Nürnberg - Rekonstruktion des Pellerhauses

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      Das Bruch-Argument wäre erst dann tragfähig, wenn das richtige Pellerhaus stünde und gegenüber seiner nobel-zurückhaltenden 60iger Jahre-Umgebung so etwas wie einen Bruch bilden würde.
      Das Renaissance-EG ist zu schwach ausgeprägt, um einen "Bruch" zu bilden.
      Also: Pellerhaus her, und dann reden wir über Brüche, loben oder beklagen wir sie. Momentan benötigt man einen solchen Bruch, um die trostlos- schäbige Wiederaufbaumoderne ein wenig aufzulockern.
      ... dass jeder troglodytischen Lebensart, beruht sie nur fest in sich selbst, etwas schlechthin faszinierendes eignet, überhaupt für solche, die einen Ansatz dazu schon besitzen und mitbringen, der dann nur noch einer gewissen Entwicklung bedarf. (HvD)
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      Ich habe das "Bruch"-Argument immer so verstanden, dass man in gebauter Form geschichtliche Brüche sehen kann, als Umwälzungen von der Kaiserzeit in die Zeit der Weimarer Republik, in den Nationalsozialismus oder in die Wirtschaftswunderdemokratie. Aber nichts davon verkörpert das Pellerhaus. Wenn es stattdessen nur um die stetig dahintröpfelnde Zeit geht, die ihre verändernden Spuren im Stadtbild hinterlässt, weil sich Geschmäcker ändern oder Nutzungen wechseln, dann stellt das Pellerhaus in der Tat einen Bruch dar. Aber auch der Egidienplatz als Ganzes, der heute ein Parkplatz ist, oder jede einzelne Straße in Nürnberg, die in den letzten Jahrzehnten mehr Fahrspuren und weniger Gehweg und weniger Bäume bekommen hat, ja jede Tankstelle, jedes überformte Gebäude verkörpert dann so einen "Bruch" und wäre Denkmalwert.In der Folge kann also so eine Art von Bruch keinen Denkmalwert begründen, das ist Unfug.

      Wenn man ernsthaft "Brüche" im Stadtbild konservieren wollte, dann hätte man die Hauptpost schützen müssen. Sie war diesbezüglich wesentlich wertvoller, aussagekräftiger und authentischer als das Pellerhaus, an dem sich die Politik in seiner 400-jährigen Geschichte nur einmal vergangen hat, nämlich als man entschied es nicht wieder aufzubauen.
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      Bohnenstange schrieb:

      (...) Wieso ist es eigentlich moeglich Neubauten unter Denkmalschutz zu stellen? Habt Ihr Euch das mal gefragt?
      Sollten nicht mindestens 60 Jahre zwischen den Bau und den Denkmal-status liegen? (...)
      Nürnberg möchte sich damit wahrscheinlich selber für den tollen Wiederaufbau loben. - Seht her! Wir haben das sooo gut hinbekommen, daß unsere Häuser sogar Denkmalwert haben.

      Übrigens steht das banale Neue Rathaus auch unter voreiligem Denkmalschutz. Es würde eine Umbaumaßnahme am Hauptmarkt ebenfalls erschweren. Finde ich zwar noch besser als das Mayersche Pellerhaus. Gehört aber definitiv nicht an den Marktplatz.

      Das jüngste Denkmal, das ich kenne, ist die Stuttgarter Neue Staatsgalerie. Sie wurde 1984 eröffnet.
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      In der Tat geht die Denkmalpraxis in Deutschland weit auseinander. Manchmal erinnert sie mich an die Sammelleidenschaft eines exzentrischen alten Mannes, der alles aus einer Serie haben muss. Dann geht es allein um ästhetische Gesichtspunkte. Historische Bedeutung und Aussagekraft, Baualter, Einzigartigkeit etc. spielen da wohl keine Rolle @ Neue Staatsgalerie Stuttgart.
      Andererseits werden teilweise mehrere hundert Jahre alte Bauwerke nicht denkmalgeschützt, weil jemand drin wohnt den man nicht mag oder weil drinnen Raufasertapete verklebt wurde oder Laminat gelegt ist. Ganz schlimm ist es aber wenn Industie und Politiklobbyisten Einfluss nehmen, ein wichtiges Bauwerk weg haben wollen und am Ende sogar die Denkmalschützer das Weinen anfangen... Ein Trauerspiel.

      Zum Rathaus: Ich empfinde das "neue Rathaus" am Hauptmarkt außerordentlich gelungen, ganz besonders wenn man es mit der Vorkriegsbebauung vergleicht. Es bildet mit dem sensationellen und gottseidan nach dem Krieg arglos-selbstverständlich rekonstruierten alten Rathaus ein stimmiges Ensemble. Hier vermag ich dann auch irgendwas mit "sichtbaren Brüchen" anzuerkennen, sind es doch Häuser in denen Politik gemacht wurde usw. usf.

      Ich finde es ist wenig geschickt, wenn wir über das Pellerhaus sprechen um Argumente zu sammeln, und dabei immer wieder abdriften und den Abriss oder Umbau anderer Bauwerke ins Spiel bringen. Dann könnten wir diesen Strang auch schließen, Stichwort "Kampagnenfähigkeit".
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      Ein kleiner Einschub sei an dieser Stelle aber doch noch erlaubt: die Neue Staatsgalerie Stuttgart ist ein höchst origineller, dabei nutzungsfreundlicher Bau einer zeitlich abgeschlossenen Architekturepoche (Postmoderne), als deren qualitativ bester Vertreter in Deutschland sie gilt. Zudem ist sie, aber das nur nebenbei bemerkt, beim Publikum außerordentlich beliebt.

      Wie gut dieser Bau ist, zeigt vor allem der Vergleich mit dem Erweiterungsbau der Alten Staatsgalerie von 2002, der auch in seinem äußeren Erscheinungsbild vornehmlich funktional angelegt ist und gleichermaßen Firmensitz oder Produktionsstätte oder Fitnesstudio in einem Gewerbegebiet sein könnte. Bezeichnenderweise finden sich von diesem Erweiterungsbau kaum Bilder im Netz, während die Suche nach 'Neue Staatsgalerie' diese in Hülle und Fülle zeitigt.

      Die Unterschutzstellung als Denkmal ist also gerechtfertigt, und welchen Unterschied macht es denn, ob diese jetzt schon geschehen ist oder erst in 20 Jahren erfolgt wäre?
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      Ich denke auch, dass die Erbauungszeit eher ein untergeordneter Faktor bei der Unterschutzstellung ist. Entscheidend sind Qualität und ggf Besonderheiten sowie die Ensemblewirkung.

      Es gibt z.b. mehr als genügend neuklassische bauten, die ich aufgrund ihres architektonischen und städtebaulichen Wertes direkt nach Fertigstellung unter Schutz stellen würde, genauso wie Rekonstruktionen von hoher handwerklicher Qualität! Etwa den Palast Barberini oder den Nürnberger Pellerhof mit seinen Ergänzungen :)
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      nothor schrieb:

      (...) Ich finde es ist wenig geschickt, wenn wir über das Pellerhaus sprechen um Argumente zu sammeln, und dabei immer wieder abdriften ... (...)
      In einer Diskussion kann man nicht immer zu 100% bei der puren Information über das Hauptthema bleiben. Da kann es auch hin und wieder für einige Beiträge in andere Richtungen gehen. Wie im realen Leben eben ;)

      Es ging ja auch eigentlich um den Denkmalwert des Mayerhauses. Und da sind wir doch jetzt zu der Erkenntnis gekommen, daß der Eintrag in die Denkmalliste nicht unbedingt vom Alter des Bauwerks abhängt. Wieso der Nachkriegs-Lückenfüller nun aber schützenswert sein soll, ist weiterhin nicht einleuchtend. Also gibt es da für den Normalbürger auch kein greifbares Argument. Das Haus wurde halt im Entstehen der neuen aufstrebenden Bundesrepublik gebaut. Aber dieses Merkmal trifft auf unzählige Häuser im gesamten Bundesgebiet zu.
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      Mitentscheidend ist auch die Planungsgeschichte des neuen Pellerhauses, dass ihm ein Denkmalwert zugeschrieben wird. Nachdem man um 1950 von einer Rekonstruktion der Pellerhausruine abkam, hätte man die Zeile einfach im 0815-Wiederaufbaustil vervollständigen können, wie in den 90% des Umfeldes. Zumal stehen daneben als Dominanten bereits die Egidienkirche und zwei Palais. Aber an der einst vom Pellerhaus den ganzen Platz beherrschenden Stelle wollte man trotzdem wieder ein spezielles Gebäude errichten, eben das heutige Pellerhaus.

      Aber ob jetzt dieser baugeschichtliche Aspekt für die Nürnberger Bau- und Architekturgeschichte so gewichtig ist, gilt es nun abzuwägen mit der Wiederherstellung resp. Vervollständigung des über die Landesgrenzen hinaus bedeutenden Baudenkmals "Pellerhaus".

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Riegel ()

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      @ Riegel, guter Gedanke, aber wie passt da die Konservierung der Hofruine hinein, sowie die wieder rekonstruierte Eingangshalle mit den Kreuzrippengewölbe. Man hätte auch ein neues Pellerhaus in einem Guss hinstellen können. Da man das aber weshalb auch immer nicht tat, kommen heute all die "Brüche"-Fans um die Ecke. Und wieso nannte man ab sofort den gesamten Komplex "Pellerhaus", mitsamt des in der Grundfläche viel größeren, aber historisch unbedeutenderen Imhoffhauses. Ein historisches Anwesen das aber immerhin nicht völlig unbedeutend war, ist somit fast aus dem öffentlichen Bewusstsein verschwunden, mehr noch, man nannte es fortan "Pellerhaus". Dem sind ja sogar viele Experten auf dem Leim gegangen.

      Mir kommt die jüngere Geschichte eher so vor als wollte man damals gerne die Ruinenreste sichern und konservieren. Wer weiß, würde man die Grundsteinurkunde des Neubaus finden würde sich darin womöglich der Wunsch finden, dereinst das Pellerhaus wieder aufzubauen. Also jetzt. Das wäre doch irgendwie folgerichtig, immerhin hat es einen gesetzlich instutionalisierten Denkmalschutz in Form des bayerischen Denkmalschutzgesetzes 1956/57 noch nicht gegeben. Und da es keine gesetzliche Handhabe gab, hat man die reste baulich eingefasst, in ein Provisorium... Hach, hier müsste man mal in den entsprechenden Unterlagen recherchieren!

      Ich glaube es wäre auch spannend zu wissen, was die Stadt damals bewogen hat, einen Ort für eine neue Stadtbibliothek zu suchen und ihn dort gefunden zu haben, mit all den verheerenden Folgen für den Platz und die verblieben Reste des Originals.

      Übrigens, der Denkmalschutz besteht ja immernoch, und müsste eigentlich auch die Hofruine umfasst haben, und damit folgerichtig nun auch den rekonstruierten Hof. Damit sind eigentlich die Rufe, den Hof unter Denkmalschutz zu stellen, überflüssig. Die Altstadtfreunde haben hier ein Denkmal wiederaufgebaut!