Dresden 2018 - Altstadt, Neustadt und Johannstadt (Galerie)

  • Eine kleine Zeitreise 7 Jahre zurück, wobei sich in erster Linie am Neumarkt viel verändert hat ... später noch ergänzt durch einen zweiten Teil, der uns zurück ins Zentrum führen wird, mit brandaktuellen Fotos von gestern.

    Es gibt einen großen Bogen vom Hauptbahnhof über Alt- und Neustadt die Elbe entlang und dann über die Waldschlößchenbrücke wieder nach Süden in die Johannstadt mit dem Fetscherplatz als durchaus würdigem Abschluß.

    Zurück ging es dann in diesem Teil mit der Straßenbahn ins Zentrum - und doch noch zum Zwinger. Blaues Wunder, Loschwitz, Großer Garten usw. kann ich aber leider nicht bieten.

    Ich würde mich freuen, wenn Dresden-Experten auch dazwischen Kommentare schreiben könnten.

    Ich habe den (Fast-)Rundgang durchnummeriert, es beginnt bei 1 an einer Stelle, an der die Bomber 1945 eine lange Schneise der Verwüstung bis zum südlichen Stadtrand gezogen haben (und die DDR weitgehend die Reste abgeräumt hat).

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    Beginnen wir am Bahnhof, das legende Wiener Loch ist auch 2018 schon verschwunden, so benannt nach dem gleichnamigen Platz.

    Das tortenförmige Gebäude finde ich gar nicht so schlecht, von der restlichen Bebauung ist bestenfalls das neue Kugelhaus interessant ...

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    ... und hier andeutungsweise zu sehen:

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    Das Restaurant Schwerelos liefert sein Essen auf einer Art Achterbahn zu den Kunden ... die Würfelbauten erinnern irgendwie an Bettenburgen am Mittelmeer:

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    Vorbei an uninspirierten Neubauten dann weiter nach Norden:

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    Zur Prager Straße, die noch DDR pur verströmt und angeblich nach dem Vorbild der Rotterdamer Lijnbaan gestaltet wurde, nur irgendwie um den Faktor 10 größer ...

    Auf der westlichen Seite die drei quergestellten Hotels, benannt nach Felsen im Elbsandsteingebirge:

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    Im Osten die Prager Zeile, das zweitlängste Gebäude der DDR mit 250 Meter Länge eine Art von Wohnmaschine in der Tradition von Le Corbusier:

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    Der Blick zurück:

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    Und das frühere Interhotel Lilienstein als krönender Abschluß im Norden:

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    Noch mehr DDR - das Rundkino von 1972, gleich daneben das Mitte der 90er erbauten Kristallkino von coop Himmelb(l)au:

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    Und zum Abschluß der Béton Brut-Phase noch die Fortführung des alten Centrum Warenhauses mit kapitalistischen Mitteln, wobei die Kontinuität in Form der Fassadenkacheln gewahrt bleibt:

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    Nachdem ich jetzt vermutlich die meisten Betrachter abgeschreckt habe, geht es dann mit den Hits der Nachwendezeit und dem besten aus dem Stalinbarock weiter.

    What you teach people to do is admirable, but what you teach them to believe is foolish.

    Mongkut

  • Die Nachwendebauten sind eher kontraproduktiv. Man hätte die Prager Straße wie auch den Alexanderplatz in Berlin so lassen sollen, oder völlig durchrekonstruieren. Die derartigen Zustände sind architektonisch ein Desaster.

  • Dresden ist irgendwie eine seltsame Stadt, es gibt das geniale Neumarktprojekt, was mich begeistert, es gibt erhaltene Viertel und die einmalige Lage. Aber es gibt kaum annehmbare Neubauten verglichen mit anderen Städten wie Magdeburg, wo man es ja geschafft hat, an exponierter Stelle Plattenbauten abzureißen (was ich mir auch für die Innere Neustadt wünschen würde, oder vielleicht auch nicht, wenn ich mir vorstelle, was da entstehen würde).

    What you teach people to do is admirable, but what you teach them to believe is foolish.

    Mongkut

  • Man sollte nicht den Fehler machen und glauben, in den gleichen Zeitsträngen, wie sie in 20, 21, 22 Jahren auf dem Neumarkt abgelaufen sind, müßte bzw. könnte die Entwicklung allgemein weiterverlaufen. Die weiteren Entwicklungen sind bereits vorauszusehen, leider. Der Nicht-Wiederaufbau des Oppenheim ist da scheinbar doch sehr aussagekräftig. Zumindest für unsere Lebenszeit kann man Altmarkt, Prager Straße etc. als abgeschlossene Gebiete ansehen. Der Stadthighway wird eine Konstante bleiben, mit der man rechnen muß. Insoweit sind viele Weichen für die Zukunft gestellt und die Perforation der Gesamtheit Dresdens wird eine Lebensrealität bleiben, so schwierig es auch fällt, sich daran gewöhnen zu wollen. Insoweit bleibt einem für die Zukunft so etwas wie eine Achse vom Zwinger bis zum Kurländer sowie in der Verlängerung vom Neustädter Markt bis hin zu Albertplatz mit solchen Abschweifungen wie Neustädter Markthalle und Kunsthof; oder anders frei mit Richard von Weizsäcker ausgedrückt: Schauen wir den Realitäten in Dresden, so gut wir es können, ins Auge.

  • Man sollte nicht den Fehler machen und glauben, in den gleichen Zeitsträngen, wie sie in 20, 21, 22 Jahren auf dem Neumarkt abgelaufen sind, müßte bzw. könnte die Entwicklung allgemein weiterverlaufen. Die weiteren Entwicklungen sind bereits vorauszusehen, leider. Der Nicht-Wiederaufbau des Oppenheim ist da scheinbar doch sehr aussagekräftig. Zumindest für unsere Lebenszeit kann man Altmarkt, Prager Straße etc. als abgeschlossene Gebiete ansehen. Der Stadthighway wird eine Konstante bleiben, mit der man rechnen muß. Insoweit sind viele Weichen für die Zukunft gestellt und die Perforation der Gesamtheit Dresdens wird eine Lebensrealität bleiben, so schwierig es auch fällt, sich daran gewöhnen zu wollen. Insoweit bleibt einem für die Zukunft so etwas wie eine Achse vom Zwinger bis zum Kurländer sowie in der Verlängerung vom Neustädter Markt bis hin zu Albertplatz mit solchen Abschweifungen wie Neustädter Markthalle und Kunsthof; oder anders frei mit Richard von Weizsäcker ausgedrückt: Schauen wir den Realitäten in Dresden, so gut wir es können, ins Auge.


    Neumarkt und jetzt Königsufer sind Projekte, um die engagierte Bürger jahrzehntelang hart mit der Stadt ringen mussten. Es wurden und werden diesen Projekten bis heute massive Steine in den Weg gelegt. Wer also glaubt, die Stadt hat nach dem immensen Erfolg des Neumarkts begriffen, dass Schönheit nicht nur Touristen sondern auch Dresdner glücklich macht, und jede Menge Geld in die Kassen spült, der irrt gewaltig. Merkt man auch an der Diskussion um den Neubau der Carola-Brücke. Die einmalige Chance die Stadt hier schöner zu machen, vor allem den Altstadtbereich weiter aufzuwerten, interessiert die Stadtobersten scheinbar überhaupt nicht. Hauptsache möglichst schnell (andere Länder lachen sich über die deutsche Schnelligkeit natürlich krumm und schief) irgendeine Brücke her.

  • Die Nachwendebauten sind eher kontraproduktiv. Man hätte die Prager Straße wie auch den Alexanderplatz in Berlin so lassen sollen, oder völlig durchrekonstruieren. Die derartigen Zustände sind architektonisch ein Desaster.

    100 Prozent d'accord: Die alte Prager Strasse ist sowieso für immer verloren, dann lieber eine sanierte DDR-Version, die irgendwie ihre (monströse) Qualitäten hatte. Jetzt ist ein Spagat zwischen DDR und Kommerz (fürchterliche Werbeanlagen überall).

  • Völlig unfaßbar ist vor allem der flächendeckende Abriß in Dresden, dem auch zahllose aufbaufähige Gebäude zum Opfer fielen.

    Man schaue sich mal die DDR-Version der Prager Straße an, die Bauten stehen praktisch wie eine Insel im Nichts von Grünanlagen:

    Moderne Regional

    Das erinnert eher an eine Planstadt wie Brasilia.

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    Mongkut

  • Wir hatten die Diskussion schon öfters. Für mich bleibt es dabei: Die völlige Aufgabe der Parzellierung wie in Dresden hatte verheerende Folgen für den Wiederaufbau. Bei aller Kritik des Westdeutschen Wiederaufbaus sind solche Strassen für mich hundert Mal erträglicher als die Wüste in Dresden. Hier ein Paar konkrete Beispiele:

    Der Bereich Semmelstrasse in Würzburg

    Die Innenstadt in Düsseldorf (keine Schönheit, aber lebendig)

    Die Südstadt in Hannover

    Alles Bereiche, die 1945 genau so zerstört waren wie Dresden.

    Zum Vergleich: Dresden  Seevorstadt

  • In lichten Momenten muss man einfach immer wieder feststellen, dass dieser ganze sogenannte Modernismus einfach nur so unendlich unfassbar mies ist. Wollte man es absichtlich richtig extrem schlecht machen, so ähnlich müsste das Resultat wohl aussehen, allerorten. Pareto lässt grüssen, 80% der Architekten sind 100% im falschen Beruf (so wie es in allen anderen Berufsgruppen sicher auch der Fall ist), nur im Städtebau eben ist es flagrant sichtbar, Inkompetenz der NPCs, täglich direkt in die...

  • Die völlige Aufgabe der Parzellierung wie in Dresden hatte verheerende Folgen für den Wiederaufbau

    Stimmt - wobei es aber noch viel schlimmer geht, wie wir in Teil 2 feststellen werden. Und das schlimmste ist, daß es auf riesigen Flächen exakt so aussieht - grüne Wiese und dann immer dieselben Zeilenbauten irgendwie darauf gestellt (dasselbe Bild in Magdeburg und sonstwo). Das gibt es auch im Westen und sogar in meiner Kleinstadt, aber als kleine Siedlung und nicht als Hauptbebauungsform.

    Die extremste Ausprägung ist sicherlich das Areal des früheren Plattenwerks Johannstadt in Dresden mit kompletter Leere:

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    Mongkut

  • lichte Momente

    muß man nicht immer alleine bei sich selbst suchen, sondern man sollte davon ausgehen, daß sie einfach da sind. Wenn man das Vergnügen haben durfte, noch einen der damaligen Architekten zu kennen, wird man in diesem Fall mit völlig anderen Denkstrukturen konfrontiert, die zwar zu so mancherlei Nachdenken führen; die eigene Position, so wie sie hier über die Jahre wächst und gedeiht, schlußendlich aber mehr und mehr bestärkt; auch wenn das in Selbsteinschätzung auf die

    lichten Momente

    für einen Außenstehenden vielleicht etwas problematisch erscheint. Im Fall der wohl auf ewig verhunzten Prager Straße muß die Erkenntnis lauten: für Parzellen und weniger Ideologie.

  • Wir kommen nun am Karstadt (meines Erachtens von Mitte der 90er) vorbei und erreichen den Dr.-Külz-Ring (unmittelbar oberhalb der 2 im obigen Stadtplan):

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    Links der tortenförmige Nachwendebau der Commerzbank, dahinter die DDR-Bebauung:

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    Blick nach rechts auf das stark vereinfacht aufgebaute Rathaus mit dem charakteristischen Turm, alle Bauten links davon dürften nach 2000 entstanden sein - zu DDR-Zeiten standen nur die beiden Riegel im "Stalinbarock" rechts und links, dazwischen gab es keinerlei Bebauung - siehe auch die Luftaufnahmen ganz unten auf dieser Seite zu DDR-Architektur

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    Hier betreten wir die "Altstadt" mit der Seestraße, das gelbe Gebäude im Hintergrund gehört bereits zur endlos langen Häuserzeile, die bis zur Wilsdruffer Straße reicht, zur Entstehungsgeschichte inkl. historischer Fotos siehe Das neue Dresden

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    Weiter nach Norden, Blick nach rechts zum Rathausturm, völlig seelenlose Investorenarchitektur mit toten Gassen, bestenfalls halbherzig an das Umfeld angepaßt:

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    Rechts die schon mehrfach zerstörte Kreuzkirche, die Bebauung drumherum ... na ja, ganz hinten ist übrigens schon der Kulturpalast zu sehen:

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    Nochmals die Kreuzkirche:

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    Kreuzkirche aus der Nähe:

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    Von dort aus bin ich Richtung Osten in die kleinteilige DDR-Bebauung gegangen, so daß ich tatsächlich den Altmarkt überhaupt nicht fotografiert habe ... daher reiche ich noch Fotos von 2013 nach. Hier aber erst einmal der Blick über die Weiße Gasse zur Frauenkirche:

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    Hier noch die Fotos von 2013 - nördliches Ende der endlosen Altmarkt-Westseite mit Wilsdruffer Straße:

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    Kulturpalast mit Schloßturm:

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    Und das Haus Altmarkt der ungleich kürzeren Ostseite des Altmarkts, die ja an der Kreuzkirche endet:

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    Der Altmarkt wurde zu DDR nur noch durch die beiden Häuserzeilen in Nord-Süd-Richtung gegliedert und gigantisch vergrößert, auch das formal durchaus reizvolle Haus Altmarkt sprengt mit seiner Baumasse jegliche Maßstäbe.

    Zudem wurde die Wilsdruffer Straße zu einer riesigen Schneise verbreitert, die die Innenstadt in zwei Hälften teilt. Noch viel schlimmer hätte man das ganze Areal nicht verunstalten können ...

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    Mongkut

  • Das ist das gute Problem der autogerechten Innenstadt .Eigentlich der größte und schwerste Gegner für uns bei der Rekonstruktion von Alstädten, weil hierdurch die Struktur der Städte bedingt ist, und Gebäude nicht mehr dort aufgebaut werden können, wo sie eigentlich hingehören, und daher nicht mehr so wirken wie vor der der Zerstörung. In Dresden das Hotel Stadt Rom. In Potsdam vor allem der Achteckenplatz,

  • Das skurrile ist ja, daß Dresden schon zu DDR-Zeiten als autogerechte Stadt geplant wurde, obwohl der Verkehr ja sehr viel geringer war als im Westen ... ideologisch motiviert. Rudolf Hillebrecht aus Hannover war entsprechend auch vom Nachkriegs-Dresden sehr angetan ... die machen ja praktisch dasselbe wie wir!

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    Mongkut

  • Ein auf zwei Seiten wiederaufgebauter Altmarkt, eine Einkaufs- und Promeniermeile, eine Aufmarschmagistrale vom Postplatz bis zum Pirnaischen Platz, eine autogerechte Stadt nach Vorbild West, ein Parkplatz und ein Wiederaufbau nach Eindrücken von Rotterdam. Das Leben kann so einfach sein.

  • Wobei das angebliche Vorbild, die Lijnbaan in Rotterdam, ganz anders aussieht (abgesehen von 3 querstehenden Wohnblöcken), und Rotterdam tatsächlich mit konsequent modernen Mitteln ein recht attraktives Stadtbild geschaffen hat.

    Diese Magistrale sollte ja nach einem Abriß der Inneren Neustadt noch weitergehen, das hätte dann ähnlich wie die Prager Straße ausgesehen.

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    Mongkut

  • Das skurrile ist ja, daß Dresden schon zu DDR-Zeiten als autogerechte Stadt geplant wurde, obwohl der Verkehr ja sehr viel geringer war als im Westen ... ideologisch motiviert. Rudolf Hillebrecht aus Hannover war entsprechend auch vom Nachkriegs-Dresden sehr angetan ... die machen ja praktisch dasselbe wie wir!

    Viele Städte wurden schon im Dritten Reich als autogerecht geplant. Traditionelle Stadtbilder sollten auf folkloristische Inseln innerhalb des Stadtbildes ausgesetzt werden. Nichts anderes ist in vielen Städten dann auch geschehen., sowohl vor dem Krieg, während des Krieges, als auch danach.

  • Das skurrile ist ja, daß Dresden schon zu DDR-Zeiten als autogerechte Stadt geplant wurde, obwohl der Verkehr ja sehr viel geringer war als im Westen ... ideologisch motiviert.

    Einen schönen Einblick in die damalige Gedankenwelt bietet das Buch Böhm / Dörge "Unsere Welt von Morgen". Es erschien 1959 zum ersten Mal und hatte einen Prognosezeitraum von 25 Jahren. Einen kleinen Einblick in das Buch bietet die folgende Seite - die Gedanken fanden Eingang in das Mosaik von Hannes Hegen:

    Unsere Welt von Morgen – MosaPedia

    Ich habe das Buch als Schüler in den achziger Jahren gelesen. Da konnte man Prognose und Realität so wunderbar vergleichen.

  • Zentrales Argument für diese Ausmaße war in den 50ern gar nicht so sehr der kaum vorhandene Autoverkehr, sondern Platz zu schaffen für Aufmärsche.