Dresden - die Schießgasse

  • Civitas fortis, da ginge dann nur das Vorderhaus (in mäßiger Tiefe). Das Palais Riesch mit der südlichen Schmalseite als Eckhaus, daran anschließend die Alte Post in der Verlängerung der Landhausstraße. Die Belichtung des Riesch in diesem Bereich nach Osten fällt weg, dafür kämen Fenster an der Schmalseite.

  • Ich finde die Idee auch überlegenswert, allerdings müsste dann aus dem Namen "Neues Palais Brühl" und einer Infotafel hervorgehen, dass es eine Translozierung ist, wie es dazu kam, die Geschichte des originalen Hauses und wo es heute stehen würde. Auf diese Weise könnte durch eine solche Infotafel einmal mehr didaktisch aufbereitet die wechselseitige Geschichte von Stadterweiterung, Zerstörung, Wiederaufbau und ideologischem Widerstand dokumentiert werden. Es würde sich der südliche Teil der Schießgasse eignen, der dem ehemaligen GHND-Pavillon am Nächsten stand. An dessen Standort ebenfalls erinnert werden sollte, denn ohne ihn wäre der Neumarkt in heutiger Gestalt nicht möglich gewesen.

  • Der GHND-Pavillon steht/stand ja dort, wo bei dem rechten "Torhaus" eine große vorgelagerte Terrasse auf dem Erdgeschoss bestand - also auch ein Pavillon-artiger Bau:

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    Bildnachweis: altesdresden.de

    Ein transloziert rekonstruiertes Palais Brühl müsste, wenn dieses Torgebäude auch wiederkommen sollte, einen Teil desselben einnehmen, also dessen Fassade an der Rückseite zur Schießgasse ab der Ecke ersetzen. Ich bin mir deshalb gerade nicht mehr sicher, ob mir das gefiele, weil eine Rekonstruktion dieses Torgebäudes am Originalstandort zu bevorzugen wäre.

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    Bildnachweis: altesdresden.de

    Wenn das Palais Brühl erst ab der folgenden Parzelle anschließen würde, wäre es allerdings zu lang, um einen Platz vor dem Mittelrisalit des Polizeipräsidiums freihalten zu können. Aber vielleicht wäre eine Rekonstruktion ausschließlich der Mittelfassade des Palais Brühl ja auch schon etwas wert ...?

  • Guter Punkt, Civitas Fortis, das Torgebäude wäre natürlich zu bevorzugen. Die einzig städtebaulich akzeptable Funktion eines Palais Brühl wäre ja der Abschluss/Point de Vue einer Straße vor einem großen Hindernis, damals die Stadtbefestigung, heute kann ich mir da nur die Pirnaische Schneise vorstellen. Aber es geht ja genau darum, sie zu überwinden und die Altstadt nach Osten zu erweitern, also stellt sich mir dann doch die Frage, wo ein Palais Brühl im ursprünglichen Sinne seiner städtebaulichen Funktion Sinn ergeben könnte.

  • Der GHND-Pavillon steht/stand ja dort, wo bei dem rechten "Torhaus" eine große vorgelagerte Terrasse auf dem Erdgeschoss bestand - also auch ein Pavillon-artiger Bau:

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    Bildnachweis: altesdresden.de


    Besser als nichts und besser als eine moderne Neubebauung. Man kann halt dann keine Blockrandbebauung verwirklichen, sondern nur ein paar andere Solitäre auf diese attraktive Fläche setzen.

    Wann ist das eigentlich gebaut worden? 1840er?

  • Die Gebäude beiderseits der Landhausstraße entstanden nach der Niederlegung der Festung nach Plänen Gottlob Friedrich Thormeyers ab 1816; das Pirnaische Tor wurde 1820 abgebrochen. Das genaue Baujahr der Gebäude weiß ich nicht.

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    Bildnachweis: altesdresden.de

    Die Seite des Gebäudes zur Schießgasse scheint aber älter zu sein und direkt am Pirnaischen Tor angebaut gewesen zu sein, was auch den leichten Knick in der Fassade erklärt, und eine Rekonstruktion aus meiner Sicht noch mehr begründet:

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    Bildnachweis: Friedrich August Kannegiesser (1768–1845), Public domain, via Wikimedia Commons

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    Bildnachweis: altesdresden.de

    Blockrandbebauung am Ring (ehem. Feldseite der Stadtbefestigung) könnte sich ja trotzdem an der Terrasse anschließen.

  • (...)


    Blockrandbebauung am Ring (ehem. Feldseite der Stadtbefestigung) könnte sich ja trotzdem an der Terrasse anschließen.


    Denkbar, aber die Terrasse lebt eigentlich von der ´freien Lage´. Quasi das Vorschiff auf dem Ausflugsdampfer.

  • Also um mal wieder zu den Realitäten Dresdens des Jahres 2024 zurückzukommen: es wird ganz sicher den nächsten zehn Jahren eine Bebauung des Schießgassen-Areals geben (= lukrative Innenstadt-Grundstücke). Das steht fest. Und das wird wohl mit Ausnahme des kleinen Hauses Schießgasse 24, für das sich wohl die GHND einsetzen würde (gleich neben dem KP), eine zeitgenössische Bebauung sein.

    Gleichwohl plädiere ich sehr dafür, diese im Stil der Neumarkt-Neubauten kleinteilig, mit Dach und angepasst vorzunehmen. Eine Orientierung an dem Thormeyer - Gebäude fände ich auch super, jedoch macht diese eigentlich erst Sinn, wenn sein südliches Gegenüber auch wieder stünde. Na ja, man wird sehen.

  • Es ist doch am Ende nebensächlich, obs eine Reko wird oder ein angepasster Neubau. Wenns einigermaßen diese Kubatur bekommt, reicht das an der Stelle schon. Wichtiger wird es sein, die Pirnaische Steppe zu beleben und dort wieder Gebäude wachsen zu lassen.

  • Es ist doch am Ende nebensächlich, obs eine Reko wird oder ein angepasster Neubau. Wenns einigermaßen diese Kubatur bekommt, reicht das an der Stelle schon. (...)


    Du liebe Zeit! "Einigermaßen diese Kubatur", das lese ich fast schon als Drohung. Hier sollte ein stimmiger Abschluß der "Altstadt" hin.

  • Hier sollte ein stimmiger Abschluß der "Altstadt" hin.

    Jetzt wage ich auch mal einen inhaltsarmen Zweizeiler! Der stimmigste Abschluss einer deutschem Altstadt ist ja wohl immer noch das hier:


    Bildnachweis: Friedrich August Kannegiesser (1768–1845), Public domain, via Wikimedia Commons

  • Eine Orientierung an dem Thormeyer - Gebäude fände ich auch super, jedoch macht diese eigentlich erst Sinn, wenn sein südliches Gegenüber auch wieder stünde.

    Irgendwo muss man ja anfangen und eine Veränderung der Wilsdruffer Straße steht noch viel weiter in den Sternen. Zudem war das südliche Pendant schon beim Durchbruch der König-Johann-Straße verändert worden. Aber ist schon richtig, die Landhausstraße hatte damit auch nach dem Abriss des Pirnaischen Tores einen torartigen Abschluss. Dass der heute fehlt, sieht man aus allen Richtungen.

    Das Grundstück des nördlichen Thormeyer-Gebäudes gehört übrigens der Stadt (s. Themenstadtplan).

  • Es ist doch am Ende nebensächlich, obs eine Reko wird oder ein angepasster Neubau. Wenns einigermaßen diese Kubatur bekommt, reicht das an der Stelle schon. Wichtiger wird es sein, die Pirnaische Steppe zu beleben und dort wieder Gebäude wachsen zu lassen.

    Kommt einem dieses "Erfolgsmodell" nicht (sattsam) bekannt vor?