Nürnberg - Rekonstruktion des Pellerhauses

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    • Neußer schrieb:

      Ein Bericht zur Einweihungsfeier des vorletzten Bauabschnitts im Pellerhof.

      MarktSpiegel schrieb:

      (...) Oberbürgermeister Dr. Ulrich Maly bekräftigte in seiner gestrigen Ansprache das Nein zur Rekonstruktion der Fassade. Die Zeit der Renaissance sei nicht wichtiger als die Baukunst der Nachkriegszeit.


      Das ist gerade in Nürnberg ungeheuer grobschlächtig und lieblos gegenüber der Stadt. Denn Nürnberg war bekanntlich in der Zeit der Spätgotik und Renaissance die kulturelle Hauptstadt Mitteleuropas. In der Nachkriegszeit war es in aller Wahrnehmung wohl ein ausgebombtes Schandloch.
      Jedoch gab es in der Nachkriegszeit in Nürnberg trotz allem noch ein Bewußtsein der kulturellen Größe, die die Stadt während des späten Mittelalters und der Renaissance gehabt hatte. Das kann man bei einigen Nachkriegsbauten in der ehemaligen Altstadt klar erkennen, jedoch nicht beim Nachkriegspellerhaus.
      Heute hat man die finanziellen und sonstigen Mittel, die man in der Nachkriegszeit nicht hatte. Das Bewußtsein von der kulturellen Größe der Stadt im 15., 16. und frühen 17. Jh. zu fördern dadurch, daß man die wenigen verbliebenen Chancen für Rekonstruktionen nutzt, ist aber von der Stadtobrigkeit ausdrücklich unerwünscht, was schon bei der Nichtausmalung des Rathaussaales klar wurde. Das ist erneut eine Schande für die Stadt.
      Favorevole alla ricostruzione completa come era e dove era.
    • Maly ist halt ein Lobbyist der Zukurzgekommenen. Er zieht regelmäßig die Soziale Keule und argumentiert, dass die Stadt schon enorme Herausforderungen im sozialen Bereich stemmen müsse (Altenheime, Schulen) usw. Sicherlich stimmt das auch, allerding ist das doch sehr einseitig. Und wenn man in Nürnberg so baut, dass Schulen aus den 60'ern heute als unsanierbar gelten und der Totalabriss notwendig wird, muss man sich schon fragen welche Bedeutung man der Baukultur im Allgemeinen (Stadtbild) und auch im Speziellen (Qualität, Nachhaltigkeit) beimisst. Leider kann ich nicht einschätzen, wie qualitätvoll und zukunftsfähig unsere heutigen Schulneubauten sind. Wirklich unproblematisch sind wohl nur die sog. "Schulpaläste" aus der Gründerzeit, von denen kein einziger auf der Sorgenkandidatenliste steht.

      Maly: "Die Zeit der Renaissance sei nicht wichtiger als die Baukunst der Nachkriegszeit."
      Interessant. Kann man vertreten, aber dann muss ich eben auch die Baukunst der Nachkriegszeit schützen. Und das passiert nicht. Das wiederaufgebaute Wöhrd z.B., ein herausragendes Kleinod der Nachkriegszeit, enthält z.B. nur ein Denkmal, und das ist die Kirche, die den Krieg überlebt hat. An sonsten scheut man sich sogar davor dort mit einer Gestaltungssatzung zu kommen. Regelmäßig wird überall im Stadtgebiet durch Sanierungen Baukultur der Nachkriegszeit vernichtet, verschwinden Sgraffito unter Dämmung oder verunstalten neue Einbauten ganze Fassaden. Auf diese Aussage kann man ihn tatsächlich festnageln.

      Ich meine zu behaupten, dass das heutige Pellerhaus nur deshalb unter Denkmalschutz steht, weil es am Platz des echten Pellerhauses auf dessen Ruinen steht, und man diese Bedeutungsschwangerschaft überbewertet. Ein Treppenwitz im Denkmalschutz.
    • Bildmontagen zum Pellerhaus-Hof

      Hallo, anbei zwei Bildmontagen zum Pellerhaus-Innehof. Jeweils für die Nord- und Südseite.

      In die vormalige Gerüstansicht des Hofes baute ich zwei schöne Schwarz-Weiß-Ansichten des Vorkriegszustandes ein.
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      Mein Vorschlag: Mit einer bedruckten und transparenten Plane könnte man die Vorkriegs-Südseite des Pellerhaus-Innenhofes wieder komplett zurückholen. Finanziell sollte dies im grünen Bereich liegen.

      PS: Apropos Grün: Der Blick in den Innenhof wirkt aktuell noch etwas kalt. Mit Blumenschmuck in den wärmeren Monaten wird der Anblick wohnlicher.
    • Anbei die beiden Pellerhaus-Montage. Jetzt sichtbar eingebaut. Gruß



      Die ganze Baumasse des Gebäudes scheint damals wirklich nur auf den (zwei?) Mittelpfeilern geruht zu haben.
      Eine interessante und fast schon mutige Statik.

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von gropeltop () aus folgendem Grund: Vorher Thumbnail-Ansichten. Jetzt die Originalgröße eingebaut.

    • Wird der Giebel im Innenhof denn im Zuge der jetzigen Rekonstruktion noch errichtet? Ich bin bisher immer davon ausgegangen. Und ich vermute, irgendwann wird auch der große Giebel am Haupthaus wiederkommen. Lasst noch ein paar Jahre ins Land ziehen.
      Wo die Sonne der Kultur niedrig steht, werfen selbst Zwerge lange Schatten
      Karl Kraus (1874-1936)
    • Danke für diese neue Ansicht, die wir hier noch nie hatten!

      Interessant daran sind die fünf mit grünem Plastik verhangenen Öffnungen. Die mittleren drei gehören zu den drei Fenstern des 2. Obergeschosses der Hinterhausfassade, und die beiden seitlichen zu den Seitenflügeln. Ich habe mich nämlich immer gefragt, wie das Problem der blinden Fenster gelöst wird. Ich gehe davon aus, dass da in der richtigen Tiefe Holzfenster mit Glas eingesetzt werden. Irgendwie müssen diese dann auch unterhalten werden können, da die Gläser sonst an ihrer Innenseite innert Kürze durch Schmutz und Spinnenweben etc. recht unansehnlich wirken würden. In der Betonwand sind es offenbar Revisoionsöffnungen und hoffentlich keine bleibenden Öffnungen, da man sonst vom Hof aus durch sie den Himmel sehen würde.

      Wie das im 1. Obergeschoss gelöst wird, weiss ich nicht. Vielleicht gibt es dort auch Revisionsöffnungen von den Räumen des Gymnasiumsgebäudes her?

      Die Betonwand sollte bei einer künftigen Rekonstruktion des ganzen Hinterhauses wieder abgebrochen werden können, ohne dass die jetzt rekonstruierte Sandsteinfassade Schaden nimmt. In diesem Beitrag und den beiden Nachfolgebeiträgen von Noricum vom Januar 2015 sieht man die Bauphase, während der die Sandsteinblöcke vor die Betonwand gesetzt werden. Nirgendwo konnte ich eine direkte Verbindung feststellen, ausser bei den beiden Seitenfenstern des Erkers. Von daher vermute ich, dass die Möglichkeit eines künftigen Abbruchs der Betonwand eingeplant ist.

      Bei dieser Gelegenheit habe ich auch wieder mal die Bilder des Stadtmodells betrachtet, wo man eine Vorstellung des agbegangenen Hinterhauses samt eines weiteren Lichthöfleins bekommt - einfach herrlich! >> Beitrag.
    • Hallo,

      anbei mein letzter Wissensstand vom "Hörensagen":
      Die Nordfassade und der westliche (bzw. linke) Seitenflügel sollen mit Fenstern (Butzenscheiben ohne direktem Durchblick) und Türen in der Vorkriegsoptik versehen werden. Die beiden äußeren Öffnungen in der Betonscheibe sind für Türen vorgesehen, die auf einen verdeckten bzw. zum Gymnasium hin geschlossenen Verbindungsgang führen. So würde eine Verbindung zwischen den beiden Arkadengängen entstehen.
      Vom Verbindungsgang aus, der beleuchtbar sein soll, kann man dann das Chörlein betreten und die Fenster links und rechts davon öffnen. Mittels einer Öffnung im Boden und in der Decke des Chörleins (im 2. OG) soll es einen Zugang bzw. Verbindung zwischen dem oberen und unteren Chörlein geben. Bautechnisch bedingt wäre dies nur mit einer Leiter möglich.
    • Leiter der Denkmalbehörde:
      der Typ trieft nur so vor Verachtung für das Engagement der Bürger für ein schönes Stadtbild, tritt die architektonischen-künstlerischen Leistungen unserer Ahnen mit Füßen. Wenn er den Bau der 50er über den grünen Klee lobt, müßte er das mit dem alten Pellerhaus ebenso tun, ginge es ihm um objektive, kunsthistorische Einschätzung.
      So ein ... wollte ich schon sagen, da tun sich wirklich kulturelle Grabenkämpfe auf. Es geht nicht mehr um das bestmöglich Schöne, sondern nur um die Durchsetzung intellektuell bornierter Ideologie.
      Und das Schöne liegt gerade in der Architektur nicht allein geschmacklich im Auge des Betrachters, wie man sagt, sondern wissenschaftlich nachvollziehbar in der Anwendung harmonikaler Proportionsgesetze, die den Schöpfungsharmonien entliehen sind.
      Und in deren Ausdruck ist das alte Pellerhaus dem Nachkriegsbau um Längen haushoch überlegen. Aber diese Leute wollen das nicht sehen, Scheuklappen auf und festhalten am alten tun sie genauso, wie sie es den Rekobefürwortern vorwerfen. Festhalten an der biederen Welt der 50iger, mannomann, das Nachkriegs-Nürnberg konservieren, so kann sich freilich nichts großartig Schönes mehr etablieren. :augenrollen:
    • http://www.nordbayern.de/region/nuernberg/pellerhaus-plane-zur-wiederbelebung-werden-konkreter-1.5630500 schrieb:

      Auch im Gebäudeinneren gerät der städtische Denkmalpfleger ins Schwärmen. Die Mayers hätten den Imhoff-Bau als "Gesamtkunstwerk" durchgeplant, wie es heute kein Architekt mehr tue. Das beschwingte Treppenhaus sei ein Kleinod, der Lesesaal perfekt lichtdurchflutet, der kaum bekannte Innenhof eine Großstadtoase.

      Und hier ist sie, die kaum bekannte Großstadtoase des Innenhofs:


      (im September 2009, als die Stadtbibliothek noch in Betrieb war!)


      Auch wenn die Fassaden und der Boden im Innenhof sorgfältig gestaltet sind, wird hier nie eine Wohlfühlatmosphäre aufkommen. Da können noch so viele Pflanzenkübel aufgestellt werden. Das im Artikel erwähnte "beschwingte Treppenhaus" hat tatsächlich seine Qualitäten. Es befindet sich aber nicht im heutigen Pellerhaus, sondern im benachbarten Imhoff-Bau. Die Erhaltung des 50er-Jahre-Ensembles darf man aber ganz sicher nicht nur an diesem Treppenhaus aufhängen.

      Hier geht's zum Beitrag mit weiteren Fotos vom Treppenhaus.
    • Ohne Worte...

      Nordbayern.de schrieb:

      Vollmar, gebürtiger Nürnberger und Architekturstudent noch unter Walter Mayer, kritisierte nicht nur den Wiederaufbau des Pellerhofs durch die Altstadtfreunde ("Wir wünschten uns, es wäre nicht passiert"). Er wollte auch die Wahrnehmung des Vorkriegs-Pellerhauses korrigieren. Prächtig sei es gewesen, aber nie weltberühmt – höchstens im lokalpatriotischen Wunschdenken "innerhalb des bratwurstbestückten Nürnberger Zinnrandes". Während um 1600 in anderen Städten schon barocke Formensprache einzog, ließ sich Peller noch altmodische Renaissance hinstellen.
    • Das der Leiter einer Denkmalschutzbehörde und ein ehemaliger Schüler von Fritz und Walter Mayer sich gegen die Rekonstruktion der Fassade des Pellerhaus aussprechen ist doch nicht verwunderlich. In diesem Artikel steht ja auch, dass er auf eine Rekonstruktion des Innenhofes hätte verzichten können.

      Was mir in dem Beitrag allerdings noch fehlt sind Begriffe wie: Disneyland, Straßen, Schulen, Kindergärten. Aber der Begriff "Heile Welt" ist wenigstens gefallen.