• Natürlich wurden einige schöne Bauteile entfernt, was man wohl als Verlust an liebevollen Details werten muss, wie Ihr ja auch zurecht anmerkt.

    Aber:

    Das Gebäude war doch vorher schon von seiner ursprünglichen architektonischen Idee komplett weg. Es war nur noch eine Anreihung von Fenstern in denen sich sogar das Dach komplett aufzulösen schien. Zumal man bei insgesamt bis zu vier aufgesattelten Stockwerken kaum mehr von einem zusammenfindenden Konzept sprechen kann.

    Dagegen hat man nun das Dach wieder weiter heruntergezogen Richtung urspünglichem Dachabschluss, hat versucht dem Dach einen ruhigen Charakter zu geben, der den Fokus auf den historischen Fassadenteil legen soll. Die ,,vorquellenden" Fenster in der historischen Fassade wurden zurückgenommen, eine übergreifende Fensterteilungsgeometrie eingeführt. Dazu eine stimmige Materialität mit Bronze eloxiertem Aluminium vom Dach bis zur Tür.


    Die Fassade wurde von einer deutschen Firma gebaut: https://www.schneider-fassaden…-leicester-square-london/

  • Mir tut es sehr um die mehreckigen Fenster leid, könnte mir gut vorstellen, dass die noch bauzeitlich waren. Insgesamt hätte die Modernisierung auch schlechter ausfallen könne, überzeugen tut sie mich aber nicht. Es wirkt alles so grob und kalt, leider.

  • Ich habe etwas recherchiert, nachdem ich von der Möglichkeit las, dass es sich um Originalfenster gehandelt haben könnte, und Ihr seid mit Eurer Kritik alle goldrichtig: Es wurden nicht, wie ich annahm, spätere Ergänzungen entfernt, sondern fundamentale Gestaltungsobjekte der Erbauungszeit zerstört. Auch war die Dachlandschaft kein Produkt des Immobilienmarktes von London der letzten Jahrzehnte, sondern in der Tat genau so entworfen von Andrew Mather:


    bl28713.jpg?15005807812323132963

    Quelle: The Architectural Forum


    https://www.thearchitecturalfo…cks-from-leicester-square


    Ich nehme daher mein wohlwollendes Urteil selbstredend zurück:zwinkern:

  • Immerhin hat man das Gebäude nicht komplett abgerissen, wie in London in den letzten Jahrzehnten oft geschehen. Das Original überzeugt mich allerdings auch nicht so recht, der Architekt hat es mit den Aufstockungen etwas übertrieben. Insofern kann man sich mit dem jetzigen Zustand eigentlich gut abfinden, es scheint mir ein Kompromiss zu sein.

  • Weitere Abrisse in London:


    Fleet Street


    Wird von der Stadt vorangetrieben, obwohl es dort eine Denkmalzone gibt.

    Unsere große Aufmerksamkeit für die Belange des Denkmalschutzes ist bekannt, aber weder ökonomisch noch kulturhistorisch lässt es sich vertreten, aus jedem alten Gebäude ein Museum zu machen. E. Honecker

  • Ich hoffe, London besinnt sich noch mehr auf sein Erbe. Bei allem Wachstumsdruck, die Stadt gewinnt idR viel mehr durch Erhalt und organisch-sensible Weiterentwicklung. Es gab zwar einige schockierende Abrisse in den letzten Jahren, doch insgesamt ist der Denkmalerhalt in London sehr ausgeprägt und es wird sehr gut saniert.

    Hier jedoch einige teils komplett unverständliche Abrisse:
    https://www.skyscrapercity.com…ost-20th-century.2363257/

  • Sehr interessant. Sind das alles Neuinterpretationen im traditionellen Stil,oder sind auch Gebäude dabei die Komplettrekos nach hist.Plänen sind?-also Gebäude die an selber Stelle früher einmal dort standen?


  • Eine Meldung, die mich einigermassen überrascht hat: Der Westminster Palace hat im Innern grossen Sanierungsbedarf. Eine Renovation würde bis zu 30 Jahre dauern.



    Quote

    Doch alle Zahlen und Daten gelten nur, wenn die Abgeordneten das Gebäude für 12 bis 20 Jahre verlassen. Gibt es lediglich eine Teilräumung, erhöhen sich die Schätzungen bereits deutlich. Und falls um Abgeordnete und Mitarbeiter herum gearbeitet werden müsste, wird der Westminster Palace erst recht zur teuren Dauerbaustelle: Zwischen 46 und 76 Jahre würden dann benötigt, bei Kosten von 11 bis 22 Milliarden Pfund.


    «Könnte jeden Tag brennen»

    In der Altstadt die Macht, im Kneiphof die Pracht, im Löbenicht der Acker, auf dem Sackheim der Racker.


    Hätt' ich Venedigs Macht und Augsburgs Pracht, Nürnberger Witz und Straßburger G'schütz und Ulmer Geld, so wär ich der Reichste in der Welt.