Zur Unterscheidung von Burg und Schloss

  • Nachdem ich im Dezember die Unterschiede zwischen Dom, Münster und Kathedrale vorgestellt habe, widme ich mich nun der Typologie von Burg und Schloss:

    Burg oder Schloss? Welches ist die korrekte Bezeichnung und welche Kriterien sind bei der Unterscheidung von Bauwerken dieser beiden Kategorien heranzuziehen? Tatsächlich wird im deutschsprachigen Raum eine typologische Unterscheidung zwischen Burgen und Schlössern vorgenommen, die sich auch architekturhistorisch erklären lässt. Das ist deshalb zu betonen, weil in vielen anderen Sprachen eine solche Differenzierung nicht vorgenommen wird. Man denke nur an castle, château oder castello. Nur das Tschechische kennt die Bezeichnung hrad für eine Burg und zamek für ein Schloss.

    Zunächst ist festzuhalten, dass mit beiden Bezeichnungen ein Wohnsitz des Adels angesprochen wird. In der Angehörigkeit des Bauherren zu unterschiedlichen gesellschaftlichen Schichten ist die Unterscheidung zwischen Burgen und Schlössern also gewiss nicht zu suchen. Es fällt allerdings auf, dass der Sprachwandel sich an den Grenzen von historischen Epochen nachvollziehen lässt. Es ist der Übergang vom Mittelalter zur Neuzeit, der aus Burgen Schlösser macht. Wo zuvor romanische und gotische Burganlagen – häufig als Höhenburgen – entstanden, stehen nun Renaissanceschlösser und Schlossanlagen des Barock – nicht selten in der Ebene. Entscheidend ist dabei weniger der Baustil, als vielmehr der Funktionswandel der Adelssitze, der umwälzenden gesellschaftlichen und kriegstechnischen Veränderungen geschuldet ist. Dem wollen wir auf den Grund gehen.

    Weiterlesen:

    Zur Typologie und Unterscheidung von Burg und Schloss
    Burg oder Schloss - eine Typologie vom mittelalterlichen Wehrbau zu den repräsentativen Residenzen und Festungsbauten der frühen Neuzeit
    www.zeilenabstand.net
  • Eine Burg dient Verteidigungszwecken und ein Schloss ist eine Residenz

    Das ist so sehr heruntergebrochen, dass ich eigentlich sagen würde, dass dies dann doch zu einfach ist, denn Burgen können ebenso als Residenz dienen und Schlösser können Verteidigungszwecke einbeziehen. Noch dazu gibt es Schlösser, die gar keine Residenz waren. Es gab allerdings eine allmähliche Verschiebung der funktionalen Bindung. Hast du meinen Artikel dazu gelesen? Ich hatte gehofft, dies herausgestellt zu haben.

  • Deine Ausführungen decken sich mit dem, was mir bekannt war:

    Die Burg dient zugleich militärischen Zwecken als auch dem Wohnen, in Abgrenzung zur Festungsanlage einerseits, deren primärer Zweck die Verteidigung ist und andererseits zu den eigentlichen Schlössern, die primär dem zivilen Aufenthalt dienen.

    Wenn auch die Besatzung vielleicht in der Festungsanlage lebt und das Schloß oder eher die Schloßanlage über Verteidigungseinrichtjngen verfügt, so sind dies doch nur Hilfs-oder notwendige Nebenfunktionen.

  • Die Burg dient zugleich militärischen Zwecken als auch dem Wohnen, in Abgrenzung zur Festungsanlage einerseits, deren primärer Zweck die Verteidigung ist und andererseits zu den eigentlichen Schlössern, die primär dem zivilen Aufenthalt dienen.

    Wobei die Chronologie zu beachten ist. Reine Festungsanlagen kommen erst dann in der Geschichte (die Antike sei in dieser Betrachtung vollkommen ausgenommen) auf, als die Burg ihre Bestimmung verloren hat und es zu einer Funktionstrennung von Wohnen und Verteidigung kommt. Anders ausgedrückt: Diese Festungsanlagen sind Ausdruck dieser Funktionstrennung.

  • Das Problem liegt bei den Stadtburgen wie der Hofburg und dem Hradschin. Vergleiche dazu: Berliner Stadtschloss und Louvre. Man könnte meinen: Dort wo eine komplette (barocke) Neubebauung stattfand, spricht man von "Schloss", sonst von Burg. Aber das dürfte historisch gesehen auch nicht so stimmen.

    Nur das Tschechische kennt die Bezeichnung hrad für eine Burg und zamek für ein Schloss.

    Das Polnische doch auch, oder? Gród wawelski bzw Zamek Wawelski.

    Interessant ist auch der tschechische Doppelsinn von "zamek", der genau dem Deutschen entspricht.

  • Das Polnische doch auch, oder? Gród wawelski bzw Zamek Wawelski.

    Ich bin mir nicht sicher, ob im Polnischen die Differenzierung der Begrifflichkeiten so ausgeprägt ist oder es hier eher eine Verschiebung zum synonymen Gebrauch gibt. Vielleicht kann Rastrelli da etwas beisteuern.

  • Das Problem liegt bei den Stadtburgen wie der Hofburg und dem Hradschin.

    Hradschin (Hradčany) ist nicht der Name der Burg, sondern der Siedlung, die in ihrem westlichen Vorfeld entstand. Das Wort Hradčany ist eine Ableitung zu alttschechisch hradec (Nebenburg oder Burg zweiten Ranges) und bezeichnet eine Siedlung in der Nachbarschaft einer solchen Burg. "Nebenburg" weil im 12. Jahrhundert über lange Zeit nur der Bischof auf der Burg wohnte, während der Fürst den Vyšehrad bevorzugte. Hradčany ist heute der Name eines Prager Stadtviertels. Es umfasst die ehemalige Stadt Hradčany und das Burgareal. Da Hradschin mal eine Stadt war, gibt es auch ein historisches Hradschiner Rathaus (Loretánská 1). Ich weiß, dass "Hradschin" seit der frühen Neuzeit immer mal wieder als ungenaue Beizeichnung für die Burg auftaucht, aber es ist schon sinnvoll, die richtigen Namen zu verwenden. Die Burg heißt Prager Burg (Pražský hrad). Ihr ursprünglicher Name war Praga (seit dem 12./13. Jh. Praha). Er wurde bald auf die Siedlungen, die in ihrem Schutze entstanden, übertragen.

    Zur Unterscheidung Burg und Schloss. In der frühen Neuzeit war die Bezeichnung Schloss sehr beliebt. Auch die Prager Burg wurde gelegentlich so genannt. Daran erinnern heute zwei Aufgänge, die von der Kleinseite zur Burg hinauf führen - die Schlossstiege (Zámecké schody) und die Alte Schlossstiege (Staré zámecké schody). Heute ist die Bezeichnung Schloss in Bezug auf die Prager Burg oder einzelne Teilbereiche von ihr nicht in Gebrauch.

    Sieht man von der Westseite am Hradschiner Platz (Hradčanské náměstí) ab, so ist die Prager Burg auch heute noch als Höhenburg erkennbar. Im Westen war die Burg einst durch Gräben und Mauern geschützt. Hier sind die Veränderungen in der Zeit des Barock größer als an den anderen Außenseiten der Burg.

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    Prager Burg, Blick vom Garten "Auf den Wällen" zum theresianischen Südflügel, in der Mitte die Stiertreppe, die zum 3. Burghof hinaufführt. Ganz oben ragt der Südturm der Kathedrale hervor. Rechts der Alte Königspalast (Starý královský palác)
    (Foto: Francesco Gasparetti, 8. August 2007, CC-BY-2.0)

    Vom südlichen Gartenbereich "Auf den Wällen" (zahrada Na Valech) erscheinen die Bauten ungewöhnlich hoch. Die Burghöfe und die Georgsgasse (Jiřská) liegen ja wesentlich höher als der schmale Garten auf dem Hang. Im Mittelalter war der Hang befestigt und diente der Verteidigung. Erst als die Wehrfunktion in den Hintergrund trat, konnte man hier Gärten anlegen. Der Garten Auf den Wällen geht auf eine Allee zurück, die hier nach Bodenaufschüttungen unter Maria Theresia angelegt wurde. Die Stiertreppe (Býčí schodiště) ermöglicht erst seit 1929 den bequemen Übergang vom 3. Burghof in den Garten. Vorher gab es nur Zugänge am westlichen und am östlichen Ende.

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    Prager Burg, Blick vom Königlichen Garten zum Wehrturm Mihulka und zur Kathedrale St. Veit
    (Foto: Edelmauswaldgeist, 3. Mai 2023, CC-BY-SA-4.0)

    Der Königliche Garten (Královská zahrada) erstreckt sich im Norden parallel zur Burg, von der er durch eine tiefe Schlucht, den Hirschgraben (Jelení příkop), getrennt ist. Der Geschützturm Mihulka wurde im 16. Jahrhundert von Benedikt Ried erbaut. An ihn schließt sich ein erhaltenes Stück Wehrmauer an. Da die Wehrbauten der Nordseite hinter den Häusern an den Höfen und Gassen der Burg versteckt sind, bleiben sie vielen Besuchern der Prager Burg verborgen.

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    Prager Burg, Blick vom Königlichen Garten über den Hirschgraben zum Wehrturm Daliborka und dem dahinter aufragenden Schwarzen Turm
    (Foto: Edelmauswaldgeist, 3. Mai 2023, CC-BY-SA-4.0)

    Die stadtabgewandte Nordseite der Burg hat sich weitgehend ein romantisches "burgenartiges" Aussehen bewahrt. Der Wehrturm Daliborka wurde 1496 vollendet.

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    Prager Burg, Osttor und Schwarzer Turm (Foto: Falk2, 23. Februar 2015, CC-BY-SA-4.0)

    Der Schwarze Turm (Černá věž) stammt noch aus romanischer Zeit. Das östliche Burgtor wurde später etwas versetzt. Der heutige Torbau entstand um 1560. Die Prager Burg hat auch heute nur drei Hauptzugänge. Neben dem Osttor ist dies das Gigantentor am Hradschiner Platz im Westen sowie der Zugang über die Pulverbrücke im Norden. Von untergeordneter Bedeutung ist der Zugang über den 4. Burghof, der ja nur ein Nebeneingang vom Hradschiner Platz ist, und die Möglichkeit des Aufstiegs über die Gärten unter der Burg (von der Valdštejnská), die ja nur während der Öffnungszeiten der Gärten besteht.

  • Die Prager Burg ist also tatsächlich eine Burg. Und der Wawel?

    Gród wawelski bzw Zamek Wawelski

    Weder noch. Der Wawel gilt im Polnischen nur als "Hügel" (Wzgórze Wawelskie). Man spricht also nicht von Burg oder Schloss Wawel, sondern vom Schloss auf dem Wawel (zamek na Wawelu). Außerdem gibt es auf dem Wawel noch die Kathedrale, Nebengebäude und Befestigungen. Das Ganze wird aber nicht als "Burg" bezeichnet.

    Gröd ist von der Wortform her die polnische Entsprechung zu tschech. hrad. Gröd wird aber seltener verwendet und kann in der Dichtersprache auch Stadt bedeuten. Das Standardwort für Burg und Schloss ist im Polnischen zamek.

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    Jan Nepomucen Głowacki, Ansicht des Wawel von Nordwesten, 1845, Öl auf Papier, auf Leinwand übertragen. Besitz: Staatliche Kunstsammlungen Wawel, Krakau

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    Krakau (Kraków), Königsschloss auf dem Wawel (Zamek Królewski na Wawelu), Ansicht von Nordosten
    (Foto: Jakub Hałun, 4. August 2007, CC-BY-SA-3.0)

    Die Bastion im Vordergrund wurde erst 1850 errichtet. In früheren Jahrhunderten sah die Befestigung an der Ecke anders aus. Das Schloss stammt im Wesentlichen aus der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts, bezieht aber auch ältere Teile ein, wie den erkerartigen Bau gleich links vom Eckturm.

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    Medžybiž, Schloss, Südseite, über den Südlichen Bug gesehen (Foto: Kyzja86, 26. Juli 2020, CC-BY-SA-4.0)

    Das Schloss in Medžybiž (poln. Międzybóż) in Podolien (Ukraine) stammt im Wesentlichen aus dem 16. Jahrhundert. Es ist ein schönes Beispiel für ein Schloss mit Doppelfunktion als Wehrbau und Adelsitz. Solche Schlösser werden als zamek (poln.), zamok (ukr.) bzw. zamak (bel.) bezeichnet. Im Russischen steht zamok meist für Burgen oder befestigte Schlösser nichtrussischer Herkunft.

    Interessant ist auch der tschechische Doppelsinn von "zamek", der genau dem Deutschen entspricht.

    Ja. Das gilt für tschech. zámek und poln. zamek. Im Slowakischen heißt Schloss (als Gebäude) zámok. Für die Bedeutung Türschloss nimmt man aber meist zámka, also ein ähnliches Wort. Im Ukrainischen und Russischen wird die Betonung zur Unterscheidung genutzt. Schloss als Gebäude ist zamok mit Betonung auf der ersten Silbe. In der Bedeutung Türschloss wird zamok auf der zweiten Silbe betont.

  • Die Burg dient zugleich militärischen Zwecken als auch dem Wohnen, in Abgrenzung zur Festungsanlage einerseits, deren primärer Zweck die Verteidigung ist und andererseits zu den eigentlichen Schlössern, die primär dem zivilen Aufenthalt dienen.

    Ja aber diese Begriffe wurden so erst im 19. Jahrhundert überschrieben als man bemüht war alle Dinge in Kategorien einzuteilen. Im Mittelalter ist eine Burg einfach eine Befestigung, der Begriff kommt möglicherweise vom römischen Burgus also einem Kleinkastell. Auch Städte tragen den Begriff Burg in sich wie zum Beispiel Regensburg oder Strassburg.

    Die klassiche Adelsburg für den viele den Begriff Burg alleinig verstehen kommt erst im 11. Jahrhundert auf. Zwar gibt es bereits zuvor Adelssitze in Burgen doch handelt es dabei eher um Stadtähnliche Befestigungen.

    Parallel wird auch der Begriff Feste, Festung also Befestigung verwendet.

    Ebenfalls parallel wird der Begriff Schloss verwendet der sich jedoch gegen Ende des Mittelalters gegenüber der Burg durchsetzt. Einen baulichen Unterschied zur Burg gibt es zunächst jedoch nicht. Da aber ab dem 16. Jahrhundert vermehrt unbefestigte Adelssitze gebaut werden wird der Begriff des Schlosses mit diesen in Verbindung gebracht. Eine Unterscheidung von wie wir sie heute kenne gab es nicht. Der Begriff selbst ist recht einleuchtend da Schloss = abgeschlossen man kommt also nicht hinein.

  • Wobei die Chronologie zu beachten ist. Reine Festungsanlagen kommen erst dann in der Geschichte (die Antike sei in dieser Betrachtung vollkommen ausgenommen) auf, als die Burg ihre Bestimmung verloren hat und es zu einer Funktionstrennung von Wohnen und Verteidigung kommt. Anders ausgedrückt: Diese Festungsanlagen sind Ausdruck dieser Funktionstrennung.

    Schon im Frühmittelalter gibt es Festungsanlagen die nicht zum Wohnen gebaut wurden. Bekannt vor allem die in der Zeit der Ungarneinfälle gebauten Fliehburgen. Dort gab es zwar einen Verwalter der die Burg instandhalten musste bis dem Zeitpunkt an dem sie gebraucht wurde. Dieser war aber kein Adliger. Auch nach dem aufkommen der klassischen Adelsburgen im 11. Jahrhundert haben wir die Situation dass Adlige die mehrere Burgen besaßen die sie nicht gleichzeitig bewohenen konnten diese an Ministeriale verliehen. Der Unterschied zu den späteren Garnisonen besteht darin dass der Ministeriale von dem geliehenen Land leben musste, der Kommandant einer Garnison hingegen besoldet wurde. Dies liegt an den Gesellschaftlichen Veränderungen vom Mittelalter zur Neuzeit.

    Demgegenüber können auch Neuzeitliche Festungen immer noch Adelssitze sein. So ist der innerste Teil der Festung Hohentwiel nur dem Herzog von Württemberg vorbehalten. Erst im 18. Jahrhundert als die Besuche des Herzogs ausbleiben wird die Herzogsburg auch für andere Zwecke genutzt.

  • Schon im Frühmittelalter gibt es Festungsanlagen die nicht zum Wohnen gebaut wurden. Bekannt vor allem die in der Zeit der Ungarneinfälle gebauten Fliehburgen.

    Das ist richtig bzw. der Typus der Fliehburg geht weit in frühgeschichtliche Zeit zurück und ist deutlich von der Evolution der Adelsburg zu scheiden. Es handelt sich um eine ganz andere Entwicklungslinie, die am Ende des Frühmittelalters weitestgehend abbricht. In aller Regel waren diese Anlagen nicht einmal aus Stein errichtet, sondern meist ringförmige Wallanlagen. In diesem Kontext sind auch slawische Burgwälle zu sehen. Deshalb habe ich diesen Typus auch nicht in meinem Artikel zum Thema gemacht.

  • Das ist deshalb zu betonen, weil in vielen anderen Sprachen eine solche Differenzierung nicht vorgenommen wird. Man denke nur an castle, château oder castello.

    Andere Sprachen haben auch verschiedene Worte, meist aus dem Lateinischen hergeleitet wie Buckingham Palace vs. Windsor Castle. Der Tower of London heißt offiziell "His Majesty's Royal Palace and Fortress of the Tower of London" und verbindet gleich drei Begriffe palace, fortress und tower.

    Burg, burgus, Borg, burh, πύργος (?)

    Turm, turris, tower (of London)

    Kastell, castellum, castle, chateau, alcázar, al-qasr -> hier wird es kompliziert, im Deutschen hat sich stattdessen das Wort Burg durchgesetzt

    Fort / Festung, fortis, fortress (Fort Knox)

    Zitadelle, it: cittadella, citadel

    Bastion, Bastille (Sturm auf die)

    Garnison, fr garnison, garrison

    Palast, palatium (Hügel in Rom), Palas, Pfalz, palace, palais, palazzo, -> im Deutschen hat sich eher das Wort Schloss durchgesetzt

    Schloss... keine Herleitung in anderen Sprachen? Etwas zum verschließen, verwirrend also eher eine wehrhafte Burg als ein barockes Schloss. Das englische "Keep" ist als Wehrturm vielleicht äquivalent als Ort zum sicheren Aufbewahren.

  • Andere Sprachen haben auch verschiedene Worte, meist aus dem Lateinischen hergeleitet wie Buckingham Palace vs. Windsor Castle.

    Das ist zwar richtig, aber der entscheidende Punkt ist, ob diese Begriffe auch eine Differenzierung in der Funktionalität der Bauten beschreiben oder doch eher willkürlich angewandt werden. Im Englischen gibt es nämlich gerade kein Äquivalent zu der Bezeichnung als Burg, die den befestigten Adelssitz des Mittelalters meint. Castle steht für Burg und Schloss zugleich.

  • Ja aber diese Begriffe wurden so erst im 19. Jahrhundert überschrieben als man bemüht war alle Dinge in Kategorien einzuteilen.

    Kategorialisierungen gehören zur Sprache dazu. Das ist nichts Neues. Es gibt verschiedene Begriffe mit unterschiedlichem Bedeutungsumfang. Wir müssen unterscheiden zwischen der heutigen Fachsprache, zwischen Benennungen, die als Eigennamen fungieren, und zwischen den Begriffen, die in den Schriftquellen vorkommen.

    Schon im Frühmittelalter gibt es Festungsanlagen die nicht zum Wohnen gebaut wurden. Bekannt vor allem die in der Zeit der Ungarneinfälle gebauten Fliehburgen.

    Diese werden aber nicht als Festungen bezeichnet. Nicht in der modernen Fachsprache und nicht in den Quellen. Die Quellen sind in jener Zeit im Abendland lateinisch. Da finden wir zum Beispiel die Bezeichnung oppidum.

    Im Mittelalter ist eine Burg einfach eine Befestigung, der Begriff kommt möglicherweise vom römischen Burgus also einem Kleinkastell.

    Das Wort burgus ist germanischen Ursprungs. Burg hängt mit bergen, Geborgenheit zusammen. Wehranlagen kennt die Menschheit seit es Waffengewalt und eine gewisse soziale Differenzierung gibt. Weder die germanischen Stämme noch die slawischen Stämme brauchten deshalb ein Wort für Burg oder Schloss aus dem Lateinischen zu entlehnen.

    Das lateinische Wort oppidum bezeichnet eine Befestigungsanlage, aber auch eine kleine Stadt oder frühgeschichtliche Siedlung. Das lateinische Verb oppilo bedeutet versperren, verrammeln, verschließen. Das passt also zu dt. Schloss oder tschech. zámek, zu denen es ja auch eintsprechende Verben gibt - dt. schließen, tschech. zamknout. Ähnlich auch in einigen anderen germanischen bzw. slawischen Sprachen.

    Der Tower of London heißt offiziell "His Majesty's Royal Palace and Fortress of the Tower of London" und verbindet gleich drei Begriffe palace, fortress und tower.

    Tower of London ist ein Eigenname. Das englische Appellativum tower hat nur die Bedeutung Turm, nicht Burg.

    Garnison, fr garnison, garrison

    Garnison bezeichnet eine Personengruppe bzw. eine Institution, aber nicht einen baulichen Komplex. Deshalb passt das Wort nicht in unser Thema.

    Die klassiche Adelsburg für den viele den Begriff Burg alleinig verstehen kommt erst im 11. Jahrhundert auf. Zwar gibt es bereits zuvor Adelssitze in Burgen doch handelt es dabei eher um Stadtähnliche Befestigungen.

    Mir ist nicht klar, was du mit "stadtähnlichen Befestigungen" meinst. Generell sind Städte im Mittelalter oft ähnlich befestigt wie Burgen. Der Sitz eines Feudalherrn bildet aber einen eigenen Rechtsbezirk und wird durch eine Wehranlage von der übrigen Siedlung separiert.

  • Tower of London ist ein Eigenname. Das englische Appellativum tower hat nur die Bedeutung Turm, nicht Burg.

    Garnison bezeichnet eine Personengruppe bzw. eine Institution, aber nicht einen baulichen Komplex. Deshalb passt das Wort nicht in unser Thema.

    Das Wort burgus ist germanischen Ursprungs. Burg hängt mit bergen, Geborgenheit zusammen. Wehranlagen kennt die Menschheit seit es Waffengewalt und eine gewisse soziale Differenzierung gibt. Weder die germanischen Stämme noch die slawischen Stämme brauchten deshalb ein Wort für Burg oder Schloss aus dem Lateinischen zu entlehnen.

    Der namensgebende "White Tower" vereint große Halle, Wohnräumen und Kapelle. Die englische Kategorie ist "Keep", im Deutschen wiederum selten als Donjon (fr. Turm des Herrschers) bezeichnet. Wohnturm wäre ein passender deutscher Begriff, etwa das Nassauer Haus in Nürnberg, welches aber heute als "Haus" bezeichnet wird.

    Garnison bezeichnet zuerst den Ort von Truppen laut Duden, Zweitbedeutung die Truppen selber. Garnisonen können auch unbefestigt sein, etwa Kasernen oder ganze Garnisonsstädte, wobei Mauern oder Zäune dazu dienen, dass die eigenen Soldaten nicht weglaufen.

    Die Gelehrten sind nicht einig, ob burgus germanischen, lateinischen oder gar griechischen Ursprungs ist. Das römische Lager Asciburgium wurde kurz vor der Zeitenwende gebaut und beinhaltet bereits burg als Name. Guter Artikel zu Herleitung von Burg: https://www.dh-lehre.gwi.uni-muenchen.de/?glossar=burgus