Nürnberg - Rekonstruktion des Pellerhauses

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      Eine (nicht ganz ernst gemeint) Vorschlag aus Polen. Ich lerne aus diese Forum, dass private Leute fast immer bauliche Denkmale illegale abreissen. Dann ist Antwort immer von Denkmal Amt, dass Denkmal nicht mehr vorhande. Ergebnis ist Neubau. Eine polnische Abrissfirma kann in falsche Adresse geirret habe :-).

      Wieso solle hier anders sein. Eine unnutze Bau wird keine eine Traene nachweine. Ruine schaffe, ohne Waffe.
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      CSU-Referentin Julia Lehner gab letzten Donnerstab bei der NN ein großes Interview.

      Sie teilt ihre Verwunderung mit, wie wenig man sich über den Denkmalschutz auseinandersetzt. Ich zitiere: "Deshalb wäre der Abriss des Pellerhauses,..., auch ein Rechtsbruch. Was mir wichtig ist: Eine Geschmacksdiskussion ist etwas völlig anderes als die Überlegung, ein Objekt zu schützen und der Nachwelt zu erhalten. Und in diesem Fall war es eine ganz bewusste - und demokratisch legitimierte - Entscheidung des Kuratoriums Wiederaufbau, das Haus 1957 genau so zu bauen.."

      Dann spricht sie noch weiter über Geschmacksfragen, die nicht entscheidend wären, jede Generation würde neu auf die Vergangenheit blicken. Die Spuren, auch wenn sie nicht hochwertig sind, gehören zum Leben einer Stadt dazu. Sie zeigt großen Respekt vor den Zuständigen nach dem Krieg, die sich die Mühe machten, einen Wettbewerb für das Pellerhaus auszuschreiben. Nichts anderes wird heute bei großen Neubauprojekten gemacht.
      Sicher gäbe eine Sehnsucht nach dem Glanz einer Fassade, aber die Verantwortlichen haben bewusst neu und modern gebaut, was das Selbstbewusstsein der Bürgerschaft widerspiegelt. Dann spricht sie sich über das Haus des Spiels aus, stellt Konzepte vor usw...
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      Franka schrieb:

      Die Spuren, auch wenn sie nicht hochwertig sind, gehören zum Leben einer Stadt dazu
      Wieder ein typisches Beispiel für eine Position, die den Überlieferungsbruch nicht reflektiert, der in der Ausradierung der deutschen Altstädte im 2. Weltkrieg bestand.
      Was Lehner da sagt, mag für die Zeit davor richtig gewesen sein, in der es ein überreiches Erbe aus vielen Jahrhunderten Baugeschichte in unseren Städten gab, bei dem alle Epochen ihre Spuren hinterlassen haben. Vor dieser Folie ist die Denkmalschutzdoktrin zu verstehen, die die geistigen und kulturellen Spuren aller Epochen konservieren wollte.
      All das wurde aber 1944/45 ausgelöscht. Es gibt den Niederschlag der verschiedenen Epochen der europäischen und deutschen Geschichte in den Städte nur noch in winzigsten Restbeständen; der Großteil ist Wiederaufbauarchitektur der 50'iger und 60'iger Jahre. Genau auf diese Wiederaufbauarchitektur, die über 90% der Bauten in unseren Innenstädten ausmacht nun jene Doktrin des "Erhaltens aller Spuren" anwenden zu wollen, die unter ganz anderen Voraussetzungen entstanden ist, zeugt von einem grotesken Mangel an Reflexion.
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      Dieses "Rechtsbruch"-Argument ist nur ein formaler Vorschub. In Lehners Ära sind diverse Denkmäler als solche gestrichen worden und einige davon mittlerweile verschwunden oder stark entstellt. Und von solchen, die welche hätten sein müssen rede ich mal garnicht. Der Denkmalschutz als solches entwickelt sich inkonsistent und ordnet sich allen anderen Interessen der Politik zunehmend unter. Man hat oft eher den Eindruck als sei es nur noch ein Hobby einiger städtischer Beamter. Da wird mit dem Bus durch die Stadt gefahren an verschiedenen, vorgeschlagenen Häusern vorbei und dann heisst Daumen rauf, Daumen runter, zu jung, zu unbedeutend, zu wenig original...... boa, eine Beton-Litfasssäule aus den 70'ern!!!!
      So kommt mir das manchmal vor wenn man sich den Denkmalatlas ansieht und wie willkürlich, jedes System oder Raster entbehrend die Denkmale ausgewählt sind. Und von wegen Geschmack spiele keine Rolle!
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      Hier werden Argumente angeführt, die keine sind. Kommende Generationen würden womöglich das heutige Pellerhaus als Zeugnis der Nachkriegsarchitektur wertschätzen? Wir SIND die nachfolgende Generation und können uns immer noch nicht mit diesem ästhetischen Schandfleck abfinden. Das menschliche Empfinden für Schönheit wird sich nicht der Hässlichkeit anpassen, auch nicht in zwanzig Generationen. Und dass diese Dame sich anscheinend eine dermaßen verrohte Menschheit herbeisehnt, die eine Kruppfabrik ästhetisch ähnlich ansprechend oder sogar ansprechender findet, als z.B. ein französisches Loire-Schloss, ist nebenbei erschreckend. Oder aber Sie spekuliert auf eine Verhässlichung deutscher Städte, neben der der Pellerfabrikbau plötzlich als architektonischer Höhepunkt erscheint. „Denkmalschutz“- in meiner Stadt wurden ganze Straßenzüge aus den 70ern unter Denkmalschutz gestellt: einfach weil Abriss und Neubebauung viel zu teuer kämen. Dieses Argument greift hier aber nicht, da es zum größten Teil aus Spenden wieder errichtet würde. Wir sprechen hier zudem von einem Gebäude, das seinerseits tiefste Missachtung für den Vorgängerbau ausdrückt und sich nicht im Geringsten für die Einmaligkeit des echten Pellerhauses schert. Wenn man es ums Verrecken erhalten möchte, könnte man den jetzigen Bau abtragen und in einer beliebigen Einkaufsstraße wiedererrichten- er fiele (immer noch) nicht auf und wäre nicht verloren. Zudem übernahm man den Namen Pellerhaus, was auch nicht von dem hier beschworenen „Feingefühl“ gegenüber Bauwerken zeugt: ein Stück Grillkohle schmückt sich hier mit dem Namen eines Diamanten. Nein, was hier geschieht ist ein ideologischer Grabenkampf.

      Die Dame weiß, dass die Nachkriegsmoderne ästhetisch hinlänglich widerlegt ist und klammert sich daran fest. Sie weiß, wie blass diese „Perle“ der Nachkriegszeit gegenüber jedem mittelmäßigen Gründerzeitbau aussieht. Sie weiß, dass viele Menschen auf die Idee kommen könnten, Schönheit und Stil nicht mit den Gründungsjahren der BRD zu assoziieren und das macht den sog. „Demokraten“ große Sorgen: dass NICHTS, was die BRD architektonisch schuf dem künstlerischen Wert der Semperoper, der Nürnberger Burg, des Berliner Schlosses, ja nicht mal des Reichspräsidentenpalais auch nur nahe kommt. Dass NIEMAND den Weg nach Köln auf sich nimmt, um die „Kranhäuser“ oder nach Frankfurt, um den „Commerzbanktower“ zu besichtigen. Sie sorgen sich, dass die Bürger Schönheit und Geschmack mit vordemokratischen Zeiten assoziieren könnten, während die BRD nur Wüsten schuf. Mit jedem Pellerhaus, jedem Schauspielhaus, jeder Garnisonkirche und jedem Bürgerhaus am Neumarkt wird den Bürgern klarer, wie erbärmlich sich die BRD gegenüber allen vergangenen Epochen künstlerisch ausnimmt. Genau deshalb wird an jedem Notdach, jeder Nachkriegslatrine und jedem Pellerfabrikgebäude so verbissen (und auch ängstlich) festgehalten.

      PS: wenn die Bürger sich 1957 in einer Umfrage mehrheitlich für den Abriss der Pellerhausruine und einen hässlichen Neubau ausgesprochen hätte, wäre diese Entscheidung tatsächlich „demokratisch legitimiert“. Das Gemauschel eines „Kuratoriums Wiederaufbau“ ist es NICHT. Und auch hier sieht man wieder sehr schön, wie mit einem faulen Taschenspielertrick das heutige Pellerhaus als „vom Volk gewollt“ dargestellt wird. Ein Kriterium, das für das Gros moderner Bauten nicht gilt, soll hier plötzlich eine unantastbare „Gesetzeskraft“ erhalten. Ich bin dafür, dass man eine echte Abstimmung lanciert und damit eine echte demokratische Legitimation schafft. Man soll den Bürgern einen Wahlzettel nach Hause schicken mit zwei Fotos: das Pellerhaus damals und heute. Mal sehen, wie ernst es dieser Dame mit „Volkes Wille“ dann noch ist.

      Dieser Beitrag wurde bereits 7 mal editiert, zuletzt von East_Clintwood ()

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      East_Clintwood schrieb:

      Zudem übernahm man den Namen Pellerhaus, was auch nicht von dem hier beschworenen „Feingefühl“ gegenüber Bauwerken zeugt: ein Stück Grillkohle schmückt sich hier mit dem Namen eines Diamanten. Nein, was hier geschieht ist ein ideologischer Grabenkampf.
      Köstlich! Wie auch Dein ganzer Beitrag, treffend scharf, bissig geradezu, ohne übergriffig zu sein. Aber aufdeckend und desillussionierend für die Antirekonstruktionsseite. An die Presse schicken. Unbedingt!
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      Die Beiträge hier im Strang sind wirklich großartig und sehr treffend formuliert. Die Frage ist nur, was machen wir mit unseren Feststellungen und wie kann man die Bevölkerung gezielt informieren? Mit den Infos aus unserem Forum, würde sich die große Mehrheit der Bürger ganz sicher für die Rekonstruktion der Pellerfassade entscheiden.

      Es darf doch wirklich nicht sein, daß so viel vom Geschmack einzelner Entscheider abhängt. Wenn mein Leben anders verlaufen wäre, könnte ich nun vielleicht in Nürnberg die Entscheidungen treffen und alles rekonstruieren lassen. Die Bürger müssten das akzeptieren und damit jeden Tag leben. Wäre zwar toll, aber nicht wirklich demokratisch. Eine Stadt mit über 500.000 Einwohnern, wird von einer Hand voll Leuten, nach ihrem persönlichen Geschmack, gestaltet.
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      Neußer schrieb:

      Wäre zwar toll, aber nicht wirklich demokratisch. Eine Stadt mit über 500.000 Einwohnern, wird von einer Hand voll Leuten, nach ihrem persönlichen Geschmack, gestaltet.
      Aber das ist doch nichts außergewöhnliches. Hast Du die Leute demokratisch gewählt, die Dir jeden Tag das Fernsehprogramm servieren oder die Zeitungsspalten vollschreiben? Hast Du den Vorstand Deiner Bank gewählt, der über Deine Sparbuchzinsen entscheidet, oder den Einkaufsleiter Deines Supermarktes gewählt, der bestimmt, welche Marken Du beim Einkauf im Regal findest? Wurde Dein Pfarrer gewählt? Dein Lehrer? Dein Professor? Dein Chef in der Firma? usw. ;)
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      @ Heimdall: Man muss ja nicht übertreiben mit der demokratischen Legitimierung. Die Bürger werden eh schon zu oft zu Dingen gefragt, von denen sie keinen Plan haben: Europawahlen, Bundestagswahlen, Kreistag, Stadtrat, das ist den meisten ja schon zuviel, und auch mir als Wahlhelfer fällt es schwer im Vorfeld zu informieren und aufzuklären was, wie wozu, wen...

      Aber es ist ja hier zwingend, dass man sich ehrlich mit den Vorschlägen und Forderungen der Altstadtfreunde auseinandersetzen sollte, wenn man zeitgleich ihnen die Aufgabe der Sanierung des Pilatushauses oder das Management des Denkmalstadels übertragen will. Die Stadt hat Routine darin, sich in kniffeligen Fragen auf die Altstadtfreunde zu verlassen. Der eigentliche Verlierer in der gesamten Gemengelage ist der Nürnberger Denkmalschutz, der völlig aufgerieben wird. Hier ists halt nur so dass diesmal die Altstadtfreunde auf der Gegenseite sind, und nicht wie üblich die Stadtoberen. Für mich ist die Rekonstruktion des Pellerhauses die logische und zwingende Folge des bestehenden Bestandsgebäudes. Seine Struktur und nicht zuletzt die Aufgabe seiner Nutzung durch die Stadt läuft für mich folgerichtig auf die Rekonstruktion hinaus. Der bestehende Denkmalschutz war für mich die Versicherung dafür, weil er verhindert hat dass man das Haus nicht längt in einen Renditeglaskasten umgebaut hat den man gar nicht mehr weg bekäme.

      Das Generationenargument ist auch interessant: Es ist nach meiner Wahrnehmung vorallem die ältere Generation, die den Mayerbau verteidigt weil sie selbst mitbekommen hat, wie die Altstadt nach dem Krieg ahistorisch transformiert wurde und wie der Bau entstand. Die Jüngeren, die Künftigen, auf die Lehner spekuliert, ist da weniger dogmatisch und können sich die Reko oft gut vorstellen. Sie meint sich also selbst, wenn sie davon spricht dass künftige Generationen den Wiederaufbau als demokratische Leistung usw. usf....
      Ich würde mir vielmehr wünschen dass sich die Generation Lehner mehr für die Europäische Integration einsetzt und Tendenzen à la Brexit, Grexit und Dexit entgegentritt, sonst sind die ganzen demokratischen Nachkriegserrungenschaften verloren. Das Pellerhaus ist die falsche Projektionsfläche, hier geht es doch nur um Steine, und die kann man wiederaufbauen - heißt es ja immer.