Nürnberg - Rekonstruktion des Pellerhauses

  • Wenn ich mir außerdem vergegenwärtige, dass das Germanische Nationalmuseum, eine der bedeutendsten kommunalen Kunstsammlungen überhaupt, aktuell Millionen in ein Tiefdepot investiert, weil man dort einfach wesentlich günstigere klimatische Bedingungen für ein Kunstarchiv vorfindet, erscheint mir die Vorstellung, ein Spielearchiv im Bücherturm einzurichten, fast absurd. Die Gebäudeteile des GNM aus derselben Bauzeit von Sep Ruf werden gerade aufwändig saniert und so hergerichtet, dass sie klimatisch für den Museumsbetrieb nutzbar werden. Hauptproblem sind die riesigen Fensterflächen, die viel UV-Licht und Wärme in die Räume lassen. Wer im Sommer mal im GNM war und die dortigen Sammlungen (Volkskunst, Musikinstrumente etc.) angesehen hat weiß was ich meine. Und der Bücherturm mit seiner nach Süden ausgerichteten Glasfassade fängt die Sonnenwärme ein wie ein Gewächshaus. Das Tonnengewölbedach erlaubt dann auch keinen Aufbau von Klimageräten. Die könnte man im obersten Geschoss unterbringen, allerdings fiele damit der einzige Schauraum des Bücherturms weg und würde zu einem Maschinenraum. Die Problematik, im ganzen Haus keinen Aufzug zu haben, ist ebenso ungelöst. Will man dazu etwa die Gewölbedecke der Eingangshalle aufbrechen um einen Aufzugsschacht einzustemmen? Egal was man hier macht, man hat am Ende ein vermurkstes Gewurschtel aus Elementen der Renaissance, der 1950'er Jahre und heutige Technik-und Erschließungskonstruktionen. Nichts davon könnte wirken, nichts davon wäre überzeugend finde ich.


    Der einzige Weg diesem Desaster aus dem Weg zu gehen ist die Reko des Pellerhauses mit Sanierung des Imhoffhauses. Der Hof wäre wieder sinnvoll angeschlossen, ebenso der Renaissance-Treppenturm (der viel zu wenig gewürdigt wird finde ich) und die Fluchtwegeproblematik der Hofarkaden ist damit gelöst. Das Imhoffhaus würde dabei selbständig mit nur minimalsten Veränderungen (es braucht nur eine Eingangstüre, mehr nicht) und käme auch als Begriff wieder zurück ins Stadtbild.


    Der Treppenturm, der, weil Sackgasse, kaum beachtet wird. Die Treppe führt nirgendwo hin:


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    Und das schwarze Pellerhaus ist nochmal eine ganz andere Nummer in dem ganzen.

  • Würden in der Nürnberger Stadtverwaltung mehr Leute mit eurem Sachverstand und eurer Kreativität sitzen, dann würde es Nürnberg weitaus besser gehen.

    Hat die Schönheit eine Chance-Dieter Wieland

  • Das Problem ist der Denkmalschutzstatus des Bestands. Würde es ein Gesetz erlauben, dass man per Verwaltungsbescheid den Himmel als "grün" beschreibt, man würde es so in allen Veröffentlichungen der Stadt finden, auch wenn alle wissen dass das Quatsch ist.

  • nothor

    Danke für deinen äußerst (!!) profunden Beitrag hier, der sich sehr wohltuend von den bisherigen, träumerischen "Pellerhaus-Verschieben"-Beiträgen absetzt. Als würde dieser einmalige Bau nur aus der Fassade bestehen....

    Ich wusste gar nicht, dass der Treppenturm innen so dermaßen schön ist.

    Es ist zum Heulen mit diesem Haus.

    Aber wenigstens ist der Hof wieder da.

  • Ich denke, eine Endlosdiskussion hier im Forum um das Pellerhaus bringt jetzt nicht weiter.Wir sollten mal tief durchatmen und einfach mal abwarten wie sich das Ganze um das Pellerhaus entweder Pro oder Kontra weiterentwickelt.Und selbst wenn die hist. Fassade nicht wieder aufgebaut wird ist Nürnberg nicht gleich verloren.:wink:

  • In D. wurden hundertausenden Bauten oder Fassaden rücksichtslos in wenige Zahrzehnten abgebrochen aber dauert es genau so lange und braucht man endlose Diskussionen ehe ein einziges wertvolles Kustwerk wieder zurückkommt.

  • Ein eingetragenes Baudenkmal wie die 50er-Jahres Fassade kann auch wieder verschwinden. Entweder der Schutz wird politisch aufgehoben oder die Sanierungskosten sind wirtschaftlich unzumutbar. In Berlin wurde die Dutschlandhalle trotz Schutz abgerissen und viele andere Bauwerke von der Denkmalliste wieder entfernt.


    Die Unterschutzstellung und Entlassung aus dem Denkmalschutz macht nicht die Stadt sondern das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege in München. Deshalb müßte man Söder als MP und Nürnberger ansprechen.

    „Kreativität entsteht nicht durch Überfluß sondern durch Mangel.“
    Richard David Precht

  • Es gab einen Zeitungsartikel über den geplanten Pocket-Park auf dem Standort des ehemaligen Peststadels. Hierin wurde erwähnt, dass dies keinen Konflikt mit anderen Plänen wie dem schwarzen Pellerhaus darstellt. Zumindest hier scheint es von der Stadtspitze einen gewissen Willen zu einer Rekonstruktionen zu geben.


    Nürnberger Altstadt: Aus dem Peststadel soll eine Oase werden


    Quote

    In jedem Fall soll die "Grün-Maßnahme unabhängig von den weiteren Planungen zum Pellerhaus als wichtiger Beitrag für die Innenstadt in Angriff genommen werden". Das gelte auch für die Überlegungen, die eine mögliche Rekonstruktion des "schwarzen Pellerhauses" an dieser Stelle betreffen. Die bleiben vom Umbau unberührt, "wir reden hier von verschiedenen Maßnahmen", sagt Christian Vogel. Er sieht den Pocket Park als Startschuss für das Gebiet.

  • Ich würde mir hier eher zusätzlich eine Rekonstruktion des Peststadels wünschen. Dieser könnte, völlig ohne Probleme, alle Spiele und benötigten Flächen eines Haus des Spiels aufnehmen. Außerdem stehen hier noch einige Mauerteile. Und zumindest 2/3 des Grundstückes sind noch frei. Schwer zu rekonstruieren wäre dieser auch nicht, da er ja kaum schmückende Fassadenzier aufwies. Damit wären alle Probleme gelöst. Peststadel: Haus des Spiels. Schwarzes Pellerhaus: Wohnnutzung, Zugang zum Pellerhaus. Pellerhaus: Museum. Imhoffbau: Städtische Verwaltung o.ä.

  • Auf den Peststadel kann ich verzichten aber das Grundstück für eine Rekonstruktion des "schwarzen Pellerhaus" sollte man, für eine spätere Rekonstruktion, freihalten.

  • Verzichten, verzichten …

    Wir können auf alles verzichten, wie man sieht. Schließlich müssen wir das auch, und keiner bringt sich um.


    Aber ein solcher Verzicht wäre im Fall der Rekos der beiden Pellerhäuser doch erst recht sinnlos.

    Augustinus (354-430) - Zweiundzwanzig Bücher über den Gottesstaat
    14. Buch 9. Kapitel
    Der Staat oder die Genossenschaft der nicht gottgemäß, sondern nach dem Menschen wandelnden Gottlosen dagegen, die eben infolge der Verehrung einer falschen und der Verachtung der wahren Gottheit Menschenlehren anhangen oder Lehren der Dämonen, er wird von den bezeichneten verkehrten Gemütserregungen geschüttelt wie von Fieberschauern und Stürmen.

  • Nun ja, ich bin zur Zeit recht pessimistisch, dass die Fassade des Pellerhaus rekonstruiert wird. Und das Haupthaus hängt eng zusammen mit dem Nebengebäude (schwarze Pellerhaus). Das dann auch noch der Peststadel rekonstruiert wird, auch wenn es ein zusammenhängendes Ensemble wäre, dass kann ich mir nicht vorstellen. Denn wenn man es richtig anstellen würde, müsste man bei einer Rekonstruierung des Immhoffhaus beginnen und mit den Peststadel die Rekonstruktion abschließen.


    Das bleibt aber ein Wunsch!

  • Das schwarze Pellerhaus zu rekonstruieren, ohne das "echte" Pellerhaus wieder zu rekonstruieren, erscheint mir auch seltsam. Das ist als würde man sich in der Adresse vertun. Rekonstruktionen sind ja schon das höchste in der Architektur, die 1:1 Kopie eines herausragenden Originals. Warum sollte man sich eine solche Mühe machen mit einem Nebengebäude. Jeder würde fragen, warum man denn nicht das "Echte" pellerhaus rekonstruiert habe. Als würde man jemandem, der sein Bein verloren hat, einen neuen Fuß spendieren, aber das Bein vergessen.

  • Dieser Tagungsbericht sollte Pflichtprogramm sein für die Verantwortlichen der Stadt Nürnberg (und nicht nur für diese Stadt allein), und Grundlage sein für die zukünftige Strategie des Bauens in der Altstadt nördlich der Pegnitz.

    Ich bin sicher kein Verfechter der "Traditionelle um jeden Preis", aber ich bin gegen die "Trostlosigkeit und Langeweile im zeitgenössischen Bauen". dto.

  • Nicht nur für Nürnberg ;-)


    Als Pflichtprogramm sollten es auch alle verinnerlichen, die sich mit der Stadtbildthematik auseinandersetzen (wollen). Dass die Tagung hier im Forum bisher vergleichsweise so wenig Resonanz erfahren hat, überrascht deshalb umso mehr.

  • Dieser Tagungsbericht sollte Pflichtprogramm sein für die Verantwortlichen der Stadt Nürnberg (und nicht nur für diese Stadt allein), und Grundlage sein für die zukünftige Strategie des Bauens in der Altstadt nördlich der Pegnitz.

    Südlich der Pegnitz genauso, ist allemal besser als was dort jetzt entsteht. Es gibt auch im Süden noch einige Gebiete die durch einige traditionelle Bauten sehr viel hinzugewinnen könnten, z. B. die Ludwigstraße.

    Hat die Schönheit eine Chance-Dieter Wieland