Nürnberg - Rekonstruktion des Pellerhauses

  • Gibts zum Pellerhaus eigentlich mal was neues?

    Ja. Es wurde unter den Räumen im westlichen Hofteil ein bisher nicht bekannter Keller gefunden, der jetzt untersucht wird.


    Ansonsten alles beim Alten, kein Schwarzes Pellerhaus, kein Pellerhaus.

  • Beim Schwarzen Pellerhaus verhält sich die Geschichte ein wenig anders.


    Die Stadt Nürnberg kam vor einigen Jahren auf die Altstadtfreunde zu und hatten die Idee, dass man das schwarze Pellerhaus wieder aufbauen könne.


    Angrenzender Neubau würde das Pellerhaus deutlich überragen
    Nürnberg - Die Stadt will zum möglichen Wiederaufbau des Schwarzen Pellerhauses ein Hearing veranstalten, bei dem Pro und Contra ausführlich zu Wort kommen. Im…
    www.nordbayern.de

    (Quelle: nordbayern.de, 2021)


    https://www.bda-bund.de/2022/06/pellerhaus-nuernberg-langjaehiges-engeagement-hat-sich-gelohnt/

    (Quelle, Bund Deutscher Architekten, 2021)


    Die Altstadtfreunde waren begeistert aber im Enddeffekt wurde es im Stadtrat durch SPD und Grüne abgelehnt und nun entsteht dort heute der Pocket Park.

  • In einer Stadt, die weithin nur durch ihren mittelalterlichen anmutenden Stadtkern und ihre baulichen NS-Hinterlassenschaften bekannt zu sein scheint, hat es moderne mit wenig Zierrat versehene Architektur sehr schwer.

    Eine lachhafte Aussage. Die Altstadtfreunde "dürfen" sich in Nürnberg darum kümmern, einige mittelalterliche Denkmäler vor dem Verfall zu retten. Alle Neubauten sind modern. Man kann anscheinend in Nürnberg schon von Glück reden, wenn wenigstens durch die Materialverwendung oder die Kubatur ein gewisser Regionalbezug hergestellt wird. Ansonsten dominiert bei den Neubauten in der Nürnberger Altstadt, wie ich letztes Wochenende selbst sehen konnte, die gesichts- und ortlose Moderne. Wo bitte hat es die "moderne mit wenig Zierrat versehene Architektur" dort "sehr schwer"? Weil niemand sie wirklich mag, sie jedoch trotzdem praktisch 100% Marktanteil hat? Diese Aussage illustriert vor allem die verzerrte, paranoide Weltsicht der BDA-Kreise und ihrer Freunde in den Denkmalbehörden.


    Quote

    "Die lange Jahre bestehende Absicht, die Fassade des Pellerhauses, das mittlerweile als Denkmal von nationaler Bedeutung bestätigt ist, abzureißen, und stattdessen an dieser Stelle die im Krieg zerstörte Renaissance – Fassade neu zu errichten, konnte sich nicht durchsetzen. Hier hatte sich bereits zum ersten Mal das kontinuierliche Engagement und das Dranbleiben des BDA gelohnt."

    Da hat der BDA anscheinend gute Lobbyarbeit geleistet bei ihren Freunden im Denkmalamt. Dies ist das "Denkmal von nationaler Bedeutung":



    Dies das verlorene Original - links angeschnitten das "schwarze Pellerhaus":


    Von Autor/-in unbekannt - Karl Emil Otto Fritsch: Denkmäler Deutscher Renaissance. Verlag von Ernst Wasmuth, Berlin 1891, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=8513338

    Quote

    Die Rekonstruktionsideen des Vereins „Altstadtfreunde Nürnberg e.V.“ verlagerten sich daraufhin auf das Nachbargrundstück. Dort sollte das sogenannte „schwarze Pellerhaus“ wieder entstehen. Eine Nutzung für das Haus gab es nicht – es ging ja nur um die Fassade, die das Pellerhaus, das städtebaulich den Egidienberg als höchstes Gebäude an seiner Nordseite fasst, überragt hätte. Auch hier beteiligte und initiierte der BDA mehrere Veranstaltungen. Am Ende ist fast alles gut – aber eben keine Randnotiz, sondern das Ergebnis langjährigen Engagements vieler Nürnberger BDA-Kolleginnen und -Kollegen, denen ich hiermit herzlich danke

    Glückwunsch - die einzige in den letzten Jahrzehnten ernsthaft erwogene Fassadenrekonstruktion in dem riesigen Nürnberger Altstadtgebiet erfolgreich verhindert.


    Neubauten in der Altstadt aus jüngerer Zeit:






    Eingestellte Bilder sind, falls nicht anders angegeben, von mir

  • Bei der Fassade des Pellerhauses blockt das bayrische Landesamt für Denkmalschutz, beim Schwarzen Pellerhaus die Stadt Nürnberg.


    Beim Schwarzen Pellerhaus verhält sich die Geschichte ein wenig anders [...]

    Die Altstadtfreunde waren begeistert aber im Enddeffekt wurde es im Stadtrat durch SPD und Grüne abgelehnt

    Ja, was ist da jetzt der Unterschied zu meiner Aussage von oben?

  • Abgewandeltes Zitat:


    "Die lange Jahre bestehende Absicht, Nürnberg um ein bedeutendes und identitätsstiftendes Bauwerk zu ergänzen, das auch für den Tourismus von Bedeutung gewesen wäre, konnte sich nicht durchsetzen. Hier hatte sich bereits zum ersten Mal das kontinuierliche Engagement und das Dranbleiben des BDA gelohnt"

  • Der BDA feiert sich nun allen Ernstes dafür, daß hier erfolgreich ein realistisches Stück Stadtreparatur verhindert werden konnte? Diese Leute leben tatsächlich in ihrer eigenen Welt. Das kann man als normal denkender und fühlender Mensch nicht mehr nachvollziehen.

  • Das schwarze Pellerhaus konnte nicht auf den Weg gebracht werden, was auf den ersten Blick natürlich äußerst bedauerlich ist.
    Auf den zweiten Blick finde ich es aber verschmerzbar berücksichtigt man die Gesamtsituation. Denn zur Wahrheit gehört auch, dass auch die Sanierung des Mayerbaus an uns vorübergegangen ist.(!)
    Die Sanierung des 50er-Jahre Baus ist nach meinem Informationsstand vom Tisch. Es gibt in den Schubladen wohl ein Konzept eines Architekturbüros für die Sanierung, aber inzwischen kann das als erledigt gesehen werden. Der Grund: Nürnberg hat kein Geld. Noch weniger als sonst schon. So wenig, dass sogar die Prestigeprojekte und kulturellen Zugpferde Blaue Nacht und Bardentreffen angezählt wurden! Und das will in Nürnberg etwas heißen. Zumal stehen der Umbau der Kongresshalle, Sanierung der Oper samt Interimsneubau sowie 'kleinere' Projekte wie die Bundesgartenschau und die Sanierung des Volksbades an. Das sind alles keine Peanuts, vor allem nicht für das klamme Nürnberg.

    Die Initialzündung für das Schwarze Pellerhaus war ja ursprünglich, dass man an der Stelle einen Aufzug brauchte, um den Mayerbau irgendwie nutzbar zu machen und zu erschließen.
    Das Schwarzes Pellerhaus zu rekonstruieren (so schön und städtebaulich heilsam es auch geworden wäre), hätte in letzter Konsequenz auch bedeutet die Erschließung und Neunutzung des Mayerbaus überhaupt erst zu ermöglichen, und diesen Zustand für lange Zeit zu zementieren.
    Dann ist es mir persönlich lieber, erst einmal einen etwas fragwürdigen (und leider auch teuren) Pocketpark auf der Ruinenfläche zu haben, aber weiterhin die reale Chance auf Abriss des Mayerbaus. Ist das Weiße Pellerhaus erst einmal rekonstruiert, kommt das Schwarze von selber.


    Was passiert gerade im Hof?

    Die Arbeiten im Hof kommen langsam wieder in die Gänge. In den nächsten Wochen (je nach Witterung) wird endlich damit begonnen, die historischen Fußböden im 1. und 2. OG wiederherzustellen. Sind die Böden drin, dürfen wir uns in den Seitenflügeln auf stilvolle Renaissance-Türen mit Holzintarsien freuen. In diesem Zuge wird wohl auch der Seitenflügel im 2. OG verputzt werden. Wenn alles klappt könnte sich so der Innenhof bis zum Ende des Jahres von "Baustelle" zu "nutzbar für Events" wandeln. Damit meine ich: Sommerkino, Empfänge, Konzerte, Theaterstücke etc. Und je mehr Publikum diesen Hof in fertigem Zustand erleben wird, desto mehr wird er begeistern und der Druck zu einer Rekonstruktion steigen.
    Das heißt: aktuell ist beim Vorderhaus noch Geduld von Nöten. Die Sanierung des Mayerbaus ist vom Tisch, also ist zum Glück keine unmittelbare Eile geboten. Und ist der Hof erst einmal ganz fertig und für die Breite Bevölkerung nutzbar, wird die Diskussion automatisch eine ganz neue Dynamik bekommen. :smile:

  • Diese Aussage illustriert vor allem die verzerrte, paranoide Weltsicht der BDA-Kreise und ihrer Freunde in den Denkmalbehörden.

    Diese Leute leben tatsächlich in ihrer eigenen Welt. Das kann man als normal denkender und fühlender Mensch nicht mehr nachvollziehen.

    Hier im Forum wird denke ich tatsächlich systematisch unterschätzt, wie unterschiedlich die Denkweisen sein können und wohl faktisch sind. Erst kürzlich habe ich die Argumentation eines Architekten verfolgt, die mich auch doch etwas fassunglos zurück ließ. Er sagte sowas wie: Das Problem der Moderne, warum sie so viel Kritik erfährt, wäre, dass sie so extrem unterschiedlich ist und sich damit nicht so gut unterteilen ließe wie die vormodernen Bauepochen. Damit übertrüge sich die Kritik von einzelnen kritikwürdigen modernen Bauten auf alle modernen Bauten. Auf so eine Entwertung der Kritik muss man erstmal kommen: Die Kritik gibt es nur weil die Moderne so super vielseitig ist. Ergo, keine grundsätzlichen Probleme, alles super, es gibt gute und schlechte Bauten, wie es sie immer schon gegeben hat.

    Das ist leider eine komplette Sackgasse, wenn zwei Seiten jeweils sich in eine Opferhaltung versteigen. Es ist schwer für mich ganz auszuschließen, dass ich durch meine Positionierung nicht ähnliche falsche Vorstellungen pflege, aber gewisse Zahlen (z.B. zum Häuserbestand nach Baujahr, Denkmalschutzaktivitäten usw.) untermauern für mich, dass deren Opferhaltung höchst fragwürdig ist ob ihrer Basis.

  • Man kann es auch anders ausdrücken: der modernen Architektur fehlt es an Stil und ästhetischen Prinzipien, auf die man sich einigen könnte. Letzter Maßstab ist ein geschichtsloser Architekt, der glaubt, die Architekturgeschichte beginne an seinem Schreibtisch. Jeder baut zwar anders. Aber genau dadurch „gleich“. Das Anderssein-wollen ist der Konformismus unserer Zeit. Ein Konformismus, der weltweit die Städte einander angleichen lässt wie noch in keiner Epoche davor und jegliche Unterschiede ausmerzt. Bloß sieht der moderne Architekt selten die großen Zusammenhänge. Er sieht nur sich, sich, sich. Und glaubt, sich ausgerechnet dadurch von den anderen Architekten abzugrenzen.


    Hinzu kommt m.E. ein weiterer Denkfehler (man könnte es auch als Nebelkerze bezeichnen): dieser Architekt glaubt, die Kritik bezöge sich einzig auf eine „Überforderung“ des Betrachters mit den ach so unterschiedlichen Gebäuden (als könne der Mensch nur maximal drei unterschiedliche Gebäude nebeneinander ertragen). Man sucht auch hier wieder verzweifelt nach abstrusen Gründen, um die offensichtlichen zu vernebeln. Die offensichtlichen sind: moderne Architektur wird als menschenfeindlich empfunden, sie lässt unsere Umwelt dystopisch erscheinen und wirkt sich negativ auf unser Wohlbefinden aus. Sie entspricht nicht dem natürlichen Formempfinden und dem ästhetischen Anspruch des Menschen. Kurz: sie wird als hässlich empfunden. Nicht als überfordernd, nicht als „zu unterschiedlich“, nicht als zu anspruchsvoll. Schlicht und einfach: als hässlich und in der Summe minderwertig. Hier wurde m.E. wieder versucht, durch eine Scheinargumentation die vollkommene Talentlosigkeit und die grenzenlose Arroganz gegenüber den Menschen, die noch leben und indirekt hinsichtlich ihrer Urteilsfähigkeit entmündigt werden, und gegenüber den Menschen, die nicht mehr leben und ihnen künstlerisch haushoch überlegen waren, schönzureden.

  • Der Pellerhof ist für mich der schönste Innenhof, den es gibt. Als ihn das erste mal auf einem Vorkriegsbild gesehen hatte, hielt ich ihn erst für Neorenaissance.

  • Die ziemlich einfach vollverglasten Flügelfenster rechts hinter den Bögen, passen optisch nicht so zum hist.Gesamtbild. Oder sahen die früher tatsächlich so aus?

  • Ja, was ist da jetzt der Unterschied zu meiner Aussage von oben?

    Die Stadt Nürnberg kam mit der Idee auf die Altstadtfreude zu, das schwarze Pellerhaus wiederaufzubauen. Allerdings hat dies im Stadtrat die Grünen und die SPD zu einem späteren Zeitpunkt abgelehnt. Die CSU war gespalten und die FW waren für die Wiederrichtung des schwarzen Pellerhaus und ggf. später auch das weiße Pellerhaus.

  • Die Stadt Nürnberg kam mit der Idee auf die Altstadtfreude zu, das schwarze Pellerhaus wiederaufzubauen. Allerdings hat dies im Stadtrat die Grünen und die SPD zu einem späteren Zeitpunkt abgelehnt. Die CSU war gespalten und die FW waren für die Wiederrichtung des schwarzen Pellerhaus und ggf. später auch das weiße Pellerhaus.

    Ja, also wird die Rekonstruktion derzeit von der Stadt Nürnberg blockiert. Nichts anderes habe ich gesagt.

  • Ich möchte damit sagen, dass die Stadt Nürnberg an sich eine Rekonstruierung des weißen Pellerhaus nicht im Wege stehen würde sondern viel mehr einzelne Stadtratsfraktionen, in diesem Fall: SPD und Grüne.


    Aber wie oben schon erwähnt, die Stadt Nürnberg hat sowieso kein Geld um eine Sanierung oder Rekonstruktion des Gebäudes vorzunehmen.