Umbau des Metropol - Club Goya

  • Ich wundere mich etwas, warum das Thema noch gar nicht aufgegriffen wurde.


    Deswegen greife ich dieses Thema mal auf und frage ich Euch, was ihr davon haltet?


    Hier ersteinmal die off. Homepage:


    http://www.goya-berlin.de/deutsch/index.htm



    Quote

    ...Das 1907 erbaute ehemalige Neue Deutsche Schauspielhaus war eines der bedeutendsten deutschen Theater und wurde in den späten 70er Jahren unter dem Nahmen Metropol als Discothek genutzt. Der architekt Hans Kollhoff entwarf für Goya einen 15 Meter hohen ovalen Raum, dessen zwei Balkonetagen von einem Säulenensemble getragen werden. Stuck, Holz, Zinn und Leder dominieren den in Schwarz-Weiß gehaltenen Raum. ...


    Quelle: Der Tagesspiegel Ausg. 8.Nov.2005 Seite 13


    Hier ein kleiner Eindruck von dem Inneren:



    Der Mozartsaal. Hier wurden seit 1907 Konzerte aufgeführt.




    So fristete er die letzten Jahre sein Dasein






    Und so sieht er durch die Umgestaltung Kollhoffs aus



    So , die Diskussion ist eröffnet...

  • Wäre es ein Neubau würde ich sagen: gelungen! Wirklich optimal wäre trotzdem der Originalzustand...

    Wenn du ein Haus baust, denke an die Stadt (Luigi Snozzi)

  • Ich kenne das Projekt (über das der Spiegel auch schon berichtet hat) und die meisten der Bilder hier von den ganzseitigen Anzeigen in der FAZ/Sonntagszeitung, die so aufgemacht sind, daß sie wie FAZ-Artikel aussehen (und viele Leser halten sie trotz des kleinen Schriftzugs "Anzeige" links oben bestimmt auch dafür).


    Zunächst ist es natürlich erfreulich, daß dieses Gebäude, dessen Abriß lange Zeit drohte, erhalten und genutzt wird. Aber was hat Kollhoff da bloß aus dem alten Saal gemacht? Ich kann irgendwie keine Gemeinsamkeiten zwischen dem alten und dem neuen Saal entdecken. Hat Kollhoff etwa alles entkernt, zugemauert und neu gemacht? Das wäre eigentlich nicht unbedingt seine Handschrift, und dann hätten die doch auch gleich einen Neubau errichten oder irgendeine Fabrikhalle nehmen können. Oder übersehe ich da was? :? :?::?:

  • wow, korinthische Säulen. Kollhoff sagte ja seinerzeit, als sein Kulturtempelentwurf für Bastians Fettkunst präsentiert wurde, daß es keinen wirklichen Sinn macht, Fantasiesäulen zu erfinden. Als Baustoff war sogar vorgesehen, Travertin heranzuziehen.


    Würde mich beim Goyaentwurf allerdings darüber freuen, wenn die Kapitelle der untersten Etage stärker herausgeformt wären.

  • Also, ich finde das Ergebnis nicht schlecht. Erinnert mich ein bisschen an die Essener Lichtburg aus den Zwanzigern. Nur ich finde genauso, dass der Saal vorher es verdient hätte, im Ursprungszustand restauriert zu werden. Als ich den Namen Kollhoff las, wunderte ich mich auch etwas- ich hätte gedacht, dass gerade er den vorhandenen Stuck mit einbezieht. Stand eigentlich der Saal nicht unter Denkmalschutz?

  • Also mir gefällt das Projekt, trotz der teilweise zu sehr auf Anpassung bedachten Nüchternheit.


    Übrigens: Wir hatten das Thema im alten Forum bereits. ;)

    Eine der vorzüglichsten Eigenschaften von Gebäuden ist historische Tiefe.
    Die Quelle aller Geschichte ist Tradition. (Schiller)
    Eine Stadt muss ihren Bürgern gefallen, nicht den Architekten.

  • Ja? Hatten wir? Ich les das jetzt zum ersten Mal.


    Zugegeben, Kollhoff's Entwurf sieht toll aus... aber nicht wenn der restliche noch vorhandene Stuck dafür geopfert werden muss... fände eine Innenraumreko hier sinnvoller zumal ja die besten Bedingungen hierfür gegeben sind.

    Wo die Sonne der Kultur niedrig steht, werfen selbst Zwerge lange Schatten
    Karl Kraus (1874-1936)

  • Der Saal macht im derzeitigen Zustand eigentlich einen bautechnisch recht gesunden Eindruck. Da währe es meiner Ansicht nach nicht nur schöner sonder vielleicht sogar günstiger, ihn originalgetreu wieder herzustellen...
    s sieht so aus, als ob Kollhoff die Emporen wesentlich breiter machen will und diese dann von den Säulenreihen stützen will. Durchaus möglich, dass dahinter die Tonnengewölbe mit dem Kasettenstuck erhalten bleiben.

    "... es allen Recht zu machen, ist eine Kunst, die niemand kann..." (Goethe)

  • Also mir gefällt, auch wenn der Entwurf relativ schlicht ist, find ich ihn sehr interssant

  • zumindest entsteht durch die ovalen Emporen mehr Platz... bleibt abzuwarten, ob der dann auch genutzt wird.

    "... es allen Recht zu machen, ist eine Kunst, die niemand kann..." (Goethe)

  • Eröffnung am 1.Dezember '05


    wenig begeisterter Artikel hierzu im Spiegel-Online
    [url=http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,386499,00.html]Bussi-Bussi im Tanzpalast[/url]


    Der Artikel enthält jedoch auch kleine Baustellenphotos, so ist z.B. zu sehen, daß der alte Stuck des Tonnengewölbes erhalten blieb, aber auch, daß die 'dorischen' Säulen entgegen der Computervisualisierung keinen Abakus mehr aufweisen. Bleibt die Hoffnunf auf korinthische Kapitelle in der oberen Etage und die Kronleuchter der ersten Visualisierung.


    Sollte der Club Erfolg haben, so scheint es mir im Bereich des Möglichen, daß Teile der Fassade wiederhergestellt werden. Lohnend wären da vielleicht die dorischen Säulen im Eingangsbereich und die rund verlaufenden Säulengänge zu beiden Seiten des 'Risalits'. Dies würde meines Erachtens den Übergang zu den Tempelanhängen der Seitentürme wiederherstellen, um dem Gebäude eine homogene Gesamtaussage zu geben. Der Vergleich mit Nachkriegsbildern zeigt nämlich, daß schon einmal eine Wiederherstellung stattfand ( Dennoch weist der Ursprungsbau einige Details auf, die man sich auch gerne weiterhin sparen kann ). Interessant in diesem Zusammenhang auch die Abschlusskante auf der linken Seite des Schauspielhauses, die dereinst den Übergang zum Nachbargebäude vollzog, heute aber allein dasteht.
    Ich sehe gerade auch noch, daß das Gebäude 1978 einen "Jesus-Center" hatte. :)


    ( Anklicken der Bilder führt zu größeren Versionen )

    Quelle: Bildindex.de



    -->Heutige Situation

  • Übrigens, schaut Euch mal die Kandelaber auf dem älteren Bild an und dann meckert nicht über die Einfachheit der Dresdner Neumarktkandelaber! 8)


  • Foto: ddp / aus: BERLINER MORGENPOST


    Goya meldet Insolvenz an - Club bleibt vorerst geöffnet
    Sanierungsfachmann Peter Leonhardt ist zuversichtlich - Keine Kündigung der 92 Mitarbeiter


    Artikel in der BERLINER MORGENPOST:
    http://morgenpost.berlin1.de/c…/03/04/berlin/814566.html


    Letztendlich ist es egal, wer dieses Haus betreibt. Hauptsache die Restaurierung und der prächtige Innenausbau bleiben erhalten... :P

    Der Wind gedreht
    Albtraum verweht
    Zum Schluss jetzt das Glück
    Das Schloss kommt zurück!

  • Na das ging aber schnell. Hätte ich nicht erwartet. Liegt wahrscheinlich daran, dass die Berliner eher auf Subkultur stehen und alles kommerzielle verneinen.

  • Quote

    Liegt wahrscheinlich daran, dass die Berliner eher auf Subkultur stehen und alles kommerzielle verneinen.


    Is' zwar off topic, aber daran liegt's meiner Meinung nach nicht. Der Grund ist wohl eher das total verfehlte marketing. Die Betreiber des "Goya" haben ihren Laden (zumindest hier in Berlin) als so exklusiv und elitär vermarktet, daß sich einfach kein Normalsterblicher mehr hingetraut hat.
    Sie haben von Anfang an der Öffentlichkeit vermittelt, daß im "Goya" eigentlich nur die Aktionäre erwünscht seien, die diese sündhaft teuren Aktienpakete erworben haben, und allenfalls noch die ganz Schönen, die ganz Prominenten und die ganz Reichen, (soweit die nicht eh' schon Aktionäre wären).
    Als das "Goya" dann folgerichtig gähnend leer blieb, fingen die Betreiber panisch an umzusteueren und starteten eine Pressekampagne, in der versichert wurde, selbstverständlich dürften auch Leute kommen, die weder Aktionäre, noch reich, schön und berühmt sind. Wenn ein anderer Eindruck entstanden sei, sei das ein bedauerliches Mißverständnis.
    Aber da war's halt schon zu spät, um den Laden noch vor der Pleite zu retten.
    Schon erstaunlich, wie man so 'ne eigentlich nette Idee aus eigener Dusseligkeit so völlig in den Sand setzen kann.