Museumsinsel Berlin

  • @Rastelli:
    Man muss aber zu dem Raum mit den geschenkten Werken von James Simon aber auch bemerken, dass dieser Raum aber erst jetzt so eingerichtet wurde, wie er sich das gewünscht hatte. Damals ist man darüber hinweg gegangen.


    Damals wurden die Sammlungen allgemein anders ausgestellt als heute, wo man Themenschwerpunkte setzt und Vergleiche zieht. Museumspädagogik war damals ein Fremdwort.


    Er wollte halt, dass die Stücke so hängen sollten wie in seiner Villa in der Tiergartenstraße.


    Bei dem Wert der Ausstellungsstücke von mehreren Millionen hätte man ihm den Gefallen schon tun können und ich denke die '100 Jahre' waren auch eher symbolisch gemeint. Er hätte ja auch 'ewig' erlangen können.



    Treverer:


    Sicher stößt einem die Kahlheit und der ewige Beton auf, aber zu guter letzt ist es nur der Eingang zu den Sammlungen, wenngleich der Begriff 'Galerie' etwas irreführend ist und ein reines Funktionsgebäude. Und nach dieser 'Schlichtheit' kommen die Werke dann in den Museen umso besser zur Geltung.


    Hätte man die Wände mit dem gleichen Material verputzt wie die Außenhaut wäre das dann doch wewsentlich chöner geworden. Kann ja noch irgendwann kommen


    Argon: Hätte man das Restaurant aufs Dach versetzt (Barrierefreiheit!!!) hätte man wieder die häßlichen Aufbauten, die sonst überall so störend sind (Schloss). Ich finde diesen Ort auf der Terrasse sehr schön, leider wurde heute früh dort nicht serviert(???) hätte sonst sicher dort ein Tässchen Hopfenkaltschale genossen.

  • Hätte man die Wände mit dem gleichen Material verputzt wie die Außenhaut wäre das dann doch wesentlich schöner geworden.

    So ist es. Beim benachbarten Neuen Museum (Bild, Bild), entspricht die Innengestaltung der Wände der Außenhaut (farblich immer, im Material teilweise), weshalb die Innenräume dort auch harmonisch wirken.

  • Zur Eröffnung der James-Simon-Galerie widmete sich eine ganze Ausgabe des Magazins "rbb Kultur" diesem Thema. Die Sendung ist in der Mediathek bis zum 13. Juli 2020 abrufbar: Klick. Anschauen lohnt sich. Schön fand ich, dass in der Sendung auch Alexander Schwarz zu sehen war. Er ist Architekt im Berliner Büro von Chipperfield und hat den Hauptanteil an der Innengestaltung der JSG.


    Man muss aber zu dem Raum mit den geschenkten Werken von James Simon aber auch bemerken, dass dieser Raum aber erst jetzt so eingerichtet wurde, wie er sich das gewünscht hatte. Damals ist man darüber hinweg gegangen.



    [...]
    Bei dem Wert der Ausstellungsstücke von mehreren Millionen hätte man ihm den Gefallen schon tun können und ich denke die '100 Jahre' waren auch eher symbolisch gemeint. Er hätte ja auch 'ewig' erlangen können.

    Das stimmt nicht. Die Schenkung erfolgte 1904 zur Eröffnung des Kaiser-Friedrich-Museums. Wilhelm von Bode hat seine Mäzene gehätschelt. Er wusste schließlich, was er an ihnen hatte. Und so achtete Bode darauf, dass das James-Simon-Kabinett schön plüschig und wohnzimmerlich eingerichtet wurde. Diese Einrichtung blieb bis 1939 erhalten. Die Nazis entfernten zunächst nur die Namen jüdischer Mäzene. Kann man unter dem Link zu der Mitteilung der Staatlichen Museen nachlesen, den ich gesetzt hatte. Aber es ist schon interessant, dass viele Leute im heutigen Deutschland einfach mal glauben, James Simon sei nie gewürdigt worden. Das ist wohl ein Ausdruck des deutschen Schuldkomplexes. Simon war zu seinen Lebzeiten ein angesehener Mann. Nach dem Krieg waren die Sammlungen auseinandergerissen und die Museumsgebäude zerstört. Ein James-Simon-Kabinett wiedereinzurichten wäre über Jahrzehnte gar nicht möglich gewesen.


    Festlegungen von Sammlern zur Präsentation ihrer Sammlung sind bei Museumsmachern eigentlich unbeliebt, weil sie die Präsentation der Werke nach inhaltlichen Kriterien und die Erarbeitung von Sonderausstellungen erschweren oder unmöglich machen. Das James-Simon-Kabinett wurde nun am ursprünglichen Platz, dem heutigen Raum 216, wiedereingerichtet. Er ist Teil einer Raumfolge, in der Werke der Renaissance und des Barock aus Deutschland und den Niederlanden, also aus den nordischen Schulen gezeigt werden. Im James-Simon-Kabinett geht es aber um die italienische Renaissance, die heute an ganz anderer Stelle im Bode-Museum zu finden ist. In dem Kabinett finden wir als ein Hauptwerk eine Madonna von Mantegna. Die hing bisher in der Gemäldegalerie am Kulturforum, dort im Kontext von anderen Werken Mantegnas und der italienischen Frührenaissance. In der Gemäldegalerie ging es um Mantegna, in dem neuen Kabinett geht es um James Simon.


    Hätte man die Wände mit dem gleichen Material verputzt wie die Außenhaut wäre das dann doch wesentlich schöner geworden. Kann ja noch irgendwann kommen.

    Bei der James-Simon-Galerie ist nichts verputzt. Außen ist das Material Beton mit hochwertigen Zuschlagstoffen. Man könnte es auch als "Kunststein" bezeichnen. Für die Innenwände wurde Sichtbeton (in besonders hoher Qualität) gewählt.

  • Bist Du also der Meinung, dass man sich im Namen der Kunst über den Stifterwillen hinwegsetzen dürfe, Rastrelli? Finde ich ganz schön anmaßend. Simon musste seine Werke ja nicht den Berliner Museen stiften, hat es aber getan, weil ihm zugesichert wurde, seine Wünsche würden berücksichtigt. Ich sehe weder ein Problem darin, dass die Reihe der Säle unterbrochen wird, noch darin, dass die Mantegna-Madonna dort hängt. Die Berliner Museen haben wahrlich genug Kunst zum Ausstellen, da können sie sich eine solche Homage leisten.

  • Danke für die Informationen. Da bin ich wohl Falschinformationen aufgesessen, die auch über das TV verbreitet wurden, nämlich, dass Simon bitter enttäuscht war, dass seinem Wunsch bzw. der Präsentation nicht entsprochen wurde. Ich hatte es sowohl gelesen wie auch im TV gehört.

  • Ich sehe weder ein Problem darin, dass die Reihe der Säle unterbrochen wird, noch darin, dass die Mantegna-Madonna dort hängt. Die Berliner Museen haben wahrlich genug Kunst zum Ausstellen, da können sie sich eine solche Homage leisten.

    Das sehe ich auch so, auch wenn die italienische Renaissance eigentlich im Obergeschoss des Museums nicht vertreten ist. Der neu eingerichtete James-Simon-Raum hat mit seiner Fülle an ausgestellten Werken durchaus einen großen Reiz (Bild), wohingegen die übrigen Museumssäle der heutigen Museumspädagogik entsprechend doch oft reichlich puristisch ausgestattet sind (vgl. Bild Renaissance-Abteilung im Erdgeschoss).

  • Ich habe den Versuch unternommen, die James-Simon-Galerie zu kommentieren: https://www.zeilenabstand.net/…-zur-james-simon-galerie/


    Mein Fazit:


    Quote

    Warum glauben viele zeitgenössische Architekten eigentlich, dass der Umstand des größtmöglichen Kontrastes zur benachbarten Bebauung die Qualität der Architektur steigert? Meist ist das Gegenteil richtig: Harmonie ist die hohe Kunst der Architektursprache. Und das gilt umso mehr an einem so neuralgischen Punkt wie einem Weltkulturerbe.

    Kunsthistoriker, Webdesigner und Blogger

    Hat vor einigen Jahren die Website für den Verein erstellt.

  • Besser hätte man es nicht formulieren können.

    Vielen Dank!


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    Meine Ansprüche mögen nicht hoch sein, aber ich habe innerhalb weniger Stunden 150 Leser gefunden. Der Artikel ist bei Facebook bereits mehrfach geteilt worden. Ich habe für meine Social-Media-Aktivitäten einen Reaktionsplan. Der Artikel hat das Potential über 500 Leser zu erreichen. Ich freue mich aber über jede weitere Verbreitung.

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  • Wenn die Spree Hochwasser führt, markieren sich "schöne" Dreckränder an der weißen Uferseite.

    Wie ich sage....
    Und die Spree führt schon lange Niedrigwasser. Kommt es zu Hochwasser (Frühjahr), markiert sich der Dreckrand einen halben Meter über der normalen Wasserlinie.


    Die Altvorderen haben da wohlweislich eine Rücklage eingebaut.


  • Babber50: die Spree ist ein durch Talsperren, Rückhalteseen und Schleusen stark regulierter Fluss, der in Berlin so gut wie keine Pegelschwankungen aufweist. Die Fliessgeschwindigkeit ist infolge des geringen Flussgefälles sehr gering. Es gibt so gut wie keine wasserreichen Zuflüsse und darüberhinaus ein Binnendelta, den Spreewald. In trockenen wie auch in regenreichen Jahren, sowie auch in allen Jahreszeiten, ist der Pegel in Höhe der Museumsinsel praktisch konstant.

    Eingestellte Bilder sind, falls nicht anders angegeben, von mir

  • Gestern hatte ich Gelegenheit, erstmalig die JSG zu besuchen. Hier möchte ich Euch meine Eindrücke schildern...
    Das gut besuchte Gebäude wirkt innen noch großzügiger, als ich auf Grund des Außeneindrucks erwartet hatte. Der Eindruck wird doch stark von dem allgegenwärtigen grauen Sichtbeton geprägt, welchen ich für eine leider schlechte Wahl halte. Warum Chipperfield hier - anders als im Neuen Museum, wo überhaupt kein Grau-Beton sichtbar ist - reinen Beton ohne Zuschlagstoffe verwendet hat, will sich mir nicht recht erschließen. Vielleicht hat man sich vom Ägyptischen Museum in München beeinflussen lassen, welches sehr ähnliche Materialien aufweist und auch eine einzige Sicht-Graubeton-Orgie ist.


    Eingangsbereich beim Hereinkommen, nach rechts Richtung Neues Museum:



    Nach links, wo sich der Kassenbereich befindet:



    Der recht nüchtern ausschauende Steinfußboden:



    Der Gaul'sche Löwe von 1903:




    Licht von oben:



    Übergang zum Pergamonmuseum (derzeit nur der Südflügel geöffnet):



    Seite zum Kupfergraben:



    Terrasse:



    Endlich gibt es auch ein annehmbares Café-Restaurant auf der Museumsinsel:



    Die rotbraunen Paneele an der Decke sind übrigens kein Holz, sondern vermutlich Kupfergitter, die offensichtlich mit bloßen Schweißhänden montiert wurden und daher zahlreiche oxydierte Handflächen- und Fingerabdrücke aufweisen, die wohl nun dort für alle Zeiten konserviert bleiben. Von ferne betrachtet nicht sehr störend, aber doch erschreckend dilettantisch ausgeführt. Weiß nicht, ob das bei der Bauabnahme aufgefallen ist ...

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  • Treppenhaus:



    Zwischengeschoss mit Shop, immerhin mit edler Holzvertäfelung:



    Hofebene, Blick zurück ins Treppenhaus:



    Hofeingangsbereich:



    Übergang zum Neuen Museum im Untergeschoss, ausgestellter Gründungspfahl:



    Und als kleinen Nachschlag noch zwei Blicke von der Terrasse über den Kupfergraben:




    Die Terrassenplatten sind übrigens aus Beton. Hier kann ich aus eigener Erfahrung sagen: neigt im Laufe der Jahre zur Dunkelfärbung und zur Vermoosung in den verschatteten Bereichen.
    Mein Fazit: Tolle Raumwirkung mit leider 100% häßlichem Sicht-Graubeton in puristischer Stararchitekten-Manier. Insofern eher enttäuschend. Einziger Lichtblick das Café-Restaurant zur Terrasse hin.

    Eingestellte Bilder sind, falls nicht anders angegeben, von mir

  • Sichtbeton befindet sich (leider) im Inneren. Nach außen wird dieser von Betonwerkstein abgelöst, der etwas ganz anderes im Erscheinungsbild darstellt. Die Terrassenplatten bestehen z.B. aus Betonwerkstein. Dieser ist pigmentiert und mit einem Zuschlag von Kies versehen und wirkt hochwertig und hat nichts vom tristen Sichtbeton des Innenbereiches. Hätte Chipperfield auch innen konsequent auf den edlen Betonwerkstein gesetzt wie in den Neubaubereichen im Neuen Museum, wäre der Eindruck trotz der minimalistischen Formensprache großzügig und edel. So gibt es für die Sichtbetonödnis innen leider deutliche Abzüge.

  • Noch vor der Eröffnung der James-Simon-Galerie hatte sich die "Bauwelt" in Heft 2/2019 mit dem neuen Gebäude befasst. Hier der Link zum informativen und gut bebilderten Beitrag:


    https://www.bauwelt.de/dl/1391…mon_Galerie.p1_LowRes.pdf


    Vor zwölf Jahren war gegenüber der JSG auf der anderen Seite des Kupfergrabens das Galeriehaus Bastian fertiggestellt worden. Natürlich war das auch ein Thema für die "Bauwelt" (Heft 43/2007). Haus Bastian ist ebenfalls ein Werk von David Chipperfield Architects und wird künftig ebenfalls von den Staatlichen Museen zu Berlin genutzt. Familie Bastian hatte das Haus der Stiftung Preußischer Kulturbesitz geschenkt und nun wird dort ein Zentrum für Vermittlungsangebote eingerichtet. Wir können Haus Bastian daher als Erweiterung der Museumsinsel ansehen. Deshalb hier der Link zum Bericht in der Bauwelt:


    https://www.bauwelt.de/dl/791638/10797273_96b6951409.pdf