Nürnberg - Rekonstruktion des Pellerhauses

  • Die Sanierung des Gebäudes kann man doch durchaus mit der Rekonstruktion der Fassade verbinden.

    Irgendwie kann man alles, aber die Wahrscheinlichkeit tendiert doch gegen Null.

    1. Die städtischen Verantwortlichen wollen keine Rekonstruktion des Pellerhauses. Zudem wurde der Bestandsbau unter Denkmalschutz gestellt, was einen Abriss erschwert bzw. fast unmöglich macht.

    2. Es werden staatliche Förder-Gelder für die Sanierung des Bestandsbaus bewilligt. Das heißt, ein Abriss rückt in Ferne.

    3. Dem Bestandsbau die Fassade des alten Pellerhauses einfach vorzublenden geht nicht so einfach. Nicht nur, dass das die regierenden Politiker nicht wollen, sondern auch, weil historisches und Nachkriegs-Pellerhaus andere Geschosshöhen haben. Das heißt, die Fensteröffnungen sind nicht 1:1 übernehmbar. Die Rekonstruktion ginge also nur über den Abriss des Bestandsgebäudes. Und der ist nicht gewollt.


    Ergo: Es muss nach anderen Objekten geschaut und Möglichkeiten ausgelotet werden. Ich empfehle das Toplerhaus.

  • sind nicht 1:1 übernehmbar. Die Rekonstruktion ginge also nur über den Abriss des Bestandsgebäudes. Und der ist nicht gewollt.

    Man könnte höchstens die rekonstruierte Fassade einen halben Meter davor blenden als "Schale" und trotzdem das Innere mit der anderen Geschosshöhe konservieren als "Kern" . So ähnlich wie beim Hotel Titanic in Berlin von Patzschke:


    https://media-cdn.tripadvisor.…itanic-gendarmenmarkt.jpg


    Aber Du hast wahrscheinlich recht dass das Entscheidende auch dafür fehlt in dieser sich selbst hassenden Stadt, nämlich der Wille!

  • Die offizielle Zahl für die geplanten Sanierungskosten lautet 35 Millionen EUR.

    Die Million fällt da nicht weiter ins Gewicht, und hat es in die Presse eher deshalb geschafft, weil sich die CSU die Schlagzeile nicht entgehen lassen wollte (wir haben in Berlin einen Geldhahn für euch angezapft).

    In Nürnberg gab es dazu eigentlich kein vernehmbares Echo. Was ist mit den übrigen 34 Millionen?

    Die Stadt hat schon einfachere Sachen nicht hinbekommen.

  • Mir fiele dazu das da ein:

    Ich bin der Nothor (steht ungefähr vor dem ehem, Viatishaus, der heutige Neubau ist zu sehen, oben an- bzw abgeschnittten die Turmansätze von St. Sebald, damit man etwas von N. erkennt), und ich komm aus Nürnberg, einem Mekka für modernen Städtebau. ...

    Lieber Ursus, wolltest du mir damit etwas mitteilen?

  • Man könnte auch ähnlich der Stadtschlossaktion von Boddiens die Fassade des alten Pellerhauses auf Planen drucken oder malen und diese dann im öffentlichen Raum ausstellen,

    Diese Aktion haben die Altstadtfreunde geplant, aber von der Stadt (natürlich) keine Genehmigung bekommen.

  • Lieber Ursus, wolltest du mir damit etwas mitteilen?

    Überhaupt nicht, lieber Nothor. Das war nur Geblödle, das ich ursprünglich im Corona-Strang begonnen habe, analog zu #allesdicht machen - nämlich als Anschauungsmaterial für sehr wirksame Polemik. Dort hat dann "Heimdall" die Vorzüge des Kasseler Wiederaufbaus gegenüber dem neuen erschreckenden FFer Beispiel loben dürfen. Anlässlich der Pellerhausdebatte hab ich dann dich als Nürnberger auftreten lassen, weilst mir halt grad eingefallen bist. Damit ist nicht gemeint, dass du ironisch gemeinten Unsinn als deine Meinung ausgeben würdest, du schlüpfst sozusagen in die Rolle Liefers'. Wenn du dich revanchieren willst, kannst du mich im einschlägigen Wiener Strang unsere genialen Dachausbauten lobpreisen lassen.

    Augustinus (354-430) - Zweiundzwanzig Bücher über den Gottesstaat
    14. Buch 9. Kapitel
    Der Staat oder die Genossenschaft der nicht gottgemäß, sondern nach dem Menschen wandelnden Gottlosen dagegen, die eben infolge der Verehrung einer falschen und der Verachtung der wahren Gottheit Menschenlehren anhangen oder Lehren der Dämonen, er wird von den bezeichneten verkehrten Gemütserregungen geschüttelt wie von Fieberschauern und Stürmen.

  • 35 Millionen Euro für ein mehr oder weniger nicht effizient nutzbares Gebäude. Reschpekt! Ich nehme an, dass die Stadt das gegen alle Widerstände so durchbringen möchte. Immerhin ist das aktuelle Pellerhaus ja DAS Vorzeigeobjekt schlechthin in Nürnberg. Diese Ikone darf auf keinem Foto fehlen und wurde sicher schon Millionen Mal abgelichtet, ganz im Gegensatz zu Fembohaus, St. Sebald oder der Weißgerbergasse. Grauenhafte Relikte der schrecklichen Vorzeiten.

  • Wir sollten aber trotzdem nicht aufgeben, solange mit der Sanierung nicht begonnen wurde besteht noch eine Chance auf Abriss des gesamten Nachkriegsbaus oder zumindest der Fassade. So denke zumindest ich. Wenn die Befürworter einer Rekonstruktion noch mehr Stimmung machen kann man vielleicht noch mehr Leute ins Boot holen. Und irgendjemand muss den Nürnberger Politikern mal klar machen, dass ihre Stadt von der Architektur des Mittelalters und der Renaissance lebt oder von deren Rekonstruktion. Aber ganz sicher nicht von Flachdachklötzen.

    Hat die Schönheit eine Chance-Dieter Wieland

  • Ich hatte der von mir genannten Stelle des Innenministeriums eine Email hinsichtlich des Pellerhauses geschickt in der ich begründet habe warum ich eine Sanierung des Bestandsbaus unter Erhaltung der Fassase für unverhältnismäßig halte. Das kam zurück:

    „Vielen Dank für Ihre Zuschrift vom 7. Mai 2021 zum Bundesprogramm „Sanierung kommunaler Einrichtungen in den Bereichen Sport, Jugend und Kultur“ und Ihre Hinweise zum Projekt „Sanierung des Pellerhauses“ in Nürnberg.



    Die Stadt Nürnberg hatte auf den Förderaufruf 2020 eine Interessenbekundung mit einer Projektskizze zur „Sanierung des Pellerhauses“ eingereicht. Die Förderung des Projekts wurde auf dieser Grundlage vom Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestags beschlossen.



    Nun beginnt für die Stadtverwaltung das eigentliche Antragsverfahren für den Erhalt der Fördermittel. Im Rahmen des Antragsverfahrens sind die Angaben der Stadt aus der Projektskizze zu konkretisieren und mit einem Ratsbeschluss zu genehmigen. Die Planungshoheit für das Gebäude liegt grundsätzlich bei der Stadt Nürnberg in Zusammenarbeit mit der Denkmalschutzbehörde. Erst zum Ende des Antragsverfahrens wird feststehen, welche konkreten Maßnahmen umgesetzt werden. Ihre Hinweise werden daher im Rahmen des Antragsverfahrens in Gesprächen mit der Stadt Nürnberg aufgegriffen und zur Diskussion gestellt.“


    Wir haben also noch lange nicht verloren, auch wenn wir uns gegen Denkmalschutzbehörde und Stadt durchsetzen müssen.

    Hat die Schönheit eine Chance-Dieter Wieland

  • Man muss den Leuten die Thematik vernünftig darlegen. Ich kann mir gut vorstellen, dass viele der Entscheider die alte Fassade nicht einmal kennen.

  • Ich komme halt nicht aus Nürnberg, ich kann höchstens Emails schreiben.

    Hat die Schönheit eine Chance-Dieter Wieland

  • Ich kann aber nur deren Antwort an den Vorstand weiterleiten. Meine eigene Anfrage habe ich über eine Art Kontaktformular auf der Homepage des Innenministeriums gestellt.

    Hat die Schönheit eine Chance-Dieter Wieland

  • VonSalza, um deren Antwort geht es ja auch, vlt schreibst du eine kurze Erläuterung dazu, was du sie gefragt hattest.

  • Gut mach ich gerne. Ich war mir nur nicht ganz sicher ob du alles meinst. Aber eine kleine Erläuterung wird ausreichen ja.

    Hat die Schönheit eine Chance-Dieter Wieland

  • Wie sieht es eigentlich mit dem Haus neben dem neuen Pellerhaus aus? Ist die auch denkmalgeschützt? Dort könnte man die Fassade des alten Pellerhauses vorhängen und den Durchgang zum rekonstruierten Hof umschwenken. (auch wenn bei der Stockwerkzahl und den Fenstern etwas geschummelt werden muss, aber so etwas kennt man z.B. auch vom Potsdamer Stadtschloss)


  • Uuh, neben dem alten macht sich das neue Pellerhaus besonders gut. Man kann sagen, dass da seine anmutige Eleganz so richtig zur Geltung kommt.

    Augustinus (354-430) - Zweiundzwanzig Bücher über den Gottesstaat
    14. Buch 9. Kapitel
    Der Staat oder die Genossenschaft der nicht gottgemäß, sondern nach dem Menschen wandelnden Gottlosen dagegen, die eben infolge der Verehrung einer falschen und der Verachtung der wahren Gottheit Menschenlehren anhangen oder Lehren der Dämonen, er wird von den bezeichneten verkehrten Gemütserregungen geschüttelt wie von Fieberschauern und Stürmen.

  • Wie sieht es eigentlich mit dem Haus neben dem neuen Pellerhaus aus? Ist die auch denkmalgeschützt? Dort könnte man die Fassade des alten Pellerhauses vorhängen und den Durchgang zum rekonstruierten Hof umschwenken. (auch wenn bei der Stockwerkzahl und den Fenstern etwas geschummelt werden muss, aber so etwas kennt man z.B. auch vom Potsdamer Stadtschloss)

    Abgesehen davon, daß ich mich mit dieser Variante überhaupt nicht anfreunden könnte - sowohl das ursprüngliche als auch das jetzige Pellerhaus war als Dominante entworfen und diese beiden Dominanten nebeneinander, das paßt (auch völlig unabhängig von stilistischen Fragen etc.) überhaupt nicht - steht der komplette heutige Pellerhauskomplex incl. ehem. Imhofhaus unter Denkmalschutz. Leider wird, v.a. von Seiten der Rekonstruktionsgegner, zwischen beiden Gebäudeteilen nicht unterschieden. Deshalb wird immer wieder mit der besonderen Qualität von Treppenhaus und Lesesaal argumentiert - beides sicher das beste (aus dem nicht-rekonstruierenden Wiederaufbau) am und im ganzen Komplex und auch in meinen Augen schützenswert, aber eben im neuen Imhofhaus gelegen und damit durch eine Rekonstruktion des Pellerhauses überhaupt nicht gefährdet.


    Und den Zugang zum Hof zu verlegen, obwohl die alte Eingangshalle als Bestandteil des neuen Pellerhauses teilweise noch erhalten, teilweise in den Fünfzigern rekonstruiert worden ist (unter Weglassen mehrere Innenwände; die Halle war ursprünglich nicht so großzügig, sondern da waren noch ein paar Räume abgeteilt), das wäre absolut kurios. Und wie sollte man dann in den Hof gelangen? Doch durch die alte Halle? Dann könnte man sie auch gleich direkt betreten und nicht über einen künstlichen Umweg. Oder durch einen neu zu schaffenden, von der architektonischen Konzeption des Hofes gar nicht vorgesehenen Zugang an der Ostseite, der dann aber gerade durch das 50er-Jahre-Treppenhaus (oder zu dessen Zerstörung) führen würde, wenn ich die Lage des Treppenhauses richtig im Kopf habe?