird, könnte das durchaus die Schlossplatzgegend beleben und einen Impuls für eine weitere Entwicklung geben. Immerhin haben sich 30 Prozent der Abstimmungsteilnehmer für das Hotelprojekt ausgesprochen. Es gibt also nicht wenige Menschen, die gewisse Hoffnungen mit dem Bauprojekt verbinden.


    In Prenzlau hatte vor einigen Jahren ein Bürgerentscheid Erfolg und setzte gegen den Willen des Rathauses eine alternative Bebauung des Marktberges durch. Sie ist kleinteilig, aber modern. @Lupi gefällt das nicht. Die Details könnt ihr im Thema "Prenzlau" nachlesen.


    Ich verstehe eure Enttäuschung über den Ausgang des Bürgerentscheids. Letztlich habe ich mit meinem Beitrag oben nur versucht, das beste aus dem Ergebnis zu machen.

  • Rastrelli, das Bild sagt eigentlich alles darüber aus, wie unrettbar verloren Dessau auf sehr lange Zeit städtebaulich ist, zumindest, wenn sich an der öden Plattenstruktur nichts Signifikantes ändert. Bürgerentscheide sind wirklich das falsche Mittel und Politiker zu beratungsresistent,um bei denen eine einmal gefasste Meinugn zu ändern. Könnt denen ja als Schwäche ausgelegt werden und so weiter.

  • Einige von euch, die hier schreiben, haben sich ja sehr für den Bürgerentscheid engagiert. Das habe ich vorhin nicht bedacht. Daher waren meine Äußerungen wohl etwas unsensibel. Es war aber nicht böse gemeint.


    Die andere Argumentationslinie ist natürlich auch verständlich: Gerade bei dem Stadtbild wäre ein Neuanfang mit historisierender Bebauung wünschenswert.


    Dessau ist eine schwierige Stadt. Besonders schade finde ich, dass das Bauhaus-Museum, das in wenigen Tagen eröffnen soll, nun auch kein Hingucker wird. Die Investitionssumme war nicht sehr hoch, aber etwas interessanter und bauhausgemäßer hätte man trotzdem bauen können.

  • Kann man denn behaupten, dass es in diesen städtebaulichen Kontext nicht passen würde? Die Idee von @Elbegeist, dann lieber auf eine günstigere Gelegenheit für eine historisierende Bebauung zu warten, teile ich in dem konkreten Fall nicht. Der banale Plattenbau aus den 80er Jahren, der schon lange leersteht, sendet ein verheerendes Signal von Stillstand und Trostlosigkeit im Zentrum der Stadt aus. Wenn dort nun investiert wird, könnte das durchaus die Schlossplatzgegend beleben und einen Impuls für eine weitere Entwicklung geben. Immerhin haben sich 30 Prozent der Abstimmungsteilnehmer für das Hotelprojekt ausgesprochen. Es gibt also nicht wenige Menschen, die gewisse Hoffnungen mit dem Bauprojekt verbinden.

    Es ist doch ein gewaltiger Unterschied, ob man die Umgebung eines Platzes aus der Vogelperspektive oder aus der Blickhöhe eines Besuchers betrachtet. Und aus Letzterer wird man jede Spur von anheimelnder Behaglichkeit vermissen, wie bei allen eckigen Betonkonstruktionen auch. Aber ich fürchte, die jüngere Generation legt darauf keinen Wert mehr.

  • Rastrelli, das Bild sagt eigentlich alles darüber aus, wie unrettbar verloren Dessau auf sehr lange Zeit städtebaulich ist, zumindest, wenn sich an der öden Plattenstruktur nichts Signifikantes ändert. Bürgerentscheide sind wirklich das falsche Mittel und Politiker zu beratungsresistent,um bei denen eine einmal gefasste Meinugn zu ändern. Könnt denen ja als Schwäche ausgelegt werden und so weiter.

    Das Einzige, was im Ergebnis dieser Abstimmung geschehen wird, ist ein Freischein für zukünftige "Hinter der Tür" - Manipulationen, um mit allen nur denkbaren Mitteln Investoren herbei zu locken. Die Wahrheit bleibt dabei oft auf der Strecke. Und wenn ich hier hinschreiben würde, mit welcher Information vor Jahren eine Behörde einer Nachbarstadt potenzielle Investoren warnte, in Dessau zu investieren, dann würden zukünftig alle fern bleiben. Und das möchte ich nicht.

  • Ich möchte den Diskussionsstrang nicht durchtrennen, aber was nun passieren sollte ist klar: Es muss eine Analyse darüber stattfinden, was gut und was schlecht lief, wo noch Potential gewesen wäre und welche Kanäle (z.B. in den sozialen Medien) man noch besser hätte für das Anliegen bespielen können. Denn letztlich ging es einzig und allein um eine Informationskampagne mit meinungungsbildendem Charakter (um es mal fachlich auszudrücken).


    Von daher: Der Drops für dieses Vorhaben scheint gelutscht zu sein. Nun ist es an uns allen (und den Partnervereinen) ihr Wissen über solche Reko-Kampagnen zu bündeln und für zukünftige Projekte dieser Art zu dokumentieren und anzuwenden.


    Da ich selbst nur Mitleser war und beiläufig in unscheinbarem Maße unterstützt habe, sollen sich meine Worte an die Verantwortlichen richten. Mit @Manuel Re hatte ich darüber bereits gesprochen. Wäre schön, wenn man die Erkenntnisse in irgendeiner Weise im geschlossenen Vereinsbereich aufbereiten könnte.

  • OffTopic: So eine hässliche deutsche Innenstadt habe ich ja bisher überhaupt noch nicht gesehen. Dagegen ist Pforzheim ja direkt malerisch.
    Umso schwerer zu begreifen, dass man nichtmal genügend Leute mobilisieren könnte, um die Chance zu haben dieses Elend wenigstens ein klein wenig zu mildern.
    Ich glaube, dass für dieses Stadtbild - spätestens nach dem Ergebnis gestern - nichts mehr zu retten ist.

  • @Königsbau


    Es gibt durchaus ansehnliche, neoklassizistische Stalinbauten und Altbauten in der Altstadt. Die Zerbster Straße ist auch ganz nett. Nördlich und westlich des Rathauses. Der gezeigte Bereich ist eigentlich der schlimmste.


    Johannisstrasse


    Kavalierstrasse

    Unsere große Aufmerksamkeit für die Belange des Denkmalschutzes ist bekannt, aber weder ökonomisch noch kulturhistorisch lässt es sich vertreten, aus jedem alten Gebäude ein Museum zu machen. E. Honecker

  • OffTopic: So eine hässliche deutsche Innenstadt habe ich ja bisher überhaupt noch nicht gesehen. Dagegen ist Pforzheim ja direkt malerisch.
    Umso schwerer zu begreifen, dass man nichtmal genügend Leute mobilisieren könnte, um die Chance zu haben dieses Elend wenigstens ein klein wenig zu mildern.
    Ich glaube, dass für dieses Stadtbild - spätestens nach dem Ergebnis gestern - nichts mehr zu retten ist.

    Am Stadtbild ist tatsächlich nichts mehr zu retten. Aber vielleicht lässt sich für die Bewahrung der Geschichte dieser Stadt noch etwas tun. Das Gasthaus "Zum Alten Dessauer" könnte im Eck des Hotels eingerichtet werden. Daneben die "Alte Apotheke", wo die Tochter des Inhabers den Fürsten so bezirzte, dass er sie als Bürgerliche gegen allen Widerstand ehelichte. Immerhin wird ja immer noch das Leopoldsfest jährlich gefeiert, so dass kaum mit politischem Widerstand zu rechnen wäre.

  • An der Ecke Johannis- F.v.Schillstraße waren gottseidank das Schwabehaus und die Bäckerei stehen geblieben. Aber in Letzterer fiel die bekannte Gaststätte "Goldener Stern" spät nach der Wende dem Abriss zum Opfer, nachdem sie aus spekulativen Gründen vergammeln musste.

  • Ich möchte den Diskussionsstrang nicht durchtrennen, aber was nun passieren sollte ist klar: Es muss eine Analyse darüber stattfinden, was gut und was schlecht lief, wo noch Potential gewesen wäre und welche Kanäle (z.B. in den sozialen Medien) man noch besser hätte für das Anliegen bespielen können. Denn letztlich ging es einzig und allein um eine Informationskampagne mit meinungungsbildendem Charakter (um es mal fachlich auszudrücken).


    Von daher: Der Drops für dieses Vorhaben scheint gelutscht zu sein. Nun ist es an uns allen (und den Partnervereinen) ihr Wissen über solche Reko-Kampagnen zu bündeln und für zukünftige Projekte dieser Art zu dokumentieren und anzuwenden.


    Da ich selbst nur Mitleser war und beiläufig in unscheinbarem Maße unterstützt habe, sollen sich meine Worte an die Verantwortlichen richten. Mit @Manuel Re hatte ich darüber bereits gesprochen. Wäre schön, wenn man die Erkenntnisse in irgendeiner Weise im geschlossenen Vereinsbereich aufbereiten könnte.

    Was soll man denn gegen die Vorschrift unternehmen, dass Grundstücksgeschäfte nur nichtöffentlich behandelt werden dürfen? Hier sind doch Kungelei und Schmieren Tür und Tor geöffnet!

  • Grundstücksverkäufe werden auch in Kopenhagen nichtöffentlich behandelt. So ungewöhnlich ist es nicht, da eine Veröffentlichung wirtschaftliche Konsequenzen für Bieter haben könnte.

    Unsere große Aufmerksamkeit für die Belange des Denkmalschutzes ist bekannt, aber weder ökonomisch noch kulturhistorisch lässt es sich vertreten, aus jedem alten Gebäude ein Museum zu machen. E. Honecker

  • Grundstücksverkäufe werden auch in Kopenhagen nichtöffentlich behandelt. So ungewöhnlich ist es nicht, da eine Veröffentlichung wirtschaftliche Konsequenzen für Bieter haben könnte.

    Aber hier beginnen alle Probleme.

  • Da wirkt so gar Kassel fast besser.


    (...)


    Ähnlich Trist und Grausam sieht es um den einst wunderbaren Marktplatz in Zerbst aus.
    https://www.nuernbergluftbild.de/images/S08071016.JPG


    Kassel wirkt oberflächlich gesehen besser, aber in Kassel wurde die städtebauliche Struktur der Altstadt sehr stark zerstört. Außerdem ging man dort schändlich mit den erhaltenen Ruinen um, im Gegensatz zu Dessau, dass z.B. den Johannbau des Schlosses wieder aufgebaut hat.


    Am Marktplatz von Zerbst besteht die Chance, einmal das historische Rathaus zu rekonstruieren. Es läge bei den Baumreihen südwestlich der Kirchtürme auf dem Luftbild.

  • Ich komme ja aus Kassel und da ist es eigentlich noch viel viel viel schlimmer.
    In Dessau ist ja das alte Straßengefüge noch erhalten.


    Kassel fast gar nicht.
    Eine Handvoll Straßen läuft ungefähr noch auf VK Grundriss.
    Der Rest gekappt,verschwunden oder verbreitert.
    Und noch 2 Stadtautobahnen einmal quer durch die ehemalige Autobahn.

  • Das Ergebnis des Bürgerentscheids ist nun amtlich. Änderungen gibt es nicht. Wahleinsprüche sind nicht möglich. Nur eine Klage wäre zulässig.(MZ)
    Damit wird der hässlichste Entwurf von vieren an eine empfindliche Stelle gesetzt, obwohl er auch an einem anderen Standort die hochgelobten Vorteile hätte entfalten können.
    Die beschämend niedrige Wahlbeteiligung lag in Rosslau bei 9,5 bis 12,7 Prozent (verständlich). In D-Mitte bei 17 bis 20 Prozent. Nur in Haideburg, Törten und Ziebigk um 30 Prozent. (MZ) (In letzteren Orten wohl höherer Anteil an Intelligenz.)

  • "hässlichste Entwurf" > "beschämend niedrige Wahlbeteiligung"



    So leid es mir für die Befürworter und die Bewegung im Allgemeinen tut: So sieht Demokratie aus. Wer es nicht für nötig hält sein Land mitzugestalten (offenbar zwischen 80-90%), hat in dem Fall auch keine ästhetische Altstadt verdient. Ganz einfache Rechnung.

  • "hässlichste Entwurf" > "beschämend niedrige Wahlbeteiligung"



    So leid es mir für die Befürworter und die Bewegung im Allgemeinen tut: So sieht Demokratie aus. Wer es nicht für nötig hält sein Land mitzugestalten (offenbar zwischen 80-90%), hat in dem Fall auch keine ästhetische Altstadt verdient. Ganz einfache Rechnung.

    Ich kann dir nicht ganz zustimmen. Man kann nicht von einer homogenen Bevölkerung ausgehen. Es gibt zwar einen hohen Prozentsatz Älterer, die das alte Dessau noch kennen und es sich zurückwünschen, aber einen noch höheren Anteil Jugend und junges Mittelalter, also hipp-hopp-tralala-Kandidaten, denen es völlig schnuppe ist, wie die Stadt aussieht. Die Jugend war nach Aussage der Wahlhelfer fast nicht erschienen. Und der Rest reichte nicht.

  • hipp-hopp-tralala-Kandidaten, denen es völlig schnuppe ist, wie die Stadt aussieht

    Ich weiß was Du meinst. Daher sprach ich auch ein paar Seiten zuvor an, dass man in der Nachbesprechung herausfinden sollte, wo man noch hätte mehr machen können. Wenn die Jugend / jungen Erwachsenen der Knackpunkt gewesen ist, hätte man den Fokus auf diese Zielgruppe richten müssen. Medienformate, die auf soziale Medien zugeschnitten gewesen wären. Oder man hätte sich einen jungen YouTuber angeln können, der die jungen Leute dafür sensibilisiert hätte.


    Und bitte nicht falsch verstehen: Ich will nicht die Klugscheißerrolle im Nachhinein einnehmen und erst Recht will ich die Bemühungen der Verantwortlichen nicht kleinreden. Wie ich mitbekam, ist sehr viel Zeit und auch Geld in das Vorhaben geflossen. Es geht einzig und allein darum, sich für zukünftige Projekte wie diese zu sensibilieren.