Nürnberg - Rekonstruktion des Pellerhauses


  • Der Brunnen wird übrigens mit Quellwasser versorgt, welches sogar laut einer Ehrenamtlichen der Altstadtfreunde trinkabr sein soll:


    Es geht die Treppe hinauf zur breiten Terrasse mit den "Duschkacheln":






  • Nochmal das in Bau befindliche Treppenhaus:







    Das Grundstück mit dem ehem. schwarzen Pellerhaus:



    Die Straße davor ist nach dem langjährigen Vorsitzenden der Altstadtfreunde, Erich Mulzer, benannt:


    --- Ende ---

  • Super Bilder. Tät ich mir gern anschauen (wenn das nur nicht mit der Zumutung, den Rest der Stadt zu ertragen, verbunden wäre).

    Das da:

    IMG_0544_ergebnis.jpg

    wirkt mit seiner Pseudo-Wachauerischen-Renaissance richtiggehend geschichtsverfälschend. Man sollte das den Apologeten dieses Machwerks mal so klipp und klar sagen.

    10 Margarethenstraße - Google Maps

    Augustinus (354-430) - Zweiundzwanzig Bücher über den Gottesstaat
    14. Buch 9. Kapitel
    Der Staat oder die Genossenschaft der nicht gottgemäß, sondern nach dem Menschen wandelnden Gottlosen dagegen, die eben infolge der Verehrung einer falschen und der Verachtung der wahren Gottheit Menschenlehren anhangen oder Lehren der Dämonen, er wird von den bezeichneten verkehrten Gemütserregungen geschüttelt wie von Fieberschauern und Stürmen.

  • Danke für die Bilder! Wunderbar, was hier geleistet wurde und vor allem wie schön auch die Details geworden sind.

    Vor genau 40 Jahren stand ich in dem ruinösen Hof, war davon sehr bewegt und dachte bei mir: Man müsste einfach mehr in N und Dtl. rekonstruieren...... Ich bin so dankbar, über das Viele, was seither passiert ist: Hildesheim, Braunschweig, Berlin, Dresden, Frankfurt, Potsdam.....

  • Ja, es ist einiges passiert in puncto Rekonstruktionen. Aber es ist immer noch nur der sprichwörtliche Tropfen auf den heißen Stein. Ich wünsche mir auch mehr Wiederherstellungen alter Platzwände. Der Inhalt darf ja ruhig zeitgemäß sein wie am Neumarkt in Dresden. Aber Komplettrekonstruktionen dürften eher in den unmöglichen Bereich abgerutscht sein wegen der massiv gestiegenen Baukosten. Aber vielleicht lassen sich Rekonstruktionen auch als Jugendbauhütten-Projekte verwirklichen. Reko-Bauteile könnte man auch als Gesellen- und Meisterstücke ausschreiben, dass senkt zumindest die Herstellungskosten. Es gäbe natürlich auch die Möglichkeit, ein ganzes Stadtviertel als Eventhotel nach Las-Vegas-Vorbild durch einen Großinvestor zu rekonstruieren. Aber dabei käme mit Sicherheit so etwas wie ein historisierend frei erfundenes Disneyland heraus, was vielleicht nur kitschig und aufdringlich wirkt. Was das Pellerhaus angeht: besteht da nicht die Möglichkeit, stufenweise fortzufahren, z.B. zunächst den rückwärtigen Giebel des Haupthauses vor den Nachkriegsbau zu setzen? Natürlich erfordert dieses im Vorfeld politisch diplomatische Korkenzieherwindungen, um das durchzusetzen.

  • Aber Komplettrekonstruktionen dürften eher in den unmöglichen Bereich abgerutscht sein wegen der massiv gestiegenen Baukosten.

    Was zuvörderst fehlt ist ja der Wille an den entscheidenden Stellen. Es wird verzögert, blockiert, opponiert mit irgendwelchen metapolitischen (Schein-)Argumenten. Einfach ein schönes Gebäude wiederaufbauen darf nicht sein. Jedes Mal wieder muss gekämpft werden. Und wenn es dann trotz all der Widerstände gebaut und fertig ist, die Menschen sich dran erfreuen, wird auch nachträglich noch der Jauchekübel (siehe Berliner Schloss) drüber ausgekippt.

  • artagastas ,Rekonstruktionen nach 45 hatten, haben und werden es auch zukünftig sehr schwer haben.Die Gegner sind gefühlt die stärkeren und einflussreicheren Kräfte.

    Das Projekt Berliner Baukademie ist zur Zeit leider in den Händen von Rekogegnern.(Stiftung BA)

    Ihr Wiederaufbau im hist.Gewand steht dadurch gegenwärtig auf sehr wackligen Füßen.:sad:

  • Natürlich erfordert dieses im Vorfeld politisch diplomatische Korkenzieherwindungen, um das durchzusetzen.

    Schwierig. Die heutige Fassade steht unter Denkmalschutz. Jegliche Möglichkeit wurde bereits ausgeschöpft. Da wird sich nichts bewegen.

    Genauso ist auch das Schwarze Pellerhaus vom Tisch.

    https://www.bda-bund.de/2022/06/pellerhaus-nuernberg-langjaehiges-engeagement-hat-sich-gelohnt/

    Nebenbei bemerkt würde ich Jugendbauhüttenprojekte auch mega toll finden. Eine schöne Vorstellung.

    Beauty matters!

  • Mod— wie sich diese BDA Leute auch noch selbst auf die Schulter klopfen für Ihre Blockade und anti Rekopolitik.

    —Mod—. Da ist beim Innenhof des Pellerhauses davon die Rede, dass dieser "ohne Seele und Charme" sei und im "Detail grob gemacht". Ich bin vielleicht nicht ganz so heiß auf Rekonstruktionen wie manch anderer in diesem Forum, aber das ist natürlich blanker Unsinn. Natürlich beeindruckt der Innenhof, allein schon durch die Anstrengung der Rückgewinnung dieser Schönheit. Und na klar hat dieser Kraftakt Seele, Blut und Charme.
    Fakt ist aber auch, dass es sich bei dem heutigen Pellerhaus um ein Baudenkmal handelt und Geschmäcker sind zudem bekanntlich verschieden. Ich fände es ja überlegenswert, die historische Fassade des Pellerhauses an anderer Stelle zu errichten. Das würde zukünftigen Generationen vor Augen führen, wie zwiegespalten unsere heutige Gesellschaft im Umgang mit Architektur und Geschichte war. Vielleicht sagt eine Stadtführerin dann ja mal: "Damals haben sich die Menschen bei dem Streit fast die Köpfe eingeschlagen!"

    In Hildesheim gab es übrigens einen ähnlichen Disput. Der Abriss des direkt an den Umgestülpten Zuckerhut grenzenden Baus scheiterte auch am Denkmalschutz - und damit die Wiedergewinnung eines Ensembles. Das zu verstehen fällt mir noch deutlich schwerer als der Fall Pellerhaus, da mir die betreffende Nachkriegsbebauung in Hildesheim weit weniger erwähnenswert erscheint als das gegenwärtige Vorderhaus in Nürnberg.

  • Dieser Berufsverand Deutscher Architekten erinnert mich in seinem hartnäckigen Festhalten an die Dogmen der Moderne irgendwie an eine strenggläubige Sekte, die keine abweichenden Ansichten duldet. Da ist auf absehbarer Zeit schwer heranzukommen. Wer da nicht "auf Linie" denkt, wird wahrscheinlich über die Planke gejagt. Vielleicht sind die Bauingenieure da toleranter und flexibler. Immerhin ist die Wiederherstellung der Pellerhausfassade eine reizvolle Aufgabe und Herausforderung in Sachen Konstruktion und Statik. Auch Fachwerkhäuser sind konstruktiv gesehen ingenieurmäßig gedachte Skelettbauten des Mittelalters und der frühen Neuzeit.

  • Ein paar Schlüsselzitate vom BDA von 2022, die man sich merken darf:

    Quote

    [...] 2016 fand mit den „Positionsbestimmungen Pellerhaus“ eine umfassende Information zu der mittlerweile bundesweit bestehenden Rekonstruktionsmode statt, die sich in ihrer größten Absurdität z.B. mit dem Berliner Humboldt-Forum zeigt, dass – sich – die SED-Geschichte tilgend – heute als historisches Schloss inmitten einer modernen Stadt zeigt.

    Quote

    [Eine] Initiative [...] insbesondere die des BDA [...] um mit wachsame[m] Auge derartigen Entwicklungen Einhalt zu gebieten

    Quote

    Der Innenhof des Pellerhauses wurde mit erstaunlich hohen finanziellen Mitteln aus der Privatwirtschaft leider tatsächlich rekonstruiert. Als Kulisse, im Detail sehr grob und ohne das Feingefühl des 50er-Jahre Hauses ans Denkmal angebaut. Sicher handwerklich vom Steinmetz gut gemacht, kommt das Projekt aber leider ohne Seele und ohne Charme daher.

    Quote

    Dass es nicht richtig sein kann, Denkmäler, nur weil sie nicht gefallen, abzureissen, und stattdessen etwas Neues in historischer Formensprache aufzubauen, konnte dann doch überzeugen

    Man möge sich mal vorstellen, der BDA würde die architektonischen Leistungen der vormodernen Zeit, insbesondere der Denkmalbauten, ebenso verbissen verteidigen (z.B. bei modernen Anbauten gleichfalls FEINGEFÜHL einfordern). Die Architekten von damals haben im BDA keine Lobby.

  • Man möge mir meine "Bequemlichkeit" nachsehen, daß ich nicht alle vorherigen 96 Seiten durchsuche... Woher kommt der (Burg?)sandstein für die Rekonstruktion?

    „Groß ist die Erinnerung, die Orten innewohnt“ - Cicero

  • Fakt ist aber auch, dass es sich bei dem heutigen Pellerhaus um ein Baudenkmal handelt und Geschmäcker sind zudem bekanntlich verschieden.

    Naja, immerhin wird zugegeben, dass es die Moderne schwer hat. Spenden sind wohl für eine dringende Sanierung auch nicht zu erwarten.

    ( Die NS-Hinterlassenschaften sind weit außerhalb der Altstadt)

    Quote

    „In einer Stadt, die weithin nur durch ihren mittelalterlichen anmutenden Stadtkern und ihre baulichen NS-Hinterlassenschaften bekannt zu sein scheint, hat es moderne mit wenig Zierrat versehene Architektur sehr schwer. So schwer, dass ernsthaft diskutiert wurde, das unter Denkmalschutz stehende Pellerhaus der Architekten Fritz und Walter Mayer aus den 1950er Jahre…“

    Das Pellerhaus muss dringend saniert werden. Aktuell sind die Mittel der vorliegenden denkmalgerechten Planung leider noch nicht bewilligt„


    Diese Vorstellung gefällt mir auch

    Ich fände es ja überlegenswert, die historische Fassade des Pellerhauses an anderer Stelle zu errichten. Das würde zukünftigen Generationen vor Augen führen, wie zwiegespalten unsere heutige Gesellschaft im Umgang mit Architektur und Geschichte war. Vielleicht sagt eine Stadtführerin dann ja mal: "Damals haben sich die Menschen bei dem Streit fast die Köpfe eingeschlagen!"

    Man sollte sich befreien, immer genau am gleichen Ort rekonstruieren zu wollen. Aber das klingt noch unerhörter!

    Beauty matters!

  • Man sollte sich befreien, immer genau am gleichen Ort rekonstruieren zu wollen. Aber das klingt noch unerhörter!

    Die Idee ist auch in meinen Augen tatsächlich ziemlich unerhört und realitätsfern. Allerdings sollte man diese Möglichkeit meiner Meinung nach - zumindest theoretisch - nicht gänzlich ausschließen. Auf jeden Fall wäre eine solche Lösung bundesweit einzigartig und würde in der Stadtgesellschaft sicherlich für kontroverse und explosive Diskussionen über die Zukunft des Städtebaus sorgen. Und das wäre doch bestimmt mal interessant.