Wismar - Wiederaufbau des Gotischen Viertels

  • Ich dachte hier geht es um den "Wiederaufbau des Gotischen Viertels", wie der Titel suggeriert, und nicht um die Aufarbeitung der Geschichte der Zerstörung - von der Zeit der Bilderstürmer der Reformation, über Zerstörung im 2. WK, über Zerstörung in der Nachkriegszeit bis zu Abbruch und Vandalismus der Neuzeit... Was hat der Versuch der Klärung einer "Schuldfrage" mit der Entscheidung für oder gegen den Wiederaufbau zu tun? Die Gebäude sind ja nicht einmal ideologisch belastet wie das Nürnberger Reichsparteitagsgelände. Okay, die Kirchen vielleicht mit ihrem Bezug zur christlichen Religion. Und manch armer sibirischer Pelzhändler mag durch Kaufleute der Hanse auch übers Ohr gehauen worden sein und musste dadurch weiter in prekären Verhältnissen leben.

    Robs Beitrag war ja völlig "harmlos", er liebt halt Auflistungen, das ist so seine Art, und hier hat er halt aufgelistet, alles was dem deutschen Städtebau nicht ganz so zuträglich war, angefangen von den Entstuckungen der Zwischenkriegszeit.

    Dass es sich bei Klassiker s Beitrag mitnichten um eine "harmlose" und "wertfreie" Auflistung just for the record, also nur für die Statistik oder einen allgemeinen geschichtlichen Überblick handelt, lässt sich aus seinen vielen anderen Beiträgen im ganzen Forum schließen, die nicht wertfrei angebracht werden.

    Hier geht es um den Wiederaufbau, nicht um die Chronologie der Zerstörung.

  • Wirklich eine wunderbare Rekonstruktion! Vorallem die Farbe der Ziegelsteine ist außergewöhnlich gut gewählt. Man findet kaum noch traditionell gebrannte Ziegelsteine, die in ihrem Aussehen mit anderer historischer Substanz harmonieren.

    Lübeck, mein Lübeck, an der Waterkant
    Königin der Hanse, Perle am Ostseestrand.

  • Stimmt , der kleine aber Feine Unterschied zur Marienkirche ist : ( Das im Gegensatz zu St. Georgen bei ihr nur noch der Turm steht , bei St. Georgen standen aber noch " die meisten Umfassungsmauern , wenn auch gewölbelos " . )Da lohnte sich der Aufwand einer Vollrekonstruktion der Sakristei . Bei St. Marien müsste das Kirchenschiff aus dem nichts wiedererstehen , samt Gewölbe !

  • Wismar gehört mit Recht zum Weltkulturerbe. Ich habe die sehr hohe Qualität der Kirchenarchitektur in Wismar immer bewundert. Der Innenaufbau in Backstein war sehr glatt und elegant in allen drei Kirchen. Da wirken im Vergleich, z.B. die Stralsunder Jakobikirche oder die Wolgaster Petrikiche etwas grob in der Ausführung. Gottseidank sind unter den drei großen Wismar Kirchen die wohl zwei schönsten erhalten: St.Nikolai und St. Georg. Der allerbesten Teil der Marienkirche-- ihr Stadtbildprägender Turm-- ist zum Glück auch erhalten. Tatsache ist aber, daß (nach dem Dresdener Wiederaufbau) die Marienkirche der gravierendste Kirchenverlust in ganz Deutschland ist. Die Rostocker Jakobikirche würde ich an zweiter Stelle platzieren.


    Es ist ein trauriges Schicksal daß ausgerechnet das gotische Viertel zertört wurde, obwohl Wismar als ganzes doch sehr gut erhalten war. Man soll jetzt vor allem verhindern das irgendein Klotz auf den erhaltenen Keller der alten Schule kommt. Die Schule, oder mindestens ihr Schaugiebel, wäre doch sehr leicht wieder aufzubauen. Es eilt ja nicht mit einem Wiederaufbau. Freilich ist es nicht möglich heutzutage eine riesige Kirche vom Grund wieder aufzubauen, wo auf dem Lande, besonders in Mecklenburg Vorpommern, so viele mittelalterliche Dorfkirchen gefährdet sind und dringendst Rettungsmaßnahmen benötigen.

  • Die Rostocker Jakobikirche würde ich an zweiter Stelle platzieren.

    Oder die Bremer Ansgariikirche! Ansonsten fällt mir aber auch kaum etwas ein. Es ist eine Tragödie, dass es gerade in der ansonsten so gut erhalten gebliebenen Wismarer Altstadt ein so klaffendes Loch gibt, und 2 der ehemals allerwichtigsten Bauten (St. Marien und Alte Schule) heute einfach fehlen...

  • Letztlich liegt der Hund im Nichtwiederaufbau der Marienkirche begraben. Man muss schon zugeben, dass die Lateinschule alleine am Rande dieser Brachfläche keine Wiedererstehung des Gotischen Viertels bewirken würde. Der geplante Klotz an ihrer Stelle ist zwar lachhaft schiach, aber letztlich harmlos, weil jederzeit entfernbar. Mir gefällt an sich die Marienkirche besser als die Georgenkirche, und ihr Verlust ist für das Wismarer Stadtbild wohl der allerschwerste. In jedem zivilisierten Land hätte man so etwas schon längst aufgebaut, und ich finde, dass dieses Versäumnis der BRD mehr zur Last fällt als der Abriss der alten DDR. So eine Wunde am offenen Körper zu kultivieren, das ist schon ganz typisch für ein Land, wo die Intellektuellen derart konditioniert sind, dass man nicht einmal den Kriegsverlust bedauern darf ohne dass sie daher gestürmt kommen und dich mit erhobenem Zeigefinger belehren: Die Deutschen haben ... das und das und das. In so einem Klima wächst halt nichts so recht Gedeihliches. Das muss man halt auch offen sagen. Das was in den Metropolen Dresden, Berlin (dazu muss man wohl auch Potsdam zählen) Frankfurt möglich war - wo der Status quo ja ganz objektiv so erbärmlich gewesen ist, dass es wirklich nicht mehr ging! - , lässt sich in der Provinz nicht wiederholen. Man belehre mich eines Besseren: über ein wirklich großes Rekoprojekt in einer Provinzstadt. Magdeburg, Ulrichskirche, Halle, Altes Rathaus, Nürnberg, Pellerhaus (mit Fassade), Rostock Marktplatz - das alles kann nichts werden.

    Es ist zu einem Gutteil dieser Geist der Selbst-Verachtung. Wer nur gebückt durchs Leben geht, erweist sich als zu klein für große Aufgaben.

    Augustinus (354-430) - Zweiundzwanzig Bücher über den Gottesstaat
    14. Buch 9. Kapitel
    Der Staat oder die Genossenschaft der nicht gottgemäß, sondern nach dem Menschen wandelnden Gottlosen dagegen, die eben infolge der Verehrung einer falschen und der Verachtung der wahren Gottheit Menschenlehren anhangen oder Lehren der Dämonen, er wird von den bezeichneten verkehrten Gemütserregungen geschüttelt wie von Fieberschauern und Stürmen.

  • Gilt, ist aber auch schon älter, also nicht dem heutigen Zeitgeist entsprungen, genauso wie Braunschweig, Schloss und Alte Waage.

    Augustinus (354-430) - Zweiundzwanzig Bücher über den Gottesstaat
    14. Buch 9. Kapitel
    Der Staat oder die Genossenschaft der nicht gottgemäß, sondern nach dem Menschen wandelnden Gottlosen dagegen, die eben infolge der Verehrung einer falschen und der Verachtung der wahren Gottheit Menschenlehren anhangen oder Lehren der Dämonen, er wird von den bezeichneten verkehrten Gemütserregungen geschüttelt wie von Fieberschauern und Stürmen.

  • Stimmt, das war sogar das erste größere Rekoprojekt überhaupt, glaube ich. Wirklich sehr schade, dass man damals nicht gleich auch den genauso bedeutenden Andreasplatz wiederaufgebaut hat! Heute leider völlig unrealistisch, wegen diesem absurden "Denkmalschutz" dort...

  • Weiß nicht, ob es EIN Projekt oder vielmehr Stückwerk war. Als ich in der Stadt war, war gerade das Wedekindsche Haus fertig geworden, vom KHAH war da noch überhaupt keine Rede.

    Augustinus (354-430) - Zweiundzwanzig Bücher über den Gottesstaat
    14. Buch 9. Kapitel
    Der Staat oder die Genossenschaft der nicht gottgemäß, sondern nach dem Menschen wandelnden Gottlosen dagegen, die eben infolge der Verehrung einer falschen und der Verachtung der wahren Gottheit Menschenlehren anhangen oder Lehren der Dämonen, er wird von den bezeichneten verkehrten Gemütserregungen geschüttelt wie von Fieberschauern und Stürmen.

  • Letztlich liegt der Hund im Nichtwiederaufbau der Marienkirche begraben. ... ihr Verlust ist für das Wismarer Stadtbild wohl der allerschwerste. In jedem zivilisierten Land hätte man so etwas schon längst aufgebaut, ...

    Das sehe ich auch so. Trotz aller Bemühungen wie das "Marienforum" ist diese Wunde unendlich groß und schmerzhaft. Schon aus etlichen Kilometern Entfernung sieht man dass im Zentrums Wismars eine verstümmelte Kirche steht.

  • Und dazu noch diese Windradln…

    Augustinus (354-430) - Zweiundzwanzig Bücher über den Gottesstaat
    14. Buch 9. Kapitel
    Der Staat oder die Genossenschaft der nicht gottgemäß, sondern nach dem Menschen wandelnden Gottlosen dagegen, die eben infolge der Verehrung einer falschen und der Verachtung der wahren Gottheit Menschenlehren anhangen oder Lehren der Dämonen, er wird von den bezeichneten verkehrten Gemütserregungen geschüttelt wie von Fieberschauern und Stürmen.

  • Vor wenigen Tagen fand der - wohl seit Jahrzehnten - erste Gottesdienst in St. Marien bzw. im nunmehrigen Marienforum statt. >> Bild, Bild.

  • Scheint ja äußerst würdig gewesen zu sein. Aber vielleicht fehlt mir da die feine Antenne für gewisse Protestantismen.

    Augustinus (354-430) - Zweiundzwanzig Bücher über den Gottesstaat
    14. Buch 9. Kapitel
    Der Staat oder die Genossenschaft der nicht gottgemäß, sondern nach dem Menschen wandelnden Gottlosen dagegen, die eben infolge der Verehrung einer falschen und der Verachtung der wahren Gottheit Menschenlehren anhangen oder Lehren der Dämonen, er wird von den bezeichneten verkehrten Gemütserregungen geschüttelt wie von Fieberschauern und Stürmen.

  • Ausbau zum Bürgerzentrum Cruciskirche, (Sondershausen)


    Urheber : https://commons.wikimedia.org/wiki/User:HieRo_GlyPhe Lizenz : https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0


    https://upload.wikimedia.org/w…00px-Cruciskirche_SDH.JPG

    ________________________________________________________________________________________________________


    https://www.google.de/url?sa=t…Vaw0AFPMpaXulRnuv3MyHRAhc


    Das wäre doch eine Idee für die zumindest Äußere Marienkirchenrekonstruktion .

  • Im Stadtarchiv Wismar läuft derzeit eine Ausstellung über die Zerstörung des Gotischen Viertels im April 1945. Dazu ein Bericht mit schönen Bildern aus alter Zeit:


  • Es ist traurig zu sehen, dass St Marien nicht so schwer zerstört gewesen ist. Sogar der Dachstuhl war noch halbwegs erhalten.

    Ich bin für die Vollrekonstruktion von St Marien und auch der Lateinschule.

    Es wird zwar ein unglaublich hoher finanzieller Aufwand, aber er wird sich lohnen.

    Das Stadtbild wird einzigartig werden, es kommen also mehr Touristen.

    Außerdem kann man beim Wiederaufbau Erfahrungen im Kathedralbau sammeln...usw...usw

  • Für eine Kirche wie St. Marien dürfte dort kein Nutzungsbedarf existieren. Bei der Alten Schule könnte ich mir hingegen eine Nutzung z.B. als Wohngebäude oder Geschäftshaus vorstellen. Hier bräuchte es einen Investor mit Sinn für Historie.