Wismar - Wiederaufbau des Gotischen Viertels

  • Der im Mittelalter unvollendete Turm hat seit 2014 eine Aussichtsplattform, deren Wirkung aus der Ferne aber an einen Container erinnert und m.E. völlig misslungen ist.

    Dieser Vorschlag aus der Bauverwaltung wurde - wohl auf Druck von Modernisten - leider nicht umgesetzt:



    Blick vom Fürstenhof, einem der bedeutendsten Bauten der Renaissance in Norddeutschland nach St. Georgen bzw. zum Turm der Marienkirche:

  • Die Reste der Alten Schule sind schon seit Jahren unter diesem Holzverschlag mit Gucklöchern unwürdig "verpackt", der geplante Nachfolgebau aber wird noch deutlich grauenhafter.


    Weiter geht es zu Marienkirche, von der es "dank" den Roten Taliban nur noch den Turm gibt (dieser konnte zum Verdruss der SED als internationales Seezeichen nicht beseitigt werden, dabei hätte man doch so gerne ein sozialistisches "Kulturhochhaus" an dieser Stelle gehabt). Die Fläche des ehemaligen Kirchenschiffs wurde in den letzten Jahren durch Nachzeichnung der Grundmauern (Höhe 80- 100cm) als "St. Marien-Forum" wieder sichtbar gemacht:

    .

  • Diese Brachfläche ist natürlich erbärmlich, aber ansonsten, also abgesehen von diesem ehem. Kirchplatz, scheint das Viertel noch ziemlich intakt zu ein, oder?

    Was den "Nachfolgebau" der Alten Schule betrifft, so kostet das einem nur mehr einen kurzen, höhnischen Auflacher. Mit "unseren Eliten", die so etwas vorsehen, ist irgendwas schiefgelaufen.

    Auch von mir eine Frage:

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    was ist das für ein toller got. Giebelbau?

    Augustinus (354-430) - Zweiundzwanzig Bücher über den Gottesstaat
    14. Buch 9. Kapitel
    Der Staat oder die Genossenschaft der nicht gottgemäß, sondern nach dem Menschen wandelnden Gottlosen dagegen, die eben infolge der Verehrung einer falschen und der Verachtung der wahren Gottheit Menschenlehren anhangen oder Lehren der Dämonen, er wird von den bezeichneten verkehrten Gemütserregungen geschüttelt wie von Fieberschauern und Stürmen.

  • Oh mann seid ihr schnell mit euren Fragen. Der Rote Giebelbau ist das gotische Archidiakonat, das im Zweiten Weltkrieg und durch die Sprengung der Marienkirche schwere Schäden erlitt, aber in den 60er Jahren restauriert werden konnte.


    Zu den Nachkriegsbauten im Viertel gehört die aus Trümmersteinen der Marienkirche erbaute "Neue Kirche", wahrlich kein schlechter Bau:


    Abschließend die Marienkirche mit Umgebung im Modell, Vergleich vor 1945 und heute:

  • Komisch... Da hat der Rote Taliban zuerst die einst dritthöchste (Gewölbehöhe) gotische Backsteinkirche Europas fast restlos vernichtet, und dann das von der Sprengung in Mitleidenschaft gezogene Archiadiakonat nicht nur gerettet, sondern anscheinend sogar recht liebevoll restauriert. Einfach nur schizophren!


    Zum Glück haben diese Irren nicht auch noch die Georgenkirche gesprengt...

  • Heast Oida… so kann man das wirklich nicht schreiben, mal ganz abgesehen von der Formulierung "Rote Taliban", die viele Forumsfreunde verärgern muss...

    Man muss auch einem politischen Gegner schon eine gewisse Konsequenz zubilligen. Es war ein atheistisches Regime, das dennoch grundsätzlich Kirchen erhalten hat. Was sollte man mit gleich zwei Kirchenruinen auf einem Fleck? Ganz sicher war diese hohe, steile Ruine enorm für die Passanten gefährlich. "Irr" waren diese Sprenger sicher nicht.

    Darf ich auf das Schicksal der Bremer Asgariikirche verweisen? Waren das auch Taliban?

    Und was das Heute betrifft: jede Wette, dass sich in Wismar für höchst schädliche und schändliche Zwecke verbrauchte Gelder bequem für einen Wiederaufbau umschichten ließen. Diese Gelder hatte die SED, die immerhin für die eigene Bevölkerung Wohnraum schaffen musste, zweifelsohne nicht so leicht bei der Hand. So viel auch noch zu den "Irren".

    Vernichtet hat all diese Kirchen letztlich ein anderer, und auch Ulbrichts Bemerkung anlässlich des Berliner Stadtschlosses, man solle gegen wen anderen protestieren ist letztlich so gaaanz unrichtig nicht.

    Grade auf das Gewölbe, auf welches du abstellst, war nicht mehr vorhanden:

    https://www.drohnen-forum.de/index.php/Thread/26564-Wismar/


    Nicht, dass diese Sprengungen aus heutiger Sicht positiv zu beurteilen wären.

    Und bei Gelegenheit, weil du dieses interessante Detail erwähnt hast: was sind die beiden höchsten Backstein-Kirchenschiffe?

    Augustinus (354-430) - Zweiundzwanzig Bücher über den Gottesstaat
    14. Buch 9. Kapitel
    Der Staat oder die Genossenschaft der nicht gottgemäß, sondern nach dem Menschen wandelnden Gottlosen dagegen, die eben infolge der Verehrung einer falschen und der Verachtung der wahren Gottheit Menschenlehren anhangen oder Lehren der Dämonen, er wird von den bezeichneten verkehrten Gemütserregungen geschüttelt wie von Fieberschauern und Stürmen.

  • Darf ich auf das Schicksal der Bremer Asgariikirche verweisen?


    In dem einen Deutschland war es oft Geldgier, im anderen Deutschland oft Ideologie. Beides im Ergebnis unschön und kein Grund, das eine mit dem anderen zu relativieren.

    98% of everything that is built and designed today is pure shit. There's no sense of design, no respect for humanity or for anything else. Frank Gehry

  • ursus carpaticus

    Der Turm von St. Ansgarii zu Bremen ist schon Monate vor Kriegsende eingestürzt, weil ein Bombeneinschlag das Gebäude destabilisiert hatte. Was danach noch von der Kirche übrig war, wurde bei einem letzten Bombenangriff fast restlos zerstört. St. Marien zu Wismar stand aber auch 15 Jahre nach Kriegsende noch, und hätte eigentlich “nur” neu eingewölbt werden müssen (wie Notre Dame heute - unvorstellbar, dass die Franzosen diese Kirche deshalb jemals SPRENGEN würden!). Entschuldige, aber dieser barbarische Akt der Vernichtung ist einfach durch nichts zu entschuldigen, und dasselbe gilt auch für den Bombenangriff, der gerade in dem einst schönsten Viertel Wismars solche Schäden hinterließ...


    Das höchste Backsteinkirchenschiff gehört übrigens der im Krieg ebenfalls schwerstens beschädigten Marienkirche zu Lübeck, und das zweithöchste dürfte das Schiff der stralsunder Marienkirche sein (bemerkenswert, dass im deutschen Ostseeraum die Marienkirchen fast immer die größten und höchsten sind!).

  • Wer ein kunsthistorisch hoch bedeutendes und problemlos wiederherstellbares Bauwerk - begleitet von viel ideologischer Propaganda - mutwillig vernichtet, der ist ein Taliban. Ob "rot" oder eine sonstige Weltanschauung die Begleitmusik darstellt ist demgegenüber gleichgültig.

    Bedauerlich ist aber dass durch diese überflüssige und vermutlich noch fleißig fortgesetzte Diskussion mein Foto-Rundgang ganz schnell in der Versenkung verschwindet (da die meisten Besucher vermutlich nicht mehrere Seiten zurückblättern). Von daher ist es wohl vergebliche Liebesmüh hier Beiträge zu posten, die einen viel Mühe und Zeit kosten.

  • Foto-Rundgang ganz schnell in der Versenkung verschwindet

    Ist er nicht. Danke für die Bilder.


    (Leider müssen in diesem Forum ja immer wieder solche Diskussionen wie zuletzt geführt werden - wobei Du in der Sache, was den kulturlosen Akt der Zerstörung der Marienkirche angeht, Recht hast)

  • wobei Du in der Sache, was den kulturlosen Akt der Zerstörung der Marienkirche angeht, Recht hast)

    Und da hätte man früher einfach gesagt: Die Kommunisten waren es. Warum einige jetzt auf die Titulierung "Rote Taliban" Wert legen, ist mir ein Rätsel. Sprecht ihr dann, wenn es um Afghanistan geht, von der "grünen SED"?


    Maecenas

    Auch von mir explizit danke für deine schöne Bilderserie und Infos! Solche Beiträge aus der Provinz mit inhaltlicher Substanz sind sehr wichtig.

  • Hier viele Infos und super Bilder:


    http://www.seppweb.net/ruetz


    Wobei ich dabei bleibe_ es waren primär nicht die Kommunisten.

    Augustinus (354-430) - Zweiundzwanzig Bücher über den Gottesstaat
    14. Buch 9. Kapitel
    Der Staat oder die Genossenschaft der nicht gottgemäß, sondern nach dem Menschen wandelnden Gottlosen dagegen, die eben infolge der Verehrung einer falschen und der Verachtung der wahren Gottheit Menschenlehren anhangen oder Lehren der Dämonen, er wird von den bezeichneten verkehrten Gemütserregungen geschüttelt wie von Fieberschauern und Stürmen.

  • Ich beobachte die Sache seit langem. Es gibt einen Verein, aber die Leute kriegen nichts hin. Die Marienkirche ist zu rekonstruieren, und auch die Lateinschule. Das Verhalten der Stadtverwaltung ist peinlich provinziell und unerträglich.