Die Braubachstraße

  • Danke RMA für die beiden schönen Bilder. Wenn es in dieser Ecke etwas zu rekonstruieren gäbe, dann vor allem das "Haus zur Maus" direkt gegenüber dem MMK, von dem ja noch das Erdgeschoss und der prächtige Erkerfuß erhalten sind. Die derzeitigen Obergeschosse aus den 80er Jahren sehen aber noch nicht so aus, als ob sie eine Sanierung dringend nötig hätten....

    Was sagt sie uns für Unsinn vor?
    Es wird mir gleich der Kopf zerbrechen.
    Mich dünkt, ich hör’ ein ganzes Chor
    Von hundert tausend Narren sprechen.

    Goethe, Faust I

  • Also, eine Rekonstruktion der Johanneskapelle...


    Es stimmt schon, daß beim Durchbruch der Straße selbst die größten Fehler gemacht wurden...Originalsubstanz durch Historismus ersetzt...
    Die gotische Johanneskapelle befand sich an der heutigen Spitze des Museums. Als freie Reichsstadt hat auch Frankfurt erheblich mehr Kirchen und Kapellen gehabt als heute übrig sind.
    Die Johanneskapelle wurde seinerzeit abgerissen, teilweise wurden Bauteile geborgen und an anderer Stelle, ich glaube im Nordend, wieder verbaut. Leider wurde diese "Spolien"-Kirche von Bomben getroffen und durch einen Neubau in den 50ern ersetzt. :augenrollen:

    Die Feder ist mächtiger als das Schwert...wenn das Schwert sehr stumpf ist und die Feder sehr spitz!


    -Terry Pratchett

  • Nicht ganz, mit den Spolien wurde 1874–1877 vom bedeutenden Neogotiker Max Meckel (der auch den Frankfurter Römer in den 1890er Jahren umgestaltete) die Sankt Josefskirche in Bornheim in enger Anlehnung an die Johanniterkirche errichtet. Die ist im Zweiten Weltkrieg glücklicherweise unbeschädigt geblieben und enthält laut meinem Dehio Hessen II auch immer noch die "Gewölberippen, Konsolen, Schlußsteine und das Maßwerk vom Ende des 13. Jahrhunderts"! Das Langhaus dieser Kirche hat allerdings 1931/32 einen Basilikaanbau in ziemlich modernen Formen erhalten, der heute die Straßenfassade an der Berger Straße dominiert. Von der "alten" Kirche Meckels ist aber noch alles erhalten, auch die schöne Ausstattung aus der Münzenberger-Sammlung.


    Aber in der Tendenz hast du schon Recht, es ist übel, was alles für den vermeintlichen Fortschritt geopfert wurde, obwohl damals schon die Denkmalschützer protestierten. Allem voran die Heiliggeistkirche in der Saalgasse 1840 mit der wohl noch hochgotischen Krankenhalle, oder der ebenso sinnlose Abbruch der Peters- und der Dreikönigskirche zugunsten historistischer Neubauten von zweifelhafter Qualität.


    Kaum bekannt auch die Kapelle des Großen Riederhofs (heute Ostend), die meines Wissens schon vor 1800 gefallen ist - heute vermutet man aufgrund der stilistischen Verwandtschaft zur Saalhofkapelle, dass sie wohl zum staufischen Kernbau des Hofs aus dem 12. Jahrhundert stammte. Dieser ist im Zweiten Weltkrieg ausgebrannt und wurde trotz möglichen Wiederaufbaus durch ein Lagerhaus ersetzt. :aufdenkopf:

  • Bornheim!
    War mir nicht mehr in Erinnerung. Der, der mir das berichtet hatte, hatte sich da auch, glaube ich, nicht so präzise ausgedrückt.
    Aber dann weiß ich ja, wo sie ist...bin auch öfter daran vorbei gekommen. Der Prof. Rang hat da in der Nähe sein Büro.


    Ja, wenn das alles noch erhalten ist...


    ...ich bin für eine Verlegung des MMK an das Museumsufer! :zwinkern:


    So. Nach all dem Spass jetzt doch noch das...Riederhöfe!
    Ich war am Samstag beim Musik-Schmidt auf der Hanauer Landstraße, etwas zu früh. Also dachte ich mir, nimmst Du mal die Gelegenheit wahr und schaust Dir eben den Rest der Riederhöfe an...Neben dem Groll über den Abriss war da noch die Beobachtung der Verwahrlosung des Rest-Kleinods. Hat mir fast den Tag versaut.


    Beim Musik-Schmidt war ich übrigens wegen der anstehenden EDGUY-Tour (Werbung in eigener Sache). Wer also Ende Januar eine der Deutschland-Shows (oder woher die Forumsteilnehmer auch immer kommen) besuchen möchte. Ich stehe am Bühnenrand auf der rechten Seite und springe hin und wieder hervor um meinem Chef (dem Gitarristen) mal das ein oder andere anzureichen.

    Die Feder ist mächtiger als das Schwert...wenn das Schwert sehr stumpf ist und die Feder sehr spitz!


    -Terry Pratchett

  • Meines Wissens steht nur noch das Portal des Großen Riederhofs, das leider nicht aus dem 12., sondern "nur" aus dem 14. Jahrhundert stammt.


    http://commons.wikimedia.org/w…of-Portal-Mylius-1880.jpg" onclick="window.open(this.href);return false;\r
    commons.wikimedia.org/wiki/File: ... s-1880.jpg


    Mehr Bilder hier, da ich aus dem Ding irgendwann auch mal einen würdigen Wikipedia-Artikel machen will:


    http://commons.wikimedia.org/wiki/Riederhoefe?uselang=de" onclick="window.open(this.href);return false;\r
    commons.wikimedia.org/wiki/Riede ... uselang=de


    Interessant vor allem die Rekonstruktionszeichnung von Padjera, die doch sehr an den erhaltenen Saalhofpalas erinnert.


    Ansonsten guter Musikgeschmack. ;)

  • Quote from "Kardinal"

    Es stimmt schon, daß beim Durchbruch der Straße selbst die größten Fehler gemacht wurden...Originalsubstanz durch Historismus ersetzt...


    Schon richtig. Dennoch finde ich das historistische Fachwerkhaus, das einst am Eingang des heutigen MMK stand, traumhaft schön. Es nimmt in romantischer Weise Formen alter Frankfurter Bürgerhäuser auf. Also, mir würde eine Rekonstruktion, nicht am damaligen Standort, aber - transloziert - an einer geeigneten Stelle, durchaus gefallen. Zum Beispiel an der Ecke zum nördlichen Eingang der Fahrgasse, wo jetzt dieser Töpfemarkt drin ist. Diese Hauskante ist heute von seltener Hässlichkeit (die Schlimmste der ganzen Berliner) und würde durch besagte historistische Reko-Translokation immens aufgewertet.


  • Quelle: http://krunchd.com/42\r
    krunchd.com/42 (Frankfurt.de)


    Ich habe mal in meinem Bildarchiv gekramt und etwas zu den Gebäuden gefunden. Paradoxerweise handelt es sich gerade um die Bauten an der Braubachstraße, wo nicht einmal die Dächer im Krieg zerstört wurden, und somit keine Reko notwendig bzw. zu fordern ist.


    Die 34 im Stil der Neurenaissance steht direkt neben der neobarocken Kopfapotheke:



    (Klicken zum Vergrößern)


    Die benachbarte 30-32 (Architekt A. Aßmann) wurde erst 1927 fertig, was ihren neusachlichen Stil erklärt:



    (Klicken zum Vergrößern)


    Dieses Luftbild von 1926/27 zeigt sogar noch die Baustelle der 30-32 sowie die originale Dachlandschaft:



    (Klicken zum Vergrößern)

  • Ich möchte euch folgendes Haus aus der Braubachstraße vorstellen:




    Das "Haus zur Maus" (Braubachstraße 10) sah auf dieser Aufnahme vor Ausbruch des ersten WK (um 1910) so aus:
    (zu sehen links im Bild:)



    Aus Wikipedia. (Artikel: Braubachstraße)


    Das massive Erdgeschoss der 'Braubachstraße 10' (links im Bild) hat die Jahrzehnte überdauert. Es gehörte einst zu dem monumentalen Eckgebäude "Haus zur Maus" welches einen Fachwerkaufbau im Stile des Historismus hatte. Zur Zeit der Aufnahme war das Gebäude ein strahlender Neubau (erbaut 1905-1906) denn die Braubachstraße wurde erst kurze Zeit zuvor angelegt.
    Bedauerlich ist der Verlust, denn die steinernen Grundmauern der umliegenden Gebäude überstanden den Feuersturm. Man kann nur hoffen das sich an dieser Ecke etwas tut, jedoch sehe ich ins absehbarer kein Funken Hoffnung auf eine Rekonstruktion. Möglich aber dass die anderen Gebäude die in der Braubachstraße rekonstruiert werden den Stein auf lange Zeit gesehen ins Rollen bringen.


    lg

  • Es kann wohl nicht schaden, den Sammelfaden über die Braubachstraße mit dem wunderbaren Rebstockhof und den toll gelungenen Neubauten im Zuge des DomRömer-Projektes zu ergänzen:


    Blick vom Domturm am 12.10.2017:






    An der Braubachstraße sind weitere Gerüste gefallen:






    Diese Bauten werden als völlige Neuschöpfungen mE hier noch zu wenig gewürdigt. Zeigen sie doch einen interessanten Weg auf, lokale Bautraditionen neu zu interpretieren und weiterzuleben. Das könnte ein Fingerzeig für Städte in ganz Deutschland, gar in aller Welt sein! :thumbup:


    Bei Gelegenheit (und freundlichem Wetter) sollten hier und im DomRömer-Faden auf jeden Fall noch mehr aktuelle Bilder ergänzt werden, nun ist diese Zeile ja so gut wie fertig.

  • Danke für die Zusammenstellung hier. Die einzelnen Bauten wurden doch bisher immer wieder gewürdigt, sobald ein Baugerüst gefallen war, nicht? Und durchwegs doch positiv und vor allem auch als gelungene Neuschöpfungen. Skepsis löste einzig die "Brandmauer" aus Naturstein aus. Aber ist es nicht so, dass jetzt alle mit Spannung auf die Fertigstellung der Erdgeschosse und Umgebungsgestaltung warten?


    Folgendes Bild erinnert mich an amerikanische Grossstadtarchitektur: