Nürnberg - Rekonstruktion des Pellerhauses

  • Im Grunde genommen weiß das doch jedes Kind.

    Leider ist in unserer heutigen Welt nicht entscheidend, was gesagt wird, sondern wer es sagt. Dieses Statement der Bundeszentrale für politische Bildung ist tatsächlich mehr Wert, hat mehr Durchschlagskraft und mehr Zitationswert als derselbe Satz von einem Rekonstruktionsbefürworter, egal wie prominent der auch ist.


    Ich weiß nicht wo das genau herkommt, aber ich nehme immer mehr wahr, dass unsere Gesellschaft v.a. im wissenschaftlichen Diskurs so tickt. Sachliche Argumente zählen nicht mehr, denn jeder hat die für seine Sichtweise passenden Sachargumente, und hört die Gegenseite nicht mehr. Früher hat man dann einen Schlichter, einen Richter oder Adligen geholt, der eine Entscheidung sprach. Heute streiten sich die Parteien so lange, bis die eine durch mehr Fürsprecher mehr zitationsfähige Quellen vorzuweisen hat als die andere. Das geht solange bis eine unumstößliche Entscheidung getroffen ist, und darauf arbeiten beide Seiten hinter den Kulissen immer hin.

  • Gerade eben kam der aktuelle Newsletter der Altstadtfreunde rein. Darin wird nur kurz zusammengefasst, dass das Hearing zum Wiederaufbau der Fassade des Schwarzen Pellerhauses stattfand und die Meinungen "ungeschminkt aufeinandertrafen". Dazu der Link zu einer ausführlichen Berichterstattung durch die Nürnberger Presse, die das Ganze auch moderiert hatte:


    https://www.nordbayern.de/regi…zes-pellerhaus-1.11414505


    Entscheidend für mich ist der Eindruck, dass wir hier eine verdrehte Welt haben. Die Altstadtfreunde, die sonst diejenigen sind, die Neubauvorhaben in Denkmalnähe oder gar an Denkmalstelle vehement ablehnen und so für Stillstand sorgen (vgl. Augustinerhof) sind hier diejenigen, die endlich etwas voranbringen wollen. Die Gegenseite in Form der Initiative "Pro-Pellerhaus" diskutiert dagegen alles nieder, völlig egal was das in Konsequenz bedeutet. Die Haltung der Gegenseite, die das Mayer-Lagerhaus so liebt, scheint mir manchmal aus den Augen zu verlieren dass der Bau nicht so bleiben wird wie er ist, egal was passiert. Es wird An-, Um- und Aufbauten geben, die werden hässlich sein und das jetzt schon hässliche Entlein nicht verschönern. Sie steuern damit auf einen Wolpertinger zu, einer Mischgestalt, die nichts richtiges ist und nur aus Zutaten, Kompromissen und Resten besteht. Wer kann soetwas wollen, wer will soetwas sehen, wer will für soetwas Geld ausgeben?

  • Und auch hier: Die Stellungnahme des Vorsitzenden des Baukunstbeirates, Herrn Prof. Thomas Will, ein Architekt aus Dresden, der den Wiederaufbau des Schwarzen Pellerhauses nicht direkt ablehnt, ist ein starkes Statement, dass die Haltung von Pro-Pellerhaus arg zurückwirft. Will ist Architekt und Hochschulprofessor aus Dresden und von der Stadt Nürnberg als BKB-Vorsitzender engagiert um die Baukunst in Nürnberg zu kultivieren. Sein Statement hat Gewicht und was er sagt wiegt dann halt mehr als manchmal duzend andere Architektenmeinungen.

  • Wir sind gesellschaftlich wieder da angekommen wo Galileo vor 400 Jahren war. Man darf gewisse Wahrheiten einfach nicht mehr aussprechen.

    Das stimmt doch nicht und wird auch nicht dadurch richtiger, dass es hier immer wiederholt wird. Was allerdings stimmt, das mach einer eine andere Meinung zu Rekonstruktionen vertritt als wir hier. Aber dem tritt man doch nicht damit entgegen, dass man behauptet seine Meinung nicht mehr äußern zu dürfen (mit der Folge, dass man nicht ernst genommen wird) sondern mit Argumenten. Die haben wir und diese sollten wir in den jeweiligen Diskussionen immer wieder darstellen.

  • Die Reko des Schwarzen Pellerhauses könnte tatsächlich etwas bewegen. Man sieht auf den Visualisierungen schon jetzt, wie unpassend die derzeitige Fassade des Pellerhauses rüberkommt.

  • Herrn Prof. Thomas Will, ein Architekt aus Dresden, der den Wiederaufbau des Schwarzen Pellerhauses nicht direkt ablehnt, ist ein starkes Statement, dass die Haltung von Pro-Pellerhaus arg zurückwirft. Will ist Architekt und Hochschulprofessor aus Dresden und von der Stadt Nürnberg als BKB-Vorsitzender engagiert um die Baukunst in Nürnberg zu kultivieren. Sein Statement hat Gewicht und was er sagt wiegt dann halt mehr als manchmal duzend andere Architektenmeinungen

    Es wäre vielleicht wichtig an dieser Stelle zu erwähnen, dass der Herr Will (sein Professorentitel ist nur verliehen worden und nicht durch wissenschaftliches Arbeiten, Promotion oder Habilitationsarbeit selbst erarbeitet) hier in DD schon seit 20 Jahren schon allen möglichen Unsinn verzapft hat, um sich gegen Rekonstruktionen und vehement für modernens Bauen auszusprechen.


    Ich finde, dies sollte man in N unbedingt wissen.

  • ^

    Ich denke mal dass man das weiß und ihn genau deshalb engagiert hat. Die öffentliche Seite der Stadt ist keine rekonstruktionsfreudige, und würde wohl auch keinen klassisch orientierten Architekten engagieren. Dafür entstehen hier zuviele Schuhschachteln überall, auch in Denkmalnähe. Umso mehr hat mich die Meinung des Hrn. Will überrascht, wenn sie denn im Artikel der Presse auch richtig wiedergegeben wurde.

  • Für Interessierte: bei uns [E: in Oberösterreich] sagt man owa.

    Ra sagt man in Oberbayern, zumindest im Raum München (meine Familie zumindest). Owe/Owi/Obe/Obi wird aber auch verwendet.

    Hat die Schönheit eine Chance-Dieter Wieland

  • Hab "Ra" noch nie gehört und ich bin auch aus Oberbayern / Raum München... bei uns sagt man "Owe" oder "Owa".

    "In der Vergangenheit sind wir den andern Völkern weit voraus."

    Karl Kraus

  • Hab "Ra" noch nie gehört und ich bin auch aus Oberbayern / Raum München... bei uns sagt man "Owe" oder "Owa".

    Das müsste auch eher aus dem Allemannischen kommen. In Schwaben so in der Augsburger Ecke sagt man Raa.

  • Das wird's sein, danke. VonSalza kommt ja aus Weilheim, wenn ich mich nicht täusche, da ist man vielleicht schon leicht "angeschwäbelt" :wink:

    "In der Vergangenheit sind wir den andern Völkern weit voraus."

    Karl Kraus

  • Raa/rab bzw. Na/nab sagt man auch im Oberrheinalemannischen statt herunter bzw. hinunter. Im Hochalemannischen südlich Freiburg (einschließlich der Schweiz) sagt man abe/abi. Ein typischer Satz: "Kumm raa, s'isch ebber doo." (Komm herunter, es ist jemand da.)

    Aber auch im Südfränkischen um Karlsruhe sagt man meines Wissens "ra". Es würde mich nicht wundern, wenn es im Ostfränkischen um Nürnberg auch so wäre.

  • Es gleicht wie einen schweren Kampf ohne Ende: Altstadtfreunde, pro-Pellerhaus & Reko Leuten gegen Modernisten, Denkmalschutz (die ironisch die falschen Bauten schutz) und "Halbstarken".
    Für mich selber ist es sehr einfach: die ganze Altstadt Nürnbergs soll im Ganzen völlig rekonstruiert werden mit ausnahmsweise moderne Varianten oder Lösungen. Aber immer mit der historischen Vorbild eines Gesammtkunstwerks für Augen, wie Bologna, Florenz oder Siena.

  • Die Redewendung: "Herr, schmeiß Hirn ra" stammt wohl aus Oberschwaben. Allerdings habe ich das auch gelegentlich in Stuttgart gehört, wo ich immerhin 35 Jahre gearbeitet und gewohnt habe. Es sind ja auch viele Leute aus Oberschwaben der Arbeit wegen nach Stuttgart gezogen und haben ihre Muttersprache bzw. ihre Mundart mit besonderen Redewendungen mitgebracht. In so langer Zeit bleibt auch manche Redewendung hängen, bzw. man nimmt diese in sein "Repertoire" auf. Besonders dann, wenn man die Redewendung lustig oder originell findet. Deshalb verwende ich gelegentlich die Redewendung "Herr, schmeiß Hirn ra", wenn ich meine, dass das ganz gut passt.


    Jemand aus Biberach sagte einmal mit einem auffallend stark gerollten r : "De Apperat ra tra", was bedeutet, den Apparat herunter tragen. Da haben wir wieder dieses "ra" für herunter oder herab.


    Oder wenn jemand furchtbar viel spricht, so sagt man öfters im schwäbischen Dialekt: "Der schwätzt em Dejfel d' Ohre weg.", was heißt, "Der schwätzt dem Teufel die Ohren weg", in dem Sinne, dass sogar der Teufel das Geschwätz nicht mehr hören oder nicht mehr aushalten kann.

  • Das wird's sein, danke. VonSalza kommt ja aus Weilheim, wenn ich mich nicht täusche, da ist man vielleicht schon leicht "angeschwäbelt" :wink:

    Aber nur ganz leicht gell:wink:.

    Die Grenze ist ja eigentlich der Hohe Peißenberg!:lehrer:

    Ich hab auch noch mal nach gedacht und ich würde am ehesten runter sagen, aber manchmal auch ro.

    Hat die Schönheit eine Chance-Dieter Wieland

  • Ich bin leider etwas zu sehr aus dem thema Pellerhaus raus. Kann hier mal einer mit wenigen Worten im Telegrammstil zusammenfassen, welche Position aus unserer Sicht die momentan wünschenswerteste ist? Auch in Bezug auf diesen Prof. Will aus Dresden. (den ich selber mal erleben musste und der wirklich, wie Resurrectus schön beschreibt, viel "verzapft" hat).


  • Die Causa "Schwarzes Pellerhaus" muß man sich übrregional merken, denn sie steht exemplarisch für eine Lüge seitens des Modernimus. Stets wird von Zeitgenossem behauptet in Gründerzeitgebieten oder neben anderen historischen Bauten, auch Baudenkmalen, müssen man deshalb "modern" bauen, damit ein "spannender Kontrast" entstünde.


    Ist es einmal umgekehrt, soll also ein historisches Haus (Schwarzes Pellerhaus) als Rekonstruktion neben einem Denkmal der Moderne (Pellerhaus) ist Kontrast plötzlich nicht mehr gefragt sondern das Baudenkmal der Moderne würde in seiner Wirkung beschädigt.


    Der Sachverhalt illustriert überdeutlich, daß die Ideologie des Kontrastes nur zu Lasten der Historie gemeint ist, vice versa gilt sie nicht.

    „Kreativität entsteht nicht durch Überfluß sondern durch Mangel.“
    Richard David Precht

  • Ein ganz schlimmes Bild.

    Zeigt es doch sehr deutlich, wie das Machwerk dieser Reko das Denkmal "Neues Pellerhaus" massiv beschädigt ....:thumbsup: :tongue:


    Aber im Ernst: Es sieht wirklich nicht schlüssig aus - auch von den Proportionen und der Akzentsetzung her.


    Entweder alles oder nichts an dieser Stelle....