Nürnberg - Rekonstruktion des Pellerhauses

  • Dann bitte alles, denn nichts steht eh schon da. Es kann ja nur (viel) besser werden!

    „Dekoration ist der wichtigste Teil der Architektur“ (Sir William Scott)

  • Ein wertvoller Grün- und Naherholungsraum im stark verdichteten städtischen Gebiet mit hoher Aufenthaltsqualität, an dem Nachbarn aus dem Quartier, aber auch Gäste aus aller Welt, einander treffen und ohne Konsumzwang zusammen sitzen, reden, diskutieren können. Zudem ein wichtiger Puzzlestein im Kampf gegen städtische Hitzeinseln in Zeiten der Klimakatastrophe, die vor allem sozial Schwache und Menschen am Rand der Gesellschaft besonders hart trifft.

  • Meiner Meinung nach ist eine Rekonstruktion des schwarzen Pellerhauses (SP) unbedingt zu befürworten:


    1. Das SP setzt den Mayerbau wieder in einen städtebaulichen Bezug, das war in den 50ern auch so geplant, das dort wieder etwas hinkommt.


    2. Der Mayerbau braucht einen Aufzug um die Archivgeschosse zu erschließen.
    Irgendetwas wird also auf jeden Fall an der Stelle gebaut werden (!). Wenn an dieser Stelle keine Rekonstruktion erfolgt, wird es mit 95% Wahrscheinlichkeit ein Glasaufzug sein. Ich befürchte, dass diese Ecke dann noch unruhiger und ungemütlicher werden wird, Stichwort: "Hinterhof" und "Un-Ort".


    3. Ein weiteres sehr schwerwiegendes Argument: Das Schwarze Pellerhaus wäre die erste Totalrekonstruktion eines Bürgerhauses in Nürnberg. Eben nicht "nur" ein Chörlein wieder angebracht oder "nur" ein Haus saniert, sonder etwas, das komplett weg war, wieder aus der Taufe gehoben. Ähnliches gab es in letzter Zeit nur bei Stadtmauertürmen, aber die sind in der öffentlichen Wahrnehmnung nicht vergleichbar mit einem Bürgerhaus an so prominenter Stelle.


    Insofern sehe ich in dieser Reko auch eine Art Dammbruch in der Nürnberger Rekonstruktionspolitik. Wir dürfen nicht vergessen: Der OB Marcus König ist seit langem Mitglied bei den AF und das eben nicht nur auf dem Papier. Bei der Einweihung der Baustelle Hintere Ledergasse hat er eine Dankesrede auf die Altstadtfreunde gehalten, die sich an Lob und Wertschätzung nicht zurückgehalten hat. Das kam aus dem tiefsten Herzen. Hier haben wir endlich einen überzeugten Befürworter für traditionelle Architektur an der Spitze der Stadt Nürnberg sitzen.:blumen:



    Die Aufgabe besteht jetzt darin, die Öffentlichkeit und den Bürger auf der Straße mitzunehmen und zu begeistern. Ich bin der Meinung: wenn wir wollen das irgendwann das weiße Pellerhaus auch wieder seinen Platz einnehmen wird, dann müssen wir mit dem schwarzen Pellerhaus anfangen. Jede Rekonstrutkion macht immer Lust auf mehr (zum Glück). Alleine die reiche Dachlandschaft des schwarzen Pellerhauses, würde den Egidienplatz extrem aufwerten, und die Passanten ins Nachdenken bringen. Über Architektur im Allgemeinen und vielleicht den Mayerbau im Besonderen:wink:. Politisch waren die Voraussetzungen für Rekonstruktionen in Nürnberg in den letzten 15 Jahren noch nie so gut wie jetzt.:thumbsup:

  • Mal eine Frage: Woher kommen denn eigentlich diese Bezeichnungen "Schwarzes" und "Weißes Pellerhaus"?

    "Weißes Pellerhaus" für DAS Pellerhaus habe ich noch nie gehört.

    Hat das irgendwelche historischen Hintergründe?


    Danke!

    Ein Uwissender aus Dresden (der jetzt im N-Thread hoffentlich nicht so abgewatscht wird, wie in Potsdam)

  • Resurrectus Laut Wikipedia war das einem Nachbarschaftsstreit geschuldet, da die Anwohner wegen Verstößen gegen das Baurecht klagten und (als das gelöst war) wegen der Baugrube des Pellerhauses um die Standfestigkeit ihrer Häuser fürchteten und wieder klagten. Der ehemalige Arbeitgeber von Peller (Bartholomäus Viatis) kaufte deswegen einem der Kläger das Nachbargrundstück ab (warum er einsprang, wurde mir im Artikel nicht ersichtlich). Durch die Erweiterung des Grundstücks entstand dann das „Schwarze Pellerhaus“.


    Die Errichtung des Pellerhauses war offensichtlich von ähnlichen kleinbürgerlichen Hemmnissen begleitet wie die Bestrebungen zu dessen Rekonstruktion… Immerhin bleibt man gewissen Traditionen treu.

  • Ein Uwissender aus Dresden (der jetzt im N-Thread hoffentlich nicht so abgewatscht wird, wie in Potsdam)

    Lieber Resurrectus, du bist auch in Potsdam immer willkommen. Es ging nur darum, dass es besser gewesen wäre, sich erst die letzten Beiträge anzusehen. Dass dann jemand ungehalten reagiert, wenn du die Frage stellst, die gerade beantwortet worden war, kann schon mal passieren. Immerhin: Du hast es überlebt. Niemand hat dir den Kopf abgerissen. Und "abgewatscht" wurdest du schon gar nicht, denn dieses Wort ist im Brandenburgischen gänzlich unbekannt.


    Wir können uns hier im Forum beleidigtes Zurückziehen einfach nicht leisten. Denn sonst redet bald keiner mehr mit einem anderen.

  • East Clintwood hat ganz Recht; als das Pellerhaus 1605 fertiggestellt war, gab es strenggenommen schon zwei. Den Neubau und den gekauften Altbau daneben.


    Zwecks besserer Unterscheidung hat man dann die Mauerwerksfarbe hinzugezogen. Das "weiße Pellerhaus" war ursprünglich hellbeige/ weiß geschlämmt, das erkennt man zum Teil heute noch mit bloßem Auge an einzelnen Stellen des Erdgeschosses. Der Altbau daneben war, durch eine andere Schlämme oder Verwitterung entsprechend dunkler, also: "schwarzes Pellerhaus".

  • Kommt der Begriff des "schwarzen Pellerhauses" nicht durch die Nutzung als Pesthaus?

    „Kreativität entsteht nicht durch Überfluß sondern durch Mangel.“
    Richard David Precht

  • Kennt ihr schon die offizielle Website zum Pellerhaus bzw. Haus des Spiels? Dort wird auf geschickte Weise der Mayer Bau über den Klee gelobt und mit dem Pellerhaus verwoben. In der Realität sind das Pellerhaus und das Haus des Spiels zwei verschiedene Gebäude. Die einzige Gemeinsamkeit ist der gemeinsame Eingangsbereich durch die Eg Halle des Pellerhauses.

    Ansonsten hat das Haus des Spiels nichts mit dem Pellerhaus zu tun. Man könnte dies auch ganz einfach trennen indem man dem Mayerbau einen Eingang zum Egidienplatz schafft.

  • Im Bezug auf die Seite: Wenn diese Treppe als Stilikone des Wiederaufbaus bezeichnet wird dann „Au Weia“.

    Hat die Schönheit eine Chance-Dieter Wieland

  • Kommt der Begriff des "schwarzen Pellerhauses" nicht durch die Nutzung als Pesthaus?

    Nein, ein Pesthaus lag meines Wissens nie innerhalb von Stadtmauern.


    Westlich vom 'Schwarzen Pellerhaus' stand bis 1945 der 'Peststadel'. Dieses Gebäude wurde 1480 als Kornhaus erbaut und erfuhr im 19. Jahrhundert diverse Umnutzungen. Den Namen hat es aber vom zeitweiligen Einstellen der Pestwagen.

  • Der OB Marcus König

    Das ist ja eine großartige Nachricht! Denn bisher so habe ich es immer vernommen, war immer der frühere OB Maly und seine Clique bewusst gegen Rekos in Nürnberg und haben alles ausgebremst. Wenn wirklich durch diesem neuen Kopf Schwung in die Sache reinkommt, kann es für diese alte Reichsstadt kaum besser werden:anbeten::harfe:

  • ?????? Lies mal genau nach, was Du da geschrieben hast... :wink:

    Das ist ja eine großartige Nachricht! Denn bisher so habe ich es immer vernommen, war immer der frühere OB Maly und seine Clique bewusst gegen Rekos in Nürnberg und haben alles ausgebremst. Wenn wirklich durch diesem neuen Kopf Schwung in die Sache reinkommt, kann es für diese alte Reichsstadt kaum besser werden :anbeten::harfe:

  • Ich finde das moderne Pellerhaus eigentlich sehr schön, wenn es halt nur nicht als "Ersatz" für das alte zerstörte Haus geplant und gebaut worden wäre. Ich finde, durch die halbrunden Überdachungen und die langen schmalen Fensterachsen gehört es noch zu den innovativeren Ideen der Nachkriegsarchitektur und zeigt fast schon eine Art Leichtigkeit und Verspieltheit. Ich würde mir vielmehr solcher einfallsreichen Nachkriegsbauten wünschen, statt den oft sehr steril symmetrischen Bauten, die westdeutsche Großstädte zieren.


    Ich verstehe, warum eine Rekonstruktion des alten Hauses gewünscht wird, aber ich fände es extrem schade, wenn eines der Beispiele dafür, dass auch Nachkriegsarchitektur leicht und ansehnlich sein kann, für immer verschwinden würde. Es verschwindet in den letzten Jahren sowieso viel zu viel Nachkriegsarchitektur unter dem Deckmantel des energetischen Bauens. Der Ersatz ist zumeist schlimmer als das Dagewesene.


    Ich nehme nicht an, das ein Abbau des modernen Hauses und ein Wiederaufbau an anderer Stelle zugunsten der Rekonstruktion des alten Hauses überhaupt in Erwägung gezogen werden würde. Zwar ruht der Neubau auf den Resten des alten Pellerhauses, wenn ich das richtig erkennen kann, aber theoretisch wäre ein Ab- und Wiederaufbau nicht unmöglich.