Greifswald und Usedom - KI-Visualisierungen

  • Nein, die Post am Markt ist ein überdimensioniertes Monster, das den gesamten Südblock des Marktes einnimmt.

    Wenn hier schon der Wunsch nach Rekonstruktiuon besteht, dann doch bitte eine kleinteilige Rekonstruktion mit Speichern bzw. Wohn- und Geschäftshäusern aus vorkaiserlicher Zeit.

    Die Post ist im aktuellen Zustand meiner Meinung nach das einzige unpassende Gebäude am Marktplatz, aber durch die Kappung in der Höhe wenigsten von davorstehenden Linden verdeckt.

    Rekonstruiert mit Giebeln und Zinnen und Telegraphenturm wäre es zusätzlich auch in die Höhe ein Monstrum - höher als das Rathaus und würde ablenken von Markt 11 und Markt 13 (jeweils "richtiger" Backsteingotik) und auch von den Höhendominaten der Altstadt (vom Markt aus sichtbar sind St. Marien und St. Nikolai) ablenken.

    Dieser neogotische Prunk wirkt als Solitär in Ringanlagen oder gründerzeitlichen Stadterweiterungen ganz ok, aber doch bitte nicht in einer kleinteiligen Nachbarschaft... (ja, das vorpommersche Landesmuseum nebenan ist auch nicht klein, aber durchaus klassizistisch-elegant).

  • Sehe ich anders. Abreißen und kleinteilig neu bauen wird dort niemand. Der jetzige verstümmelte Bau wirkt sehr monoton und abweisend. Ihm fehlt der point de vue und das Fraktale.

    War es der schönste Historismusbau überhaupt? Sicher nicht. Aber er war doch deutlich vorzeigbarer im Originalzustand. Und wir haben es hier mit einem sehr großen Marktplatz zu tun, an dem man sich geradezu verliert. Der verträgt schon markantere Fassung und markante Sichtpunkte an mehreren Seiten, zumal die ja für sich und nicht in Konkurrenz stehen. Am Bremer Markt funktioniert es ja auch mit mehreren markanten Landmarken. Der Greifswalder Marktplatz hat ja nicht mal einen Kirchturm.

  • Neogotisch rekonstruieren wird da ebenfalls niemand; ich habe jedenfalls nie davon gehört, dass jemand ernsthaft in Betracht zieht, die Post zu rekonstruiren. ;)

    Der Bremer Marktplatz ist geprägt von breiten und auch hohen Gebäuden. Der ist stimmig.

    Und bei Greifswald bleibe ich dabei: Die Post auf der gesamten Südseite des Marktes steht im krassen Gegensatz zur Kleinteiligkeit der 3 anderen Marktplatzfronten.

    Na, da wollen wir mal nicht pingelig sein. Per Adresse hat auch der Bremer Markt keine Kirche; es bestehen nur Sichtbeziehungen - wie eben in HGW auch.

  • Man könnte, sofern kein Denkmalschutz besteht, auch die Chance entsprechend ergreifen und die Fassade zerteilen. Dazu müsste man nur den Teil rechts von einem möglichen wiederhergestellten Giebel aufstocken und ggf. farblich absetzen. Damit wäre dieser Block mit dem heutigen Gebäude, das durch sein Einheitsdach und das einheitliche Fassadenmaterial sehr monolithisch wirkt, aufgeteilt in 5 unterschiedliche Fassadenabschnitten mit 5 verschiedenen Bauhöhen.

  • Sowas in der Art ist durchaus auch vorstellbar. Ich bin da kein Dogmatiker. Mir geht es darum, die Südseite des Marktes attraktiver zu machen.

    Grundsätzlich könnte man z.B. auch Teile der Vorbebauung quasi "vorblenden". Sowas fänd ich mal spannend. Leider sind mir bislang keine wirklichen Fotos der Vorbebauung an der Südzeile vom Marktplatz bekannt, obwohl das Postamt erst 1894-96 gebaut wurde.

    Aber es gibt immerhin solche Zeichnungen und Stiche, wo diese Seite angeschnitten ist:

    15702399610_4af7505121_c.jpg


    Es könnte also ungefähr so aussehen, hätte sich seitdem nichts geändert:

    Greisfwald-Markt-mit-Sudseite-KI-Visu.png

  • Von 1892 bis 1936 gab es auf dem Greifswalder Markt auch einen Brunnen mit einer Victoria:

    Markt-Greifswald-Brunnen-1-Visu.png

    Markt-Greifswald-Brunnen-2-Visu.png

    Markt-Greifswald-Brunnen-3-Visu.png


    Ob es nun dieses Denkmal unbedingt wieder sein müsste, weiß ich nicht. Aber ein Brunnen oder größeres Denkmal fehlt dem Markt irgendwie, es ist so wenig Verweilort und so sehr Übereilort. Obwohl er baulich sehr schön ist. Die Rückseite des Marktes namens Fischmarkt ist hingegen viel einladender, intimer und mit einem recht schönen Brunnen ausgestattet. In einer Umfrage der OZ haben sich auch 67%+ für einen Brunnen am Marktplatz ausgesprochen.

  • natürlich ist die historistische Post ein Bausünde par excellence gewesen. Aber diese nichtssagende Vereinfachung ist trotzdem eine Verschlechterung. Der Bastard ist sozusagen geschlechtslos geworden. Daher wäre die Wiederherstellung von Turm und Mittelgiebel schon dringend geboten. Die heutige vereinfachte Form ist einfach zu schwach und daher dem Platz unangemessen. Das könnte man doch auch leicht ideologisch argumentieren - wer will den schließlich einen NS-Bastard auf dem Zentralmarkt stehen haben?

    Interessant übrigens, dass dem Greifswalder Markt in postalischer Hinsicht dasselbe Schicksal ereilte wie Lübeck - nur der Schlussabriss fehlt glücklicherweise. Die Postämter waren weiland ungefähr dieselbe Pest wie später die Karstadts und Sparkassen.

  • Die Postämter waren weiland ungefähr dieselbe Pest wie später die Karstadts und Sparkassen.

    Noch 50-100 Jahre vorher waren die Poststationen eigentlich stets sehr schön eingepasst. Auch wenn es völlig unterschiedliche Ursachen sind, da doppelt sich die Entwicklung. Aus stattlich, aber eingepasst, wird groß und uneinfügsam.

  • Das sehe ich auch so. Wenn man schon einen maßstabssprengenden Bau an einem zentralen Platz hat, dann muss dieser seine Dimensionen auch mit einer gewissen Prachtentfaltung und dem "Hinguck-Faktor" rechtfertigen können.

    Wir bleiben nochmal am Markt - und schauen uns den Bau an, der mich noch mehr fuchst als das verstümmelte Postamt.

    Markt 12. Zwischen den beiden markanten Backstein-Giebelbauten Markt 11 und 13 gelegen, nimmt sich dieser Bau etwas seltsam postmodernistisch aus:

    1280px-2014_Greifswald_14.jpg
    Derzno, CC BY-SA 4.0

    Bis in die DDR-Zeit gab es diese Fassade (man beachte auch Markt 13 rechts noch mit dem Dreiecksgiebel, statt dem Treppengiebel aus den 1950ern den man für originaler hielt):

    Greifswald-Markt-12-Visu-1.png

    Greifswald-Markt-12-Visu-1---Kopie.png


    Es ist aber letzlich immernoch der selbe Bau. Am Zahnriemen links an der Brandmauer kann man das sehen. Die aktuelle Fassade wurde von 1999 bis 2000 erstellt. Mit der nächsten großen Fassadensanierung kann man also das Original wiederherstellen.

    (Hintergründe zum Bau im 20. Jahrhundert samt historischer Abbildungen: https://greifswalder-innenstadt.de/stadtgeschichte-nr-1/ )

    Man könnte freilich auch über den vorigen backsteingotischen Schildgiebel nachdenken, der schon ziemlich einmalig war. Letztlich ist es tief im Kern immernoch dieser Bau.

    "1863 ließ Weinhändler Krull das Haus Markt 12 umbauen. Dabei stürzte der Schildgiebel ein, man munkelte, es sei Absicht gewesen."

    Greifswald-markt-12-2-Visu-2.png
    Basierend auf einer Zeichnung von Johann Poppel um 1840

    Greifswald-markt-12-2-Visu.png

    Hier hatten Forumer Lupi und ich das Thema Markt 12 auch einmal etwas beleuchtet: RE: Greifswald

  • Bei einem Besuch darf man nicht die Bilder von Caspar David Friedrich im Kopf haben. Es liegt in der Nähe von einer Straße. Ich war vom kahlen Ambiente ziemlich enttäuscht.

    (Wer Klosterruninenromantik will, muss sich auf den Spuren von Hildegard von Bingen begeben. Ich war vom Disibodenberg schwer begeistert).

    Beauty matters!

  • Besonders romantisch ist die Ruine Eldena nicht mehr, das stimmt. Da kann man aber z.B. auch einen Halt an der vorpommerschen Burgruine Landskron machen, die ebenfalls von C.D. Friedrich festgehalten wurde.


    Wiiligis: Du kannst ja gern eine alternative Darstellung zeigen. Sicherlich waren die Mauern nicht derartig gleichmäßig, auch Feldsteinsockel dürfte es da geben.

    Das ist nun einmal basierend auf der Rekonstruktionszeichnung von 1881:

    Eldena-Kloster-01.jpg

    Ein anderer Rekonstruktionsversuch der Anlage ist mir nicht bekannt soweit. Dir?