Wismar - Wiederaufbau des Gotischen Viertels

  • Weil sie sich nicht an Fristen gehalten hat, musste die Stadt Wismar der ursprünglich beauftragten Firma kündigen.


    Aufzug, Treppe und Aussichtsplattform auf dem Turm der Wismarer Georgenkirche sollten zur Urlaubssaison fertiggestellt sein. Jetzt können die Arbeiten vermutlich erst zum Jahresende beendet werden, wie Burkhard Rode vom Gebäudemanagement der Hansestadt Wismar mitteilte. Das mit dem Schachtgerüst für den Aufzug und die Fluchttreppe beauftragte Stahlbauunternehmen habe die Baufristen zweimal nicht eingehalten sowie beanstandete Mängel nicht behoben. Die Hansestadt hat der Firma laut Rode gekündigt und muss mehrere Leistungen erneut ausschreiben.


    (Quelle: Wismarer Ostsee-Zeitung vom 23. Mai 2013)

  • @ Boulevard


    Wissen Sie zufällig wie die Aussichtsplattform genauer aussehen soll? Wird um den (auf dem Foto oben sichtbaren) Aufzugs-Schacht ein Pavillon herum gebaut werden?

    „Die Freiheitsliebe ist bei den Deutschen nicht entwickelt“ (Madame de Stael)

  • In der Ostseezeitung sind heute vielversprechende und detailierte Einzelheiten über die wahrscheinlich in wenigen Monaten fertig gestellte Aussichtsplattform zu erfahren:

    Quote

    Derzeit wird der Untergrund für die Treppenanlage gebaut, auf die zuletzt Granitstufen montiert werden. Ferner wird mitten auf die Plattform ein gläsernes Häuschen gebaut, in das Fahrstuhl und Treppe münden. Es dient als Wetterschutz. Das Gerüst des Häuschens ist aus gewisser Entfernung sichtbar, zum Beispiel von der Lübschen Straße aus .Auf die Plattform wird zudem noch ein Belag aufgebracht und auf die Brüstung in 2,50 Metern Höhe ein Drahtseilgeflecht als Absturzsicherung montiert. Aus Sicherheitsgründen werden sich maximal 30 Besucher auf der Plattform aufhalten dürfen. Sie können um das Häuschen herumlaufen.


    Nicht schlecht! cclap:)


    Weitere Informationen: http://www.ostsee-zeitung.de/M…m-erst-im-Winter-begehbar


    Foto des derzeitigen Zustandes der Aussichtsplattform: http://www.ostsee-zeitung.de/M…from)/1991400/(mode)/full

    „Die Freiheitsliebe ist bei den Deutschen nicht entwickelt“ (Madame de Stael)

  • Siehe hierzu auch die Empfehlungen des UNESCO-Sachverständigenbeirates für das Welterbe Altstadt Wismar im

    Dort heißt es unter anderem:

    • "[…] mit der Akzeptanz der Prämissen, dass […] der spätmittelalterliche Turmstumpf-Notabschluss zu einem späteren Zeitpunkt wieder aufgebaut werden könnte, stimmt der Sachverständigenbeirat der Errichtung der Aussichtsplattform zu"
    • "der Beirat besteht darauf, dass die Durchblicke zwischen dem Westportal und dem Mittelschiff des Langhauses von St. Georgen durch den Einbau von Treppe und Aufzug erhalten bleiben"

    Das lässt hoffen …

    Edited once, last by Maat ().

  • Die Rekonstruktion des schnuckeligen mittelalterlichen Turmhelms wäre mit Sicherheit die schönste Lösung für St. Georgen und das Wismarer Stadt-Panorama gewesen, und eine Aussichtsplattform hätte sich sicherlich auch in den alten Turmhelm integrieren lassen. Leider setzen sich immer die Modernisten durch.
    Dennoch ist die Aussichtsplattform in der nun geplanten Variante (vorerst) keine schlechte Lösung.


    Aber von der Rekonstruktion des mittelalterlichen Turmhelms kann man ja schon mal träumen:
    SIEHE:
    http://www.kirchen-in-wismar.d…-900-80_01_0cc8b8a026.jpg

    „Die Freiheitsliebe ist bei den Deutschen nicht entwickelt“ (Madame de Stael)

    Edited 2 times, last by Maecenas ().

  • Vor etwa 20 Jahren wurde bei der umfassenden Restaurierung der Hamburger Schnitgerorgel in St. Jakobi das von Kemper in der Nachkriegszeit neu angefertigte Gehäuse für eine neue Orgel in der Georgenkirche gesichert. Diese relativ hypothetische Option hat viele Jahre im Raum geschwebt, aber kein lebendes Wesen würde es sich erlauben, ein leeres Kemper-Gehäuse, in das ein neues Werk hineinoperiert werden müßte, einer Orgel von niemand geringerem als Sauer vorzuziehen, auch wenn dieses Werk ein neues Gehäuse bekommen wird, das die Prinzipien des norddeutschen Werkaufbaus sehr verwischt. In diesem Fall hat eine Sauer-Orgel eindeutig das Prevenir.
    Da ich selbst die Register für eine mittelgroße Orgel in meiner Asservatenkammer gelagert habe, ein ganz großer Anteil davon Deutschromantisches Material ist und diese Pfeifen alle auf bessere Zeiten warten, kann ich das nur zu gut nachvollziehen. Es ist nachvollziehbar, daß ein Werk des großen Sauer in eine ebenso bedeutende Kirche gehört, wie auch z.B., da ich das wohl einzig erhaltene Exemplar einer Körfer-Oboe von 1915 oder z.B. auch die Superrarität einer Walcker-Soloflöte habe, diese Register auch irgendwann irgendwo wieder zu ihren Rechten kommen müßten.

  • St. Georgen sollte meiner Meinung nach trotz der säkularen Nutzung auch wieder ein Glockengeläut bekommen. Zu einem Kirchengebäude gehört einfach auch eine erzene Stimme. Das bis zur allgemeinen Glockenbeschlagnahme 1942 (Kriegsmetall) vorhandene war vierstimmig und ziemlich wuchtig (Grundglocke über 5 Tonnen schwer, Ton as°). Die vier Glocken hingen nebeneinander im Turmaufsatz, ohne den Turmaufsatz ist also kein Geläut unterzubringen. Das Geläut sollte auf St. Marien abgestimmt werden und dann im Sinne eines Stadtgeläutes an hohen Feiertagen verwendet werden, oder als weltliches Geläut für bestimmte Veranstaltungen, Mahn- oder Gedenkanlässe...
    Ich bin übrigens von Anfang an - auch aufgrund des in dieser Form von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz vertriebenen Karton-Modellbausatzes - davon ausgegangen, das selbstverständlich die Vorkriegsvariante wieder hergestellt wird als signifikanter Teil der Stadtsilhouette, und bin von der jetzigen Lösung sehr enttäuscht - so gerne ich Aussichtstürme auch nutze.

    Wer zwischen Steinen baut, sollte nicht (mit) Glashäuser(n) (ent)werfen...

    Edited once, last by Ein_Hannoveraner ().

  • Was ist jetzt eigentlich aus den Grundmauern der Marienkirche geworden? Durften/Dürfen diese nun zu Ende gemauert werden oder ist das den roten Stadtoberen immer noch ein Dorn im Auge`?

  • Was ist jetzt eigentlich aus den Grundmauern der Marienkirche geworden? Durften/Dürfen diese nun zu Ende gemauert werden oder ist das den roten Stadtoberen immer noch ein Dorn im Auge`?


    Und was ich mich noch frage, sind die Grundmauern von den Fundamenten und der Substanz her so ausgelegt das sie theoretisch für einen späteren Wiederaufbau verwendet werden könnten?

  • @Kralle


    Danke für die Information. Hoffen wir auf Fortschritt bei dem informativen Mäuerchen.

  • Und ich habe die gleiche Frage wie Kaoru oben. Auf jeden Fall weiß ich aus eigener Anschauung, daß die Mauern ziemlich massiv und teilweise auch einige Metern hoch sind. Und sie gehen der roten Fraktion im Wismarer Stadtrat scheinbar ziemlich auf den Nerven, was m. E. von einer unglaublichen anachronistischen Haltung und Verantwortungslosigkeit auch gegenüber der eigenen Zeitgeschichte spricht. Ich weiß nicht wie innerlich vermodert man sein muß, um die Initiative des Aufmauerns aus solchen Gründen vernichten zu wollen.

    VBI DOLOR IBI VIGILES

  • @ Kaoru + Brandmauer


    Bezüglich der Standfestigkeit der Mauern als Basis für ein mögliches neues Kirchenschiff habe ich in Wismar sehr unterschiedliche Aussagen gehört. Fakt ist, dass die neuen Grundriss-Mauern auf die Mauerstümpfe bzw. Fundamente der gesprengten Kirche draufgemauert wurden, und das sicherlich nicht ohne die gebotene Sorgfalt und Qualität. Von daher gesehen wäre eine Rekonstruktion des Kirchenschiffs sicherlich durchaus möglich.
    Dennoch scheint mir ein Wiederaufbau der Marienkirche sehr unwahrscheinlich zu sein, auch langfristig gesehen. Der Wiederaufbau eines solchen monumentalen und teuren Bauwerks ist leider heutzutage nur dann zu rechtfertigen, wenn es einen sinnvollen Verwendungszweck dafür gibt (Stadtschloss Potsdam: Landtag, Stadtschloss Berlin: Humboldt Forum).
    Und einen solchen "sinnvollen Verwendungszweck" gibt es für die Wismarer Marienkirche nicht, als Gotteshäuser im Altstadtbereich dienen St. Nikolai und die Neue Kirche, als Konzert- und Veranstaltungskirche wird St. Georgen genutzt. Einer weiteren Konzert- oder Gottesdienst-Kirche bedarf es nicht.


    Von daher muss man leider sagen, dass die Roten Taliban mit der Sprengung von St. Marien 1960 wahrscheinlich für immer Fakten geschaffen haben. :weinenstroemen:

    „Die Freiheitsliebe ist bei den Deutschen nicht entwickelt“ (Madame de Stael)

  • Das muss nicht so sein.


    Vielleicht wäre eine Büro- und Wohnnutzung denkbar, zumindest im Dachbereich? Ganz nach dem Vorbild von St. Nikolai in Rostock: http://de.wikipedia.org/wiki/Nikolaikirche_%28Rostock%29


    Der Rest könnte als Galerie/Kunstsammlung genutzt werden, da hat Wismar durchaus Bedarf. Das nächste Kunstmuseum ist in Schwerin.


    Möglich wären auch eine Nutzung als Bibliothek, für geschmackvolle Verkaufsflächen, etc.pp... Beispiele gibt es doch da aus den Niederlanden, Frankreich und auch deutschen Landen zur Genüge. ;)

  • @ Kralle, @ Ein_Hannoveraner:


    Mit Beginn des Wiederaufbaus bin auch ich von einer Rekonstruktion des früheren „Turmstummels“ ausgegangen – von einem Geläut mal ganz abgesehen. Viele andere Spender und Förderer sicherlich auch. Mir persönlich fehlt ohne den Turm der frühere kirchenburgähnliche Charakter und die entsprechende Wirkung auf das Stadtbild. Einerseits bin ich somit enttäuscht.


    Anderseits bin ich froh, dass die Stadt nicht auf den Trichter gekommen ist, einen neugotischen oder zeitgemäßen Turm zu bauen (siehe Dateianhang: Entwurf Hamann um 1900, entnommen aus Steve Ludwig, St. Georgen zu Wismar).

  • Hat jemand hier schon etwas mitbekommen hinsichtlich des Baufortschritts der Aussichtsplattform auf dem Turmstumpf der Wismarer Georgenkirche?
    (Diese soll doch angeblich in wenigen Monaten, Ende 2013 eröffnet werden?!).


    Die Stadt Wismar teile vor einigen Wochen folgendes über die Gestaltung des Turmstumpfes mit:

    Quote

    Die Gestaltung des oberen Abschlusses von Treppenhaus und Aufzug mit ergänzendem Vorraum als einheitliche Glashalle mit niedrigem Sockel wird begrüßt. (…) Der zur Zeit sichtbare Turmabschluss wird sich noch verändern. Die Brüstungsmauer wird mit einer Absturzsicherung aus Stahlseilen bis auf ca. 2,50 m erhöht. Das jetzt noch sichtbare Aufzugsschachtgerüst wird in das noch auf der Plattform zu montierende Treppenhaus integriert.

    Quelle: http://www.wismar.de/media/custom/1800_2410_1.PDF?1377179864


    Schade dass man kaum eine nähere Vorstellung über die zukünftige Optik des Turmabschlusses bekommen kann! :augenkrummblau:
    So (Zustand April 2013) wird es jedenfalls nicht bleiben: Wismar - Wiederaufbau des Gotischen Viertels

    „Die Freiheitsliebe ist bei den Deutschen nicht entwickelt“ (Madame de Stael)

  • Auf der Visualisierung ist das Vorbild für den "geplanten" Georgenturm leicht zu erraten - es ist von St. Petri Lübeck beeinflußt. Bei der Marienkirche erinnert der Turm an eine Mixtur aus Lübeck Marien und dem Petri- Dachreiter. Es ist fast obsolet, sich die Frage zu stellen, ob es gut gewesen wäre, diese zu bauen. Beide würden nicht mehr existieren.

  • Der Entwurf für die Marienkirche ist aber dem historischen Turm nachempfunden, wie auf diversen Stichen von Wismar zu sehen:



    Plus Outre

  • .

    St. Georgen, Bild Wikipedia, H. Luyken


    Vor wenigen Tagen ist in der "Bauwelt" ein sehr interessantes Interview über die Georgenkirche mit der ehemaligen Bürgermeisterin von Wismar, Frau Wilcken erschienen. Darin äußert sich Frau Wilcken über die Geschichte des Wiederaufbaus, über die Zukunft des Hauptaltars und bewertet den Abschluss des Turmes mit der Aussichtsplattform (wird in wenigen Monaten eröffnet werden).


    Einer der Schwerpunkte in dem Interview ist wie gesagt der Turm der Kirche: Völlig zurecht kritisiert Frau Wilcken, dass der Turm der Kirche nicht gemäß mittelalterlichen Planungen aufgestockt worden ist (siehe Bild):

    Quote

    Es gibt nur eine Möglichkeit – die Aussichtsplattform nach oben zu ziehen oder weiter oben noch eine zu machen.“ Jetzt haben wir hier so ein Häuschen auf dem Turmstumpf. (...) Dieses Profil, so wie es sich jetzt darstellt, geht nicht. Die einfachste Lösung wäre, den Turm bis auf Firsthöhe des Langhauses hochzuziehen und dort oben eine zweite Aussichtsplattform einzurichten. Dann hätte man auch einen Blick auf die ganze Stadt, anders als von der derzeitigen Höhe. Die Fenster für dieses Geschoss waren ja schon begonnen, als die Baustelle der Georgenkirche Ende des 16. Jahrhunderts stillgelegt wurde, man sieht sie heute noch. (...) Jetzt fehlen ungefähr 10 Meter aufgehendes Mauerwerk bis zur Firsthöhe vom Langhaus. Ich finde, zu diesem Weiterbau des Turmstumpfs haben wir eine Berechtigung, weil diese Fenster ja nicht 50 Zentimeter hoch werden sollten, sondern in etwa so hoch wie bei der Marienkirche. Dann hätte die Silhouette von Georgen einen geraden Abschluss.

    :applaus:


    Das gesamte Interview gibt es hier >> http://www.bauwelt.de/cms/bauw…?id=11844639#.UtqipGcwe74
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    „Die Freiheitsliebe ist bei den Deutschen nicht entwickelt“ (Madame de Stael)