Frankfurt a.M. - Salzhaus und Haus Frauenstein

  • Ich halte das Frauenstein-EG weitgehend für Original. Und zwar wegen der sichtbaren Ausbesserungen am Material, bzw. wegen der "Verlängerung" nach oben hin um mit dem Salzhaus eine gemeinsame Geschosshöhe zu erreichen (hätte man das EG neu gefertigt wäre es einfacher gewesen bei den Fensterformaten oder im Sockelbereich etwas zu "strecken").

  • Es gibt detaillierte Nachkriegsbilder, leider aus zu großer Nähe aufgenommen.


    Haus Frauenstein


    Salzhaus, Braubachstraße

    Bildquelle jeweils: http://www.bildindex.de / LDA Hessen (unbekannter Fotograf)

    Schön ist das, was ohne Begriff allgemein gefällt.
    (Immanuel Kant)

  • Ich betrachte das Erdgeschoss von Haus Frauenstein auch als original in situ erhalten. Das Foto von der Baustelle der beiden heutigen Bauten Salzhaus und Frauenstein zeigt die Erdgeschossfassade von letzterem. Hätte man dieses damals dem neuen Erdgeschoss vorgeblendet, wäre es sicher vor den Bauarbeiten abgebaut und eingelagert worden. Wenn man genau hinsieht, erkennt man hinter den Gerüststangen die Kämpfer zwischen den Fenstern und Oblichtern, sowie die leichten Stichbogen der Stürze der Oblichter. Auch das schmiedeeiserne Gitter des linken Oblichts erkennt man, nicht mal dieses wurde vorübergehend geborgen! Ich finde das noch erstaunlich, denn nach Bränden ist das Mauerwerk oft arg geschädigt (ausgeglüht), auch wenn man das von aussen nicht erkennen kann. Ich vermute aber, dass an seiner Innenseite Betonstützen vorbetoniert worden sind, um wieder eine Tragfähigkeit zu erhalten. Der Neubau hat ja viel mehr Gewicht als das alte Haus, das ein verputzter Fachwerkbau war.


    Auf die Fotoseite, aus der ich die Fotogragfie habe, komme ich heute Abend zurück. Das ist ein sehr interessante Seite, die hier meines Wissens noch nie verlinkt worden ist. Sie ist voll von Fotos aus der Wiederaufbauzeit in den 40er und 50er-Jahren, und zeigt Vergleiche mit dem heutigen Zustand! Dazu kommen noch die wichtigsten baugeschichtlichen Erläuterungen.
    Für diejenigen, die nicht bis heute Abend warten können:
    http://www.harald-reportagen.de/Roemer/Roemer.php



    Zum "Salzhaus":

    Also auf dem bekannten Farbfoto von Paul Wolff, aufgenommen am 23./24.03.1944 ist das Erdgeschoss bereits bis auf einen Rest an der Braubachstraße zusammengebrochen. Dieser dürfte spätestens 1947 beim Abbruch des Staffelgiebels mit zusammengebrochen sein. Es dürfte sich um eine komplette Neuanfertigung ohne Verwendung von Spolien handeln.

    Die FNP hatte dazu mal eine Fotostrecke gepostet: Dort ist glaube ich u.a. auch das Foto mit dabei.

    In der Serie der FNP sieht man nirgends das Erdgeschoss des Salzhauses. Das 1. und 5. Bild sind ja identisch, und das 8. Bild zeigt dieselbe Situation. Das Erdgeschoss ist durch die Ruine des "Steinernen Hauses" verdeckt. Dafür steht aber noch die mächtige Brandwand mit Staffelgiebel zwischen dem "Salzhaus" und "Haus Wannebach".


    @ Götzenhainer: meinst du ein anderes Bild von P. Wolff, oder ist es dieses in der Bilderstrecke der FNP?
    Mir kommt im Moment kein Bild in den Sinn, wo man die Erdgeschossruine zur Braubachstrasse hin sieht. Der Wikipedia-Artikel zum "Salzhaus" entstammt grösstenteils der Feder von RMA. Wenn so ein Ruinenbild irgendwo existieren würde, hätte er es doch sicher im Artikel verwendet, oder zumindest darauf hingewiesen.


    Edit. 1 Minute später: ich sehe gerade, dass sich der vorangehende Beitrag und mein Beitrag gekreuzt haben. Danake für das Einstellen der beiden Bilder, Vulgow!


    Es gibt übrigens auch kein Bild des historischen "Salzhauses" mit den abgenommenen geschnitzten Holztafeln. Das wäre eine höchstinteressante Aufnahme für eine Rekonstruktion! Während des Krieges war es aber strengstens verboten, Aufnahmen von Zerstörungen oder präventiven Sicherungsmassnahmen zu machen, da man nach aussen nicht zugeben wollte, dass auch Deutschland verwundbar war. Solche Aufnahmen entstanden trotzdem, aber unter Lebensgefahr. Paul Wolff wurde meines Wissens aber offiziell für fotografische Aufnahmen beauftragt, die Aufnahmen aber streng vertraulich nur für "verwaltungsinterne" Aufgaben verwendet.



    Zum "Kranich":

    Detailansicht des erhaltenen Erdgeschosses aus dem 17. Jahrhundert (auf welches 1908 im Zuge der Braubachstraßenarbeiten der historistische Neubau aufgesetzt wurde, der sich hervorragend einfügte):

    Das Erdgeschoss ist doch auch eine historistische Neuschöpfung von 1905/08. Ich habe noch nirgendwo gelesen, dass damals ein älteres Erdgeschoss aus dem 17. Jahrhundert hierher transloziert oder Spolien verwendet worden waren.

  • Danke. Auf dem Bild erkennt man links auch das Haus "Kranich", das zur Braubachstrasse hin noch bis zur Traufe erhalten war! Zum Römerberg hin war etwa die Hälfte erhalten. Die Ruine wurde eine zeitlang auch noch bewohnt!!

  • Das Erdgeschoss ist doch auch eine historistische Neuschöpfung von 1905/08. Ich habe noch nirgendwo gelesen, dass damals ein älteres Erdgeschoss aus dem 17. Jahrhundert hierher transloziert oder Spolien verwendet worden waren.

    Ich hatte mich auf diesen Text bezogen:
    "Ebenfalls von Friedrich Sander stammt das westlich anschließende Haus Nr. 39 (1907) im Stil der Neorenaissance, das im Dachbereich durch ein sehr flaches Dach stark vereinfacht erscheint, sowie das anschließende Haus zum Kranich an der Ecke zum Römerberg. Von letzterem ist nur noch das Erdgeschoss erhalten, das wiederum vom Vorgängerbau, wohl aus dem 17. Jahrhundert stammt. Das Obergeschoss des 1908 erbauten Hauses hatte der Sohn des berühmten Frankfurter Architekten und Glasmalers Alexander Linnemann, Rudolf Linnemann aufwändig historisierend bemalt. Obwohl das Haus im Zweiten Weltkrieg nur und vor allem zum Römerberg hin schwer beschädigt wurde, und die Entwürfe Linnemanns zur Bemalung bis heute erhalten sind, entschloss man sich für den bis heute zu sehenden Wiederaufbau, wodurch das Gebäude seine heutige, durch die vielen freien Flächen ungestaltet erscheinende Form erhielt."
    https://de.wikipedia.org/wiki/…Geb.C3.A4ude_im_Einzelnen


    Allerdings ist dafür kein Einzelnachweis angegeben. Du könntest also Recht haben Riegel, allerdings würde mich dann interessieren, woher diese Information stammt.

  • Ich hab mich da auch nicht ausgekannt. Das von dir eingestellte Detailbild (dh das drauf Dargestellte) sieht jedoch von von der Technik schon nach echter Renaissance aus. Zumindest bei uns wäre ein derart detailgetreuer Historismus undenkbar.

    Augustinus (354-430) - Zweiundzwanzig Bücher über den Gottesstaat
    14. Buch 9. Kapitel
    Der Staat oder die Genossenschaft der nicht gottgemäß, sondern nach dem Menschen wandelnden Gottlosen dagegen, die eben infolge der Verehrung einer falschen und der Verachtung der wahren Gottheit Menschenlehren anhangen oder Lehren der Dämonen, er wird von den bezeichneten verkehrten Gemütserregungen geschüttelt wie von Fieberschauern und Stürmen.

  • Auch dieser Artikel stammt grösstenteils von RMA (die beiden historischen Ansichtskarten mit den Häusern "Maus und Domrestaurant" sowie "Neues Steinernes Haus" stammen aus meiner Sammung). Ich werde ihn mal fragen.


    Vom Vorgängerbau kann das Erdgeschoss nicht sein, denn dieser war ein Neubau in spätbarocken/frühklassizistischen Formen ohne Fassadenvorsprünge. Zu sehen hier (gelbe Fassade):



    (1754, Gemälde von Christian Georg Schütz dem Älteren, https://commons.wikimedia.org/…chuetz_sen.jpg?uselang=de )


    Das Haus wurde im Zuge des Braubachstrassendurchbruchs abgerissen, womit für den Nachfolgebau nur noch die halbe, dreieckförmige Grundfläche zur Verfügung stand. Siehe hierzu den Plan von RMA:
    https://de.wikipedia.org/wiki/Braubachstraße#/media/File:Frankfurt_Am_Main-Braubachstrasse_Domstrasse-Bauliche_Entwicklung-Ravenstein.jpg
    Links unten trägt es die Nr. 38 (violett); Das Salzhaus trägt die Nr. 27 (rot). Das Haus zum "Wedel" wurde bereits 1866 abgerissen (Nrn. 1 / 2, grün). Abbildung des Hauses "Wedel": https://de.wikipedia.org/wiki/Salzhaus_(Frankfurt_am_Main), und dann zum Abschnitt "Stadtbesitz und Renovierung" scrollen).

  • Hier noch ein Bild von Frauenstein und Salzhaus, wohl von 1944:


    http://altfrankfurt.com/Spezial/Krieg/Roemer/Romer_1944.jpg


    und eine Luftsaunahe des Areals von 1945


    http://altfrankfurt.com/Spezia…oemerberg/Roemer_1945.jpg


    Offensichtlich hatten, wie bereits oben dargestellt, die Sandsteinbögen von Haus Frauenstein die Bombardements überstanden, die des Salzhauses zum Römerberg hin nicht.


    Vor diesem Hintergrund ist es als positiv anzusehen, dass die Außenwände des Erdgeschoss des Salzhauses in alten Formen rekonstruiert wurde.


    Das macht für mich Frauenstein und Salzhaus zu herausragenden Beispielen dafür, wie man in Nachkriegszeit und Wiederausbau mit historischer Bausubstanz hat umgehen können (und leider in der überwiegenden Zahl ähnlicher Fälle nicht umgegangen ist - beim Schwarzen Stern war ähnliches Vorgesehen, das Erdgeschoss stand bis in die 70iger Jahre als Ruine).


    Dies rechtfertigt für mich den Erhalt von Salzhauses und Frauenstein in den jetzigen Formen am historischen Ort.


    Allerdings drängt sich wegen der künstlerischen Bedeutung des Salzhauses und des Erhaltes großer Teile der Fassade eine Rekonstruktion auf. Bei einer Abwägung für oder wieder Rekonstruktion am Originalstandort würde ich -ausnahmsweise- zum Aufbau an anderer Stelle tendieren. Hierfür spricht-für mich- zum einen, dass das jetzige Bild der "Römer Baugruppe" zum Wahrzeichen Frankfurts geworden ist und das das Erdgeschoss ohnehin nicht mehr im Original erhalten scheint und daher auch an anderer Stelle kopiert werden kann. Wie wird von den Befürworteten der Rekonstruktion hier im Forum die Möglichkeit der Errichtung der Fassade an anderer Stelle in der Altstadt gesehen (unabhängig von der Beurteilung des jetzigen Bestandes, zu der ja die Meinungen ausgetauscht sind) ?

  • @ ursus carpaticus:
    Die ganze Zeile zwischen dem "Kranich" und dem "Steinernen Haus" am alten Markt wurde damals abgerissen. Die Ersatzbauten sollten sich nicht als typische Historismusbauten präsentieren, sondern eher als "mittelalterliche" Bauten, auch wenn barocke und Renaissanceformen vorkommen. Mit der Braubachstrasse wollte man ebenfalls das Mittelalter imitieren. Deshalb hat sie keinen geradlinigen Verlauf, sondern eben einen gekrümmten (s. im vorletzten Beitrag den Link zum Plan von RMA). Es gab sogar einen Bau, der das Salzhaus nachahmte, aber traufständig war und in der Mitte einen Erker besass, der über der Traufe in ein Türmchen mit welscher Haube überging. Fotos davon wurden im Forum schon mehrfach eingestellt, aber ich muss sie noch suchen.


    Zwei unscharfe Aufnahmen davon:
    https://web.archive.org/web/20…e/download/roemerberg.pdf
    Auf der 11. und 13. Seite, links. Halt von Auge abzählen, da es keine Seitenzahlen gibt.


    In diesem Beitrag noch eine bessere Aufnahme:
    Frankfurt in alten Ansichten

  • Drauf wär ich nie gekommen. Was es nicht alles gibt. Bei uns wäre eine solche "historistische" Aufbauleistung undenkbar gewesen. Vielleicht liegen hier auch die Wurzeln für die unterschiedliche Würdigung des Historismus.

    Augustinus (354-430) - Zweiundzwanzig Bücher über den Gottesstaat
    14. Buch 9. Kapitel
    Der Staat oder die Genossenschaft der nicht gottgemäß, sondern nach dem Menschen wandelnden Gottlosen dagegen, die eben infolge der Verehrung einer falschen und der Verachtung der wahren Gottheit Menschenlehren anhangen oder Lehren der Dämonen, er wird von den bezeichneten verkehrten Gemütserregungen geschüttelt wie von Fieberschauern und Stürmen.

  • Wie wird von den Befürworteten der Rekonstruktion hier im Forum die Möglichkeit der Errichtung der Fassade an anderer Stelle in der Altstadt gesehen (unabhängig von der Beurteilung des jetzigen Bestandes, zu der ja die Meinungen ausgetauscht sind) ?

    Damit könnte ich mich nicht so recht anfreunden. Eine Reko gehört dahin, wo das Original gestanden hat. Das Problem ist natürlich, dass die von Dir angerissene Lösung vermutlich sogar ein wenig wahrscheinlicher ist als ein Wiederaufbau am Originalstandort. Denn für letztere Variante müsste die Stadt Frankfurt ihr Nachkriegs-Salzhaus bis auf das Erdgeschoss abtragen und neu bauen. Man müsste die Leute, die in den beiden Häusern (die vermutlich innen eh eins sind) arbeiten, für mindestens ein Jahr ausquartieren, was noch zusätzliche Kosten und Mühe mit sich brächte.


    Bei einem Neubau an einem anderen Ort könnte man in Ruhe eine ohnehin freie oder neuzubebauende Ecke in der Altstadt suchen und müsste "nur" den Neubau finanzieren und könnte diesen dann durch Verkauf, Erbbaurecht oder Vermietung auch noch in private Hände geben und damit die Stadtkasse erheblich entlasten, was bei einem Neubau, der zum Rathaus gehört, naturgemäß ausscheidet. Und man hätte keine Diskussionen mit 50er-Jahre-Fans und Denkmalflegeln. Das wäre natürlich die einfachere und kostengünstigere Lösung. Trotzdem m.E. die deutlich schlechtere. Ich muss allerdings zugeben, dass ich ins Grübeln gerate, wenn ich mir vorstelle, dass man vielleicht eines Tages wählen kann zwischen dem Neubau an anderer Stelle oder dem Verbleiben der Originalfassadenteile im Depot.

  • Bei uns wäre eine solche "historistische" Aufbauleistung undenkbar gewesen. Vielleicht liegen hier auch die Wurzeln für die unterschiedliche Würdigung des Historismus.

    Un-kunsthistorisch ausgedrückt:
    Das ist eben der Unterschied zwischen dem "Wilhelministischen Historismus" und dem Historismus nach 1900, wo bereits der gnädigere "Jugendstil" vorherrschte. Der Jugendstil lehnte sich viel stärker an regionale Eigenheiten an als der typische Historismus.

  • Im Strang "Frankfurt in alten Ansichten" habe ich mit einem Kommentar nun auf das digitalisierte Bilderarchiv von Harald-Reportagen verwiesen:


    Frankfurt in alten Ansichten


    Ein bisschen Themenfremd hier zwar, aber das ist der Link, der direkt zu vielen Aufnahmen der
    - Ruine und des Neubaus des "Kranichs" sowie
    - den beiden Vorgängerbauten der rekonstruierten Ostzeile, die nur ein Alter von etwa 20 Jahren erreichten,
    führt:
    http://www.harald-reportagen.de/Ostzeile/Ostzeile.php

  • Andreas: ich würde die Nachkriegsbauten so lassen und das Salzhaus in möglichst unmittelbarer Nähe wiederaufbauen, sprich an der Braubachstraße unter Verkleinerung des Paulskirchenplatzes. Der war ja früher auch kleiner.

  • hmmtja, das stimmt schon, aber in dieser Sondersituation (aus meiner Sicht ein guter, denkmalwerter Nachfolgebau plus weitgehend erhaltene Fassade) sollte man das durchaus überlegen. Es könnte wie beschrieben funktionieren, da der räumliche Zusammenhang ansatzweise erhalten bleibt.


    Das ist ja in Hannover beim Lessinghaus komplett anders (ich nehme an dass das gemeint war).


    Welches Beispiel in Berlin ist gemeint?