Nürnberg - Rekonstruktion des Pellerhauses

  • Bevor wir in dem Nürnberg Thread über das Berliner Stadtschloss oder das Kaiser-National-Denkmal unterhalten, sollten wir erstmal auf die Stellungnahme der Altstadtfreunde warten. Ich weiß auch dass Herr Enderle einen guten Draht zum Oberbürgermeister König (CSU) hat.

  • Edit: auch eine Translozierung des Pellerhauses muss jetzt in Betracht gezogen werden.

    Wennst mich fragst... sowieso das Gescheiteste. Zumindest, wenn in der viel zu dicht bebauten Innenstadt noch ein geeigneter Platz zu finden wäre, natürlich an hinreichend prominenter Stelle. Daher ist das wohl Science-fiction.


    Man stelle sich vor, diese Fassade am Albrecht Dürer-Platz...

    Aber da kommt sicher wieder ein Proteststurm, weil der ja so gut wieder aufgebaut worden ist...


    Mir fiele dazu das da ein:

    Ich bin der Nothor (steht ungefähr vor dem ehem, Viatishaus, der heutige Neubau ist zu sehen, oben an- bzw abgeschnittten die Turmansätze von St. Sebald, damit man etwas von N. erkennt), und ich komm aus Nürnberg, einem Mekka für modernen Städtebau. Aus der ganzen Welt strömen Touristenscharen herbei, um das größte erhaltene Flächendenkmal der Wirtschaftswunderzeit (Kameraschwenk Richtung Süden) zu bestaunen. Leider ist dieser qualitativ so hochwertige Bestand nicht ganz lückenlos erhalten (Nassauerhaus, sodann Balkonhaus in der Weißbergergasse zunächst isoliert, dann Schwenk auf die störende Fachwerksubstanz der Umgebung). Manche fordern sogar, noch mehr Wunden in diesen einzigartigen historisch gewachsenen Organismus zu schlagen, und so stadtbildprägende Häuser wie dieses (wieder "Balkonhaus") abzureißen oder wenigstens ihrer einmaligen Originalität und Individualität zu berauben. Zu den eindrucksvollen Höhepunkten Nürnbergs, abgelichtet in unzähligen Publikationen über die abendländische Stadtbaukunst, zählt das sog. Pellerhaus (Bild). Was jetzt die meisten von euch nicht wissen werden: auch dieses Juwel war in Gefahr und sollte durch diesen obskuren Vorzustand (entspr. Bild) ersetzt werden. Man kann sich ob dieses - schon allein tourismuswirtschaftlichen - Irrsinns nur an den Kopf greifen. man stelle sich den durch die internationalen Kulturhistoriker gehenden Aufschrei vor. Deshalb unterstütze ich die Maßnahmen unserer Stadtverwaltung, unser einzigartiges Stadtbild (Schwenk über irgendeine besonders hässliche Fußgängerzone) zu erhalten. Bleiben Sie gesund und achten Sie auf Ihren Blut- und Augendruck!

    Augustinus (354-430) - Zweiundzwanzig Bücher über den Gottesstaat
    14. Buch 9. Kapitel
    Der Staat oder die Genossenschaft der nicht gottgemäß, sondern nach dem Menschen wandelnden Gottlosen dagegen, die eben infolge der Verehrung einer falschen und der Verachtung der wahren Gottheit Menschenlehren anhangen oder Lehren der Dämonen, er wird von den bezeichneten verkehrten Gemütserregungen geschüttelt wie von Fieberschauern und Stürmen.

  • Guten Morgen,


    eine Translozierung des Pellerhauses kommt für mich überhaupt nicht in Betracht. Die Fassade ist an Ort und Stelle zu rekonstruieren. Der Standort des Pellerhauses befindet sich in einer üblen tristen Gegend, die hierdurch aufgewertet werden würde.

  • Der Standort des Pellerhauses befindet sich in einer üblen tristen Gegend, die hierdurch aufgewertet werden würde.

    Also das ist eher ein Gegenargument. Dagegen ließe sich vorbringen, dass es überall noch üblere und tristere Gegenden gäbe, die man nur "aufwerten" könne, angefangen mit Autobahnrastplätzen. Es geht doch eher darum, eine "Gegend mit Potential" "aufzuwerten".

    Und vor allem geht es ums Pellerhaus, das, wie es aussieht, in situ verunmöglicht wird.

    Augustinus (354-430) - Zweiundzwanzig Bücher über den Gottesstaat
    14. Buch 9. Kapitel
    Der Staat oder die Genossenschaft der nicht gottgemäß, sondern nach dem Menschen wandelnden Gottlosen dagegen, die eben infolge der Verehrung einer falschen und der Verachtung der wahren Gottheit Menschenlehren anhangen oder Lehren der Dämonen, er wird von den bezeichneten verkehrten Gemütserregungen geschüttelt wie von Fieberschauern und Stürmen.

  • Im bin der Meinung die Redakeure haben das rechts vom Pellerhaus gelegene Gebäude mit dem eigentlichen Pellerhaus verwechselt. Das rechts vom Pellerhaus gelegene und auf den Fotos dargestellte Gebäude hat ja durchaus seine Qualität. Nicht so aber das eigentliche Vorhaus des Pellerhauses, das bei einer Reko dann ersetzt würde. Ich meine von dem ist keine Rede?

  • Quote

    Das Pellerhaus am Egidienberg kam vor allem wegen der Debatte über die Rekonstruktion der Fassade in die Schlagzeilen. Ein Rundgang durch den Bau von 1957 ist aber ein Schmankerl für jeden Fan der Architektur der 50er Jahre.

    Gegen diesen höchst realen Schwachsinn verblasst sogar jede noch so bemühte Satire.

    Augustinus (354-430) - Zweiundzwanzig Bücher über den Gottesstaat
    14. Buch 9. Kapitel
    Der Staat oder die Genossenschaft der nicht gottgemäß, sondern nach dem Menschen wandelnden Gottlosen dagegen, die eben infolge der Verehrung einer falschen und der Verachtung der wahren Gottheit Menschenlehren anhangen oder Lehren der Dämonen, er wird von den bezeichneten verkehrten Gemütserregungen geschüttelt wie von Fieberschauern und Stürmen.

  • Also das ist eher ein Gegenargument. Dagegen ließe sich vorbringen, dass es überall noch üblere und tristere Gegenden gäbe, die man nur "aufwerten" könne, angefangen mit Autobahnrastplätzen. Es geht doch eher darum, eine "Gegend mit Potential" "aufzuwerten".

    Und vor allem geht es ums Pellerhaus, das, wie es aussieht, in situ verunmöglicht wird.

    Der Egidienplatz hat finde ich genug Potential. Um den Rest drumherum brauchen wir nicht reden aber der Platz selber könnte schön werden, er ist es derzeit nicht, aber nirgendwo in diesem Bereich ist das Potential größer, dank Egidienkirche und ihrem barocken Nachbarhaus, der klassizistischen Fassade gegenüber, dem durchaus interessanten Nachkriegs Wohnturm und den anderen ganz akzeptablen Bauten. Nur die Seite des Pellerhauses ist schrecklich.

    Hat die Schönheit eine Chance-Dieter Wieland

  • Hier sieht man mal wieder das Ost-West - Gefälle bei Rekonstruktion und Stadtbildwiederherstellung:


    Das geht, wenn überhaupt einfach nur im Osten … Postdam, Dresden, (Ost-) Berlin...


    Die alte BRD klammert sich immer noch lieber an ihren elenden Wiederaufbauschrott. Die Teilreko der Frankfurter Altstadt war eine kleine Ausnahme aber ansonsten konserviert man doch lieber mit viel Geld die Scheußlichkeiten aus der Nachkriegszeit (Schauspielhaus, Bundesrechnungshof...).


    Einfach nur traurig

  • Und woher kommt die Verdammung des Faschistischen Satteldaches , und des Nazifachwerkes …….?

  • Musste mir das Bild noch einmal anschauen. :D:D:D Das ist ja wirklich der schäbigste und traurigste "Innenhof", den ich kenne. Ich muss pausenlos lachen.

  • Edit: auch eine Translozierung des Pellerhauses muss jetzt in Betracht gezogen werden.

    Wie das bitte? Der Innenhof (der historische Pellerhof) ist doch schon rekonstruiert, und das Erdgeschoss des historischen Pellerhauses zum Platz hin ist auch noch weitgehend vorhanden. Oder willst du den Hof wieder abbauen und ganz woanders aufbauen?


    Aus Gründen des Geschichtsbezugs wäre ich aber auch sonst dagegen, die Renaissance-Fassade an einem anderen Standort zu rekonstruieren.


    Ich denke, es ist eine verpasste Chance, das Pellerhaus nicht zu rekonstruieren, aber gegenüber dem bisherigen Zustand ergibt sich nun auch keine Verschlechterung.

  • Wie das bitte? Der Innenhof (der historische Pellerhof) ist doch schon rekonstruiert, und das Erdgeschoss des historischen Pellerhauses zum Platz hin ist auch noch weitgehend vorhanden. Oder willst du den Hof wieder abbauen und ganz woanders aufbauen?

    Wäre es vollkommen abwegig, über eine Translozierung der Fassade der 1950er Jahre nachzudenken? Das wäre sicher der einfachere Vorgang und es wären alle Seiten zufrieden zu stellen. Ob dies allerdings realistisch ist, das können andere besser beurteilen.

    Kunsthistoriker, Webdesigner und Blogger

    Hat die Website für Stadtbild Deutschland erstellt und war eine Zeit lang als Webmaster für Forum und Website verantwortlich.

  • Wie das bitte? Der Innenhof (der historische Pellerhof) ist doch schon rekonstruiert, und das Erdgeschoss des historischen Pellerhauses zum Platz hin ist auch noch weitgehend vorhanden. Oder willst du den Hof wieder abbauen und ganz woanders aufbauen?


    Aus Gründen des Geschichtsbezugs wäre ich aber auch sonst dagegen, die Renaissance-Fassade an einem anderen Standort zu rekonstruieren.


    Ich denke, es ist eine verpasste Chance, das Pellerhaus nicht zu rekonstruieren, aber gegenüber dem bisherigen Zustand ergibt sich nun auch keine Verschlechterung.

    Mit der "es geht nicht" Mentalität endet man mit leeren Händen. Die Translozierung ist der notwendige Befreiungsschlag aus der sklavischen Abhängigkeit des Denkmalschutzes. Direkt neben dem Pellerhaus ist eine Freifläche, wobei man die Renaissance-Fassade Richtung Egidienplatz oder Tetzelgasse ausrichten kann. Den Innenhof kann man dann verbinden. Wenn beides nicht klappt, sucht man sich einen bessern Bauplatz und versetzt den Innenhof, wenn Geld da ist. Vielleicht kann man dazu ein Haus an der Westseite des Egidienplatzes erwerben und umbauen. Beide Häuser am selben Stadtplatz können tatsächlich einen "spannenden Kontrast" ergeben.


    Die Translozierung des 50 Jahre Baus (der Innenausbau ist ja angeblich auch schützenswert) hätte den Nachteil, dass man dann gleich zwei mal neu bauen muss und immer noch unter dem Daumen des Denkmalschutzes steht.


    An der Westseite des Maxplatzes (oder hier) gibt es noch eine gute Freifläche. Dort kann man eine "Kunst-Installation" aufstellen mit den ersten Stockwerken der Renaissance-Fassade des Pellerhauses (ähnlich wie der Lange Stall in Potsdam), um Akzeptanz und Spenden für ein vollständiges Projekt zu sammeln.

  • Von einem Gefälle kann vielleicht gesprochen werden, aber dass es Rekonstruktionen "wenn überhaupt einfach nur im Osten" gäbe, stimmt doch nicht. Denke mal z.B. an das Rathaus in Wesel, das Braunschweiger Stadtschloss, Schloss Herrenhausen in Hannover usw.

  • Mit der "es geht nicht" Mentalität endet man mit leeren Händen. Die Translozierung ist der notwendige Befreiungsschlag aus der sklavischen Abhängigkeit des Denkmalschutzes. Direkt neben dem Pellerhaus ist eine Freifläche, wobei man die Renaissance-Fassade Richtung Egidienplatz oder Tetzelgasse ausrichten kann. Den Innenhof kann man dann verbinden. Wenn beides nicht klappt, sucht man sich einen bessern Bauplatz und versetzt den Innenhof, wenn Geld da ist. Vielleicht kann man dazu ein Haus an der Westseite des Egidienplatzes erwerben und umbauen. Beide Häuser am selben Stadtplatz können tatsächlich einen "spannenden Kontrast" ergeben.


    Die Translozierung des 50 Jahre Baus (der Innenausbau ist ja angeblich auch schützenswert) hätte den Nachteil, dass man dann gleich zwei mal neu bauen muss und immer noch unter dem Daumen des Denkmalschutzes steht.


    An der Westseite des Maxplatzes (oder hier) gibt es noch eine gute Freifläche. Dort kann man eine "Kunst-Installation" aufstellen mit den ersten Stockwerken der Renaissance-Fassade des Pellerhauses (ähnlich wie der Lange Stall in Potsdam), um Akzeptanz und Spenden für ein vollständiges Projekt zu sammeln.

    Man könnte auch ähnlich der Stadtschlossaktion von Boddiens die Fassade des alten Pellerhauses auf Planen drucken oder malen und diese dann im öffentlichen Raum ausstellen, mit Gerüst oder einfach vor das jetzige Pellerhaus hängen, auch wenn eine Aufstellung z. B. auf dem schon vorgeschlagenen Hauptmarkt wohl zielführender wäre. Aber dafür bräuchte man jemand wie von Boddien und so jemand ist ja bekanntlich eine Seltenheit.

    Hat die Schönheit eine Chance-Dieter Wieland

  • Die alte BRD klammert sich immer noch lieber an ihren elenden Wiederaufbauschrott

    Meine Worte, ob derer ich schon viel gescholten wurde.

    Tegulas Vorschlag (wir wissen es: ein Luftschloss wie meiner) ist natürlich nicht ohne, abgesehen davon, dass diese in meinen Augen grundsätzlich nutzlose Translokation nur der Ruhigstellung einer marginalen Minderheit diente. Damit käme auch das Erdgeschoss zu einer "Duplikation". Aber daran sollte das wirklich nicht scheitern.

    Ich muss aber eingestehen, dass mir die Translokation der alten Fassade lieber wäre, da mir der (alte) Egidienplatz nicht so besonders gefällt, insbesondere wegen der Kirche nicht, die - eigentlich typisch für den Barock in Nürnberg - keine Spitzenleistung darstellt und sowieso stilistisch wie ein Fremdkörper wirkt. Nürnberg ist nicht Bamberg - was dort wie selbstverständlich gelang: die Symbiose von Mittelalter und Barock, brachte da nichts Rechtes zuwege. Wahrscheinlich war die Kraft des Alten zu stark und zu lähmend für die barocke Lebenslust.


    Das ist ja wirklich der schäbigste und traurigste "Innenhof", den ich kenne. Ich muss pausenlos lachen.

    Ist es in Wahrheit nicht tatsächlich traurig? Eine Mischung aus Sinnbild des Scheiterns und des Kaisers neue Kleider?

    Augustinus (354-430) - Zweiundzwanzig Bücher über den Gottesstaat
    14. Buch 9. Kapitel
    Der Staat oder die Genossenschaft der nicht gottgemäß, sondern nach dem Menschen wandelnden Gottlosen dagegen, die eben infolge der Verehrung einer falschen und der Verachtung der wahren Gottheit Menschenlehren anhangen oder Lehren der Dämonen, er wird von den bezeichneten verkehrten Gemütserregungen geschüttelt wie von Fieberschauern und Stürmen.

  • Ich habe mir den Link weiter oben nochmal angesehen, und finde man sollte die Hoffnung nicht aufgeben. Die Sanierung des Gebäudes kann man doch durchaus mit der Rekonstruktion der Fassade verbinden.